Lud

Im Juli lädt Ishma ihre Gäste zum Lud ein. Es war ursprünglich ein heidnisches Fest der Verehrung der Sonne, Natur und des Wassers. Früher wurde das Fest zwischen dem Tag Johannes des Täufers (Iwan-Kupala-Tag) und dem Tag des Heiligen Petrus gefeiert (wie die Krasnaja Gorka in Ust-Zilma). Heute fallen die Feierlichkeiten auf den ersten Juli-Sonntag, den Tag vor dem Beginn der Heuernte. Seit der Oktoberrevolution hat sich manches am Fest geändert. Ursprünglich fand das Fest auf einer großen Insel dem Dorf Ishma gegenüber statt, dort, wo die Ishma und die Kurja zusammenfließen (heutzutage auf einer Flussaue an dem linken Ufer der Ishma). Vor dem festlichen Umzug trieben die Jungen eine Pferdeherde um die Flussaue der Insel herum. Das sollte die Insel vor bösen Geistern schützen, außerdem stampften die Pferde mit ihren Hufen Unebenheiten fest. Pferderennen erinnern heute an diese alte Tradition und die ganze Massenveranstaltung beginnt mit einem Schuss. Früher gingen die Menschen in einem Festumzug zu Fuß aus den nahe liegenden Dörfern. Heute fahren alle mit dem Auto. Aber eins blieb unverändert: Auf diesem Fest gibt es keine Zuschauer, alle beteiligen sich an dem uralten Ritual der Verehrung der Sonne.

In den 30-er Jahren des XX. Jahrhunderts wurde mit dieser Tradition gebrochen. Erst 1997 wurde versucht, alte Bräuche und Ritualien aufleben zu lassen. Seit 2004 findet der Lud jährlich statt. 2005 wurde ihm der Status des Festes vom republikanischen Rang verliehen.

So verging der Lud 2009. Am Tage wurden Pferderennen veranstaltet. Alle Dörfer präsentierten sich auf ihre Art und überraschten die Gäste mit ihren Spezialitäten. Die so genannten „Dörfer im Kleinen“ nennt man „Sikty“ (komi: Dörfer). Das Sikt Sisjabsk symbolisierte den Tschum. Im Sikt Krasnoborsk konnte man den blauen Heillehm bewundern. Mochtscha und Gam zeigten die besten Pferde. Das Sikt Keltschijurskij bot den Gästen frische Fischsuppe, Fischgerichte und Tscherinjan‘ (aus der Sprache der Komi – der offene Kuchen mit Fischfüllung) an. Im Ishmaer Sikt wurde eine viermeterhohe Schaukel aufgerichtet – die wichtigste Attraktion des Festes. Es wurde getanzt und gespielt. Jungen und Mädchen sprangen über Rentierschlitten und warfen das Tynsej auf die Stange. Die Frauen in der Nationaltracht aus Brokat sangen Lieder und tanzten einen Reigen. Am Abend wurden Sippen- und Familienfeuer angezündet. Alle warteten auf den Sonnenaufgang.

Der Lud hat auch eine sehr interessante Tradition. Er ist der Treffpunkt von Ishemzen, dessen Vorfahren-Rentierzüchter auf der Suche nach neuen Weiden von Finnland bis den Jamal auseinander gefahren waren. Sie bringen nach Hause Faulbaumsetzlinge in Töpfen. Sie wurden in die Erde gepflanzt, die überall im Rayon Ishma gesammelt worden war, und mit dem Wasser gegossen, die in hiesigen Flüssen und Bächen fließt. Auf solche Weise schlägt Ishma ihre Wurzeln überall im Norden.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s