Archiv der Kategorie: Farben des Nordens

Meister des Jahres 2018. Die ersten Eindrücke

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An manchen Tagen sind die Säle der Museen hier in Komi leer. Die Syktywkarer sind als Mueseumsbesucher nicht gerade eifrig und fleiβig, sie werden aber auch nicht oft mit sehenswürdigen Ausstellungen verwöhnt. Das Nationale Museum der Republik Komi hat trotzdem sehr viel Sehenswertes zu bieten. Besonders gefällt mir die ethnografische Abteilung, wo die Exponate aus dem Alltag der Komi und ihrer Vorfahren ausgestellt werden.

Von Zeit zu Zeit wird die Museumsszene durch kulturelle Veranstalltungen wiederaufgelebt. Und dann strömen die Besucher in die hellen Museumsräume, um durch das Schöne inspiriert und begeistert zu werden.

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Jedes Jahr im Frühling öffnet das Nationale Museum der Republik Komi ihre Türen für ganz besondere Künstler – Handwerkkünstler. Ihre Ausstellungsstücke sind jedem Republikeinwohner bekannt, denn sie schmücken manche Wohnung und machen unser Leben bunt und gemütlich – Teppichläufer mit geometrischen Ornamenten, Salzdosen aus Wurzelholz, Zuckerbehälter aus Birkenrinde und dazu noch mit dem Muster!, anmutige Stoffpuppen, verzierte Teller und Wandbilder aus Rentierfell oder in der Patchwork-Technik. Im Museum findet die jährliche Ausstellung „Meister des Jahres“ statt. Für die Besucher ist das ein farbenprächtiges Fest, für die Handwerker das wichtigste Wettbewerb, die Anerkennung ihrer Arbeit – wer wird wohl der Beste sein? Das wird von den kompetenten Fachleuten entschieden. Wir Laien können nur mit dem offenen Mund dastehen und die Gestaltungskraft bestaunen. Aber, wo der Laie staunt, wundert sich der Fachmann)))

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Ich habe mir lange überlegt, wie ich diesen Beitrag gestalten werden. Das ist wohl eine Herkulesaufgabe, in einem Beitrag alles zusammenzufassen. So habe ich beschlossen, dass ich darüber schreibe, was auf mich einen groβen Eindruck gemacht hat. Also die Perspektive eines Laien, meine Top-Liste! Die ist zwar lang und fällt nicht mit der „Rangliste“ der Gewinner zusammen. Doch mit der Zeit schreibe ich mehr zu den anderen Ausstellungsstücken.

Nummer 1. Wandbild „Mein Norden“ von Swetlana Owerina. Und das ist wirklich – Mein Norden – so, wie ich ihn seit meiner Kindheit kenne. In der Patchwork-Technik angefertigt zeigt die farbenreiche Mosaik die vertrauten Motive meiner Heimat zu jeder Jahreszeit und es wird sofort warm im Herzen.

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Das zentrale Bild stellt den Sonnenaufgang in der Waldtundra dar. Die weiβe Pracht ist noch im Schlaf. Aber sie ist gar nicht weiβ, sie ist kalt-blau. Die Sonne geht auf, aber sie wärmt nicht. Sie ist kalt-gelb. Doch ihr Licht verwandelt die Tundra in die glitzernde kristallene Decke, wo sich bizarr und wie verwirrt ausgestickt die Tannen erheben. Die Sonne ist im Winter ein seltener Gast, guckt nur für kurze Zeit aus dem belegten grauen Himmel und verschwindet wieder. Als ich noch Schülerin war, ging ich jeden Samstag im Winter in den Wald Schi laufen. Ich war früh am Morgen aus dem Haus und beobachtete den unsicheren Auftritt der Sonne auf dem niedrigen Himmelsrand. Das Bild der aufgehenden Sonne hat sich fest in meinem Gedächtnis eingeprägt.

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Wie auch der Sonnenuntergang. Diesmal nicht mehr kalt-gelb sondern feuerrot. Und das war ein Zeichen – der nächste Tag wird ebenso kalt und windig sein. Die Stadt teilte sich dabei in der Horizontale in zwei Teilen – die dunkle, wo sich die Menschen und Autos vor Frost krochen und die rote, die die oberen Stockwerke und Dächer der Häuser so grell färbte. Wie in der Mythologie der Komi – die obere Welt und die untere Welt. Ja… Die Fenster spiegelten sich glührot, sodass man Gefühl hatte – das Haus brennt.

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Und in der Nacht loderte die türkisblaue bis smaragdgrüne Flamme – Polarlichter. Sie schlängelten sich im sternenklaren Himmel, schillerten blau-grün und liefen weg in die Dunkle einer eiskalten Nacht.

