Archiv der Kategorie: Farben des Nordens

In Syktyvkar wird ethno getragen

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Nicht jeden Tag natürlich, aber es wäre schön! Am 25.März fand in Syktyvkar das erste Festival der nationlen und ethnischen Mode statt. Das war ein richtiges Performance – farbenprächtig, phantasievoll, traditionsgebunden und auch mystisch.

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So eine Modenschau hat unsere Republik noch nicht erlebt. Insgesamt 40 Disigner aus verschiedenen Rayons der Republik zeigten hier ihr künstlerisches Können. Natürlich konnte ich dieses Event auf keinen Fall verpassen. Die Kollektionen wurden in vier Gruppen nominiert: „Die nationale Tracht“, „Art-Folk“, „Szenenkostüm“, „Die Werkstatt der Zukunft“ und „Öko-Mode“.

Die nationale Tracht war wie immer ganz schlicht, naiv, aber auch festlich. Diese Kleider haben die Vorfahren von Komi getragen im Fest und im Alltag.

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Mich hat die Ishmaer Tracht besonders beeindruckt. Die Kollektion zeigte vier Perioden im Leben der Frau – das Mädchen, die Braut, die junge Ehefrau und die Ehefrau mit Erfahrung. Wie säftig schimmerte der Stoff und wie stolz wurden die Trachten getragen!

SONY DSCFoto: Das Mädchen

SONY DSCFoto: Die Braut

Und nun die ganze Kollektion. Es gibt ein Detail, dass alle vier Trachten verbindet – das ist der Gürtel. Er gilt für die Komi als Schutzamulett. Früher verlieβ man das Haus immer gegürtelt. Das schützte die Person von bösen Augen und bösen Geistern. Heute wird der Gürtel zu einem Kunststück und jede Region der Komi hat ihren eigenen Muster.

wx1080Fotograf Alissa Koslova (die Zeitung „Komsomolskaja Pravda – Komi“   http://www.komi.kp.ru/daily/26655.7/3679064/

Besonders spektakulär waren die Kollektionen in der Nominierung „Szenenkostüm“. Hier wurde der Phantasie ein freier Bahn gelassen. 

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Der Sieger in der Nominierung war die Kollektion „Die Vögel des Nordens“ (Fotos unten). Die Elemente der Kostüme stellten Eulen dar. Die Disignerin Olga Selivanova sagte, dass sie sich die Eule so vorstellt – graziös und farbenprächtig.

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Zu meinen Favoriten gehört die Kollektion „Lebkuchenhaus“. Sie ist mit Stimmung!

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In der Nominierung „Art-Folk“ konnte man verschiedene mythologische Motive beobachten.

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Diese Modelle zeigen zwei wichtigste Naturgeister der Komi – den Wersa (Waldgeist) und den Wassa (Wassergeist). In Kostümen findet man Elemente, die für diese Gestalten typisch sind. Auf dem Bild unten sieht man einen Fisch, und zwar, den Hecht, der auch eine besondere Rolle in der Mythologie der Komi spielt. Die Komi hielten diesen Fisch für Verkörperung des Wassergeistes. Große, alte Fische wurden verehrt. Den Frauen wurde verboten den Kopf vom Fisch zu essen. Er wurde getrocknet und die Fischer nahmen ihn auf den nächsten Fischfang als Glücksbringer mit. Es gibt auch eine Sage, nach welcher Hecht und Alande immer Kriege gegen einander geführt hätten. Die Fische beschossen einander mit Pfeilen. Die Pfeile trafen bei Alanden immer den Schwanz und bei Hechten den Kopf. So haben Hechte mehr Gräten am Kopf und Alande am Schwanz. Die Komi haben auch eine Wendung – den Kopf des Hechtes abnagen – das bedeutet, sehr arm leben.

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Auf dem weiteren Bild sieht man eine Ente als Schmuckmuster. In der Mythologie der Komi und anderer Völker der finnougrischen Gruppe war die Ente die Urmutter der Welt: Sie legte ein Ei, das sich in zwei Hälften geteilt hat. Aus der oberen Hälfte bildete sich der Himmel mit all seinen Gestirnen, aus der unteren bildete sich die Erde mit Flora und Fauna. Der Nachhall dieses Glaubens an die Ente als Urmutter widerspiegelt sich in der traditionellen Verschenkung der Entenschale aus Holz an die Braut. Das hat immer der Vater gemacht.

