Monatsarchiv: Juli 2015

Ust-Zilma. Die Gorka

Von alters her bezeichnet das Epitheton „krasnyj“ alles, was das russische Volk für schön, blühend, proper, hervorragend und erhaben hält. Damit mich meine deutschsprachigen Leser verstehen können, bedeutet das Wort „krasnyj“ heutzutage die Frabe „rot“. „Krasnyj“ wird in Verbindung mit einem Haus, Roggen, einem jungen Mädchen und auch einem Wort gebraucht werden. Auch der Platz im Herzen Moskaus ist „rot“. Die Bildkraft der russischen Sprache verstärkte mit diesem Begriff im Mittelalter das Verhalten der Russen zu der naiven und auch der erhabenen Schönheit. Als „krasnyj“ wurde die oberste  Gottheit der heidnischen Slawen bezeichnet – Jarilo (Sonne). Es gibt die Meinung, dass gerade ihm zu Ehren die Gorka von Ust-Zilma ihren Namen bekommen hatte – die Krasnaja Gorka.

Der 12.Juli (Petrustag), an dem das Fest gefeiert wird, ist im hohen Norden die Sommerspitze, seine Krönung, der Höhepunkt des Arbeitsjahres, denn gerade nach der Gorka begann die Heuernte. Die Heuernte war in diesem Fall das wichtigste Ereignis des Jahres, die Gewährleistung des Wohlstandes für den langen Winter. Dadurch erklärt sich das Wort „Gorka“ – der Höhepunkt, die Spitze. Es gibt auch eine andere, direkte, Bedeutung: Gorka ist ein Hügel. Stimmt, die Gorka wurde in der Mitte des 19.Jahrunderts auf einem Hügel am Ufer der Petschora gefeiert. Nach Ust-Zilma strömten mit ihren besten Waren Kaufleute aus Tschardyn, Wjatka, Mesen und Ust-Syssolsk. Das war die Zeit der Jahrmärkte. Der Rummel des Jahrmarkts zog die Menschen aus den nahe liegenden Dörfern. Es wurde ausgiebig gefeiert, mit Singen, Reigen und Tanzen. Heutzutage führt man die Gorka auf der sogenannten „Volkswiese“, einem Platz im Zentrum des Dorfes.

Wie interessant verflechten sich altertümliche und moderne Bedeutungen der Wörter miteinander, wie fest findet das moderne Leben der Ustziljoma den Anklang mit den Traditionen ihrer Vorfahren!

Foto: Wahrscheinlich die jüngste Gorka-Teilnehmerin!

Foto: Und hier wahrsheinlih die älteste.

Also, die Krasnaja Gorka – ein fesselndes, faszinierendes Spiel. Wer es einmal erlebt hat, wird noch lange unter dem Eindruck stehen. So wie ich!

Mein Tag begann früh, denn ich war sehr aufgeregt. Die Schwiegermutter meiner Gastgeberin sagte, dass sie mir das festliche Gewand für das Fest wählt. Es sollte bedeuten, dass ich eine alte Nationaltracht tragen werde. Schnell wurde die Truhe aufgemacht und ich sah die bunte Pracht. Praktisch in jeder Familie werden die Kleider für die Gorka sorgfältig aufbewahrt. Manche Kleidungsstücke sind mehr al 200 Jahre alt!!!

Es ist aber eine sehr schwere Aufgabe, die ganze „Garderobe“ zu beschreiben, aber ich versuche. Die Ustziljoma gebrauchten für die festliche Kleidung nur die besten Stoffe wie Rips, Brokat und Damast. Sie alle wurden früher nach Ust-Zima eingeführt, aus fernen Ländern, sogar aus England. Die Frauentracht besteht aus den „Ärmeln“, dem Sarafan, einem Gürtel, einer Schürze, der „Korotenjka“ und dem Plat.

Foto: Ein kleines Trachten-Abc

Das Brokathemd (die „Ärmel“) hat sehr breite Ärmel, die mit Zwickeln auf den Schultern geschmückt sind. Die Zwickelfarbe muss mit der Hemdfarbe kontrastieren. Das Hemd hat auch einen Stehkragen, der mit einem schmalen Besatzband aus Brokat dekoriert ist. Der untere Teil des Hemdes wird aus dem handgewobenen Stoff oder aus Kattun genäht.