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Diese Farbkontraste kommen mir erst jetzt klar, wenn ich schon über zwanzig Jahre in einer mehr menschenfreundlichen Umgebung wohne, im Süden der Republik. Aber sie prägen bis jetzt mein Weltbild. So ist unser Norden, rau und widersprüchlich, aber romantisch und von besonderer Anziehungskraft für die Menschen, die ihren Willen stärken wollen.

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Solche Gefühle überkamen mich, als ich dieses Wandbild gesehen habe. Bunte Stoffstücke sammelten sich zu einem Mix aus Kindererrinnerungen – Mein Norden!

Nummer 2. Wandbild „Mein Norden, dich lieb‘ ich!“ von Taissija Gulakowa. Wolle, feuchtes Walken.

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Als ich dieses Wandbild zum ersten Mal gesehen habe, wollte ich es sofort berühren. Der neue Kontrast hat mich beeindruckt – die weiche, nicht gesponnene Wolle und das einfache Motiv in Grau, dämmerig und kühl. Was ist auf dem Bild dargestellt? Ein kleines Komi-Dorf im Frühling oder im Herbst? Nur in diesen Jahreszeiten wird die Natur hier so stark vom Grau beherrscht. Doch die Streifen von zartem Blau im Himmel geben die Hoffnung – das sei der Frühling. Wahrscheinlich ein Abend. Die Kühle weht übers Dorf, der Regen rieselt – doch die Wolle ist weich und warm.

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Ich sehe hier auch viel Wasser. Das Dorf steht am Fluss. Das Eis geht bald auf und das kann für die Dorfeinwohner gefährlich sein. Die ausgefahrenen Straβen sind noch unter dem Schneematsch. Oder sind das keine Straβen – Bäche? Aus den Ufern getreten, treiben sie stürmisch das Tauwasser von den nahe liegenden Hügeln zum Fluss. Der Künstler steht oben auf dem Hügel und beobachtet das Bild. Oder bin ich das? Wie oft stehe ich so mit meiner Fotocamera und und beobachte das launische Element.

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Nummer 3. Wandbild „Der Baum des Lebens“ von Elena Lomonossowa. Der Lebensbaum ist ein bekannter Mythenmotiv bei vielen Völkern, ihre kosmische Ordnung der Welt. Was auf diesem Wandbild auffallend ist, dass die obere Welt in Form des Kopfes eines Rentiers dargestellt wird. Die breiten Hörner symbolisieren die Sonnenstrahlen. Ich finde die Ausführung sehr originell.

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Nummer 4. „Die Jagd“ von Gleb Lipatow. Holzschnitzerei. Die ist zwar ziemlich klein und verläuft sich zwischen anderen mehr auffallenden Ausstellungsstücken. Doch ihre Schönheit steckt in ihrer Bescheidenheit. Die Oberfläche ist glatt und man hat den Eindruck, dass die Figuren aus Marmor angefertigt sind. Doch das Motiv ist ganz schlicht für Marmorstein. Der Jäger hetzt den Hund auf ein Tier. Beide Figuren sind in Bewegung. Nach der entschlossenen Haltung des Jägers und danach, wie der Hund die Zähne fletscht, kann man annehmen, dass ihre Jagdbeute ein gefährliches Tier ist, vielleicht ein Bär.

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Nummer 5. „Korb für Beeren“ von Larissa Zwetkowa. Birkenrinde, Kiefernwurzeln, Hohlprägen. Ich habe mir nur einfach vorgestellt, wie schön rote Preiselbeeren in diesem Korb aussehen würden. Mit solch einem Korb wäre ich auch im Wald ganz modisch)))

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Nummer 6. „Der Glück bringende Vogel des Nordens“ von Skashutina Ekaterina. Suwel, Holzschnitzerei. Für diese Arbeit bekam die angehende Meisterin eine Sonderauszeichnung – „Lehrling des Meisters“, denn sie ist noch Studentin. Aber mit der Zukunft, denke ich! Ihre Arbeit ist eine Komposition aus drei Entenschalen. Die Ente, wie ich schon früher mehrmals geschrieben habe, ist die Urmutter der Welt in der Mythologie der Komi. Die Schalen in der Entenform haben die Väter ihren Töchtern als Aussteuer angefertigt. Nun hat Ekaterina ihren Aussteuer selbst gemacht))) Eine gute Partie!

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Nummer 7. „Die Bärenschale“ von Leonid Agejew. Suwel, Holzschnitzerei, Stemmentechnik. Was muss ich hier noch schreiben? Ein Kunstwerk!

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Und die Top-Liste schlieβen für heute zwei Puppen aus Bast – „Eheleute“ von Nina Makarowa. Was kann das Eheleben mit den Leuten nicht alles machen! 

