Monatsarchiv: September 2012

Lusa dorsa gash: die Nikolskaja Messe (Fortsetzung)

Weidenruteflechten.

Das ist eine Handwerkkunst, deren Erzeugnisse immer gefragt sind. Hoch geschätzt wird sowohl ihre einfache und naive Schönheit als auch ihre Anwendung im Haushalt. Jede Hausfrau will ein geflochtenes Körbchen im Haushalt haben. Man nimmt es in den Wald mit, um Pilze und Beeren zu sammeln, oder bewahrt dort die übliche Ernte auf, z.B. Äpfel.

Kommentar zum Foto: Wenn ich mich nicht irre, so wird im Korb von links Kohl getragen.

Auf der Messe wurden aber die richtigen Kunstwerke ausgestellt.

Diese Schlitten wurden gekauft. Das habe ich gesehen. Solche Ethno-Schlitten würde ich auch gerne haben.

Kommentar zum Foto: Die Eule sieht toll aus.

Kommentar zum Foto: Für meinen Kleinsten hätte ich gern einen Wagen gekauft, habe aber eine Libelle gewählt.

Nicht weit von dem Stand saβ der Meister und zeigte seine Kunst.

Weberei.

Die Meisterin Galina Smoleva hat die Prilusje in der ganzen Republik durch ihre Webekunst bekannt gemacht. Diese Frau pflegt die alten Traditionen der Weberei und webt nur mit den alten hölzernen Maschinen. Auf der Messe hat sie ihre Arbeit in allein Einzelheiten gezeigt.

Neben Galina Smoleva saβ noch eine Frau und webte farbenreiche Gürtel. Eine prachtvolle Auswahl.

Welchen würden Sie kaufen? Viele von diesen haben nationale geometrische Ornamente und gehören zu der Nationaltracht der Komi. Alle konnten die Frau bei der Arbeit beobachten.

Advertisements

Die letzten Bilder des herbstlichen Waldes…

Der Herbst ist in den letzten Tagen herrlich: Die Sonne scheint, der Wind ist lauwarm und man will lieber drauβen sein, lieber weit von der Zivilisation, im Wald. Aber in was für welchem!!! Im Kiefernwald, und hört, wie der weiβe Moosteppich unter den Füβen knirscht. Und keine Geräusche mehr…

Am Sonntag waren wir schon früh auf den Beinen und machten uns auf den Weg in den Wald. Mein Mann nahm noch ein Gewehr und wollte etwas Wild für die Suppe jagen. Ich aber dachte, dass er einfach einen ruhigen Tag haben wollte.

Ruhe, frische Luft und würziges Fichtelaroma des Waldes machten unseren Ausflug einfach toll. Unterwegs trafen wir merkwürdige Gestalten, wie zum Beispiel diese auf den Foto.

Vielleicht haust hier Worsa – nach den mythologischen Vorstellungen der Komi der tückische Waldgeist. Früher, als die Jäger im Wald auf Wild jagen wollten, lieβen sie für Worsa etwas als Gabe liegen, um den Waldgeist gefällig zu machen. Wir haben nichts gelegt, vielleicht deswegen haben wir nicht so viel mit nach Hause gebracht. 

In meinem Korb lagen wenige Steinpilze und im Eimer rollten einsame Moosbeeren. Aber ich war auch auf einer Jagd – Fotosafari))) So war ich mit meinen Trophäen zufrieden.

Ein schicker Steinpilz stand geduldig Modell,während ich ihn von allen Seiten geknipst hatte. Doch viel hübscher waren rote Moosbeeren – wie rote Perlen.

Der Sumpf war doch nicht so freundlich, mich gruselte es… Nicht weit von mir sah ich wieder eine Gestalt. Sie saβ mit dem Rücken zu mir, und ich hatte den Eindruck, dass es Jag-Mort ist. Jag-Mort ist in der Komi-Mythologie ein böser Waldmensch, der die Frauen in den Wald entführte und tötete.

Auch das Foto flöβt in mich Schauder ein. Zu Hause hat mir meine Stiefmutter erklärt, dass Sumpfporst, dass dort wächst, den Menschen berauschen kann. Ja… das habe ich früher nicht gewusst, und das Aroma war sehr schön würzig.

Glücklicherweise war Alex schnell gekommen und wir begaben uns auf den Rückweg.

Tschüβ, der Märchenwald!

Auf dem Rückweg machten wir noch eine Mittagspause mit Butterbroten und Tee. Hier, nicht weit von der Brücke.

Und der Fluss war sehr malerisch.

Doch für Fischen hatten wir leider keine Zeit. Zu Hause habe ich noch mit den Pilzen gezaubert, mit der Fotokamera)

Wer weiβ, vielleicht war dieser Ausflug das letze sonnige Wochenende in diesem Herbst.

