Monatsarchiv: März 2017

In Syktyvkar wird ethno getragen

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Nicht jeden Tag natürlich, aber es wäre schön! Am 25.März fand in Syktyvkar das erste Festival der nationlen und ethnischen Mode statt. Das war ein richtiges Performance – farbenprächtig, phantasievoll, traditionsgebunden und auch mystisch.

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So eine Modenschau hat unsere Republik noch nicht erlebt. Insgesamt 40 Disigner aus verschiedenen Rayons der Republik zeigten hier ihr künstlerisches Können. Natürlich konnte ich dieses Event auf keinen Fall verpassen. Die Kollektionen wurden in vier Gruppen nominiert: „Die nationale Tracht“, „Art-Folk“, „Szenenkostüm“, „Die Werkstatt der Zukunft“ und „Öko-Mode“.

Die nationale Tracht war wie immer ganz schlicht, naiv, aber auch festlich. Diese Kleider haben die Vorfahren von Komi getragen im Fest und im Alltag.

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Mich hat die Ishmaer Tracht besonders beeindruckt. Die Kollektion zeigte vier Perioden im Leben der Frau – das Mädchen, die Braut, die junge Ehefrau und die Ehefrau mit Erfahrung. Wie säftig schimmerte der Stoff und wie stolz wurden die Trachten getragen!

SONY DSCFoto: Das Mädchen

SONY DSCFoto: Die Braut

Und nun die ganze Kollektion. Es gibt ein Detail, dass alle vier Trachten verbindet – das ist der Gürtel. Er gilt für die Komi als Schutzamulett. Früher verlieβ man das Haus immer gegürtelt. Das schützte die Person von bösen Augen und bösen Geistern. Heute wird der Gürtel zu einem Kunststück und jede Region der Komi hat ihren eigenen Muster.

wx1080Fotograf Alissa Koslova (die Zeitung „Komsomolskaja Pravda – Komi“   http://www.komi.kp.ru/daily/26655.7/3679064/

Besonders spektakulär waren die Kollektionen in der Nominierung „Szenenkostüm“. Hier wurde der Phantasie ein freier Bahn gelassen. 

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Der Sieger in der Nominierung war die Kollektion „Die Vögel des Nordens“ (Fotos unten). Die Elemente der Kostüme stellten Eulen dar. Die Disignerin Olga Selivanova sagte, dass sie sich die Eule so vorstellt – graziös und farbenprächtig.

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Zu meinen Favoriten gehört die Kollektion „Lebkuchenhaus“. Sie ist mit Stimmung!

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In der Nominierung „Art-Folk“ konnte man verschiedene mythologische Motive beobachten.

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Diese Modelle zeigen zwei wichtigste Naturgeister der Komi – den Wersa (Waldgeist) und den Wassa (Wassergeist). In Kostümen findet man Elemente, die für diese Gestalten typisch sind. Auf dem Bild unten sieht man einen Fisch, und zwar, den Hecht, der auch eine besondere Rolle in der Mythologie der Komi spielt. Die Komi hielten diesen Fisch für Verkörperung des Wassergeistes. Große, alte Fische wurden verehrt. Den Frauen wurde verboten den Kopf vom Fisch zu essen. Er wurde getrocknet und die Fischer nahmen ihn auf den nächsten Fischfang als Glücksbringer mit. Es gibt auch eine Sage, nach welcher Hecht und Alande immer Kriege gegen einander geführt hätten. Die Fische beschossen einander mit Pfeilen. Die Pfeile trafen bei Alanden immer den Schwanz und bei Hechten den Kopf. So haben Hechte mehr Gräten am Kopf und Alande am Schwanz. Die Komi haben auch eine Wendung – den Kopf des Hechtes abnagen – das bedeutet, sehr arm leben.

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Auf dem weiteren Bild sieht man eine Ente als Schmuckmuster. In der Mythologie der Komi und anderer Völker der finnougrischen Gruppe war die Ente die Urmutter der Welt: Sie legte ein Ei, das sich in zwei Hälften geteilt hat. Aus der oberen Hälfte bildete sich der Himmel mit all seinen Gestirnen, aus der unteren bildete sich die Erde mit Flora und Fauna. Der Nachhall dieses Glaubens an die Ente als Urmutter widerspiegelt sich in der traditionellen Verschenkung der Entenschale aus Holz an die Braut. Das hat immer der Vater gemacht.

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Auβer mythologischen Motiven gehörten in die Nominierung Kostüme aus Naturstoffen – Wolle und Leinen.

Die gestrickten Pullover und Mützen sind Kunstücke von Meisterin Svetlana Turova. Sie gebraucht in ihren Arbeiten komi nationale Ornamente, und ihre Erzeugnisse sind immer praktisch.

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Die Modelle in Kostümen aus Lein sahen auch sehr hübsch aus.

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Und zum Schluss, und diese Kollektion war die letzte, sah ich überraschende Birken mit Birkenrinde geschmückt. Ein Naturstoff, der echt komi ist.