Noch mehr Farben und Muster! Die Fortsetzung folgt…

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Сhristus ist auferstanden! Христос Воскресе!

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Nun wird auch in Russland das Osterfest gefeiert. In Komi ist das Fest mit Temperaturen zwischen -1°C und 1ºC, aber sonnig. Und das ist ein gutes Zeichen.

Mein Sohn hat schon früh am Morgen den Garten „beschnuppert“ und ein paar Eier gefunden. Das ist schon lange eine Tradition in unserer Familie. Ich verstehe, dass es kein russicher Osterbrauch ist, aber es bringt immer so viel Freude.

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Wir feiern das Osterfest im Elternhaus meines Mannes. Gestern haben wir ihnen geholfen Holz zu klaftern. Sie kaufen es jeden Frühling und Herbst.

Wladislaw war auch efrig dabei. So hat er die Eier gefunden, wo er gestern geholfen hat))

Heute wurden wir alle mit schönen Eiern und Kulitsch belohnt. Es hat lecker geschmeckt! Frohes Osterfest an alle, die es heute feiern! Christus ist auferstanden!

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Frohe Ostern!

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Meine lieben Leser!

Ich möchte euch vom ganzen Herzen „Frohe Ostern!“ wünschen! Ostern ist das schönste Frühlingsfest, das Fest der Nächstenliebe und des Friedens, was wir alle sehr in der letzten Zeit brauchen. Seid bitte mit Hoffnung erfüllt und findet die Zeit, einander etwas Schönes zu machen und den Bedürftigen zu helfen.

Bei mir waren die letzten zwei Wochen ziemlich stressig, so habe ich beschlossen ein bisschen Luft zu holen und „Tapeten zu wechseln“. Ich habe mich mit Meisterin Swetlana Agejewa für ein kleines Workshop in der Mesener Malerei verabredet und beschäftigte mich mehr als zwei Stunden mit dem Bemalen des Ostereis. Das könnt ihr auf dem Foto sehen, wo statt traditionellen Pferden Rentiere dargestellt werden. Ich mag sie sehr!

Swetlana ist Kindererzieherin und arbeitet im Kindergarten, doch sie widmet viel Zeit ihrem Hobby.

SONY DSCAuf dem Foto Swetlana Agejewa

Ich habe Swetlana vor einem Jahr kennen gelernt, eben auf einem Workshop im Museum. Seit dieser Zeit träumte ich von einem privaten Unterricht von ihr) Sie ist geduldig, wie jede Kindererzieherin sein muss))) und erklärt alle Einzelheiten von dieser Volkskunst. Sie deutet die Muster und ihre Symbolik in der Malerei. Das macht unsere Treffen sehr informativ. Unter anderem besprechen wir unsere tägliches Leben, wie es oft unter den Frauen der Brauch ist.

Die Arbeiten von Swetlana sehen immer sehr festlich aus, sind hübsch und anmutig. Am meisten reizt mich das Farbenspiel der Mesener Malerei – die Kombination von Schwarz und Rot.

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Besonders gefallen mir ein Kowsch mit Pferdekopf (zu deutsch: Trinkgefäβ) und der Schwan. Beide sind auf dem Foto unten. Aber sie wurden in einem anderen Stil bemalt, das auch zur Volkkunst des europäischen Norden Russlands gehört.

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Im Jahre 2016 hat Swetlana drei Tafeln ausgestellt. Das war im Wettbewerb der Handwerker „Meister des Jahres 2016“. Sie haben mir sehr gefallen, aber damals waren wir mit Swetlana noch nicht bekannt. Unter den typischen Motiven der Malerei – Pferden – sieht man auf den Tafeln Szenen aus dem Leben im Norden der Republik. Ihr seht auf den ersten zwei Rentiere im Streifen unten und im oberen Teil ein Rentiergespann und Jäger auf der Jagd in der Parma. So wiederspiegeln sich in den traditionellen Mustern die Bilder der Komi-Heimat.

Über die Mesener Malerei gibt es ziemlich viel Information im Internet (auch auf Deutsch), ich muss nur sagen, dass sie aus dem Gebiet von Archangelsk kommt. In der Republik Komi ist die Mesener Malerei im westlichen Rayon Udora verbeitet, der an der Mesen liegt (die Mesen ist der Nebefluss von der Norddwina). Und wenn ihr euch ein bisschen aufmerksamer die Bilder ansieht, könnt ihr die typischsten Muster bemerken.

