Monatsarchiv: Juni 2012

Das Fest der Rentierzüchter

Haben Sie einmal am Fest der Rentierzüchter teilgenommen? Das ist ein unvergessliches Erlebnis!

Foto: Natalja Tarantina (Inta)

Das Land liegt noch tief unter dem blendenden blauweißen Schnee, wenn die Rentierzüchter ihr Fest feiern. Die Feierzeit bestimmen die ältesten Urbewohner der Tundra. Sie spüren als erste, wie die Sonne Kraft gewinnt und schließlich über den weiten Horizont steigt.

Als ihre Vorväter noch in mit Rentierfell bezogenen Nomadenzelten gelebt haben, war es Brauch gewesen, um diese Zeit an den Tag und Nacht brennenden Feuern zu sitzen, ihr Leben und ihre Zukunft zu besprechen, zu debattieren, wo die besten Weiden für Rentiere liegen und wo Polarfuchs, Zobel und Eichhorn hausen. Die Feier war immer mit Wettkämpfen verbunden. Die Ältesten der Stämme bestimmten ihre Nachfolger und die Jungen wählten sich eine Ehefrau. Dann zogen sie in die weite Tundra. Erst im Herbst traf man sich wieder, gerade zum „Fest des jungen Rentiers“.

Vieles hat sich mit der Zeit im Leben der Tundra-Rentierzüchter verändert. Sie sind sesshaft geworden, wohnen in Häusern aus Stein und weiden Herden von Zehntausenden Rentieren. Sie pflegen ihre Traditionen, die die Liebe zu ihrer rauen Heimat vermitteln und über Generationen hinaus fortbestehen.

Heutzutage wird die Rentierzucht in vier Regionen der Republik betrieben – in Inta, Workuta, Ishma und Ussinsk. Von der Bedeutung des Rentiers für die nördlichen Komi spricht die Tatsache, dass dieses Tier auf dem Wappen der Städte Workuta und Inta dargestellt ist. Auch das Dorf Ishma hat es als Wappentier.

Das Wappen von Inta:

Das Wappen von Workuta:

Das Wappen von Ishma:

In jeder Region gibt es Besonderheiten der festlichen Ritualien. Doch einige Bräuche sind gleich.

Das Fest findet gewöhnlich Ende März statt. Zuerst messen die jungen Rentierzüchter mit entblößten Oberkörpern ihre Kräfte. Das geschieht oft bei minus 30 Grad. Die Körper der Ringer dampfen und sind am Ende des Kampfes mit Reif bedeckt. Dann kommt der Wettlauf mit dem Stab (komi: Chorej). Die besten beweisen ihre Fähigkeiten, geschmeidig und lautlos über die Piste zu „fliegen“ und ihre Treffsicherheit beim Werfen des aus Lederstreifen geflochtenen Lassos (komi: Tynsej) auf das schnell laufende Rentier. Und der Höhepunkt des Festes ist das Rennen mit Rentiergespannen. Die Schlittenlenker haben prachtvolle bunte Nationalkleider an.

Foto: Natalja Tarantina (Inta)

Nach der Feierveranstaltung wird reichlich gegessen. Jeder Gast ist an der Tafel willkommen. Die Speisen der Rentierzüchter werden Sie sonst nirgendwo kosten: Das sind Stroganina aus Rentierfleisch, dünne Fischstäbchen, die im Mund auftauen, Mark und Hirn des Rentiers, gefrorene Leberscheibchen, Bärenfleisch und zarte Rentierzunge.

(bearbeitet nach T.R. Schwitai)

In diesem Artikel werden die folgenden Regionen der Republik Komi präsentiert:

Clipart Rentier: http://www.lenagold.ru

Kreativurlaub

Die Kunst des Handwerks hat in der Republik Komi eine jahrhundertelange Tradition und wurzelt tief in der naturnahen Lebensweise des Volkes Komi. Die Menschen lebten in Eintracht mit der Natur und sie gab ihnen Essen, Baustoff und Arbeitswerkzeug.

Die Erzeugnisse der Handwerker sind in der Republik beliebt. Man kann mit Recht behaupten, dass es fast in jeder Familie Handwerkliches gibt: ein Körbchen oder eine Salzdose aus Birkenrinde, eine Schatulle aus Malachit, ein Wandbehang aus Rentierfell, einen Korb aus Weidenruten oder sogar eine Schale aus Wurzelholz.

