Zu Gast bei Väterchen Frost

OtKO8f_YLfkFoto: Tor ins Märchen, in die Opa Frost Residenz

Heute ist mein Beitrag nicht über die Republik Komi, sondern über ihren nahen Nachbarn – das Gebiet Vologda – die Heimat von Väterchen Frost. Wer ist Väterchen Frost? Das ist der russische Gabenbringer zur Neujahrszeit, eine Person, die jedes Kind in Russland kennt und mit Ungeduld auf seine Geschenke wartet. So haben wir mit meinem Mann beschlossen, auch unserem kleinen Wladislaw eine kleine Überraschung zu machen, nach Welikij Ustjug zu fahren und den Opa Frost in seiner Residenz zu besuchen. 

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Wir waren zusammen mit unseren Freunden und warteten selbst auf diese Fahrt mit Ungeduld wie kleine Kinder. Irgendwie glauben wir auch an Wunder! Vor zehn Jahren waren wir hier mit unseren älteren Kindern. Früher war es hier alles anders!

QrdU9o96S2gFoto: eine lustige Reisegesellschaft! Im Hintergrund das Terem von Väterchen Frost.

Das war eine wunderbare Reise (auch nicht ohne kleine Abenteuer)! Sie begann ganz früh am Morgen, denn wir sollten mit den Autos etwa 500 km zurücklegen. Der Weg nach Welikij Ustjug liegt abseits der föderalen Autostraβen und ist deshalb wie Mehrheit von russischen Autostraβen in der Provinz ganz ausgefahren. Die ersten hundert Kilometer der Fahrt führten uns durch menschenleere Gebiete, wo es nur Wald gibt. Und da es drauβen etwa 2 Grad Kälte war, gab es Glatteis, und manchmal war es auch gefährlich beim Fahren, besonders, wenn es viele Langholztransportlastkraftwagen unterwegs gab. Sie schleppten ihre Güter im Schneckentempo oder hielten einfach mitten auf der Straβe, weil sie wegen ihres Gewichtes kleine Hügel nicht bekraxeln konnten. Und einmal haben wir richtig Angst bekommen! Aber alles war gut.

Nach etwa 6 Stunden Fahrt waren wir am Nachmittag schon an Ort und Stelle. Wir haben für die ganze Reise zwei Tage geplant – einen für die Bekanntschaft mit Welikij Ustjug und einen für den Residenzbesuch. Wir haben für die Übernachtung eine Wohnung 30 km von der Stadt entfernt gemietet. Es war viel günstiger, denn zur Hochsaison in den Winterferien ist der Preis für alles sehr hoch.

Nach dem Mittagessen begaben wir uns in die Stadt. Welikij Ustjug ist eine kleine russische Prvinzstadt mit etwa mehr als 30000 Einwohnern. Die Stadt wurde 1147 geründet, so alt wie Moskau. Den Beinamen „Welikij“ hat sie von Ivan dem Schrecklichen bekommen. Lange Zeit lebten in der Stadt viele Kaufleute, denn hier kreuzten sich wichtige Handelswege. Und die Stadt war wohlhabend. Noch heute sieht man überall Häuser von Kaufleuten, in manchen gibt es Museen. Selbst die Stadt ist von ein- bis dreistöckig, hier gibt es keine Hochhäuser, denn der Boden ist sumpfig. Die Stadt hat deswegen mehr von einer typisch russischen Provinzstadt – ruhig, naiv und bescheiden. Viel schöner für mich als ihr Altersgenosse Moskau. Hier begibt man sich in eine andere Epoche und spürt die wechselvolle Geschichte Russlands auf Schritt und Tritt.

SONY DSCFoto: Ein Kaufmannshaus, das bis jetzt noch bewohnt wird.

In der Stadt gibt es 28 Kirchen!!! Das ist unglaublich! Die orthodoxe Architektur verleiht der Stadt ein besonderes Gepräge. Aber nur einige davon funktionieren als Gottesstätten. In einer gibt es eine Bibliothek, in einer anderen ein medizinisches Laoboratorium. Und das ist, weil die Stadt kein Geld hat, um diese Baukunstwerke zu restaurieren. Praktisch das ganze Geld, das die Stadt an der Opa Frost Residenz und Tourismus verdient, bekommt Moskau, und das ist sehr traurig. Und hier gibt es Touristen aus ganz Russland!

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Wir haben eine Kirche besucht. Leider darf man in den Kirchen nicht fotografieren (einige machen das heimlich, ich niemals) und ich kann dieses prächtige Bild in Worten nicht beschreiben! Das Altar ist aus Holz geschnitten mit alten Ikonen geschmückt und ist riesengroβ. Das habe ich noch niemals gesehen! Hier war es ganz still, obwohl es sehr viele Menschen gab. Jeder ging im Saal in seinen Gedanken vertieft, mancher betend, mancher schaulustig. Es war der 4.Januar, also die vorweihnachtliche Zeit in Russland, und es war für unsere Familie sehr symbolisch, dass wir diese Kirche besucht haben. Wir stellten Kerzen auf für Gesundheit und Wohlhaben unserer Nächsten und eine Kerze als Gedenken an Gestorbene, wie es der Brauch ist. Leichten Herzens gingen wir dann in der Stadt spazieren.