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Auβer mythologischen Motiven gehörten in die Nominierung Kostüme aus Naturstoffen – Wolle und Leinen.

Die gestrickten Pullover und Mützen sind Kunstücke von Meisterin Svetlana Turova. Sie gebraucht in ihren Arbeiten komi nationale Ornamente, und ihre Erzeugnisse sind immer praktisch.

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Die Modelle in Kostümen aus Lein sahen auch sehr hübsch aus.

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Und zum Schluss, und diese Kollektion war die letzte, sah ich überraschende Birken mit Birkenrinde geschmückt. Ein Naturstoff, der echt komi ist.

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Liebe Leser! Und welche Modelle haben euch besonders gefallen?

Bei Rentieren zu Gast

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Am vorigen Wochenende ist endlich mein Traum in Erfüllung gegangen! Ich war zu Gast bei Rentieren in der Taiga. Aus meinen früheren Beiträgen weiβt ihr, meine lieben Leser, dass die Rentierzucht im hohen Norden unserer Republik betrieben wird, in der eisigen Wüste der Tundra. Für solch eine weite Reise bin ich finanziell noch nicht bereit)))

Im Rayon Knjash-Pogost, das etwa 200 km nördlicher von Syktywkar liegt, tief in der Taiga, haben Rentiere seit 2013 ihr Winter-und Sommerquartier. Die 500-köpfige Herde wurde im Autonomen Kreis von Jamal-Nenzen gekauft und über den Ural aus Sibirien in die Republik Komi getrieben. Das sind Rentiere, die nicht „nomadisieren“, sondern lange Zeit auf einem Ort bleiben und Moos fressen. Auf solche Weise will man die alten Traditionen der Taigarentierzucht aufzuleben, denn in den 50-er, 60-er Jahren des 20.Jahrhunderts weideten Rentiere hauptsächlich in Waldgebieten.

Rentiere haben sich im Wald eingelebt und erwarten die ersten Gäste – neugierige Stadtbewohner. Das Reisebüro „Schuda olöm“ (zu komi: Glückliches Leben) organisiert kleine Gruppen von Touristen. Ich war natürlich in der ersten Gruppe. Zwei Stunden mit dem Bus, eine Stunde mit dem Schneemobil und wir waren tief in der Taiga.

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Das erste, was ich gesehen habe, war das Tschum (das Rentierzelt) und zwei Rentiergespanne.

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Auf einem saβ ein netter Hund. Das andere Paar war festlich angekleidet, nach der nenzischen Mode.

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Die Tschumwirtin Vera empfing uns sehr freundlich und lud uns zu einem Mittagessen ein.

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Im Tschum war es sehr gemütlich. Mitten im Zelt heizte der Ofen und darauf kochte eine sehr aromatische herzhafte Brühe aus Rentierfleisch. Von auβen ist das Tschum klein, aber im Tschum ist es ziemlich geräumig. Es gibt keine Fenster, nur oben bleibt es offen.

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Das Süppchen war sehr deftig und wir haben sehr schnell unsere Kräfte nach einer langen Fahrt wiederhergestellt. Nach dem Essen gab es ein Gespräch mit Vera. Sie hat uns über ihr Leben in der Taiga erzählt. Sie sind eine Familie mit zwei Kindern. Seit 2013 sorgen sie für die Herde. Das Tschum, wo wir waren, ist ein Gästetschum. Das Wohnzelt hat man uns nicht gezeigt. Vor der Reise hat man uns gesagt, dass diese Familie ziemlich zurückgezogen lebt. Und wir hatten natürlich Verständnis. Zum Unterschied von Komi sind Nenzen bis jetzt Heiden und ihr Leben hängt von alltäglichen und festlichen Ritualen ab. Sie leben in ihrer Welt.