Typisch für die Handwerkkunst der Republik sind Birkenrindeflechten, Weidenrute- und Bastflechten, Weberei, Strickerei, Klöppeln, Töpferei und Holz- und Beinschnitzerei. Überall sind Erzeugnisse aus Rentierfell und Sämischleder bekannt – die Visitenkarte der Republik Komi auf vielen internationalen und regionalen Handelsausstellungen, wo die Republik vertreten ist.

Zu den teuersten Souvenirs gehören Erzeugnisse aus Wurzelholz (russisch: Kap), als auch Schmuck und Schatullen aus Uralhalbedelsteinen und Elfenbein.

Wie es sich liest, hat die Republik Komi gute Voraussetzungen für einen Kreativurlaub. Dabei gibt es in der Republik viele „Handwerkinseln“, wo die uralten Handwerktechniken erhalten geblieben sind. Hier werden verschiedene Kurse für Einsteiger angeboten.

Wer den Kreativurlaub in der Republik Komi machen will, der ist im Rayon Syktywdinskij genau richtig. Das Ethnographische Zentrum in Pashga hat reiche Bestände an Exponaten der Handwerkkunst. Erfahrene Handwerker unterrichten im Birkenrindeflechten, Klöppeln und Weberei. Die Kursteilnehmer bringen nach Hause Erzeugnisse aus Birkenrinde (Körbe, Taschen, Vorratsdosen, Kästen, Fässer usw.), Servietten, Handtücher und Decken.

Wylgort ist bekannt durch Töpferei. Das ist die einzige Region der Republik, wo dieses Handwerk in seiner traditionellen Form betrieben wird. Im Dorf gibt es das Spielzeugmuseum. Die Exponate aus Lehm kommen aus verschiedenen Ländern der finno-ugrischen Welt. Das Museum beherbergt eine reiche Sammlung an Flöten. In der Handwerkschule beschäftigt man sich nicht nur mit der Töpferei, sondern auch mit Birkenrinde-, Bast- und Weidenrutenflechten.

Die Prilusje präsentiert sich mit eigenartigen Traditionen der Weberei. Die Interessierten können hier unter Aufsicht der erfahrenen Handwerker mit den Webmaschinen aus den XVIII.-XIX. Jahrhunderten arbeiten. Das Dorf Noschul gilt als Zentrum der Weberei. Das ist das einzige Dorf der Republik, wo sich diese Handwerkkunst seit Jahrhunderten entwickelt und die alten Webtechniken aufbewahrt. Im Dorf gibt es ein ethnographisches Zentrum. Hier kann man sich mit gewebten Exponaten aus vergangenen Jahrhunderten bekannt machen. Außerdem wird den Touristen das Abc der Weberei beigebracht: das nationale Ornament und das Umgehen mit der Webmaschine aus Holz. Auch das Weidenrutenflechten gewinnt im Rayon Prilusskij an Bedeutung.

Es gibt Handwerker, die nicht nur Alltagsgegenstände wie Korbvasen, Tablette und Körbe, sondern auch Korbmöbel (Schaukelstühle, Sofas und Stühle) und Lampenschirme meisterhaft herstellen. Diese wahren Kunstwerke können jede Einrichtung schmücken.

Das Dorf Petrun‘ (im Gebiet von der Stadt Inta) wartet auf die Touristen mit eigenartigen Souvenirs aus dem kalten Norden: Erzeugnisse aus Rentierfell und Sämischleder, Rohhautriemenflechten, Bein- und Holzschnitzerei.

Auf der Jagd nach…

Die Taiga birgt in ihrem Schoss unermessliche Naturschätze, die seit Jahrhunderten die Menschen ernähren: Wildtiere, Fische, Pilze und Beeren.

Jagd und Fischfang gehörten schon immer zu den lebenswichtigsten Beschäftigungen des Volkes Komi und dienten in der ersten Linie zur Nahrungsversorgung. Diese Traditionen werden von der männlichen (ausnahmsweise auch weiblichen) Bevölkerung, meistens in dörflichen Gebieten weiter gepflegt. Die Stadtbewohner sehen darin, unter anderem, gute Möglichkeiten für naturbezogene Freizeitaktivitäten, dabei bringen sie ihre Trophäen nach Hause und erzählen in allen Einzelheiten von ihrem Geschick oder auch Glück. Jedoch werden Jagd- und Angeltouren oft privat organisiert, was erklärt, warum die Republik als eine attraktive Jagd- und Angelregion russlandweit noch nicht so gut bekannt ist.