Hier sind nun Fotos, die die Handwerkkunst der Mesener Malerei in der Republik Komi präsentieren. Meisterin Oksana Baklanowa (das Gebiet Udora):

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Und noch zwei hübsche Teller dazu:

Der Teller für Pfannkuchen von Wladimir Kisseljow (das Foto unten). Das verzierte Geschirr ist Appetit erregend!

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Zwei Täfelchen von Wladimir Kisseljow:

Sergej Doronin (Udora) hat die Mesener Motive auf seine Weise interpretiert. Das sieht nicht weniger schön aus! Soviel ich verstanden habe, ich Sergej Schüler und angehender Meister, aber er hat schon bestimmt Erfolg erzielt. Die Fotos unten:

Von allen diesen Bildern entsteht bei mir auf das Mehrfachste der Wunsch, mich mit der Mesener Malerei zu beschäftigen. Und das ist nicht deswegen, dass ich Meisterin werden will, nein, für mich ist das die beste Möglichkeit, den Alltagssorgen zu entfliehen und vom Berufsstress auszusteigen. Auch diesmal, als mein Pinsel über dem Ei eifrig krabbelte, so dass ich auch nicht aufatmen konnte, war mein Kopf völlig frei von allen Gedanken, die mich so lange belastet haben. Und dazu habe ich ein Geschenk zu Ostern mit eigenen Händen gemacht.

Mein Osterei hat zwei Seiten, kein Kunststück natürlich, aber ein kleiner Erfolg.

Während ich zwei Stunden wie ein Bienchen werkelte, meisterte Swetlana in zwanzig Minuten ein hübsches Ei und das war ein Bonus für meinen Fleiβ.

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Ich schenke das Ei der Tante meines Mannes. Es ist bei uns schon immer der Brauch, dass sich alle Beljajews bei ihr am russischen Osterfest versammeln, im Elternhaus meines Schwiegervaters, wo sie noch bis jetzt lebt. In diesem Jahr fällt das Osterfest in Russland auf den 28.April, also in einer Woche.

Frohe Ostern!

„Schanga-Fest“ – wo sich am meisten der Magen freut!

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Für zwei Tage wurde der Ethnopark im Dorf Yb zum Mekka der finno-ugrischen Gastronomie. Hier trafen sich die Köche, die zu ihrem Schwerpunkt die nationalen Küchen der finno-ugrischen Welt machen. Die Gäste aus Finnland, Ungarn, Karelien, und Mari El verwöhnten die Festbesucher mit ihren Appetit erregenden Spezialitäten. Ich weiβ nicht, wie die anderen, ich habe mich auf das Festival auf nüchternen Magen begeben.

Fünf groβe Zelte luden die Besucher zu einer prächtigen Mahlzeit ein. Die erste Station meiner gastronomischen Tournee galt der finnischen Küche, denn hier zauberte der Chef-Koch Jyrki Tsutsunen (auf dem Foto).

SONY DSCEin sehr netter Mensch! Und was er zubereitet hat, war für den russishen Magen eine Exotik) Ich meine die Sauce aus Nesseln und Creme aus Nadeln (ich denke, ich habe bis jetzt noch den Geschmack des Tannenbaums in meinem Mund))) Aber es hat super geschmeckt!

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Auf dem Foto seht ihr die Sauce aus Nesseln. Die konnte man in einem Butterbrot probieren, das mit Renkefleisch belegt wurde. Die Renke ist ein fleischiger Fisch aus dem Norden der Republik Komi und ist sehr köstlich, besonders gesalzen (auf dem Foto unten).

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Die Spezialität von Jyrki war jedoch die Sahnesuppe aus Lachs. Aber 400 Rubel für das Tellerchen konnte ich mir leider nicht leisten. So habe ich nun das Butterbrot und eine Teigtasche mit Eiercreme probiert. Es war lecker! So sah meine bescheidene Mahlzeit aus))

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Ein bisschen später habe ich das finnische Zelt wieder besucht und diesmal mit dem Ziel den Preiselbeerenbrei mit Creme aus Nadeln zu probieren)

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Das ganze gastronomische Abenteuer mit neuen Genüssen erinnerte mich an etwas ganz gut Bekanntes. Ja! Das war der Geschmack der Natur, des Waldes! So schmeckt das Handvoll Preiselbeeren, die ich auf der Pilzjagd von Zeit zu Zeit sammle, um den Hunger im Wald etwas zu stillen. So riecht es am Ufer des Flusses, wenn wir während unserer Paddeltour etwas Nadelzweige ins Feuer legen, um die Mücken zu verjagen. Das ist der Geschmack der Heimat!

Als zweites besuchte ich das Komi-Zelt. Ich wollte nur einfach fotografieren, aber als ich dieses kulinarische Farbenspiel gesehen habe, lief mir das Wasser im Munde zusammen.

