Auf der Jagd nach…

Die Taiga birgt in ihrem Schoss unermessliche Naturschätze, die seit Jahrhunderten die Menschen ernähren: Wildtiere, Fische, Pilze und Beeren.

Jagd und Fischfang gehörten schon immer zu den lebenswichtigsten Beschäftigungen des Volkes Komi und dienten in der ersten Linie zur Nahrungsversorgung. Diese Traditionen werden von der männlichen (ausnahmsweise auch weiblichen) Bevölkerung, meistens in dörflichen Gebieten weiter gepflegt. Die Stadtbewohner sehen darin, unter anderem, gute Möglichkeiten für naturbezogene Freizeitaktivitäten, dabei bringen sie ihre Trophäen nach Hause und erzählen in allen Einzelheiten von ihrem Geschick oder auch Glück. Jedoch werden Jagd- und Angeltouren oft privat organisiert, was erklärt, warum die Republik als eine attraktive Jagd- und Angelregion russlandweit noch nicht so gut bekannt ist.

Die Republik Komi kann als ein ganzes geschlossenes Jagd- und Angelrevier betrachtet werden, abgesehen von den geschützten Gebieten. Die Palette der Jagdmöglichkeiten ist vielfältig. Je nach Saison wird in Einzel- oder Gesellschaftsjagd auf Groß- und Kleinwild gejagt: Bären, Wölfe, Elche, Füchse, Luchse, Hirsche, Hasen, Eichhörnchen, Vielfraß und andere Tiere lassen die Herzen der Hobby-Jäger höher schlagen. Auch Federwild kommt nicht zu kurz: Moorschneehühner, Auerhähne, Birkhühner, Haselhühner, Waldschnepfen und verschiedene Enten- und Gänsearten. Zu den bekanntesten Jagdrevieren der Republik Komi gehören die Prilusje, die Udora, der Rayon Troizko-Petschorsk, der Rayon Ust-Zilma und die Ishma.

Zahlreiche Flüsse und Seen der Republik bieten ausgezeichnete Möglichkeiten für den Fischfang. Lachs, Äsche, Wandermaräne, Flusspricke, Hecht und Barsch gehören zu den wertvollsten Trophäen der Angler. Es wird zu jeder Jahreszeit geangelt, aber besonders interessant ist Eisangeln im Winter auf zugefrorenen Gewässern.

Einzigartig kann das Angeln auf dem See Kadomskoje im Rayon Ust-Kulom sein. „Eisangeln“ ist hier auch im Sommer möglich, nur statt in den Eis wird ein Loch in die tragende Decke aus Pflanzen und Moos gemacht, mit welchen die Hälfte des Sees wie mit einem Teppich bedeckt ist.

Wer den Angelurlaub wählt, für den ist Ust-Zilma die richtige Adresse, um sein Angelglück zu prüfen. Der Fischfang im Niederlauf der Petschora verspricht immer erfolgreich zu sein. Die Ust-Zilmaer gelten als erfahrene Fischer. Die mächtige und ausgiebige Petschora verwöhnt sie mit reichen Beständen an wertvollen Fischarten. So werden in erster Linie Wander-, Zwerg- und Peledmaräne, Omul, Weißlachs und der „rote“ Lachs bevorzugt. Nicht weniger wertvoll ist die Hybride von Beluga und Sterlet (Bester), die in der letzten Zeit in der Petschora zu fangen ist. Die hiesigen Fischer unterscheiden auch „graue“ Fische – Nerfling, Hecht, Barsch, Plötze, die nach ihrer fachmännischen Meinung weniger Beachtung verdienen.

Wenn Jagd und Angeln mehr Geschick und Können vom Urlauber fordern, so braucht man bei der so genannten „stillen Jagd“ keine besonderen Fähigkeiten außer Geduld.

Gemeint wird das Sammeln von Pilzen und Beeren, welche die Wälder der Republik Komi in Fülle haben. Die Saison beginnt im Juni und dauert, bis der erste Schnee fällt.

Stadt- und Dorfbewohner erlegen sich eifrig dem Sammeltrieb, und so spricht man hier nicht so sehr von einer naturbezogenen Freizeitgestaltung, sondern von einem mentalen Bedürfnis der Russen, von ihrer nationalen Leidenschaft. Außer Vorräte für den langen Winter zu sammeln (Pilze getrocknet, gesalzt oder mariniert, leckere Moos-, Heidel- oder Preiselbeerenkonfitüre), bekommt der nach Ruhe suchende Naturliebhaber ein paar Stunden Entspannung und Abwechslung vom Stress der Alltäglichkeit.

Die Taiga belohnt den Geduldigen mit ihren Schätzen: der König des Kiefernwaldes – der Steinpilz, majestätisch und selbstsicher. Nicht weniger wertvoll – der Wimpernmilchling, der gesalzt für den richtigen Feinschmecker eine wahre Köstlichkeit ist; Rotkappe und Birkenpilz, die dem Sammler in der nördlichen Taiga und Waldtundra in den Korb springen. Der Leistling, der heutzutage mehr als früher an Popularität gewinnt, und auch aus dem Täubling kann eine geschickte Hausfrau etwas auf den Tisch zaubern – allein beim Aufzählen läuft das Wasser im Munde zusammen.

Die „stille“ Jagd ist überall in der Republik Komi erlaubt (außer Naturschutzgebiete). Doch das richtige Mekka für Sammler ist der Süden der Republik. Die mächtigen Kiefern stehen hier wie Soldaten Spalier. Der durchsichtige Wald ist mit einem dicken weißen Moosteppich bedeckt. Er ist mit rotem Sprühregen von winzigen Perlen der Preiselbeeren durchwirkt und knirscht unter den Füßen. Kräftige Steinpilze werden hier nicht stückweise, sondern eimer- und korbweise gezählt. Der Wochenendausflug wird dann zu einem angenehmen Spaziergang. So präsentiert sich die Prilusje mit ihren Urwäldern, die die hiesige Bevölkerung „weiße“ Kiefernwälder (Belyj Bor) nennt.

Der Rayon Syktywdinskij ist ein begehrtes Ausflugsziel für diejenigen, die auf Wimpernmilchlinge „jagen“. Wenn man an einem herbstlichen Tag mit dem Auto Richtung Kirow fährt, so findet man auf beiden Seiten der Autostraße keinen freien Platz für das Parken. Nicht weit vom Rayonzentrum Wisinga gibt es ein Revier mit feuchten undurchsichtigen Laubwäldern, wo sich Wimpernmilchlinge vor den menschlichen Augen verstecken. Doch die richtigen Pilzjäger lassen sich nicht täuschen. Zu Hause werden die Pilze schnell unter die Presse in eine besondere Salzlacke mit Lorbeerblättern, Knoblauch, Dill und Johannis- und Preiselbeerenblättern gelegt. Erst nach ein paar Monaten wünscht man einander guten Appetit.

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