Die Republik Komi kann als ein ganzes geschlossenes Jagd- und Angelrevier betrachtet werden, abgesehen von den geschützten Gebieten. Die Palette der Jagdmöglichkeiten ist vielfältig. Je nach Saison wird in Einzel- oder Gesellschaftsjagd auf Groß- und Kleinwild gejagt: Bären, Wölfe, Elche, Füchse, Luchse, Hirsche, Hasen, Eichhörnchen, Vielfraß und andere Tiere lassen die Herzen der Hobby-Jäger höher schlagen. Auch Federwild kommt nicht zu kurz: Moorschneehühner, Auerhähne, Birkhühner, Haselhühner, Waldschnepfen und verschiedene Enten- und Gänsearten. Zu den bekanntesten Jagdrevieren der Republik Komi gehören die Prilusje, die Udora, der Rayon Troizko-Petschorsk, der Rayon Ust-Zilma und die Ishma.

Zahlreiche Flüsse und Seen der Republik bieten ausgezeichnete Möglichkeiten für den Fischfang. Lachs, Äsche, Wandermaräne, Flusspricke, Hecht und Barsch gehören zu den wertvollsten Trophäen der Angler. Es wird zu jeder Jahreszeit geangelt, aber besonders interessant ist Eisangeln im Winter auf zugefrorenen Gewässern.

Einzigartig kann das Angeln auf dem See Kadomskoje im Rayon Ust-Kulom sein. „Eisangeln“ ist hier auch im Sommer möglich, nur statt in den Eis wird ein Loch in die tragende Decke aus Pflanzen und Moos gemacht, mit welchen die Hälfte des Sees wie mit einem Teppich bedeckt ist.

Wer den Angelurlaub wählt, für den ist Ust-Zilma die richtige Adresse, um sein Angelglück zu prüfen. Der Fischfang im Niederlauf der Petschora verspricht immer erfolgreich zu sein. Die Ust-Zilmaer gelten als erfahrene Fischer. Die mächtige und ausgiebige Petschora verwöhnt sie mit reichen Beständen an wertvollen Fischarten. So werden in erster Linie Wander-, Zwerg- und Peledmaräne, Omul, Weißlachs und der „rote“ Lachs bevorzugt. Nicht weniger wertvoll ist die Hybride von Beluga und Sterlet (Bester), die in der letzten Zeit in der Petschora zu fangen ist. Die hiesigen Fischer unterscheiden auch „graue“ Fische – Nerfling, Hecht, Barsch, Plötze, die nach ihrer fachmännischen Meinung weniger Beachtung verdienen.

Wenn Jagd und Angeln mehr Geschick und Können vom Urlauber fordern, so braucht man bei der so genannten „stillen Jagd“ keine besonderen Fähigkeiten außer Geduld.

Gemeint wird das Sammeln von Pilzen und Beeren, welche die Wälder der Republik Komi in Fülle haben. Die Saison beginnt im Juni und dauert, bis der erste Schnee fällt.

Stadt- und Dorfbewohner erlegen sich eifrig dem Sammeltrieb, und so spricht man hier nicht so sehr von einer naturbezogenen Freizeitgestaltung, sondern von einem mentalen Bedürfnis der Russen, von ihrer nationalen Leidenschaft. Außer Vorräte für den langen Winter zu sammeln (Pilze getrocknet, gesalzt oder mariniert, leckere Moos-, Heidel- oder Preiselbeerenkonfitüre), bekommt der nach Ruhe suchende Naturliebhaber ein paar Stunden Entspannung und Abwechslung vom Stress der Alltäglichkeit.

Die Taiga belohnt den Geduldigen mit ihren Schätzen: der König des Kiefernwaldes – der Steinpilz, majestätisch und selbstsicher. Nicht weniger wertvoll – der Wimpernmilchling, der gesalzt für den richtigen Feinschmecker eine wahre Köstlichkeit ist; Rotkappe und Birkenpilz, die dem Sammler in der nördlichen Taiga und Waldtundra in den Korb springen. Der Leistling, der heutzutage mehr als früher an Popularität gewinnt, und auch aus dem Täubling kann eine geschickte Hausfrau etwas auf den Tisch zaubern – allein beim Aufzählen läuft das Wasser im Munde zusammen.