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Vera ist aber eine erfahrene Rentierzüchterin und das ist ihr Beruf fürs Leben. Sie weiβ viel über Rentiere und einiges haben wir mitbekommen. Ich war über einige Tatsachen sehr überrascht. Zum Beispiel, Rentierklauen können sich der Jahreszeit anpassen. Die Rentiere können, sozusagen, ihre Sommersandalen auf Winterschuhe wechseln. Im Sommer ist die Erde weich und die Klauen werden etwas lockerer. Im Winter bilden sich die Klauenballen zurück (ob man mich gut versteht?))), die Klaue wird fester, damit das Rentier im Schnee und auf dem Eis sich sicher fühlen kann und nicht rutscht. Es ist ihm so auch leichter das Moos aus dem Schnee zu bekommen.

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Nun war die Zeit Rentiere zu streicheln. Wir haben für sie Brot mit Salz vorbereitet – das naschen sie mit Vergnügen. Die ganze Herde war im Wald. Der Schnee war unfest und man trieb die Tiere in die sichere Stelle. Wir beschäftigten uns nur mit diesen vier tapferen Schlittentieren.

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Und natürlich Fotos! Ich habe hunderte davon gemacht.

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Rentiere waren sehr geduldige Modelle. Hier sind einige besonders schöne Fotos. Man sieht, dass Riemenzeug der Tiere verziert ist. Alles macht man aus Leder und Knochen der Rentiere.

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Wir haben ziemlich viel Zeit in der frischen Luft verbracht und danach gab es im Tschum noch einen kleinen Workshop. Wir bastelten eine nenzische Puppe aus Leder und Rentierfell.

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Zum Schluss machten wir ein gemeinsames Foto und fuhren glücklich nach Hause.

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Der russische Tee schmeckt gesund

omMZ2oOAZ1oDas Foto von Galina Popova

Das schmalblättrige Weidenröschen heißt er auf Deutsch und auf Russisch der Ivan-Tee (Ivan-Tschai). Seine Herstellung hat in Russland eine sehr alte Tradition. Das aromatische Getränk wurde von unseren Vorfahren bevorzugt, bevor der schwarze Tee aus fernen Ländern eingeführt wurde. Die Russen kannten nicht nur sein einzigartiges Aroma, sondern auch seine Heilwirkung. Ein kleines Örtchen Koporje (nahe von Sankt Petersburg) gab dem Tee seinen Namen – der Koporskiy Tee. Insgesamt hat die Pflanze in Russland mehr als 60 Namen, doch mehr bekannt sind die Namen Ivan-Tee und Kiprej.

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Der Ivan-Tee ist im Norden überall zu treffen. Im Monat Juni kleiden sich die Weiden in Lila und man hört lautes Summen von Bienen. In der Republik Komi heißt es – der Sommer ist da! Schmalblättriges Weidenröschen ist seine Visitenkarte.

uDKC3ZBtHyADas Foto von Wladimir Malzev – Ist das Bild nicht der Lünebruger Heide ähnlich? 

Von Vorkuta und der Tundra, über die Taiga bis zu Feldern der südlichen Gebiete steht der Ivan-Tee kerzengerade und verleiht der rauen nördlichen Natur einen besonderen Reiz.

fED_EE0bSxgEin schönes Foto von Wlad Plotnizkiy – Ivan-Tee bei Vorkuta in der Tundra

Ich bin in Inta aufgewachsen. Diese Stadt liegt etwas südlicher des Polarkreises. Auch ich habe diese Pflanze in meinen Kindheitserinnerungen. Aber damals  hatte ich sie immer mit der Kälte assoziiert und es bedeutete für mich – ich fahre zur Oma in die Ukraine.

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Die Komi haben viele traditionelle Getränke, doch der Ivan-Tee gehört eher zu der russischen Kultur. Da es heutzutage eine Mode ist, die alten Traditionen neu aufleben zu lassen und eine gesunde Lebensweise zu führen, schenkt man dem Ivan-Tee eine größere Aufmerksamkeit. Er enthält kein Coffein und ist deshalb viel gesünder als der klassische schwarze Tee. Wir haben uns auch von dieser Mode anstecken gelassen und nun trinken wir an machen Winterabenden aromatischen Ivan-Tee.

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In diesem Jahr ist es schon das zweite Mal, wenn wir den Tee selbst beschaffen. Mein Mann kennt sich in chinesischen Teesorten gut, weil er Chigong-Gymnastik macht. Nach den Übungen trinkt man in seiner Gruppe chinesischen Tee und veranstaltet die ganzen Teezeremonien.

