Die Traditionen der Rentierhaltung im Rayon Ishma

Ishma hat in der Republik Komi die längste Rentierzucht-Tradition. Ende des 17. Jahrhunderts übernahmen die Ishemzy die Rentierzucht bei europäischen Nenzen, die damals in der Bol’schesemelskaja Tundra genug Weideplatz auch für ihre Nachbarn hatten. Das brachte Veränderungen in die Lebensweise der Ishma-Komi. Der Tschum, die Kleidung aus Rentierfell, das ganze Zubehör der Rentierhaltung wurden zu den neuen Realien des Alltags. Auch die Sprache hatte sich durch mehr als hundert nenzische Wörter bereichert.

Seit dieser Zeit bestimmt die Rentierzucht saisongebunden das Leben vieler Ihsemzen. Anfang März begeben sich die Herden auf eine lange Route zu ihren Weidenplätzen in der Tundra. Nach dem Kalben beginnt der lange Weg durch die Tundra zum festen Weideplatz, wo die Nomaden endlich sesshaft werden.  Im Sommer sind die Rentierzüchter nur mit dem Hubschrauber auf ihren Sommerweiden zu erreichen. Die Herden halten am Ufer der Karasee und die Nomaden führen das archaische Leben ihrer  und Vorväter. Sie haben nur das Notwendigste mit. Die Herde, die Schlitten, die Zelte und der wenige Hausrat, das ist ihr ganzer Besitz. Die Rentiere liefern ihnen alles, was sie zum Leben benötigen – das Fleisch, das sie essen, Felle für Decken und Winterkleidung. Ethnourlaub in seiner besten Form.

Foto: Alla Ryshenko

Anfang September kehren die Herden zurück. Seit dem November fängt Wintern an, das in Wäldern oder in der Waldtundra aber in der Nähe der Dörfer organisiert ist.

Ishma ist am besten im Winter zu erkunden, wenn die Tschums der Rentierzüchter in ihrem Winterquartier stehen. In der Taiga gibt es Moos (Rentierflechte), das die Rentiere im Winter fressen. Auch die Nomaden  haben nach den Monaten des Umherziehens eine regelmäßige Lebensweise.

Die Touristen, die sich zu einer Wintertour nach Ishma entschlossen haben, haben eine gute Möglichkeit, Alltag und Traditionen der Rentierzüchter hautnah zu erleben. Das Fest der Rentierzüchter muss dann auf dem Programm des Ethnotouristen stehen. Hier macht man sich mit solchen traditionellen Aktivitäten bekannt wie Springen über Renntierschlitten (Narty), Tynsej(Lasso)- und Axt-Werfen. Besonders spektakulär sind Wettrennen in Drei- oder Vierrentiergespann. Nur hier sind sie als Sportarten anerkannt.

Die Ishemzen haben eine reiche Handwerkkunstpalette. Besonders verbreitet sind Erzeugnisse aus Rentierfell. Malizy und Parki gehören zu der traditionellen Kleidung der Rentierzüchter und schützen sie während des Tundra-Aufmarsches vor Wind und Schneegestöber. Als Exponate können sie jedes ethnographische Museum schmücken. Die Touristen können hier Pimy kaufen. Diese hohen Schuhe aus Rentierfell mit bunten geometrischen Volkskunstornamenten sind auch unter Stadtbewohnern sehr populär, denn sie sind die wärmsten Winterschuhe schlechthin. Außer Kleidung werden noch Patchwork und Spielzeug aus Rentierfell und Rentierhaut (Sämischleder) hergestellt.

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