Die „stille“ Jagd ist überall in der Republik Komi erlaubt (außer Naturschutzgebiete). Doch das richtige Mekka für Sammler ist der Süden der Republik. Die mächtigen Kiefern stehen hier wie Soldaten Spalier. Der durchsichtige Wald ist mit einem dicken weißen Moosteppich bedeckt. Er ist mit rotem Sprühregen von winzigen Perlen der Preiselbeeren durchwirkt und knirscht unter den Füßen. Kräftige Steinpilze werden hier nicht stückweise, sondern eimer- und korbweise gezählt. Der Wochenendausflug wird dann zu einem angenehmen Spaziergang. So präsentiert sich die Prilusje mit ihren Urwäldern, die die hiesige Bevölkerung „weiße“ Kiefernwälder (Belyj Bor) nennt.

Der Rayon Syktywdinskij ist ein begehrtes Ausflugsziel für diejenigen, die auf Wimpernmilchlinge „jagen“. Wenn man an einem herbstlichen Tag mit dem Auto Richtung Kirow fährt, so findet man auf beiden Seiten der Autostraße keinen freien Platz für das Parken. Nicht weit vom Rayonzentrum Wisinga gibt es ein Revier mit feuchten undurchsichtigen Laubwäldern, wo sich Wimpernmilchlinge vor den menschlichen Augen verstecken. Doch die richtigen Pilzjäger lassen sich nicht täuschen. Zu Hause werden die Pilze schnell unter die Presse in eine besondere Salzlacke mit Lorbeerblättern, Knoblauch, Dill und Johannis- und Preiselbeerenblättern gelegt. Erst nach ein paar Monaten wünscht man einander guten Appetit.

Natur erleben

Die Republik Komi ist ein Paradies für die Touristen, die nicht nur von den Naturschönheiten begeistert sind, sondern auch den besonders rücksichtsvollen Umgang mit der Natur zum Ziel haben, sie möglichst nah, intensiv und ursprünglich zu erleben. Die Republik präsentiert sich den Ökotouristen mit ihren Taiga-Urwäldern, Artenreichtum in Tier- und Pflanzenwelt, alpinen Landschaften des Urals und bizarren Naturdenkmälern aus Stein: Wohin auch das Auge reicht – Natur pur.

Zu den Zentren des Ökotourismus gehören der Nationalpark „Jugyd Wa“ und das Biosphärenreservat „Petschora-Ilytsch“ – die größte geschlossene Urwaldfläche Europas, die 1995 als Komi-Urwälder in die UNESCO-Liste des Weltnaturerbes aufgenommen wurde. Die bedeutenden Aufgaben des Naturschutzgebietes ist das Erhalten der seltenen Ökosysteme und Forschung, was nicht ausschließt, dass auch Touristen dieses Naturwunder entdecken können. Über Jahrhunderte formten der natürliche Reichtum und die besonderen klimatischen Bedingungen ein unverwechselbares Landschaftsbild, das Naturfreunde aus In- und Ausland mit herrlichen Aussichten belohnen kann.

ImJugyd Wa sind geführte Trekking-Touren, Paddeln und Bergsteigen besonders entwickelt. Zu den Touristenmagneten gehören die Flüsse Koshim, Kossju, Podtscherem, Schtschugor und Berge Manaraga, Narodnaja, Sabelrücken.

Eine besondere Art des Tourismus sind ökologische Erholungslager und Expeditionen für Schüler und Studenten, wo sie umweltbewusst ausgebildet werden, einzigartige Naturobjekte für sich entdecken, das Kulturgut der Rentierzüchter kennen lernen und freiwillig arbeiten.

Die Anhänger des Ethnotourismus kommen hier auch nicht zu kurz. Die Region ist durch heilige Stellen der Uralvölker bekannt. Dazu gehören z.B. heilige Steine, auf welchen die Rentierzüchter noch heute etwas für ihre Götter und Geister liegen lassen: Männer – Hammer, Frauen – Haushaltsgegenstände, Kinder – Spielzeug. Der Berg Telposs-Is (die höchste Spitze des Nordurals) war seit den uralten Zeiten der heilige Berg der Nomaden. Die Nenzen und die Mansen nannten ihn „Frauenidol“, die Komi – „Nest der Winde“. Nach einem alten Glauben haust hier Woipel – Gott des Windes und der Kälte. Er mag keinen Lärm, deshalb versuchen die Rentierzüchter ihre Rentierschlitten besonders still zu führen, wenn sie am Berg vorbei fahren.

