Archiv der Kategorie: Man soll Feste feiern, wie sie fallen

Rentiere sind schon weit weg in der Tundra… und der Sommer kommt und kommt nicht

Während mancher Europäer schon richtig die Sonne genieβt, frieren wir hier in Komi beim Schnee, Wind und Regen. Meine lieben Tulpen und Narzissen warten vergeblich auf die Sonne. Jeder Hobby-Gärtner klagt über die Unernte in diesem Jahr und hält den Boden pflanzenbereit. Aber… das liebe Wetter hat sein Spiel im Auge.

Ich habe meine Mutter angerufen, fröhlich mit ihr geplappert))) nun wie ist das Wetter, hab ich gefragt? – Frisch, es schneit, aber doch frisch))) – Es war am 4.Juni!

So denke ich, bin ich nicht spät mit dem zweiten Teil des Beitrags zum Rentierfest. Und meine Erinnerungen an das Fest sind noch frisch, wie halt das Wetter im Juni))))

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Nun waren die meisten Ereignisse des Festes vorbei und die Zuschauer haben endlich die Möglichkeit bekommen die Tiere zu streicheln. Besonders glücklich waren die Kinder, doch auch die Erwachsenen fanden den gröβten Spaβ, dem Tier sein Fellchen hinter den Ohren zu streichen.

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Ich war auch keine Ausnahme!

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Panem et circenses! Brot und Zirkusspiele! Ja, wir haben genug gesehen, nun meldete sich der Hunger. Die Gastronomie des Festes war gerade nicht variativ, aber sehr lecker – Rentierfleisch als Snacks geräuchert oder als Schaschlyk gegrillt. Die Snacks zum Bier sind Spezialitäten aus Inta und Vorkuta. Doch Bier trinkt man beim Frost nicht)) Das kaufen die Gäste des Festes eher als Souvenirs.

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Doch Schaschlyck war super! Obwohl das Fleisch selbst für solche Gerichte normalerweise nich geeignet ist, weil es fettarm ist. Man hat uns erklärt, dass das Fleisch zuerst geschmort wurde und dann schon gegrillt.

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Mit schwarzem Brot schmeckte das Fleisch himmlisch! Und eine Tasse herzhafter Brühe machte uns wieder munter. Die Brühe bekam man einfach aus der Teekanne) Natürlich konnte man auch Tee oder Kaffee kaufen, aber die Brühe was das Richtige für das Moment, um die Seele von innen zu wärmen!

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Aus Inta habe ich leckere Souvenirs auch mitgebracht: vor allem rohes Fleisch, denn in Syktyvkar kann man diese Köstlichkeit nicht kaufen (ich meine frisch nach dem Schlachten). Hier kann man nur Wurst und Snacks bekommen und für höhere Preise. Die Fotos zeigen das leckere Angebot.

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Genug gesättigt machten wir uns auf den Weg zu Abenteuern) Die Zuschauer konnten für 100 Rubel eine Runde auf den Rentierschlitten machen. Wir waren auch dabei.

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Nach allen Ereignissen des wunderschönen Tages war unsere kleine Gesellschaft ziemlich müde, noch ein gemeinsames Foto und wir gingen nach Hause.

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Wie schön wäre ein Heimfahrt so wie auf dem Foto!!! Aber wir gingen zu Fuβ auf den Wegen, wo im Sommer nur Fluss und Sumpf liegen. Und wir sprachen über das Leben, wie es den Frauen interessant sein kann.

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Zu Hause fiel ich auf das Sofa, meine Wangen glühten vor Frost, Sonne und Wind und mein Herz bebte vor Freude. Doch ich musste wieder nach Syktyvkar und meine Mutter war etwas traurig…

Als Erinnerung an diese Zeit hängt nun an der Wand ein Andenken – ein Stück Horn, und das gibt Hoffnung auf neue Eindrücke und Erlebnisse!

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Frohe Ostern!

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Meine lieben Leser!

Ich schicke euch die schoensten Ostergrüsse aus der Republik Komi. Wir haben hier noch Schnee, aber es sieht schon nach dem Frühling! Ich wünsche euch allen ein besinnliches Fest und die beste Frühlingslaune!

Dieses Ei in der Technik der Mesener Malerei habe ich selbst bei einem Workshop im Museum gemacht.