Der Sarafan ist lang und etwas bauschig, denn er wird aus vier Stoffbahnen genäht: zwei vorne schräg zueinander, beiderseits noch einer in zwei Teilen (für jede Seite je ein keilförmiger Stoffteil), und der vierte für die Rückseite ist gerade und gefaltet. Der Sarafan hat zwei schmale Schultergurte, die von der Taille beginnen (ist etwas einem Rock ähnlich, nicht wie die üblichen russischen Sarafane).  Unten wird der Sarafan mit Franse geschmückt.

Auch die Schürze ist bauschig und gefaltet. Etwa 30cm bis zu dem unteren Rand gibt es Franse als Schmuck.

Die Korotenjka (Seelenwärmer) ist dem Sarafan ähnlich, doch viel kürzer (zu Russisch: korotkaja). Sie ist aus Brokat und wird mit Besatzband dekoriert. Sie wird auf dem Fest von jungen Mädchen und jungen verheirateten Frauen getragen. Die Schultergurte des Sarafans und der Korotenjka müssen aufeinanderliegen.

Das ganze Gewand muss gegürtet werden. Der Gürtel hat ein geometrisches Ornament, ist geflochten und spielt die Rolle eines Schutzamulettes.

Für die Kopfbedeckung gibt es mehrere Möglichkeiten. Die verheirateten Frauen tragen einen Plat (Tuch), der auf dem Kokoschnik gebunden wird. Der Kokoschnik gibt dem Plat eine Form. Er ist aus Stoff und wird mit zwei schmalen Bändern auf dem Hinterkopf befestigt. Dazu muss ich sagen, dass der Plat ziemlich hoch auf der Stirn gebunden sein muss. Die Stirn muss frei bleiben. Bei mir war es ein Problem, den Kokoschnik zu befestigen), bis die Schwiegermutter von Ksenja mir zwei kleine Hörnchen aus meinen Haaren gemacht hat. Es war so komisch, aber der Plat saß ganz fest und die Stirn war frei.

Foto: Der Kokoschnik

Der Plat ist ziemlich schwer, vielleicht deshalb er gibt der Figur eine bestimmte kerzengerade Haltung. Man hat deshalb den Eindruck, dass die Frauen von Ust-Zilma so selbstbewusst, etwas stolz und bedächtig sind. Das sind sie auch). Mit ihrem Schwebegang ziehen sie die Blicke auf sich, so graziös sind sie.

Foto: Der Plat nach jedem Geschmack.

Der Ripsplat wurde aus besonderem orientalischem Seidenstoff gemacht, in Blau-Orang, Grün-Rot oder Weiß-Rosa gehalten. Der Brokatplat ist etwas klein. Besonders teuer ist aber der konofatnyj Plat. Er wurde aus besonders dichtem Seidenstoff gemacht und mit Goldfäden bestickt. Leider kann ich das Wort „konofantyj“ nicht übersetzen. Vielleicht bezieht sich das auf die Qualität des Stoffes.

Junge Mädchen tragen den Chas – den Plat als Kopfband. Und für die Braut gibt es einen Powoinik, ein Hütlein aus altertümlichen Brokat mit Silber- und Goldfäden bestickt. Doch solche Kopfbedeckung habe ich nur bei Mädchen gesehen.

Foto: Ein Mädchen im Chas.

Foto: Ein Mädchen im Powoinik

Natürlich soll der Halsschmuck nicht fehlen. Das sind verschiedene Ketten. Früher trug man Silber- und Goldketten. Darauf wurde das massive Altgläubigerkreuz gehängt. Es wurde aber unter das Hemd versteckt und diente als Amulett. Außerdem werden heute noch große Broschen und Hemdknöpfe getragen.

Was die Männerkleidung angeht, so ist sie nicht so aufwendig). Die Männer tragen ein rotes Kossoworotka-Hemd, einen Gürtel, eine Hose und warme gestrickte Kniestrümpfe, die besonders festlich aussehen. Dazu gibt es noch einfache Schuhe aus Leder, „Sohlen“ genannt.

Foto: Der Mann in der Kossoworotka

Die Tracht von Ustziljoma ist eine heikle Angelegenheit, sie zu tragen – ist eine richtige Kunst. Hier kann vieles in Btracht gezogen werden – Stoff, Farbe, Größe, Alter und soziale Status der Frau. Einige Forscher meinen, dass die Gorka von Ust-Zilma nicht mit dem ersten Reigen beginnt, sondern zu Hause beim Anziehen. Ich hatte Glück gehabt und beobachtet, wie die Tracht angezogen wird.