In der Tiefe der Taiga im Oberlauf der Petschora findet man Fischer- und Jägerdörfer der Altgläubigen, die von der Christianisierung des Volkes Komi und später von den Bolschewiken flüchteten. Sie wurden verfolgt und bauten ihre Bethäuser weit in der undurchsichtigen Wildnis. Man sagt auch, dass sich in Baumhöhlungen des Urwaldes und in Höhlen des Urals bis heute geheimnisvolle Verstecke mit den „Schätzen“ der Altgläubigen lagern. Geld, Haushaltsgeräte, Fischernetze und Bücher wurden in Zederstämme gelegt und mit Wachs verklebt. Die alten Dörfer der Altgläubigen werden wiederaufgebaut. Im ehemaligen Dorf Orlowka an dem Fluss Podtscherje gibt es eine touristische Herberge für die Wanderfreudigen. Sie können hier rasten und sich mit der Geschichte und Lebensweise der Altgläubigen bekannt machen.

Das Biosphärenreservat Petschora-Ilytsch bietet den Touristen nicht so viele Attraktionen an, denn der größte Teil des Gebietes ist dem Zutritt verwehrt. Die borealen Wälder werden wissenschaftlich erforscht mit dem Ziel, ihre biologische und genetische Vielfalt zu bewahren. Aber nicht nur die Flora und Fauna überraschen mit ihrer Vielfalt. Das Gebiet ist reich an Naturdenkmälern mit unter Naturschutz stehenden Landschaftselementen. Besonders interessant sind die bizarren Felsformationen – Folgen der tausendjährigen Verwitterung. Eines der bekanntesten Naturwunder dieser Art ist die Felsgruppe auf dem Plateau Man‘-Pupu-Njor, die seit 2008 zu den „Sieben Wundern Russlands“ gehört. Die Form eines anderen Felsens, der sich an dem Fluss Ilytsch erhebt, ähnelt dem Minarett einer Moschee und heißt deshalb „Tataren-Kirche“ (Tatarskoje Witschko). Inmitten der Taiga gibt es eine Stadt aus Stein. Die Spitze des Bergrückens Torre-Porre-Is erinnert an eine menschenleere, vergessene Stadt mit steinernen Straßen und Häusern, Türmen und Wallanlagen. Wer durch diese Stadt bummelt, begibt sich in die geheimnisvolle Welt der heidnischen Mythen und Sagen.

Eine der besonderen Attraktionen des Naturparks ist der Besuch der Elchfarm, die 1969 gegründet wurde. Der König der Taiga wird hier domestiziert. Die Tiere haben sich den rauen nördlichen Bedingungen der Taigazonen recht gut angepasst.

Im Naturschutzgebiet gibt es vier geführte Wander-Routen mit ökologischen Inhalten. Die Naturfreunde, darunter auch Schüler, Studenten und Forstwissenschaftler, werden mit Geologie und Pflanzenwelt der Taiga bekannt gemacht.

Ökologische Wander- und Trekkingtouren gibt es auch in anderen Teilen der Republik. Im Landschaftsschutzgebiet von Madsha werden im Winter Schiausflüge veranstaltet, und die Naturfreunde können die Schönheit der winterlichen Taiga genießen. Mit ein bisschen Glück begegnet man in der Wildnis solchen Taiga-Bewohnern wie Elch, Hirsch, Auerhahn oder Birkhahn.

“Bei den Bibern zu Gast” – so heißt die siebentägige Baidarka-Tour auf der Kleinen Wisinga. Die Biber fühlen sich hier ungestört. Die Naturfreunde können beobachten, wie sie ihre Wasserburgen bauen.

Im hohen Norden der Republik (in der Umgebung von Workuta) ist die Wanderroute „Landschaften der Tundra“ besonders populär. Die im Juni in allen Farben blühende Tundra wirkt auf ihre Besucher faszinierend.

Der Ussinsker Sumpf Uswa-Njur, einer der größten in Europa, bietet vielfältige Möglichkeiten sein eigenartiges Ökosystem zu entdecken. Eine andere Tour „Blick in die Tundra“ macht die Naturfreunde mit der Flora und Fauna dieser Landschaft bekannt. Im Frühling beobachtet man, wie die Zugvögel in ihre blühende Heimat zurückkehren, im Sommer sammelt man Moltebeeren und schaut dem Tanz der Kampfhähne zu.