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Ja, die nationale Küche kann auch ästhetisch sein! Alles schlicht – Rentierfleisch, Pilze, Katroffel und Preiselbeeren, aber wie es aufgetischt wurde! Also ich habe mir Frikadellen aus Rentierfleisch auf dem Kartoffelfladen und Kartoffelsalat mit Pilzpotpourri bestellt.

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Als ich das Bestellte bekommen habe, erinnerte ich mich auf das Lied von Udo Lindenberg – „“0-Rhesus-Negativ“ – da verzog er sein Gesicht und meinte: „So’n Mist  ausgerechnet diese Sorte vertrag‘ ich nicht!“ Was war da im Glässchen? Sicher nicht das Blut – Preiselbeerensauce))

SONY DSCFoto: Kartoffelsalat mit Pilzen

Nach solch einer üppigen Mahlzeit viel es mir schon ziemlich schwer, die anderen Küchen kennen zu lernen))) So musste ich mich nur mit Fotos zufriedengeben. Dazu eine Galerie.

Im Park herrschte eine fröhliche Atmosphäre, nach dem Ptinzip – erst das Essen, dann das Spiel) Ich erinnerte mich sofort an den Spruch, den ich noch als Studentin gelernt habe – „Nach dem Essen sollst du ruh’n, oder tausend Schritte tun“. So habe ich beides gemacht!

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Eine Chill-out-Zone auf Komi-Art lud zum Verweilen ein. Schönes Wetter und gutes Essen – das ist das Rezept des perfekten Wochenendes. Nach einer kurzen Entspannung ging ich weiter auf die Foto-Safari durch den Park.

Das Fest dauerte zwei Tage und laut der Statistik wurde dort 150 L der fisnnischen Fischsuppe, 10 L Schwarzkohlsuppe, 30 kg von ungarischem Gulasch und 1300 Schangas gegessen. Und noch vieles mehr, was mir sehr schwer fällt aus dem Russischen ins Deutsche zu übersetzen)))

Rentiere sind schon weit weg in der Tundra… und der Sommer kommt und kommt nicht

Während mancher Europäer schon richtig die Sonne genieβt, frieren wir hier in Komi beim Schnee, Wind und Regen. Meine lieben Tulpen und Narzissen warten vergeblich auf die Sonne. Jeder Hobby-Gärtner klagt über die Unernte in diesem Jahr und hält den Boden pflanzenbereit. Aber… das liebe Wetter hat sein Spiel im Auge.

Ich habe meine Mutter angerufen, fröhlich mit ihr geplappert))) nun wie ist das Wetter, hab ich gefragt? – Frisch, es schneit, aber doch frisch))) – Es war am 4.Juni!

So denke ich, bin ich nicht spät mit dem zweiten Teil des Beitrags zum Rentierfest. Und meine Erinnerungen an das Fest sind noch frisch, wie halt das Wetter im Juni))))

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Nun waren die meisten Ereignisse des Festes vorbei und die Zuschauer haben endlich die Möglichkeit bekommen die Tiere zu streicheln. Besonders glücklich waren die Kinder, doch auch die Erwachsenen fanden den gröβten Spaβ, dem Tier sein Fellchen hinter den Ohren zu streichen.

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Ich war auch keine Ausnahme!

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Panem et circenses! Brot und Zirkusspiele! Ja, wir haben genug gesehen, nun meldete sich der Hunger. Die Gastronomie des Festes war gerade nicht variativ, aber sehr lecker – Rentierfleisch als Snacks geräuchert oder als Schaschlyk gegrillt. Die Snacks zum Bier sind Spezialitäten aus Inta und Vorkuta. Doch Bier trinkt man beim Frost nicht)) Das kaufen die Gäste des Festes eher als Souvenirs.

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Doch Schaschlyck war super! Obwohl das Fleisch selbst für solche Gerichte normalerweise nich geeignet ist, weil es fettarm ist. Man hat uns erklärt, dass das Fleisch zuerst geschmort wurde und dann schon gegrillt.

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Mit schwarzem Brot schmeckte das Fleisch himmlisch! Und eine Tasse herzhafter Brühe machte uns wieder munter. Die Brühe bekam man einfach aus der Teekanne) Natürlich konnte man auch Tee oder Kaffee kaufen, aber die Brühe was das Richtige für das Moment, um die Seele von innen zu wärmen!

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Aus Inta habe ich leckere Souvenirs auch mitgebracht: vor allem rohes Fleisch, denn in Syktyvkar kann man diese Köstlichkeit nicht kaufen (ich meine frisch nach dem Schlachten). Hier kann man nur Wurst und Snacks bekommen und für höhere Preise. Die Fotos zeigen das leckere Angebot.

