Das Hochwasser kann man nicht sperren

… so sagt das Komi-Sprichwort. In diesem Jahr hatten wir einen sehr späten Frühling, der aber so stürmisch eingezogen war, dass die Flüsse noch bis jetzt weit aus ihren Ufern gestiegen sind.

Foto: Im Dorf Objatschewo.

Das Wasser ist im Land der Komi eine Naturgewalt, die nicht nur Menschen, Tiere und Äcker tränkt, sondern auch große Schäden verursachen kann. Dieser Umstand war den Komi schon seit alters her bekannt – „Wo das Wasser einmal war, dorthin wird es schnell den Weg finden“ (Sprichwort).

Aber ich weiß auch, wie malerisch das Hochwasser sein kann, wenn die Bäume in der Dämmerung im Wasserspiegel ihre Spitzen sehen. Das Spiegelbild ist eine Augenweide, ein Blick in die Seele der Natur.

Ich nehme meine Kamera, ziehe die Gummistiefel und suche nach der Ruhe für Auge und Seele. Ich finde sie in der stillen nebligen Abenddämmerung.

… auch im grellen Sonnenuntergang.

… im grün-azurnen Farbenspiel von Wald, Wasserspiegel und Himmel mit frei schwebenden Wolken.

Mein Weg liegt zu der Brücke. Das ist ein Pontonbrücke, die nur im Sommer aufgebaut wird. Im Winter fahren die Autos auf dem Eis und im Frühling benutzt man jedes schwimmende Transportmittel, um an das andere Ufer des Flusses zu gelangen.

Der Flussverkehr wird auch geregelt. Ein solches Schiffchen steht den Dorfbewohnern zur Vergügung. Eine angenehme Fahrt!

Foto: Die Autostraβe unter dem Wasser.

An einem anderen Tag machen wir mit der Familie einen Ausflug in den Wald. Mein Mann will uns zeigen, wo er auf Enten jagt, also sein Jagdrevier. Diesmal brauchen wir ein Gummiboot, denn unser Rückweg ist nur auf Wasser möglich.

Die Gegend ist ein Märchenwald – das Reich des Wassergeistes, den die Komi Wersa nennen – malerisch und gespenstisch zugleich.

Man muss immer aufpassen, der lange Stock ist das beste Hilfsmittel.

An diesem Tag haben wir keine Enten gesehen, aber das war auch nicht unser Ziel. Wir hatten einen sehr erholsamen Tag mitten in der Natur erlebt, in reizvollsten Waldwinkeln. Auf dem Rückweg besprachen wir unsere Eindrücke und genossen den stillen Lauf des Flusses, den Wasserspiegel mit Frühlingswolken und dachten, wie gut es sein kann auf dieser Welt…

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2 Antworten zu “Das Hochwasser kann man nicht sperren

  1. Konstantin Baehr

    Liebe Ludmilla, was für ein besonderer Beitrag! Du zeigst uns wunderbare Bilder, dasjenige mit dem kleinen Boot vorne rechts und der schönen Spiegelung des Himmels gefällt mich ganz besonders! Du nimmst uns mit auf die Reise (Boot), die Vorhaben (Ente / Bilder)), die Gespräche und Reflexionen (Welt). Das alles berührt mich sehr. Unglaublich finde insgesamt, dass Du uns trotz der gewaltigen Wasserfluten, den Bericht als einen laufen lässt, der Natürliches und Positives aussagt, der die Kraft und den Weg des Wassers zu etwas Märchenhaftem hin entwickelt. Ganz herzlich und Dank, Konstantin

    • Lieber Konstantin!
      Vielen Dank fuer Deinen Kommentar! Wie mein aufmerksamerster Leser merkst Du immer, was ich zwischen den Zeilen schreiben will. Weisst Du, ich habe das Foto mit dem nebligen Fluss fuer Dich vorbereitet. Ich dachte, dass es Dir bestimmt gefallen wird.
      Herzlichst, Ludmilla

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