Ein Raum für zwei…

so heißt die Ausstellung, die ich neulich besucht habe. Zwei angehende Künstlerinnen – Inga und Sascha – haben ein schönes Perfomance  organisiert. Inga ist Malerin und in ruhigen Tönen schildert sie in ihren Bildern das schlichte Leben des russischen Nordens, wo noch alte Holzhäuser mit schrägen Dächern und kleinen Fenstern mit hübschen durchsichtigen Gardinen zu finden sind. Das zweite Thema ist Hunde. Inga engagiert sich als eine aktive Hundepflegerin im Heim für herrenlose Hunde. Sie widmet sich leidenschaftlich ihrer Arbeit, rettet den Tieren das Leben und freut sich riesig, wenn ihre Hunde einen Herrn finden, oder, wenn ihnen eine gute Seele Hilfe mit Geld und Tat leistet. Unter ihren Zöglingen gibt es allerlei Vierbeinige und alle mögen ihre Inga.

Und sie mag die Hunde über alles. Sie sind fast auf jedem Bild zu sehen.

Soviel ich verstanden habe zeigt diese Instalation das Leben der Hunde im Tierheim, das Warten auf das bessere Leben…

Dieses Bild heiβt „Hunde in der Stadt. Wie es sein muss“. Hier hat jedes Tier seinen Herrn und ist glücklich.

Vielleicht hat Inga hier alle ihre Zöglinge dargestellt.

Und dieses Bild hat mir am meisten gefallen.

Das Bild heiβt „Nach der Banja“. Mich zieht hier das Farbenspiel an. Ich stelle mir sofort einen sonnenblauen kühlen Sommerabend vor. „Sonnenblau“ ist meine sprachliche Erfindung. Im Dorf ist bei uns oft der Sonnenuntergang so blutrot-blau, weil die Sonne den letzten grellen Blick auf die Erde wirft und ihre letzte Wärme schenkt.

Ich sitze nach der heiβen Banja auf der Bank und ein leichter Wind kühlt mein von Banjadunst rotes Gesicht. Ich beobachte, wie der Tag sich zur Nacht neigt. Alles ist still, nur die Mücken summen. Die Blumen stehen still und sprühen das Aroma aus, die man nur im Sommer genieβen kann. Die Aufgabe der Kunst ist es, den Betrachter nicht kalt zu lassen, auf Dinge des Lebens aufmerksam zu machen. Ich meine, Ingas Bilder spielen auf den Saiten meiner Seele, weil ich den russischen Norden auch so verstehe und liebe, in seiner rauhen Schönheit, in seiner grauen Einfachheit aus Holz und einer breiten Palette von Farben und Düften. Bravo, Inga!

„Ein Hof mit Hühnern“

„Der erste Schnee“ stellt ein typisches Komi-Haus mit schönen Fensterrahmen dar. Der erste Schnee ist immer etwas Besonderes im Dorf. Man sieht einen Mann. Wahrscheinlich ist er müde von Herbstarbeiten- und sorgen. Er beobachtet, wie die weiβen Fliegen auf die Erde fallen, die ihn so reichlich mit ihren Früchten beschenkt hat. Bald kommen ruhige Wintertage. Aber jetzt ist die Zeit, sich nocheinamal an den Sommer zu erinnern. Vielleicht so, wie Sascha in seinen Fotos gemacht hat. Zum Beispiel hier.

Das zweite Foto erinnerte mich an mein Studentenleben. Als ich im 1.Studienjahr war, hatten wir im Herbst als Pflicht einen Monat Kolchosarbeiten. Wir halfen dem Kolchos bei der Kartoffelernte. In einem Komi-Dorf, wo die Häuser so sind, wie auf dem Foto. Nach der Arbeit saβen wir auch so und sprachen vom Leben zu Hause und wie unser neues Leben weit vom Haus geht, über unser Studium, von dem wir nur ahnten, dass es so schwer und anstrengend sein kann. Ja, Sprachenlernen braucht Geduld. Ich erinnere mich auch daran, wie uns hausgemachter Quark und aromatisches knuspriges Brot im russischen Ofen zubereitet schmeckte, die wir bei einer Bäuerin kauften. Ja, die Zeit vergeht wie im Fluge…

Und noch ein Bild hat mir gefallen. „Die Musik des Hofes“.

Vögel sitzen auf den Drähten wie Noten. Das hat mein musikalisches Herz tief berührt. Inga und Sascha sind auch musikalisch. Wir singen zusammen im Uni-Chor. Unser Chor hat mit zwei Volksliedern die Ausstellung eröffnet. Das war sehr aufregend und musste für das Publikum unerwartet sein. Die Überrauschung ist gelungen.

Ich möchte mich bei Inga und Sascha bedanken, dass sie so viel Freude mit ihrer naiven Kunst gemacht haben.

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Eine Antwort zu “Ein Raum für zwei…

  1. Konstantin Baehr

    Eine ganz grossartige Ausstellung! Auch ich danke Inga und Sascha! Phantastisch! Und ich danke Dir, liebe Ludmilla, dass Du die Botschafterin dieser Ausstellung für uns Deutschsprachige bist!

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