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Also suchen wir uns Felder aus, weit von der Stadt, wo die Luft frisch und die Natur meist unberührt ist und sammeln große Bündel von der Pflanze. Solche Blumensträuße sehen großartig aus. Zu Hause werden die Blätter und die Blumen abgerissen.

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Die Blätter werden etwa 12 Stunden fermentiert und unter den Druck gestellt und dann im Ofen getrocknet. Der Tee ist zubereitet! Blumen werden dann einfach getrocknet und je nach Geschmack mit dem Tee gemischt.

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Manchmal zieht mein Mann die Blätter zuerst durch den Fleischwolf und man bekommt schwarzen Tee. Zum grünen Tee werden die Blätter ganz getrocknet.

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Der aufgebrühte Tee riecht nach Honig. Im Zimmer verbreitet sich feiner Blumenduft und es wird sehr gemütlich. Wenn wir Gäste haben, so wird ihnen immer der Ivan-Tee angeboten auch mit Mischungen aus getrockneten Himbeeren oder Minzenblättern.

In diesem Sommer war die Blütezeit von dieser Pflanze sehr prächtig. Die Fotos zeigen diese Pracht. Und hier ist ein herrliches Bild von Ksenija Ossipova.

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Norden. Die Farbe Lila.

Johannistag auf komi

Am 7.Juli feiern die Komi Iwan Lun (Tag Johannes des Täufers), die Russen den Iwan-Kupala-Tag. Besonders viele Bräuche werden in der Nacht zum 7.Juli begangen.

Ich bin keine Ausnahme. Dieses Fest kenne ich aus meiner Kindheit, wo ich die Ferien in der Ukraine verbrachte. Als kleine Kinder waren wir von diesem Fest begeistert. Wir gingen auf die Wiese, sammelten Blumen und Kräuter und flochten daraus Kränze. Am Abend machte man ein großes Feuer und wir sprangen über die Glut. Damals machten wir uns darüber keine Gedanken, welche mystische Bedeutung das alles hatte. Für uns war es ein schönes Sommerfest. Meine Großmutter hielt sich aber an diese Bräuche. Sie warnte uns immer, man darf an diesem Tag nicht baden, eine Wassernixe nimmt dich sonst in die Tiefe des Flusses.

Ich kann mich auch daran erinnern, dass die Großmutter alle meine Kränze im Dachraum aufhing. Sie hingen dort die ganze Zeit, bis ich erwachsen wurde. Das sollte mich vor Unglück und Krankheiten schützen. Vielleicht deshalb war ich als Schülerin niemals krank))).

In meinem erwachsenen Leben gab es keine Gelegenheit, dieses Fest zu feiern. Aber ich sehnte mich nach diesem Brauch, denn er war die schönste Erinnerung an meine Kindheit. So habe ich vor kurzem ganz zufällig eine Wochenendtour entdeckt, die eine wunderschöne Ethno-Erholung mit Iwan-Lun-Bräuchen anzubieten hatte. Ich war höchst überrascht und habe mir festgenommen, dabei zu sein.

Der Ort war sehr schön: ein gemütliches Ferienhaus im ländlichen Stil, ein Teich zum Bootsfahren, eine Banja, wo man nach dem heißen Dampfbad ins kühle Wasser des Teiches tauchen konnte – ein Traum für den verwöhnten Stadtbewohner.

Das Programm war sehr reich, aber die Zeit zu knapp – nur die Nacht. So habe ich überhaupt nicht geschlafen, obwohl die anderen schon ganz schnell müde waren. Für mich sollte es ein richtiges Fest bedeuten, wie in meiner Kindheit.

Am Abend gingen wir auf die Wiese und sammelten Blumen. Wie duftend war die Wiese!!! Allein das Aroma machte uns glücklich.

Bester Laune machten wir uns auf das Kranzflechten. Dabei hatten wir weiße lange Hemde. Ich trug die Wyschywanka, die ich von meiner Großmutter bekommen habe, und diese von ihrer Großmutter – über 200 Jahre ist sie alt!!! Die Wyschywanka ist ein ukrainisches Hemd mit Stickmustern. So fühlte ich mich den Traditionen meiner Vorfahren fest angebunden.