Mit einem Wort, wer die abwechslungsreichen Landschaften der Republik durchwandert hat, wird begeistert zurückkehren mit dem Eindruck, ein einzigartiges Naturwunder in Augenschein genommen zu haben.

Souvenirs mit Gefühl

Wer einmal die Republik Komi besucht, nimmt als Andenken nicht nur die Eindrücke von der Gastfreundschaft ihrer Bewohner und von den malerischen Waldgegenden mit nach Hause. Viele bringen nach Berlin, London oder Paris hübsche Souvenirs mit.

Kleine Kunstwerke sind aus verschiedenem Material angefertigt. Gerade im Material stecken der einzigartige Reiz und die Einmaligkeit der Souvenirs. Wertvollem Metall, Elfenbein und Stein ziehen die Volkskünstler Rentierfell, Leder, verschiedene Holzarten und Birkenrinde vor.

Die Handwerker, die aus Holz und Rentierfell Wunder vollbringen, könnten Ihnen über ihre Arbeit vieles erzählen. Hier gibt es alle möglichen Schatullen unterschiedlicher Form, Wandbehänge aus Rentierfell mit Bären, Rentieren, Elchen, Rentierzüchtern und Vögeln geschmückt. Der Phantasie ihrer Autoren werden keine Grenzen gesetzt. Besonders faszinierend ist das Farbenspiel. Der Pinsel des Künstlers berührt, unterstreicht und verschärft durch Kontraste die ganze Farbenpracht, die die Natur selbst geschaffen hat.

Mythologische Gestalten aus Rentierfell widerspiegeln die heidnische Seele des Volkes Komi. Wunderbare Puppen in Nationaltracht erinnern an Sitten und Bräuche des Volkes, die man auch heutzutage sorgfältig bewahrt. Ein aus Holz geschnitzter Vogel mit aufgeschlagenen Flügeln ist ein Maskottchen, das das Haus von den bösen Geistern schützt. Und wie schön sind die Schatullen mit bizarrem Muster aus Birkenrinde!

(bearbeitet nach T.R. Schwitai)

Man‘-Pupu-Njor – sagenumwoben und geheimnisvoll

Die Riesen auf Wanderschaft

«Wenn man neben den Säulen steht, fühlt man, dass etwas Überirdisches einen Druck ausübt, und man fühlt sich auf einmal ganz winzig auf der Welt».   Wladimir Torlopov,2001-2010 Gouverneur der Republik Komi

 

Jahrtausende meißelte Künstler Natur im Geheimen sein Meisterstück. Sieben skurrile Felsgestalten thronen eindrucksvoll und uneinnehmbar auf dem flachen Plateau in einem verborgenen Winkel der Taiga. Das Naturwunder, das die Republik Komi vor kurzer Zeit überall in Russland bekannt machte, wartet nun auf seine Entdecker.

Die Säulen der Verwitterung, wie sie von den Wissenschaftlern genannt werden, erheben sich wie sieben Steinriesen auf dem Plateau Man‘-Pupu-Njor auf dem Territorium des Biosphärenreservats Petschora-Ilytsch im Uralgebirge. 1973 hat dieses steinerne Wunder den Status des Naturdenkmals bekommen. Aber, erst nachdem „Mansijskije Bolwany“ (die Götzen von Mansen) im Wettbewerb „Sieben Wunder Russlands“ gewonnen haben, ziehen sie die Aufmerksamkeit der Massenmedien und Touristen aus aller Welt auf sich.

Das Plateau gehört zu den Resten der einst zusammenhängenden Gebirgskette, die sich hier vor etwa 200 Millionen Jahren erstreckte. Im Laufe der Zeit waren Wind, Niederschläge und Temperaturenwechsel an der Formung der wildromantischen Erosionsberge mit ihren malerisch-bizarren Felslandschaften beteiligt. Die vereinzelt stehenden Bergreste erreichen die Höhe von etwa 30-40m und stehen wie Soldaten Spalier. Je nach Phantasie und Vorstellungskraft des Betrachters erkennt man in den Steingötzen eine betende Frau, ein Kamel, einen Löwen oder sogar eine Sphinx. Nicht umsonst werden die Götzen mit dem Stonehenge verglichen. Das Stonehenge des Urals ist mit zahlreichen Mythen und Legenden umwoben. Seit uralten Zeiten steht dieser geheimnisvolle Ort im Mittelpunkt der mythologischen Vorstellungen der Uralvölker über die Macht der Natur. Er gilt als die heilige Kultusstelle der Mansen, für welche die steinernen Götzen Riesen, Schamanen und Idolen verkörpern.