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Genug gesättigt machten wir uns auf den Weg zu Abenteuern) Die Zuschauer konnten für 100 Rubel eine Runde auf den Rentierschlitten machen. Wir waren auch dabei.

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Nach allen Ereignissen des wunderschönen Tages war unsere kleine Gesellschaft ziemlich müde, noch ein gemeinsames Foto und wir gingen nach Hause.

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Wie schön wäre ein Heimfahrt so wie auf dem Foto!!! Aber wir gingen zu Fuβ auf den Wegen, wo im Sommer nur Fluss und Sumpf liegen. Und wir sprachen über das Leben, wie es den Frauen interessant sein kann.

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Zu Hause fiel ich auf das Sofa, meine Wangen glühten vor Frost, Sonne und Wind und mein Herz bebte vor Freude. Doch ich musste wieder nach Syktyvkar und meine Mutter war etwas traurig…

Als Erinnerung an diese Zeit hängt nun an der Wand ein Andenken – ein Stück Horn, und das gibt Hoffnung auf neue Eindrücke und Erlebnisse!

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Auf den Pfoten des Rentiers kommt der Frühling

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Das Fest des Rentierzüchters stand schon immer auf meiner Event-Top-Liste, aber bisher hatte ich keine solche Gelegenheit genutzt. Denn in diesem Fall müsste ich nach Inta im Frühling fahren, und das ist noch Uni-Zeit. Ja, ich habe ein paar Beiträge zu diesem Thema, aber da fehlen meine eigenen Eindrücke und Erlebnisse. In diesem Jahr strahlten die Glückssterne über mir – kein Unterricht und dazu noch eine Prämie von der Uni)) Das war das schönste Wochenende in diesem Jahr!

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Damit ihr versteht, dass es eine wirklich aufwendige Tour ist, muss ich sagen – ich brauchte etwa 12 Stunden mit dem Zug hin und zurück – also 24 Stunden mit dem Zug unterwegs. Zum Glück sind die Zugverbindungen günstig und ich habe in meiner Stadt den Samstag und Sonntag verbracht. Meine Mutter war natürlich sehr froh, meine Schullehrerin (jetzt meine gute Freundin) auch.

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Das Fest findet einmal in zwei Jahren statt und das war schon das 15-te. Doch ich war niemals dabei, obwohl ich in Inta aufgewachsen bin. Zur Sowjetzeit hatten wir keine solchen Feste gehabt, und auch kein Rentierfleisch gegessen, denn es wurde exportiert – wie man sagt – der Schuster hat die schlechtesten Schuhe. Die Traditionen wurden erst nach der Wendezeit in Russland wiederaufgelebt. Und nun ist das Fest zu einem unvergesslichen Ereignis geworden – im hohen Norden gibt es leider nicht sehr viele Feste!

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Ich bereitete mich auf diese Reise tüchtig vor – nur die wärmsten Sachen, denn laut dem Wetterbericht sollte mich eine richtige Kälte erwarten – -30! Brrr! Das war für mich aber kein Hindernis. Am Tage meiner Anreise schien in Inta die Sonne und der Frost war dadurch fast nicht zu spüren. Ich erholte mich ein bisschen zu Hause und wir gingen mit meiner Mutter durch die Stadt bummeln, was wir schon eine Ewigkeit nicht gemacht haben.

Eine Tour durch die Läden – und nun kamen wir zum Wahrzeichen der Stadt – dem Wasserturm. Er wurde nach dem Entwurf von dem schwedischen Architekten Arthur Tamvelius errichtet und sollte an die Türme vom Kreml erinnern. So eine Schicksalsironie! Wie kam der Architekt nach Inta? Wie viele Menschen der Stalin-Epoche – als politisch Gefangener.

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Heute beherbergt das erhabene Bauwerk im Stil der Gotik das Museum der GULAG-Geschichte in Inta und erzählt über die traurige Entstehungsgeschichte der Stadt. Nun, darüber schreibe ich noch.

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Ich war noch niemals im Inneren des Turmes und es war für mich sehr interessant. Doch mein Ziel war das Fest. Es findet tradionell im März im Vorort der Stadt, neben dem Flugahfen und es liegt ziemlich weit von der Stadt, fast in der Waldtundra auf einem  für alle Winde offenen Platz. So musste ich mich richtig warm anziehen. Bei uns scherzt man oft über eine Person, die sehr warm angezogen ist und sagt dabei: „Willst du mal zum Nordpol?“ Ja, in meinem Fall war es ganz ernst – denn sicher sei eben sicher – zwei Pullover, eine lange Daunenjacke, eine Daunenhose und natürlich die Pimy als Fuβbekliedung – ein passendes Outfit! Die Pimy wurden fast von allen hier getragen.