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Liebe Leser! Und welche Modelle haben euch besonders gefallen?

Bei Rentieren zu Gast

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Am vorigen Wochenende ist endlich mein Traum in Erfüllung gegangen! Ich war zu Gast bei Rentieren in der Taiga. Aus meinen früheren Beiträgen weiβt ihr, meine lieben Leser, dass die Rentierzucht im hohen Norden unserer Republik betrieben wird, in der eisigen Wüste der Tundra. Für solch eine weite Reise bin ich finanziell noch nicht bereit)))

Im Rayon Knjash-Pogost, das etwa 200 km nördlicher von Syktywkar liegt, tief in der Taiga, haben Rentiere seit 2013 ihr Winter-und Sommerquartier. Die 500-köpfige Herde wurde im Autonomen Kreis von Jamal-Nenzen gekauft und über den Ural aus Sibirien in die Republik Komi getrieben. Das sind Rentiere, die nicht „nomadisieren“, sondern lange Zeit auf einem Ort bleiben und Moos fressen. Auf solche Weise will man die alten Traditionen der Taigarentierzucht aufzuleben, denn in den 50-er, 60-er Jahren des 20.Jahrhunderts weideten Rentiere hauptsächlich in Waldgebieten.

Rentiere haben sich im Wald eingelebt und erwarten die ersten Gäste – neugierige Stadtbewohner. Das Reisebüro „Schuda olöm“ (zu komi: Glückliches Leben) organisiert kleine Gruppen von Touristen. Ich war natürlich in der ersten Gruppe. Zwei Stunden mit dem Bus, eine Stunde mit dem Schneemobil und wir waren tief in der Taiga.

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Das erste, was ich gesehen habe, war das Tschum (das Rentierzelt) und zwei Rentiergespanne.

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Auf einem saβ ein netter Hund. Das andere Paar war festlich angekleidet, nach der nenzischen Mode.

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Die Tschumwirtin Vera empfing uns sehr freundlich und lud uns zu einem Mittagessen ein.

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Im Tschum war es sehr gemütlich. Mitten im Zelt heizte der Ofen und darauf kochte eine sehr aromatische herzhafte Brühe aus Rentierfleisch. Von auβen ist das Tschum klein, aber im Tschum ist es ziemlich geräumig. Es gibt keine Fenster, nur oben bleibt es offen.

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Das Süppchen war sehr deftig und wir haben sehr schnell unsere Kräfte nach einer langen Fahrt wiederhergestellt. Nach dem Essen gab es ein Gespräch mit Vera. Sie hat uns über ihr Leben in der Taiga erzählt. Sie sind eine Familie mit zwei Kindern. Seit 2013 sorgen sie für die Herde. Das Tschum, wo wir waren, ist ein Gästetschum. Das Wohnzelt hat man uns nicht gezeigt. Vor der Reise hat man uns gesagt, dass diese Familie ziemlich zurückgezogen lebt. Und wir hatten natürlich Verständnis. Zum Unterschied von Komi sind Nenzen bis jetzt Heiden und ihr Leben hängt von alltäglichen und festlichen Ritualen ab. Sie leben in ihrer Welt.

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Vera ist aber eine erfahrene Rentierzüchterin und das ist ihr Beruf fürs Leben. Sie weiβ viel über Rentiere und einiges haben wir mitbekommen. Ich war über einige Tatsachen sehr überrascht. Zum Beispiel, Rentierklauen können sich der Jahreszeit anpassen. Die Rentiere können, sozusagen, ihre Sommersandalen auf Winterschuhe wechseln. Im Sommer ist die Erde weich und die Klauen werden etwas lockerer. Im Winter bilden sich die Klauenballen zurück (ob man mich gut versteht?))), die Klaue wird fester, damit das Rentier im Schnee und auf dem Eis sich sicher fühlen kann und nicht rutscht. Es ist ihm so auch leichter das Moos aus dem Schnee zu bekommen.

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Nun war die Zeit Rentiere zu streicheln. Wir haben für sie Brot mit Salz vorbereitet – das naschen sie mit Vergnügen. Die ganze Herde war im Wald. Der Schnee war unfest und man trieb die Tiere in die sichere Stelle. Wir beschäftigten uns nur mit diesen vier tapferen Schlittentieren.

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Und natürlich Fotos! Ich habe hunderte davon gemacht.

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Rentiere waren sehr geduldige Modelle. Hier sind einige besonders schöne Fotos. Man sieht, dass Riemenzeug der Tiere verziert ist. Alles macht man aus Leder und Knochen der Rentiere.

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Wir haben ziemlich viel Zeit in der frischen Luft verbracht und danach gab es im Tschum noch einen kleinen Workshop. Wir bastelten eine nenzische Puppe aus Leder und Rentierfell.

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Zum Schluss machten wir ein gemeinsames Foto und fuhren glücklich nach Hause.

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