Auf den Pfoten des Rentiers kommt der Frühling

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Das Fest des Rentierzüchters stand schon immer auf meiner Event-Top-Liste, aber bisher hatte ich keine solche Gelegenheit genutzt. Denn in diesem Fall müsste ich nach Inta im Frühling fahren, und das ist noch Uni-Zeit. Ja, ich habe ein paar Beiträge zu diesem Thema, aber da fehlen meine eigenen Eindrücke und Erlebnisse. In diesem Jahr strahlten die Glückssterne über mir – kein Unterricht und dazu noch eine Prämie von der Uni)) Das war das schönste Wochenende in diesem Jahr!

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Damit ihr versteht, dass es eine wirklich aufwendige Tour ist, muss ich sagen – ich brauchte etwa 12 Stunden mit dem Zug hin und zurück – also 24 Stunden mit dem Zug unterwegs. Zum Glück sind die Zugverbindungen günstig und ich habe in meiner Stadt den Samstag und Sonntag verbracht. Meine Mutter war natürlich sehr froh, meine Schullehrerin (jetzt meine gute Freundin) auch.

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Das Fest findet einmal in zwei Jahren statt und das war schon das 15-te. Doch ich war niemals dabei, obwohl ich in Inta aufgewachsen bin. Zur Sowjetzeit hatten wir keine solchen Feste gehabt, und auch kein Rentierfleisch gegessen, denn es wurde exportiert – wie man sagt – der Schuster hat die schlechtesten Schuhe. Die Traditionen wurden erst nach der Wendezeit in Russland wiederaufgelebt. Und nun ist das Fest zu einem unvergesslichen Ereignis geworden – im hohen Norden gibt es leider nicht sehr viele Feste!

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Ich bereitete mich auf diese Reise tüchtig vor – nur die wärmsten Sachen, denn laut dem Wetterbericht sollte mich eine richtige Kälte erwarten – -30! Brrr! Das war für mich aber kein Hindernis. Am Tage meiner Anreise schien in Inta die Sonne und der Frost war dadurch fast nicht zu spüren. Ich erholte mich ein bisschen zu Hause und wir gingen mit meiner Mutter durch die Stadt bummeln, was wir schon eine Ewigkeit nicht gemacht haben.

Eine Tour durch die Läden – und nun kamen wir zum Wahrzeichen der Stadt – dem Wasserturm. Er wurde nach dem Entwurf von dem schwedischen Architekten Arthur Tamvelius errichtet und sollte an die Türme vom Kreml erinnern. So eine Schicksalsironie! Wie kam der Architekt nach Inta? Wie viele Menschen der Stalin-Epoche – als politisch Gefangener.

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Heute beherbergt das erhabene Bauwerk im Stil der Gotik das Museum der GULAG-Geschichte in Inta und erzählt über die traurige Entstehungsgeschichte der Stadt. Nun, darüber schreibe ich noch.

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Ich war noch niemals im Inneren des Turmes und es war für mich sehr interessant. Doch mein Ziel war das Fest. Es findet tradionell im März im Vorort der Stadt, neben dem Flugahfen und es liegt ziemlich weit von der Stadt, fast in der Waldtundra auf einem  für alle Winde offenen Platz. So musste ich mich richtig warm anziehen. Bei uns scherzt man oft über eine Person, die sehr warm angezogen ist und sagt dabei: „Willst du mal zum Nordpol?“ Ja, in meinem Fall war es ganz ernst – denn sicher sei eben sicher – zwei Pullover, eine lange Daunenjacke, eine Daunenhose und natürlich die Pimy als Fuβbekliedung – ein passendes Outfit! Die Pimy wurden fast von allen hier getragen.

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Was wäre meine Ausrüstung ohne Fotokamera! Ich habe meine zwei Battierien voll geladen, aber trotzdem war ich unsicher, wie das alles auf dem Frost funktioniert. Als meine Kamera fast „leer“ zeigte, wechselte ich die Battierie und steckte sie in meine Handschuhe. So luden sie sich ein bisschen von der Wärme meiner Haut))) Das habe ich mehrmals gemacht, bis ich beide Batterien und meine Flashkarte kaputt fotografiert habe))) Doch das Wetter war herrlich, wie bestellt! Die Sonne war blendend und ich meine, ich habe ein paar Sommersprossen bekommen. „Windstill“ – hat der Mann meiner Schullehrerin gesagt – und er ist Flughafendirektor))) Es schien, die ganze Stadt versammelte sich hier und es war vielleicht warm vom gesamten Hauchen der Menschen und Rentieren, von der fröhlichen Atmosphäre und Vorfreude auf das Ereignis!

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Das Fest wurde eröffnet und das Treiben begann.

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Alle warteten natürlich auf das Rentierschlittenrennen. Rentierschlittenführer warteten mit Ungeduld auf das Wettbewerb, die Zuschauer auch, und nur die Rentiere waren ganz ruhig. Diesmal sollte der Gewinner 100.000 Rubel bekommen.