Nach einer Legende waren diese sieben Steine einmal Riesen. Sie wanderten nach Sibirien, um das Volk der Wogulen (Mansen) zu vernichten. Als sie das Plateau bestiegen hatten, sah der Schamane den heiligen Berg der Wogulen Jalping-Njor vor sich. Er war von Entsetzen gelähmt und warf seine Schamanentrommel auf den Boden. In diesem Moment wurden der Schamane und andere Riesen zu Stein und die Trommel wuchs zu einem großen Berg, der heute den Namen Koipel trägt (aus der Sprache der Mansen „Trommel“).

Eine andere Legende berichtet über sieben mächtige Riesen, die einen kleinen Stamm der Mansen verfolgten. Beinahe hätten sie den Stamm am Bergrücken des Urals erreicht, als ein kleiner Mansen-Schamane mit dem leichenweißen Gesicht ihnen den Weg versperrt hatte. Der Schamane verwandelte die Riesen in Steine. Seit dieser Zeit musste jeder Schamane diesen heiligen Ort besuchen, um hier seine Kraft zu schöpfen. Auf diese Weise wurden die steinernen Götzen verehrt und es war streng verboten das Plateau Man‘-Pupu-Njor zu besteigen.

Die nächste Legende ist mit dem Hauptidol der Uralvölker verbunden, mit Sarni An‘ (aus der Sprache der Komi das Goldene Weib). Es war einst das mächtigste Frauenidol des Nordens – ein riesiges goldenes Weib mit einer donnerähnlichen entsetzlichen Stimme, die alles Lebendige umher töten konnte. Die Mansen erzählen, dass der Berg Koip eine versteinerte grässliche Schamanenfrau ist. Sie meinte Herrin des Urals zu sein und fasste den Mut, Sarni An‘, die den Uralbergrücken überschreiten wollte, den Weg zu versperren. Schrecklich donnerte die Stimme des goldenen Frauenidols. Die überhebliche Schamanenfrau fiel rücklings nieder und versteinerte.

Die vierte Legende kommt auch nicht zu kurz. Tief im Herzen der Taiga lebte ein mächtiger Stamm der Mansen. Die Männer waren so stark, dass sie im Zweikampf den Bären erlegen und den laufenden Hirsch einholen konnten. Im Tschum gab es immer viele Häute und Pelze, aus denen die Frauen schöne Pelzkleider nähten. Die guten Geister, die den heiligen Berg Jalping-Njоr bewohnten, halfen den Mansen. Ein weiser Häuptling Kuuschai stand an der Spitze des Stammes. Er hatte die Tochter Aim und den Sohn Pygrytschum. Die Schönheit Aims war weit über den Uralrücken hinaus bekannt. Sie war schlank wie eine Kiefer im dichten Wald und sang so schön, dass sogar Hirsche aus dem Tal von Ydshyd-Ljag auf ihr Gesang herbeiliefen.

Der Riese Torev (Bär) hörte über die Schönheit des Mädchens und forderte Kuuschai auf, ihm Aim zur Frau zu geben. Aim lachte Torev aus. Vor maßloser Wut sammelte er seine Brüder zum Heer und machte sich auf den Weg zum Berg Torre-Porre-Is, um Aim gefangen zu nehmen. Als Pygrytschum mit anderen Männern des Stammes auf der Jagd war, standen die Riesen bereits vor den Toren der steinernen Stadt. Es wurde den ganzen Tag gekämpft.

Aim bestieg den höchsten Turm des Schlosses, rief nach Pygrytschum und bat gute Geister um Hilfe. In diesem Moment blitzte und donnerte es, schwarze Wolken überzogen die ganze Stadt. Torev war außer sich vor Wut und zertrümmerte das kristallene Schloss mit seiner Streitkeule. Der Wind fing die Scherben auf und wehte sie auseinander (seit dieser Zeit lagert sich Bergkristall im Schoß des Uralgebirges).