Das Anziehen war für mich ziemlich anstrengend. In der Regel dauert es ein paar Stunden. Während Ksenjas Schwiegermutter an meinem Aussehen zauberte, erzählte sie mir über die Traditionen der Gorka und über die Nationaltracht. Ich fühlte mich, wie die Tochter eines Kaufmannes aus dem 19.Jahrhundert, die sich für die Brautschau schniegelt).

Glücklicherweise gab es die nötige Größe. Dann habe ich ein paar Schritte gemacht und es wurde mir klar, wie viel eine moderne Frau verliert, wenn sie heutzutage einen schmalen Rock oder eine Jeans trägt. Die Tracht gibt mehr Fraulichkeit, mehr Stolz, mehr Schönheit. Früher hat man in Russland eine schöne Frau mit einem Schwan verglichen, jetzt weiß ich warum. Wer eine solche Tracht trägt, vergisst von jeglicher alltäglichen Eile und Hektik. Ich habe mich gleich in eine andere Epoche versetzt.

SONY DSCFoto: Meine Gasgeberin Ksenja hilft ihrer Tohter Ewgenija.

Doch wir sollten uns beeilen, weil das Anziehen ziemlich lange gedauert hat. Wir kamen als der erste Reigen schon begonnen hat. Ich verpasste gerade den spektakulären Anfang der Gorka, den Zug, der weit von der Volkswiese beginnt. Die Gorka-Teilnehmer schreiten gemessen Ganges durch die Straßen dahin, singen Lieder und strömen dem Schauplatz des Festes zu. Wie die mächtige Petschora auf ihrem Lauf ihre Nebenflüsse sammelt, so sammelt die Menschenmenge mit jedem Haus mehrere Gorka-Sänger. Leider habe ich das nicht gesehen.

Langsam fließt der bunte Strom. Die Kleider rascheln und schimmern in Himmelblau, Rosa, Rot und Orange. Die bunten Trachtkapellen bewegen sich in bestimmten Reigenfiguren. Das schwere Leben der Bauern, wo sie säen, ernten, lieben, heiraten, Kinder erziehen – alles wird mit der Tanzsprache erklärt.

Die Gorka besteht aus zwei Teilen – Reigen und Tanzen. Man unterscheidet sechs Reigenfiguren. „Säulen“ symbolisieren die mächtige Petschora, wohin mehrere Flüsse münden.

Foto: Die Filgur „Säulen“

Die „Führleine“ widerspiegelt die Petschora, die sich auf ihrem Weg zum Weißen Meer schlängelt. Der „Flechtzaun“ zeugt davon, dass sich alles wiederholt und das Leben wie ein Gewebe ist. „Kreis“ und „Quadrat“ stehen für die Sonne. Zwei Reihen der Teilnehmer „Seite gegen Seite“ verkörpern Himmel und Erde, das Männliche und das Weibliche, und ihre Gegenüberstellung ist das Streben nach Vereinigung.

Foto: Die Figur „Seite gegen Seite“

Jede Figur wird von einem bestimmten Lied begleitet. Die Eingesessenen sagen, dass die Gorka diesen Figuren streng folgen soll, denn die geometrische Symbolik vereint den Menschen und das Universum zu einem Ganzen.

Der zweite Teil der Gorka wird in Tanzweise ausgeführt. Im Nu verschwindet die ruhige, eintönige Bedächtigkeit, die Gesichter werden lustiger und die Bewegungen schneller. Die gesamte Heiterkeit wirkt ansteckend und schon tanzen die Zuschauer ein bisschen mit. Die Ziehharmonika keucht und spielt wie besessen.

Müde aber glücklich verlassen die Gorka-Teilnehmer das Fest. Im Sonnenuntergang sind die Farben noch säftiger, die Gesichter gerötet. Die prachtvollen Trachten werden zu Hause sorgfältig in die Truhen gelegt, um in einem Jahr in vollem Glanz zu erstrahlen.

Seltsamerweise fühlte ich mich hier nicht fremd. Ich scherzte mit Ksenja, dass meine ukrainische Natur in jeder Tracht zu erkennen ist. Doch niemand hat was bemerkt). Nur einmal hat ein Mann mich gefragt, warum ich nicht tanze. Ich antwortete, dass ich hier zu Gast bin.