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Das Rennen ist immer das spektakulärste Ereignis des Festes. Ich wollte alles fotografieren und wählte einen der besten Plätze aus. Als ich mir dann zu Hause die Fotos ansah, war ich sehr froh – ich hatte tolle Fotos gemacht. Auf manchen Fotos sieht man, wie die Tiere komisch ihre Zungen ausstrecken. Das zeugte davon, dass sie müde waren. Aber es war so lustig!

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Die Rentiere an sich sind keine Renntiere, und manchmal waren sie ganz eigensinnig und wählten ihre eigene Route))) Dann hatte der Kajur Pech (Kajur heiβt Schlittenführer).

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Hier gibt es mehr Fotos:

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Der richtige Kajur muss so aussehen: Er hat eine Maliza, einen Gürtel mit Messern und Toboki – hüftenhohe Fuβbekliedung. So ist man in der Tundra gegen jeden Wind und Frost gesichert!

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Die Kajurs sind ganz modisch – weit in der Tundra doch nicht ohne Ästhetik! Ich wunderte mich sehr über das Design von Toboki – eine richtige Modenschau!  In der öden Tundra fehlen die Farben, dadurch erklärt man, dass die Kleidung der Rentierzüchter farbenreich ist.

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Die Kleidung aus Rentierfell wird in der Tundra von Jung und Alt getragen. Das Rentier gibt dem Menschen alles, was er braucht.

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Besonders süβ waren die Kinder.

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Ich konnte natürlich die Gelegenheit nicht verpassen und kleidete mich auch))) Schade, dass wir heutzutage sehr von der Mode abhängen! Die Tundra-Menschen kennen den Umstand – wenn es richtig kalt ist, rettet die Kleidung das Leben.

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In der Maliza hat man das Gefühl der Geborgenheit und es ist wirklich sehr warm!

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Die Fortsetzung folgt… Zu viele Eindrücke für einen Beitrag!

 

 

 

Zu Gast bei Väterchen Frost

OtKO8f_YLfkFoto: Tor ins Märchen, in die Opa Frost Residenz

Heute ist mein Beitrag nicht über die Republik Komi, sondern über ihren nahen Nachbarn – das Gebiet Vologda – die Heimat von Väterchen Frost. Wer ist Väterchen Frost? Das ist der russische Gabenbringer zur Neujahrszeit, eine Person, die jedes Kind in Russland kennt und mit Ungeduld auf seine Geschenke wartet. So haben wir mit meinem Mann beschlossen, auch unserem kleinen Wladislaw eine kleine Überraschung zu machen, nach Welikij Ustjug zu fahren und den Opa Frost in seiner Residenz zu besuchen. 

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Wir waren zusammen mit unseren Freunden und warteten selbst auf diese Fahrt mit Ungeduld wie kleine Kinder. Irgendwie glauben wir auch an Wunder! Vor zehn Jahren waren wir hier mit unseren älteren Kindern. Früher war es hier alles anders!

QrdU9o96S2gFoto: eine lustige Reisegesellschaft! Im Hintergrund das Terem von Väterchen Frost.

Das war eine wunderbare Reise (auch nicht ohne kleine Abenteuer)! Sie begann ganz früh am Morgen, denn wir sollten mit den Autos etwa 500 km zurücklegen. Der Weg nach Welikij Ustjug liegt abseits der föderalen Autostraβen und ist deshalb wie Mehrheit von russischen Autostraβen in der Provinz ganz ausgefahren. Die ersten hundert Kilometer der Fahrt führten uns durch menschenleere Gebiete, wo es nur Wald gibt. Und da es drauβen etwa 2 Grad Kälte war, gab es Glatteis, und manchmal war es auch gefährlich beim Fahren, besonders, wenn es viele Langholztransportlastkraftwagen unterwegs gab. Sie schleppten ihre Güter im Schneckentempo oder hielten einfach mitten auf der Straβe, weil sie wegen ihres Gewichtes kleine Hügel nicht bekraxeln konnten. Und einmal haben wir richtig Angst bekommen! Aber alles war gut.

Nach etwa 6 Stunden Fahrt waren wir am Nachmittag schon an Ort und Stelle. Wir haben für die ganze Reise zwei Tage geplant – einen für die Bekanntschaft mit Welikij Ustjug und einen für den Residenzbesuch. Wir haben für die Übernachtung eine Wohnung 30 km von der Stadt entfernt gemietet. Es war viel günstiger, denn zur Hochsaison in den Winterferien ist der Preis für alles sehr hoch.