Lusa dorsa gash: Die Nikolskaja Messe

Sarni kias der Prilusje

Über einen geschickten Handwerker sagen die Komi – Sarni kias, was so gut wie goldene Hände bedeutet. Die Prilusje ist reich an geschickten Händen. Das hat die Nikolskaja Messe gezeigt – Verkaufsausstellung der Handwerkkunsterzeugnisse. Aber es wurde nicht nur verkauft und gekauft sondern auch erklärt, gezeigt und in kleinen Workshops selbst gemacht.

Die Palette der Handwerkkunst, Variabilität der Erzeugnisse und Phantasie der Handwerker sind beeindruckend.

Birkenrinde-, Weidenrute- und Bastflechten, Weberei, Holzschnitzerei und handgemachte Puppen in der Volkstracht, Kräuterpuppen und Puppen-Amulette, die vor Gefahren und Krankheiten schützen, sind nur einige wenige Künste, die von den Meistern vollkommen beherrscht sind.

Birkenrindeflechten. Erzeugnisse aus Birkenrinde haben fast immer eine praktische Anwendung im Haushalt, sind deshalb besonders beliebt und werden am meisten gekauft. Brotteller, Salzdosen, Schatullen geben jeder Zimmereinrichtung eine besondere nationale Note und machen die eigenen vier Wände viel gemütlicher.

Kommentar zum Foto. Das Mädchen hält den Pester’ – einen Korb aus Birkenrinde, der auf dem Rücken getragen wird. Von alters her wurde der Pester’ im Haushalt benutzt. Da er ziemlich leicht ist, nimmt man ihn in den Wald, um die Jagdbeute zu tragen. Pilze und Beeren, Fische kommen auch dorthin.

Kommentar zum Foto. Ein Mann hat für seine Tochter Kopfschmuck aus Birkenrinde gekauft und probiert ihn aus Scherz selbst. Solcher Kopfschmuck wurde gewöhnlich von den Mädchen getragen. Heutzutage wird er nur als Bestandteil der Volkstracht betrachtet, die auf Festen angesagt ist.

Kräuterpuppen

Kräuterpuppen gab es auch in Fülle. Üppige Formen sind als Behälter für verschiedene duftende Heilkräuter gedacht, mit welchen die Puppen voll gestopft werden. Man knetet sie für kurze Zeit in den Händen und der Duft verbreitet sich im Zimmer.

Ich habe auch eine Puppe gekauft und mit Zitronenminze und Melisse gefüllt. Ihr Aroma wirkt auf mich etwa beruhigend.

Kommentar zum Foto. Diese Puppen haben auf mich einen besonderen Eindruck gemacht. Leider waren sie nicht zu verkaufen.

Puppen-Obereg (Amulett). Eigentlich könnte man den Begriff Puppen-Obereg auf Deutsch als Puppen-Amulett interpretieren. Die Bedeutung des Wortes Amulett geht auf die Funktion, Unheil vom Menschen abzuwenden. Oft haben Amulette die Form eines Anhängers.

Das russische Wort Obereg kommt vom Beschützen, Helfen. Nach den abergläubischen Vorstellungen soll der Obereg seinen Besitzer vor Krankheiten und anderem Unheil beschützen. Dabei handelt es sich um keinen Anhänger, sondern eine kleine Figur (oder auch einen kleinen Gegenstand). Oft wird sie von den fremden Augen versteckt, wenn es um etwas ganz Persönliches geht. Jedoch haben einige davon den bestimmten Platz im Haus, wie z.B. der Hufeisen über der Türschwelle, oder der Glücksvogel aus Reißspan, welcher zu Hause irgendwo neben der Lichtquelle aufgehängt wird.

Kommentar zum Foto. Auf dem Foto ist ein sechsarmiges Puppen-Amulett dargestellt. Es heißt Sarni kias (aus komi: Flinkhand, geschickte Hände), und muss die Hände der Frau vor Müdigkeit und Verletzungen beschützen, die Frauenarbeit verschönern und die häuslichen Pflichten zu einem Vergnügen machen.

Kommentar zum Foto. Dieses Amulett heißt Neraslutschniki (Unzertrennliche) und ist aus Bast gemacht. Es symbolisiert eine glückliche Ehe und wird deshalb einem Ehepaar geschenkt.

Es ist interessant, dass es in Afrika eine Papageiart gibt, die auch so genannt wird. Diese Vögel erweisen eine sehr starke Paarbindung, die ein Leben lang dauert.

Kommentar zum Foto. Sarni An’ (goldenes Weib) – eine der zentralen Figur der Mythologie des Volkes Komi, Symbol der Fruchtbarkeit.

Fortsetzung folgt…