Als die Blumenkränze fertig waren, gab es ein lustiges Programm mit Spielen. Aber alle warteten mit Ungeduld auf das Feuer. Um Mitternacht war das Feuer fertig und alle standen Schlange, um über das Feuer zu springen. Dieser Bruch soll die Seele der Menschen von allen ihren Sünden reinigen.

Nachdem Feuerspringen warfen die Frauen ihre Kränze in den Teich. Alle Kränze blieben auf der Wasseroberfläche. Das war ein gutes Zeichen! Mir war es schade, meinen prächtigen Blumenkranz zu werfen. Aber ich habe alles nach dem Brauch gemacht.

Danach waren alle müde und suchten sich ein Bett. Ich nahm einen Angelstock, ein bisschen Brot und setzte mich ans Ufer des Teiches. Von Zeit zu Zeit hatte es angebissen und schon lagen im Eimer ein paar üppige Fischlein. So saß ich bis zu 5 Uhr und beobachtete, wie malerisch der Nebel über dem Teich liegt, wie die Sonne aufgeht, und wie die Möwen auf Fische jagen.

Vom langen Sitzen wurde es mir sehr kalt und ich ging in die Banja. Doch ich wagte mich nicht in den Teich zu tauchen, wie es die anderen gemacht haben, denn es war ziemlich kalt. In diesem Sommer will sich das Wetter uns leider nicht verwöhnen.

Tief beeindruckt fuhr ich nach Hause, als ob ich für einen Tag wieder in meiner ukrainischen Kindheit wäre!

Die Komi halten diesen Tag für ein wichtiges Fest, doch sie haben ihn am 24.Juni nach dem alten Kalender gefeiert. An diesem Tag hat das Wasser eine besondere Heilkraft. Das Hauptattribut dieses Tages ist deshalb die Banja, in der ein Dampfbad mit neuen Birkenzweigenbesen genommen wird. Man glaubt, dass man die Seele und den Körper auf solche Weise reinigen kann. Bis zu diesem Tag war es verboten, die Besen herbeizuschaffen. Nebenbei bemerkt, werden heutzutage Birkenzweigenbesen für die Banja auch im Juni gemacht, dann werden sie den ganzen Winter gebraucht.

Die Banja am Vorabend des Festes ist besonders gesund. Wenn man Kinder badet, spricht man verschiedene Zaubersprüche für Gesundheit. Die Erwachsenen sind der Meinung, dass der Birkenzweig an diesem Tag den Schmutz aus dem Körper hinausjagt. Er saugt den ganzen Schmutz ein und wird deshalb selbst schmutzig und nicht mehr brauchbar. So wird er sofort nach dem Dampfbad auf das Dach der Banja geworfen. Die anderen befestigen ihn auf dem Pflock. Man hing auch Birkenzweige auf Spitzen des Zauns aus und beobachtete, wurden die Birkenzweige schwarz, war es ein schlechtes Zeichen.

Die Feier fand früher auf Wiesen statt. Die festlich gekleideten Jungen und Mädchen gingen dorthin ein wunderbares Blümchen sammeln- Kupalniza (Trollblume).

Diese Blume ist das Symbol dieses Tages und gleichzeitig der Jugend und Blüte. Außerdem legte man die Kupalniza-Blumen ins Waschbecken, um selbst gesund zu bleiben, oder in den Kuhstall, damit die Kühe viel Milch geben. Außer der Kupalniza pflückten die Jugendlichen andere Blumen. Man trocknete sie und bewahrte bis zu dem nächsten Jahr. Die Jugendlichen sammelten Blumen und sangen Lieder.

In einigen Dörfern gab es den Brauch, über das Feuer zu springen. Dem Feuer wurde dabei eine besondere reinigende Kraft zugeschrieben. Die beliebteste Attraktion des Tages war eine Bootsfahrt mit dem angezündeten Feuer. Das Feuer wurde gerade im Boot angezündet. Nach allen Feierlichkeiten wurden die Kränze ins Wasser geworfen, dabei merkte man, bleibt der Kranz auf dem Wasser, ist das eine Zeichen für Freude und Hochzeit. Wenn nicht, dann kommt etwas Schlechtes.