Nach dem Mittagessen begaben wir uns in die Stadt. Welikij Ustjug ist eine kleine russische Prvinzstadt mit etwa mehr als 30000 Einwohnern. Die Stadt wurde 1147 geründet, so alt wie Moskau. Den Beinamen „Welikij“ hat sie von Ivan dem Schrecklichen bekommen. Lange Zeit lebten in der Stadt viele Kaufleute, denn hier kreuzten sich wichtige Handelswege. Und die Stadt war wohlhabend. Noch heute sieht man überall Häuser von Kaufleuten, in manchen gibt es Museen. Selbst die Stadt ist von ein- bis dreistöckig, hier gibt es keine Hochhäuser, denn der Boden ist sumpfig. Die Stadt hat deswegen mehr von einer typisch russischen Provinzstadt – ruhig, naiv und bescheiden. Viel schöner für mich als ihr Altersgenosse Moskau. Hier begibt man sich in eine andere Epoche und spürt die wechselvolle Geschichte Russlands auf Schritt und Tritt.

SONY DSCFoto: Ein Kaufmannshaus, das bis jetzt noch bewohnt wird.

In der Stadt gibt es 28 Kirchen!!! Das ist unglaublich! Die orthodoxe Architektur verleiht der Stadt ein besonderes Gepräge. Aber nur einige davon funktionieren als Gottesstätten. In einer gibt es eine Bibliothek, in einer anderen ein medizinisches Laoboratorium. Und das ist, weil die Stadt kein Geld hat, um diese Baukunstwerke zu restaurieren. Praktisch das ganze Geld, das die Stadt an der Opa Frost Residenz und Tourismus verdient, bekommt Moskau, und das ist sehr traurig. Und hier gibt es Touristen aus ganz Russland!

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Wir haben eine Kirche besucht. Leider darf man in den Kirchen nicht fotografieren (einige machen das heimlich, ich niemals) und ich kann dieses prächtige Bild in Worten nicht beschreiben! Das Altar ist aus Holz geschnitten mit alten Ikonen geschmückt und ist riesengroβ. Das habe ich noch niemals gesehen! Hier war es ganz still, obwohl es sehr viele Menschen gab. Jeder ging im Saal in seinen Gedanken vertieft, mancher betend, mancher schaulustig. Es war der 4.Januar, also die vorweihnachtliche Zeit in Russland, und es war für unsere Familie sehr symbolisch, dass wir diese Kirche besucht haben. Wir stellten Kerzen auf für Gesundheit und Wohlhaben unserer Nächsten und eine Kerze als Gedenken an Gestorbene, wie es der Brauch ist. Leichten Herzens gingen wir dann in der Stadt spazieren.

8Gmb-G8aRgQFoto: Eine bescheidene Weihnachtskrippe vor der Kirche.

Wir hatten auch eine ganz nette Fremdenführerin – Polina – eine Studentin unserer Universität, und die Bekannte von meinem Mann (sie spielen zusammen in einem Amateurtheater). Wir haben diese Reise natürlich nur wegen die Kinder unternommen, und so galt unser erster Besuch dem Modehaus von Väterchen Frost. Polina sagte uns, dass es sich lohnt, dieses Museum zu besuchen. Und es war toll! Im Museum gab es eine sehr interessante Führung. Zuesrt besuchten wir den Raum, wo die Kleidung für Väterchen Frost gemacht wird. Etwa zehn Näherinnen sorgen für das festliche Outfit vom Opa Frost. Es war so interessant, ihnen bei der Arbeit über die Schultern zu gucken. Die Kinderschar machte viel Lärm, aber sie waren ganz ruhig)

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Väterchen Frost ist (so sagt man) über zwei Meter hoch! So kann man seinen eigenen Wuchs mit dem von Väterchen Frost mit Hilfe von solch einer Messlatte vergleichen)))

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Im nächsten Raum wurden die festlichen Gewänder der russischen Bojaren (Adelige aus dem russischen Mittelalter) ausgestellt. Das Gewand von Väterchen Frost hat hier seine Wurzeln. Die waren prachtvoll mit Fellen und Perlen verziert.

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Und auf dem nächsten Foto sieht man das Kostüm, in welchem Väterchen Frost die Gäste auf den Olympischen Spielen in Sotschi empfing. Dort hatte er auch eine Residenz.