Foto: Nach der Gorka. Bin müde, aber glücklich!

Ich habe einen Koffer in Ust-Zilma. Ich weiß auch, dass ich dort immer willkommen bin. Vielen Dank an Ksenija und ihre Familie, die in diesem Jahr um ein Kind größer wurde, an Ksenjas Schwiegermutter, die mit mir ihre Schätze aus der Truhe geteilt hat, und an die ausgiebige Ust-Zima, die sich auf jeden Gast freut, und nicht nur während der Gorka!

Foto: Haben uns schön gemacht! Schnell zur Gorka! Die Familie von Ksenja und ihre Schwiegermutter.

I’ll be back! Bestimmt!

 

Johannistag auf komi

Am 7.Juli feiern die Komi Iwan Lun (Tag Johannes des Täufers), die Russen den Iwan-Kupala-Tag. Besonders viele Bräuche werden in der Nacht zum 7.Juli begangen.

Ich bin keine Ausnahme. Dieses Fest kenne ich aus meiner Kindheit, wo ich die Ferien in der Ukraine verbrachte. Als kleine Kinder waren wir von diesem Fest begeistert. Wir gingen auf die Wiese, sammelten Blumen und Kräuter und flochten daraus Kränze. Am Abend machte man ein großes Feuer und wir sprangen über die Glut. Damals machten wir uns darüber keine Gedanken, welche mystische Bedeutung das alles hatte. Für uns war es ein schönes Sommerfest. Meine Großmutter hielt sich aber an diese Bräuche. Sie warnte uns immer, man darf an diesem Tag nicht baden, eine Wassernixe nimmt dich sonst in die Tiefe des Flusses.

Ich kann mich auch daran erinnern, dass die Großmutter alle meine Kränze im Dachraum aufhing. Sie hingen dort die ganze Zeit, bis ich erwachsen wurde. Das sollte mich vor Unglück und Krankheiten schützen. Vielleicht deshalb war ich als Schülerin niemals krank))).

In meinem erwachsenen Leben gab es keine Gelegenheit, dieses Fest zu feiern. Aber ich sehnte mich nach diesem Brauch, denn er war die schönste Erinnerung an meine Kindheit. So habe ich vor kurzem ganz zufällig eine Wochenendtour entdeckt, die eine wunderschöne Ethno-Erholung mit Iwan-Lun-Bräuchen anzubieten hatte. Ich war höchst überrascht und habe mir festgenommen, dabei zu sein.

Der Ort war sehr schön: ein gemütliches Ferienhaus im ländlichen Stil, ein Teich zum Bootsfahren, eine Banja, wo man nach dem heißen Dampfbad ins kühle Wasser des Teiches tauchen konnte – ein Traum für den verwöhnten Stadtbewohner.

Das Programm war sehr reich, aber die Zeit zu knapp – nur die Nacht. So habe ich überhaupt nicht geschlafen, obwohl die anderen schon ganz schnell müde waren. Für mich sollte es ein richtiges Fest bedeuten, wie in meiner Kindheit.

Am Abend gingen wir auf die Wiese und sammelten Blumen. Wie duftend war die Wiese!!! Allein das Aroma machte uns glücklich.

Bester Laune machten wir uns auf das Kranzflechten. Dabei hatten wir weiße lange Hemde. Ich trug die Wyschywanka, die ich von meiner Großmutter bekommen habe, und diese von ihrer Großmutter – über 200 Jahre ist sie alt!!! Die Wyschywanka ist ein ukrainisches Hemd mit Stickmustern. So fühlte ich mich den Traditionen meiner Vorfahren fest angebunden.

Als die Blumenkränze fertig waren, gab es ein lustiges Programm mit Spielen. Aber alle warteten mit Ungeduld auf das Feuer. Um Mitternacht war das Feuer fertig und alle standen Schlange, um über das Feuer zu springen. Dieser Bruch soll die Seele der Menschen von allen ihren Sünden reinigen.

Nachdem Feuerspringen warfen die Frauen ihre Kränze in den Teich. Alle Kränze blieben auf der Wasseroberfläche. Das war ein gutes Zeichen! Mir war es schade, meinen prächtigen Blumenkranz zu werfen. Aber ich habe alles nach dem Brauch gemacht.