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Was wäre meine Ausrüstung ohne Fotokamera! Ich habe meine zwei Battierien voll geladen, aber trotzdem war ich unsicher, wie das alles auf dem Frost funktioniert. Als meine Kamera fast „leer“ zeigte, wechselte ich die Battierie und steckte sie in meine Handschuhe. So luden sie sich ein bisschen von der Wärme meiner Haut))) Das habe ich mehrmals gemacht, bis ich beide Batterien und meine Flashkarte kaputt fotografiert habe))) Doch das Wetter war herrlich, wie bestellt! Die Sonne war blendend und ich meine, ich habe ein paar Sommersprossen bekommen. „Windstill“ – hat der Mann meiner Schullehrerin gesagt – und er ist Flughafendirektor))) Es schien, die ganze Stadt versammelte sich hier und es war vielleicht warm vom gesamten Hauchen der Menschen und Rentieren, von der fröhlichen Atmosphäre und Vorfreude auf das Ereignis!

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Das Fest wurde eröffnet und das Treiben begann.

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Alle warteten natürlich auf das Rentierschlittenrennen. Rentierschlittenführer warteten mit Ungeduld auf das Wettbewerb, die Zuschauer auch, und nur die Rentiere waren ganz ruhig. Diesmal sollte der Gewinner 100.000 Rubel bekommen.

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Das Rennen ist immer das spektakulärste Ereignis des Festes. Ich wollte alles fotografieren und wählte einen der besten Plätze aus. Als ich mir dann zu Hause die Fotos ansah, war ich sehr froh – ich hatte tolle Fotos gemacht. Auf manchen Fotos sieht man, wie die Tiere komisch ihre Zungen ausstrecken. Das zeugte davon, dass sie müde waren. Aber es war so lustig!

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Die Rentiere an sich sind keine Renntiere, und manchmal waren sie ganz eigensinnig und wählten ihre eigene Route))) Dann hatte der Kajur Pech (Kajur heiβt Schlittenführer).

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Hier gibt es mehr Fotos:

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Der richtige Kajur muss so aussehen: Er hat eine Maliza, einen Gürtel mit Messern und Toboki – hüftenhohe Fuβbekliedung. So ist man in der Tundra gegen jeden Wind und Frost gesichert!

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Die Kajurs sind ganz modisch – weit in der Tundra doch nicht ohne Ästhetik! Ich wunderte mich sehr über das Design von Toboki – eine richtige Modenschau!  In der öden Tundra fehlen die Farben, dadurch erklärt man, dass die Kleidung der Rentierzüchter farbenreich ist.

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Die Kleidung aus Rentierfell wird in der Tundra von Jung und Alt getragen. Das Rentier gibt dem Menschen alles, was er braucht.

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Besonders süβ waren die Kinder.

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Ich konnte natürlich die Gelegenheit nicht verpassen und kleidete mich auch))) Schade, dass wir heutzutage sehr von der Mode abhängen! Die Tundra-Menschen kennen den Umstand – wenn es richtig kalt ist, rettet die Kleidung das Leben.

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In der Maliza hat man das Gefühl der Geborgenheit und es ist wirklich sehr warm!

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Die Fortsetzung folgt… Zu viele Eindrücke für einen Beitrag!

 

 

 

Bernstein aus dem Sumpf

OI9dtl3a8LgFoto: Igor Trier

Die Komi ist eine riesige Schatzkammer. In ihrem Schoβ lagern sich unzählige wertvolle Stoffe. Doch Schätze kann man auch im Sumpf finden. Ende Juli – Anfang August beginnt die stille Jagd nach Bernstein. Ist es so was möglich? – fragt ihr. Meine Antwort – und wie! Bernstein aus dem Sumpf – so wird bei uns die Moltebeere (auf rissisch Moroschka, auf komi Myrpom) genannt. Wenn sie schön reif ist, bekommt sie eine Farbe, die ihr diesen treffenden Beinamen gibt. Eine hübschorangene aromatische Beere ist eine wahre Köstlichkeit und ist immer auf dem Tisch willkommen. Sie trägt in sich den Geschmack des lauwarmes Sommerwindes, den Rausch von Sumpfdüfte und die Klarheit vom Tau.

Игорь Триер 3Foto: Igor Trier

Sie hat noch viele anderen Beinamen – Sumpfwächter, arktische Apfelsine oder Zarenbeere. Ich weiβ nicht, warum sie als Sumpfwächter genannt wird, aber wenn ich die Fotos sehe, so merke ich, wie stolz sie aus dem Boden emporragrt. Sie strebt sich zur Sonne empor, als ob sie etwas mehr vom Leben sehen will. Sie wacht über die Stille der nördlichen Natur.

