Bernstein aus dem Sumpf

OI9dtl3a8LgFoto: Igor Trier

Die Komi ist eine riesige Schatzkammer. In ihrem Schoβ lagern sich unzählige wertvolle Stoffe. Doch Schätze kann man auch im Sumpf finden. Ende Juli – Anfang August beginnt die stille Jagd nach Bernstein. Ist es so was möglich? – fragt ihr. Meine Antwort – und wie! Bernstein aus dem Sumpf – so wird bei uns die Moltebeere (auf rissisch Moroschka, auf komi Myrpom) genannt. Wenn sie schön reif ist, bekommt sie eine Farbe, die ihr diesen treffenden Beinamen gibt. Eine hübschorangene aromatische Beere ist eine wahre Köstlichkeit und ist immer auf dem Tisch willkommen. Sie trägt in sich den Geschmack des lauwarmes Sommerwindes, den Rausch von Sumpfdüfte und die Klarheit vom Tau.

Игорь Триер 3Foto: Igor Trier

Sie hat noch viele anderen Beinamen – Sumpfwächter, arktische Apfelsine oder Zarenbeere. Ich weiβ nicht, warum sie als Sumpfwächter genannt wird, aber wenn ich die Fotos sehe, so merke ich, wie stolz sie aus dem Boden emporragrt. Sie strebt sich zur Sonne empor, als ob sie etwas mehr vom Leben sehen will. Sie wacht über die Stille der nördlichen Natur.

Валентина Новикова

„Die arktische Apfelsine“ zeugt davon, dass die Moltebeere viermal reich an Vitamin C ist als diese exotische Frucht. Die Eskimos schätzten sie deswegen als Heilmittel gegen Skorbut. Der letzte Beiname – „Zarenbeere“ – weist darauf hin, dass diese Beere für uns besonders wertvoll ist. Sie wächst im Geheimen weit von den menschlichen Augen im Herzen von schwer zu erreichenden Sümpfen. Ihre Abgeschlossenheit macht sie besonders begehrenswert. Oft beginnt der Weg mit solchen geheimnissvollen schmalen Pfaden und führt durch die Dickicht.

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qB_7mjM9-wwFotos: Valentina Novikova

Doch am Ende eröffnet sich der Blick, dass diese mühevolle Fuβwanderung lohnt. Aus dem saftigen Grün des Sumpfes schauen verstohlen orangene Perlen und flüstern: „Nimm uns mit!“

Игорь Триер 2Foto: Igor Trier

KqweODwMsSYFoto: Aleksej Resnitschenko

Doch wer sich auf die stille Jagd nach Moltebeeren macht, muss damit rechnen, dass sie manchem sogar Blut kosten wird)) Ich meine damit die Scharen von blutsaugenden Monstern. Kriebelmücken – sind eine richtige Plage! Gegen diese sind keine Repellenten wirksam. Sie kriechen überall hin und wenn sie beiβen, ist es nicht auszuhalten!

Игорь Триер 1Foto: Igor Trier auf der Jagd nach dem Foto.

Wer wagt aber, der gewinnt! Die anderen können die Leckerei kaufen und, weil Moltebeeren die teuersten Beeren sind, so gibt man für einen Liter etwa 500 Rubel aus.

карлова 3Foto: Tatjana Karlova

Was wird dann mit der Ernte zu Hause gemacht? Die Komi legten die Beeren einfach ins Wasser ein, denn sie sind lange im Wasser haltbar. Myrpom wa (aus der Komisprache: Moltebeerenwasser) war und ist auch heute ein sehr erfrischendes Getränk. Ein weiteres Komi-Getränk – Tschushwa (aus der Komisprache: Malzwürze) – trank man auch mit Moltebeeren.

Heutzutage gibt es eine Reihe von Leckereien aus Moltebeeren wie Marmelade, Konfitüre oder Kompott (eigentlich ist in Russland Kompott ein Getränk, wie auf dem Foto unten).

SONY DSCFoto: Ich habe für den Winter ein paar solche Einlegegläser als Kompott gemacht (frische Beeren mit kochendem Syrop übergegossen). Aber einen haben wir schon auf einen Sitz ausgertunken.

Die Beeren habe ich halbreif gekauft, denn, wenn sie wirklich reif sind, sind sie sehr wässerig und schwer zu greifen. Sie lagen etwa zwei Tage zu Hause, wurden weicher und bekamen eine orangene Farbe – das war ein Zeichen, dass ich sie zubereiten konnte.

Von der Beere gebraucht man auch Kelchblätter. Getrocknet gelten sie als Heilmittel gegen Husten. Ich aber lege ein bisschen davon in den Teeaufguβ und der Tee bekommt dann Honiggeschmack und ist sehr aromatisch – es ist sehr gemütlich, am Winterabend ein Schälchen davon zu trinken.

SONY DSCFoto: Ich bin für den Winter bereit!

Aus Kelchblätter wird in der „Syktyvkarer Likör-und Wodkafabrik“ ein leckerer Likör gemacht – „Moroschka medovaja“. Er ist bei den Frauen sehr beliebt. Und das ist auch ein sehr bekanntes gastronomisches Souvenir aus der Republik Komi. Wenn wir zu unseren Freunden irgendwohin auβerhalb der Republik Komi fahren, nehmen wir ein paar Flaschen mit.

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Foto: von der offiziellen Seite der „Syktyvkarer Likör-und Wodkafabrik“  https://www.slvz-rk.ru/catalog/nastoyki-i-balzamy/moroshka-medovaya

Wenn die Moltebeerensaison beginnt, gibt es in Sozialnetzwerken viele Fotos. Ich habe einige davon für meine lieben Leser ausgesucht. Hier ist die Bildergalerie.

pha8ccHyvEsFoto: Aleksej Resnitschenko

ywJFQEJp-4UFoto: Aleksej Resnitschenko

карлова 2Foto: Tatjana Karlova

Und dieses Foto ist von mir – so eine Sommerphantasie)

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Der Sommer schmeckt im Norden nach Moltebeeren! 

 

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4 Antworten zu “Bernstein aus dem Sumpf

  1. Liebe Ludmilla, was für ein informativer Artikel zu einer der grossen Köstlichkeiten des Nordens, um die wir Mitteleuropäer euch beneiden: die Moltebeere. Was hat sie für tolle andere Bezeichnungen!

    Dein Artikel, wie immer, ein Genuss und eine kleine Reise!

    Aus Zürich, Konstantin

    • Lieber Konstantin! Wie ich mich ueber Deinen Kommentar freue! Vielen Dank! Wesst Du, Moltebeere ist meine Lieblingsbeere. Sie war fuer mich immer das Symbol meiner noerdlichen Heimat – der Stadt Inta. Ihr Aroma ist einzigartig. So duftet meine Heimat!

  2. Wie schön und informativ du deine Heimat beschreibst! Ich kann mich meinem Vor-Kommentator nur anschließen.

    Woher sprichst du so gut Deutsch?

    Liebe Grüße aus Regensburg/Bayern

    • Ich schicke liebe Gruesse nach Bayern und meinen grossen Dank fuer Deinen Kommentar! Meine Heimat ist wirklich schoen und ich will darueber in meinem Blog der ganzen Welt berichten. Was mein Deutsch angeht, so ist diese Sprache nicht nur meine Arbeit (ich unterrichte Deutsch an der Uni), sondern mein Leben und meine Leidenschaft.
      Du bist immer in meinem Blog willkommen!

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