In unserer Zeit sind praktisch alle Bräuche erhalten geblieben. An diesem Tag werden Heilkräuter gesammelt. Nicht umsonst sagt man im Volk: „Auf Wiesen gibt es Arzneien für jede Krankheit“, „trink einen Kräuteraufguss und deine Krankheit ist dann weg“. Man glaubt, dass an diesem Tag alle Kräuter eine besondere Zaubermacht haben. Aber nach dem Fest verlieren sie diese Macht.

In der Mitternacht gehen die Menschen zum Fluss, um zu baden oder sich zu waschen. Auf solche Weise können die Leute ihre Seele vor Sünden und schlechten Gedanken reinigen.

In Prilus’je hatte man die Sitte, sich auf dem Morgentau herumzuwälzen und dabei zu flüstern: „Der Morgentau ist von 70 Kräuter, deshalb sollen 70 Krankheiten verschwinden!»

Iwan Lun aus dem Jahre 2014 (organisiert vom Reisebüro „Schuda olom“, Inga Usatschowa)

Waldmenschen – neue Impressionen

Foto: Das Logo des Festivals

Schon zum zweiten Mal erregt das Ethnofestival „Waldmenschen“ Aufmerksamkeit und Interesse der Syktywkarer. Das Fest findet am 235.Guburtstag der Hauptstadt der Republik Komi – Syktywkar, und am staatlichen Feiertag Russlands – dem Tag der Unabhängigkeit. Doch für die Stadtbewohner bedeutet das Fest „Waldmenschen“ das Wiederaufleben der alten Komi-Traditionen, die nähere Bekanntschaft mit der Geschichte des Volkes, seiner Mythen und Legenden.

Foto: Der Elch – ein Motiv aus dem Komi-Kalender der Jäger.

Wie immer wurde das Fest auf dem Stefanov-Platz im Zentrum der Stadt veranstaltet. Wie auch im vorigen Jahr wurde der Platz mit Holzfiguren zum Ausmalen geschmückt. Diesmal sollten sie aber an den Kalender der Komi-Jäger erinnern. Der Kalender ist ein alter Fund aus den vergangenen Epochen der Komi-Geschichte. Darauf sind neun Tiere dargestellt: ein Elch, ein Bär, ein Renntier, ein Hermelin, ein Vielfraβ, ein Fuchs, ein Fischotter, ein Eichhörnchen und ein Marder. Auf diese Tiere wurde gejagt und jedes Tier regelte eine bestimmte Jagdsaison. Die Tiere wurden auch verehrt, denn sie nahmen eine bedeutende Stelle in den mythologischen Vorstellungen der Komi. Den Tieren wurden bestimmte Eigenschaften zugeschrieben. Aber das ist ein Thema für einen anderen Beitrag.

Foto: uralistica.com So sieht das Original aus.

Auf den folgenden Fotos kann man die Tiere erkennen.

Foto: Das Rentier

Foto: Das Eichhörnchen.

Foto: Der Fischotter.

Foto: Der Fuchs.

Die Fuguren standen zum Ausmalen da und jeder zauberte darauf auf seine eigene Weise. Besonders die Kinder waren kreativ.

Und hier ist ein über und über bemaltes Exemplar.

Die Kinder waren die Hauptgäste auf diesem Fest. Für sie gab es sehr viele Aktivitäten. Der Höhepunkt – „Baden“ im Heu. Hier konnten sie sich richtig austoben.

Die kleinen Modelle nahmen auch am Ethnomodenschau teil.

Auch jeder erwachsene Syktywkarer hatte eine groβe Auswahl an Aktivitäten: Workshops in Handwerk und Bäckerei:

Foto: eine Komi-Pizza)))

ein Flohmarkt mit Raritäten aus der Sowjetzeit:

die Ethnogymnastik und -spiele und vieles mehr.

Das Lenin-Denkmal, das auf dem Platz steht, hat im Laufe der Jahre viele Feierlichkeiten gesehen. Aber auch er hat heute, glaube ich, Spaβ gehabt))) und von der gemeinsamen Begeisterung mitbekommen.