Danach waren alle müde und suchten sich ein Bett. Ich nahm einen Angelstock, ein bisschen Brot und setzte mich ans Ufer des Teiches. Von Zeit zu Zeit hatte es angebissen und schon lagen im Eimer ein paar üppige Fischlein. So saß ich bis zu 5 Uhr und beobachtete, wie malerisch der Nebel über dem Teich liegt, wie die Sonne aufgeht, und wie die Möwen auf Fische jagen.

Vom langen Sitzen wurde es mir sehr kalt und ich ging in die Banja. Doch ich wagte mich nicht in den Teich zu tauchen, wie es die anderen gemacht haben, denn es war ziemlich kalt. In diesem Sommer will sich das Wetter uns leider nicht verwöhnen.

Tief beeindruckt fuhr ich nach Hause, als ob ich für einen Tag wieder in meiner ukrainischen Kindheit wäre!

Die Komi halten diesen Tag für ein wichtiges Fest, doch sie haben ihn am 24.Juni nach dem alten Kalender gefeiert. An diesem Tag hat das Wasser eine besondere Heilkraft. Das Hauptattribut dieses Tages ist deshalb die Banja, in der ein Dampfbad mit neuen Birkenzweigenbesen genommen wird. Man glaubt, dass man die Seele und den Körper auf solche Weise reinigen kann. Bis zu diesem Tag war es verboten, die Besen herbeizuschaffen. Nebenbei bemerkt, werden heutzutage Birkenzweigenbesen für die Banja auch im Juni gemacht, dann werden sie den ganzen Winter gebraucht.

Die Banja am Vorabend des Festes ist besonders gesund. Wenn man Kinder badet, spricht man verschiedene Zaubersprüche für Gesundheit. Die Erwachsenen sind der Meinung, dass der Birkenzweig an diesem Tag den Schmutz aus dem Körper hinausjagt. Er saugt den ganzen Schmutz ein und wird deshalb selbst schmutzig und nicht mehr brauchbar. So wird er sofort nach dem Dampfbad auf das Dach der Banja geworfen. Die anderen befestigen ihn auf dem Pflock. Man hing auch Birkenzweige auf Spitzen des Zauns aus und beobachtete, wurden die Birkenzweige schwarz, war es ein schlechtes Zeichen.

Die Feier fand früher auf Wiesen statt. Die festlich gekleideten Jungen und Mädchen gingen dorthin ein wunderbares Blümchen sammeln- Kupalniza (Trollblume).

Diese Blume ist das Symbol dieses Tages und gleichzeitig der Jugend und Blüte. Außerdem legte man die Kupalniza-Blumen ins Waschbecken, um selbst gesund zu bleiben, oder in den Kuhstall, damit die Kühe viel Milch geben. Außer der Kupalniza pflückten die Jugendlichen andere Blumen. Man trocknete sie und bewahrte bis zu dem nächsten Jahr. Die Jugendlichen sammelten Blumen und sangen Lieder.

In einigen Dörfern gab es den Brauch, über das Feuer zu springen. Dem Feuer wurde dabei eine besondere reinigende Kraft zugeschrieben. Die beliebteste Attraktion des Tages war eine Bootsfahrt mit dem angezündeten Feuer. Das Feuer wurde gerade im Boot angezündet. Nach allen Feierlichkeiten wurden die Kränze ins Wasser geworfen, dabei merkte man, bleibt der Kranz auf dem Wasser, ist das eine Zeichen für Freude und Hochzeit. Wenn nicht, dann kommt etwas Schlechtes.

In unserer Zeit sind praktisch alle Bräuche erhalten geblieben. An diesem Tag werden Heilkräuter gesammelt. Nicht umsonst sagt man im Volk: „Auf Wiesen gibt es Arzneien für jede Krankheit“, „trink einen Kräuteraufguss und deine Krankheit ist dann weg“. Man glaubt, dass an diesem Tag alle Kräuter eine besondere Zaubermacht haben. Aber nach dem Fest verlieren sie diese Macht.

In der Mitternacht gehen die Menschen zum Fluss, um zu baden oder sich zu waschen. Auf solche Weise können die Leute ihre Seele vor Sünden und schlechten Gedanken reinigen.

In Prilus’je hatte man die Sitte, sich auf dem Morgentau herumzuwälzen und dabei zu flüstern: „Der Morgentau ist von 70 Kräuter, deshalb sollen 70 Krankheiten verschwinden!»

Iwan Lun aus dem Jahre 2014 (organisiert vom Reisebüro „Schuda olom“, Inga Usatschowa)