Валентина Новикова

„Die arktische Apfelsine“ zeugt davon, dass die Moltebeere viermal reich an Vitamin C ist als diese exotische Frucht. Die Eskimos schätzten sie deswegen als Heilmittel gegen Skorbut. Der letzte Beiname – „Zarenbeere“ – weist darauf hin, dass diese Beere für uns besonders wertvoll ist. Sie wächst im Geheimen weit von den menschlichen Augen im Herzen von schwer zu erreichenden Sümpfen. Ihre Abgeschlossenheit macht sie besonders begehrenswert. Oft beginnt der Weg mit solchen geheimnissvollen schmalen Pfaden und führt durch die Dickicht.

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qB_7mjM9-wwFotos: Valentina Novikova

Doch am Ende eröffnet sich der Blick, dass diese mühevolle Fuβwanderung lohnt. Aus dem saftigen Grün des Sumpfes schauen verstohlen orangene Perlen und flüstern: „Nimm uns mit!“

Игорь Триер 2Foto: Igor Trier

KqweODwMsSYFoto: Aleksej Resnitschenko

Doch wer sich auf die stille Jagd nach Moltebeeren macht, muss damit rechnen, dass sie manchem sogar Blut kosten wird)) Ich meine damit die Scharen von blutsaugenden Monstern. Kriebelmücken – sind eine richtige Plage! Gegen diese sind keine Repellenten wirksam. Sie kriechen überall hin und wenn sie beiβen, ist es nicht auszuhalten!

Игорь Триер 1Foto: Igor Trier auf der Jagd nach dem Foto.

Wer wagt aber, der gewinnt! Die anderen können die Leckerei kaufen und, weil Moltebeeren die teuersten Beeren sind, so gibt man für einen Liter etwa 500 Rubel aus.

карлова 3Foto: Tatjana Karlova

Was wird dann mit der Ernte zu Hause gemacht? Die Komi legten die Beeren einfach ins Wasser ein, denn sie sind lange im Wasser haltbar. Myrpom wa (aus der Komisprache: Moltebeerenwasser) war und ist auch heute ein sehr erfrischendes Getränk. Ein weiteres Komi-Getränk – Tschushwa (aus der Komisprache: Malzwürze) – trank man auch mit Moltebeeren.

Heutzutage gibt es eine Reihe von Leckereien aus Moltebeeren wie Marmelade, Konfitüre oder Kompott (eigentlich ist in Russland Kompott ein Getränk, wie auf dem Foto unten).

SONY DSCFoto: Ich habe für den Winter ein paar solche Einlegegläser als Kompott gemacht (frische Beeren mit kochendem Syrop übergegossen). Aber einen haben wir schon auf einen Sitz ausgertunken.

Die Beeren habe ich halbreif gekauft, denn, wenn sie wirklich reif sind, sind sie sehr wässerig und schwer zu greifen. Sie lagen etwa zwei Tage zu Hause, wurden weicher und bekamen eine orangene Farbe – das war ein Zeichen, dass ich sie zubereiten konnte.

Von der Beere gebraucht man auch Kelchblätter. Getrocknet gelten sie als Heilmittel gegen Husten. Ich aber lege ein bisschen davon in den Teeaufguβ und der Tee bekommt dann Honiggeschmack und ist sehr aromatisch – es ist sehr gemütlich, am Winterabend ein Schälchen davon zu trinken.

SONY DSCFoto: Ich bin für den Winter bereit!

Aus Kelchblätter wird in der „Syktyvkarer Likör-und Wodkafabrik“ ein leckerer Likör gemacht – „Moroschka medovaja“. Er ist bei den Frauen sehr beliebt. Und das ist auch ein sehr bekanntes gastronomisches Souvenir aus der Republik Komi. Wenn wir zu unseren Freunden irgendwohin auβerhalb der Republik Komi fahren, nehmen wir ein paar Flaschen mit.

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Foto: von der offiziellen Seite der „Syktyvkarer Likör-und Wodkafabrik“  https://www.slvz-rk.ru/catalog/nastoyki-i-balzamy/moroshka-medovaya

Wenn die Moltebeerensaison beginnt, gibt es in Sozialnetzwerken viele Fotos. Ich habe einige davon für meine lieben Leser ausgesucht. Hier ist die Bildergalerie.

pha8ccHyvEsFoto: Aleksej Resnitschenko

ywJFQEJp-4UFoto: Aleksej Resnitschenko

карлова 2Foto: Tatjana Karlova

Und dieses Foto ist von mir – so eine Sommerphantasie)

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Der Sommer schmeckt im Norden nach Moltebeeren!