Ich habe natürlich auch meine eigenen Impressionen, die ich in folgenden Fotos zeige.

Foto: Das niedliche Rentier erfreute durch sein ruhiges Erlaubnis: „Ach, streichelt mich! Ich bin dafür da“. Oh, wie weich ist seine Nase! Auch seine Hörner waren mit Fell bedeckt. So ungewöhnlich!

Foto: Der Komi-Jäger tanzte so komisch und so unbefangen!

Foto: Das Sur – Komi-Bier – hat lecker geschmeckt! Damit ist das Fest doppelt so lustiger.

Foto: Auch die Baba Jaga – eine böse Gestalt aus den russischen Märchen, wurde mit der allgemeinen feierlichen Stimmung angesteckt!

Und wie süβ ist dieses Bild! Der Hund trägt ein Schild : „Hilft den Katzen!“ und dabei bellt eine schicke Vierbeinige an. Super! Die Tiere gehören einem Tierheim und werben für eine Spende.

Nun sitze ich vor meinem Computer total müde und meine Beine tun mir schrecklich weh. Wie lange seit dem unendlichen Winter war ich nocht nicht so viel in der Stadt unterwegs. Der Sommer beginnt, unsicher, aber in bester Stimmung. Und das Wetter war heute wie bestellt!

Ein Raum für zwei…

so heißt die Ausstellung, die ich neulich besucht habe. Zwei angehende Künstlerinnen – Inga und Sascha – haben ein schönes Perfomance  organisiert. Inga ist Malerin und in ruhigen Tönen schildert sie in ihren Bildern das schlichte Leben des russischen Nordens, wo noch alte Holzhäuser mit schrägen Dächern und kleinen Fenstern mit hübschen durchsichtigen Gardinen zu finden sind. Das zweite Thema ist Hunde. Inga engagiert sich als eine aktive Hundepflegerin im Heim für herrenlose Hunde. Sie widmet sich leidenschaftlich ihrer Arbeit, rettet den Tieren das Leben und freut sich riesig, wenn ihre Hunde einen Herrn finden, oder, wenn ihnen eine gute Seele Hilfe mit Geld und Tat leistet. Unter ihren Zöglingen gibt es allerlei Vierbeinige und alle mögen ihre Inga.

Und sie mag die Hunde über alles. Sie sind fast auf jedem Bild zu sehen.

Soviel ich verstanden habe zeigt diese Instalation das Leben der Hunde im Tierheim, das Warten auf das bessere Leben…

Dieses Bild heiβt „Hunde in der Stadt. Wie es sein muss“. Hier hat jedes Tier seinen Herrn und ist glücklich.

Vielleicht hat Inga hier alle ihre Zöglinge dargestellt.

Und dieses Bild hat mir am meisten gefallen.

Das Bild heiβt „Nach der Banja“. Mich zieht hier das Farbenspiel an. Ich stelle mir sofort einen sonnenblauen kühlen Sommerabend vor. „Sonnenblau“ ist meine sprachliche Erfindung. Im Dorf ist bei uns oft der Sonnenuntergang so blutrot-blau, weil die Sonne den letzten grellen Blick auf die Erde wirft und ihre letzte Wärme schenkt.

Ich sitze nach der heiβen Banja auf der Bank und ein leichter Wind kühlt mein von Banjadunst rotes Gesicht. Ich beobachte, wie der Tag sich zur Nacht neigt. Alles ist still, nur die Mücken summen. Die Blumen stehen still und sprühen das Aroma aus, die man nur im Sommer genieβen kann. Die Aufgabe der Kunst ist es, den Betrachter nicht kalt zu lassen, auf Dinge des Lebens aufmerksam zu machen. Ich meine, Ingas Bilder spielen auf den Saiten meiner Seele, weil ich den russischen Norden auch so verstehe und liebe, in seiner rauhen Schönheit, in seiner grauen Einfachheit aus Holz und einer breiten Palette von Farben und Düften. Bravo, Inga!