Aim war es gelungen, in die Berge zu fliehen, doch Torev hatte sie erreicht.Fast hätte er sie gefasst, als Pygrytschum mit einem blanken Schild und einem scharfen Schwert, die ihm die Geister gegeben hatten, Torev überfiel. Die Sonne spiegelte sich auf dem Schild ab und ein Strahlenbündel schlug dem Riesen in die Augen so stark, dass er seine Schamanentrommel fallen ließ. Die Brüder Riesen beobachteten voll Schrecken, wie Torev und seine Trommel zu Stein wurden. In Panik liefen sie weg, aber sie wurden wie Torev vom Strahlenbündel überrascht. Jahrtausende sind vergangen, aber die Brüder stehen wie angewurzelt auf dem Plateau Man‘-Pupu-Njor, und nicht weit davon erhebt sich die Schamanentrommel Torevs, der Berg Koip.

Lud

Im Juli lädt Ishma ihre Gäste zum Lud ein. Es war ursprünglich ein heidnisches Fest der Verehrung der Sonne, Natur und des Wassers. Früher wurde das Fest zwischen dem Tag Johannes des Täufers (Iwan-Kupala-Tag) und dem Tag des Heiligen Petrus gefeiert (wie die Krasnaja Gorka in Ust-Zilma). Heute fallen die Feierlichkeiten auf den ersten Juli-Sonntag, den Tag vor dem Beginn der Heuernte. Seit der Oktoberrevolution hat sich manches am Fest geändert. Ursprünglich fand das Fest auf einer großen Insel dem Dorf Ishma gegenüber statt, dort, wo die Ishma und die Kurja zusammenfließen (heutzutage auf einer Flussaue an dem linken Ufer der Ishma). Vor dem festlichen Umzug trieben die Jungen eine Pferdeherde um die Flussaue der Insel herum. Das sollte die Insel vor bösen Geistern schützen, außerdem stampften die Pferde mit ihren Hufen Unebenheiten fest. Pferderennen erinnern heute an diese alte Tradition und die ganze Massenveranstaltung beginnt mit einem Schuss. Früher gingen die Menschen in einem Festumzug zu Fuß aus den nahe liegenden Dörfern. Heute fahren alle mit dem Auto. Aber eins blieb unverändert: Auf diesem Fest gibt es keine Zuschauer, alle beteiligen sich an dem uralten Ritual der Verehrung der Sonne.

In den 30-er Jahren des XX. Jahrhunderts wurde mit dieser Tradition gebrochen. Erst 1997 wurde versucht, alte Bräuche und Ritualien aufleben zu lassen. Seit 2004 findet der Lud jährlich statt. 2005 wurde ihm der Status des Festes vom republikanischen Rang verliehen.

So verging der Lud 2009. Am Tage wurden Pferderennen veranstaltet. Alle Dörfer präsentierten sich auf ihre Art und überraschten die Gäste mit ihren Spezialitäten. Die so genannten „Dörfer im Kleinen“ nennt man „Sikty“ (komi: Dörfer). Das Sikt Sisjabsk symbolisierte den Tschum. Im Sikt Krasnoborsk konnte man den blauen Heillehm bewundern. Mochtscha und Gam zeigten die besten Pferde. Das Sikt Keltschijurskij bot den Gästen frische Fischsuppe, Fischgerichte und Tscherinjan‘ (aus der Sprache der Komi – der offene Kuchen mit Fischfüllung) an. Im Ishmaer Sikt wurde eine viermeterhohe Schaukel aufgerichtet – die wichtigste Attraktion des Festes. Es wurde getanzt und gespielt. Jungen und Mädchen sprangen über Rentierschlitten und warfen das Tynsej auf die Stange. Die Frauen in der Nationaltracht aus Brokat sangen Lieder und tanzten einen Reigen. Am Abend wurden Sippen- und Familienfeuer angezündet. Alle warteten auf den Sonnenaufgang.

Der Lud hat auch eine sehr interessante Tradition. Er ist der Treffpunkt von Ishemzen, dessen Vorfahren-Rentierzüchter auf der Suche nach neuen Weiden von Finnland bis den Jamal auseinander gefahren waren. Sie bringen nach Hause Faulbaumsetzlinge in Töpfen. Sie wurden in die Erde gepflanzt, die überall im Rayon Ishma gesammelt worden war, und mit dem Wasser gegossen, die in hiesigen Flüssen und Bächen fließt. Auf solche Weise schlägt Ishma ihre Wurzeln überall im Norden.