8Gmb-G8aRgQFoto: Eine bescheidene Weihnachtskrippe vor der Kirche.

Wir hatten auch eine ganz nette Fremdenführerin – Polina – eine Studentin unserer Universität, und die Bekannte von meinem Mann (sie spielen zusammen in einem Amateurtheater). Wir haben diese Reise natürlich nur wegen die Kinder unternommen, und so galt unser erster Besuch dem Modehaus von Väterchen Frost. Polina sagte uns, dass es sich lohnt, dieses Museum zu besuchen. Und es war toll! Im Museum gab es eine sehr interessante Führung. Zuesrt besuchten wir den Raum, wo die Kleidung für Väterchen Frost gemacht wird. Etwa zehn Näherinnen sorgen für das festliche Outfit vom Opa Frost. Es war so interessant, ihnen bei der Arbeit über die Schultern zu gucken. Die Kinderschar machte viel Lärm, aber sie waren ganz ruhig)

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Väterchen Frost ist (so sagt man) über zwei Meter hoch! So kann man seinen eigenen Wuchs mit dem von Väterchen Frost mit Hilfe von solch einer Messlatte vergleichen)))

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Im nächsten Raum wurden die festlichen Gewänder der russischen Bojaren (Adelige aus dem russischen Mittelalter) ausgestellt. Das Gewand von Väterchen Frost hat hier seine Wurzeln. Die waren prachtvoll mit Fellen und Perlen verziert.

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Und auf dem nächsten Foto sieht man das Kostüm, in welchem Väterchen Frost die Gäste auf den Olympischen Spielen in Sotschi empfing. Dort hatte er auch eine Residenz.

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Im letzten Raum wartete auf die Kinder eine improvisierte Modenschau. Jedes von ihnen hatte ein Kostüm bekommen und zeigte es dem Publikum (also den Eltern). Die Kinder waren so süβ! Sie gaben sich Mühe, sich wie richtige Modelle zu zeigen, und wurden sofort von allen Seiten fotografiert. Die Verkleidung vollzog sich hinter der Schirme und für die Eltern war es eine richtige Überrauschung. Für uns auch)))

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Die Kinder stellten die Gestalten dar, die die Residenz von Väterchen Frost bewohnen und ihm in vielen Sachen helfen. Unser Wladislaw war also Bäcker und Taissja (meine Patentochter) Snegurotschka (die Enkelin von Väterchen Frost). Snegurotschka ist eben eine Person, seine Begleiterin, mit welcher Väterchen Frost überall erscheint (in Kindergärten, Schulen, auf privaten Besuchen in Wohnungen).

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Die Kinder waren glücklich! Nach dem Museum bummelten wir durch die Stadt in der Dämmerung und es war sehr festlich und zugleich geheimnisvoll.

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Wir kauften einige Souvenirs und fuhren in die Wohnung. Wir waren sehr müde, aber in bester Laune, denn morgen wartete auf uns Väterchen Frost! Und darüber mein nächster Beitrag)

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4 Antworten zu “Zu Gast bei Väterchen Frost

  1. Konstantin Baehr

    Liebe Ludmilla, was für ein gelungener Beitrag!

    Mit größter Freude bin ich Deiner Erzählung gefolgt, bin mit Euch stundenlang durch einsame Wälder gefahren, bin in Kirchen gegangen, habe ein Modehaus von Väterchen Frost besucht und konnte zwei Familien erleben, die sich riesig gefreut haben. Das Bild von Wladislaw und Taissja ist herzbewegend! Nun bin ich gespannt wie eine Bogensehne, dass sich der Vorhang hebt und wir Väterchen Frost in seiner wohl gütigen Eiseskälte erleben werden!

    Herzlichen Dank!
    Aus Zürich, Konstantin

    • Lieber Konstantin!
      Du bist wie immer mein aufmerksamster Leser! Vielen Dank fuer Deinen Kommentar! Er ist (wie auch alle anderen von Dir) sehr wichtig fuer mich und ich bekomme dann noch mehr Wunsch und Begeisterung zum Schreiben!
      Habe bitte Geduld! Bald erscheint Vaetrechen Frost! Fuer uns war dieses Moment auch aufregend.
      Herzlichst,
      Deine Ludmilla

  2. Konstantin Baehr

    Ich freue mich immer ausserordentlich auf Deine Beiträge! Ich weiss, wie anspruchsvoll ihre Herstellung ist! Sie sind Geschenke an uns Leser/innen!

  3. Hallo Liebe Ludmilla,
    ich habe deinen Bericht mit Interesse gelesen und erkenne dich auf den
    Fotos wieder. Ich schaue immer wieder mal rein und lese was es neues gibt in deiner Komi Region.
    Vielen lieben Dank Bernd aus Deutschland

    Ps. Bei deiner Reise nach Deutschland hattest du What,s App aktiviert.
    Ich hatte dir auch Bilder darauf gesandt von meiner Reise mit dem Quad
    im Sommer

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