„Ein Hof mit Hühnern“

„Der erste Schnee“ stellt ein typisches Komi-Haus mit schönen Fensterrahmen dar. Der erste Schnee ist immer etwas Besonderes im Dorf. Man sieht einen Mann. Wahrscheinlich ist er müde von Herbstarbeiten- und sorgen. Er beobachtet, wie die weiβen Fliegen auf die Erde fallen, die ihn so reichlich mit ihren Früchten beschenkt hat. Bald kommen ruhige Wintertage. Aber jetzt ist die Zeit, sich nocheinamal an den Sommer zu erinnern. Vielleicht so, wie Sascha in seinen Fotos gemacht hat. Zum Beispiel hier.

Das zweite Foto erinnerte mich an mein Studentenleben. Als ich im 1.Studienjahr war, hatten wir im Herbst als Pflicht einen Monat Kolchosarbeiten. Wir halfen dem Kolchos bei der Kartoffelernte. In einem Komi-Dorf, wo die Häuser so sind, wie auf dem Foto. Nach der Arbeit saβen wir auch so und sprachen vom Leben zu Hause und wie unser neues Leben weit vom Haus geht, über unser Studium, von dem wir nur ahnten, dass es so schwer und anstrengend sein kann. Ja, Sprachenlernen braucht Geduld. Ich erinnere mich auch daran, wie uns hausgemachter Quark und aromatisches knuspriges Brot im russischen Ofen zubereitet schmeckte, die wir bei einer Bäuerin kauften. Ja, die Zeit vergeht wie im Fluge…

Und noch ein Bild hat mir gefallen. „Die Musik des Hofes“.

Vögel sitzen auf den Drähten wie Noten. Das hat mein musikalisches Herz tief berührt. Inga und Sascha sind auch musikalisch. Wir singen zusammen im Uni-Chor. Unser Chor hat mit zwei Volksliedern die Ausstellung eröffnet. Das war sehr aufregend und musste für das Publikum unerwartet sein. Die Überrauschung ist gelungen.

Ich möchte mich bei Inga und Sascha bedanken, dass sie so viel Freude mit ihrer naiven Kunst gemacht haben.

Winterferien sind vorbei…

und es ist wirklich schade! 10 erholsame Wintertage im Dorf – das Neujahrsfest im engen Familienkreis, schneeweiβe Landschaften, Rauch aus Schornsteinen, Würstchen auf dem Feuer gegrillt, Spaziergänge in den Wald und heiβe Banja – was kann das Herz eines Stadtbewohners sonst noch begehren!!!

In diesem Jahr wurde unser Kleinster vom Väterchen Frost besucht zuerst im Kindergarten…

(der kleine Zwerg mit dem Bart ist unser Schatz)

… und dann zu Hause.

(auch unser Kater wollte mitmachen)

Um das Geschenk zu verdienen hat Wladik getanzt. Es war so rührend zu beobachten, wie sich der Kleine darüber freute. Er glaubt noch an das Wunder! (Wenn er nur gewusst hätte, dass Väterchen Frost ein Kollege meines Mannes war.)

Auch meine Studenten haben fröhliche Augenblicke erlebt. Ein kleines Weihnachtsfest an der Hochschule brachte allen gute Laune und natürlich Geschenke.

Studentin Katja hat den Weihnachtsmann mit Goethes „Erlkönig“ überrascht. Toll!!!

Die esrten Tage des neuen Jahres erlebten wir im Dorf. Märchehaft schöne Wintermotive kann man auf diesen Fotos beobachten.

Feuerrote Vogelbeeren wurden auf einmal von einem Schar der Seidenschwänze ausgeplündert. Blitzschnell verschluckten sie die süβbitteren Beeren.

Besonders schön fand ich unsere Spaziergänge. Die Natur faszinierte mit ihren Bildern.

Ein wunderschönes Bild – Blutfink im Schnee!!! Man kann diese Vögel nur bei strengem Frost beobachten – und die Temperaturen waren wirklich streng, bis zu 35 Grad Kälte.

(ein bisschen Dorfromantik)

An einem schönen Wintertag machten wir einen Ausflug in den Wald mit der Familie meiner Kusine. Eine kurze Geschichte kann man in den folgenden Fotos sehen.

(mit Birkenrinde kann man das Feuer ganz schnell machen)

(aromatisch und lecker!)

(ganz gemütlich und romantisch!)

Zum Schluss ein fantastisches Bild eines frostigen Morgens.