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Im letzten Raum wartete auf die Kinder eine improvisierte Modenschau. Jedes von ihnen hatte ein Kostüm bekommen und zeigte es dem Publikum (also den Eltern). Die Kinder waren so süβ! Sie gaben sich Mühe, sich wie richtige Modelle zu zeigen, und wurden sofort von allen Seiten fotografiert. Die Verkleidung vollzog sich hinter der Schirme und für die Eltern war es eine richtige Überrauschung. Für uns auch)))

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Die Kinder stellten die Gestalten dar, die die Residenz von Väterchen Frost bewohnen und ihm in vielen Sachen helfen. Unser Wladislaw war also Bäcker und Taissja (meine Patentochter) Snegurotschka (die Enkelin von Väterchen Frost). Snegurotschka ist eben eine Person, seine Begleiterin, mit welcher Väterchen Frost überall erscheint (in Kindergärten, Schulen, auf privaten Besuchen in Wohnungen).

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Die Kinder waren glücklich! Nach dem Museum bummelten wir durch die Stadt in der Dämmerung und es war sehr festlich und zugleich geheimnisvoll.

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Wir kauften einige Souvenirs und fuhren in die Wohnung. Wir waren sehr müde, aber in bester Laune, denn morgen wartete auf uns Väterchen Frost! Und darüber mein nächster Beitrag)

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Die „Sawalinka“ singt und tanzt wieder!

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Zum 14. Mal wurde am 1.Juli in Wylgort (Rayon Syktywdin) die Sawalinka gefeiert – ein Fest der Volksmusik, das die russiche und finno-ugrische Kultur eng verbindet. Das ist das dritte Mal schon, dass ich dieses Fest besuche und darüber in meinem Blog schreibe (Beitrag 1, Beitrag 2). Aber jedesmal gibt es etwas, was tief ins Herzen greift, weil man sich dabei dem russichen Volk und der multinationalen Kultur Russlands gehörig fühlt. Was mich immer besonders dabei fasziniert – das sind die Volkstrachten von Russen, Komi, Udmurten, Tschuwaschen und Karelen – eine bunte Pracht!

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Das Konzert war wie immer stimmungsvoll und spektakulär. Eine schöne Kulisse für die Aufführungen bildeten Heuhaufen. Manchmal zeigten sich daraus ganz unerwartet die Schauspieler)

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Die Walenki, Dank denen der Rayon in der Republik Komi und weit hinaus bekannt sind, waren der unetrbehrliche Teil des Konzertes.

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Es gab ganz tolle Szenenbilder. In diesem Jahr widmete man die Sawalinka den bekannten Persönlichkeiten des Rayons Syktywdin – Musiker, Schriftstellern und Architekten. Die riesigen Buchseiten führten die Chronik die wichtgsten Epochen in der Geschichte der Komi.

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Zum Gewinner der Sawalinka wurde die Gruppe „Otrada“ aus Karelien. Ich habe diese schicke Frauen in unglaublich schönen Kostümen noch vor dem Konzert bemerkt und war begeistert vom ganzen Bild! Sie strahlen so viel Lebensfreude und Energie aus!

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Für die Zuschauer gab es in diesem Jahr sehr viel Attraktionen und Aktivitäten. Besonders das Heurevier mit Artobejekten zum Fotografieren. Der stolze Elche, der oroginelle Fisch, lustige Eulen und der eiserne Mann „Kort Aika“ sorgten für die tolle Laune und schöne Fotos!

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IMG_0130Foto: Der Eiserne Mann zu komi „Kort Aika“ ist eine Gestalt aus der Komi-Legende. Darüber im nächsten Beitrag.

Die Handwerker präsentierten ihre Erzeugnisse – für jeden Geschmack und Geldbeutel.

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Ich fand auch etwas nach meinem Geschmack – „Kosuli“ – das festliche Gebäck aus dem Gebiet Archangelsk (das westliche Nachbargebiet von Komi). Kosuli werden zu den wichtigen Festen gebacken – Weihnachten, Hochzeit oder Geburt des Kindes. Sie gelten asl Symbol von Archnagelsk und Pomorje. Es ist schade, solch eine Schönheit zu essen!

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Die andere Attraktion für mich und meine Freundin war die Umkleidung in die nationale Tracht vom Rayon Syktywdin. Das mache ich sehr gern!

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Die Tracht selbst ist ganz schlicht, aber besonders festlich sieht die Kopfbekleidung aus – der Sbornik. Er zeigt, dass die Frau verheiratet ist.

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Damit die Gäste gute Fotos machen konnten, wurde ein Gerät für Handklöppeln aufgestellt. Diese Handarbeit ist im Rayon sehr populär.

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Die Zeit verging wie im Fluge. Bester Laune gingen wir nach Hause mit Eindrücken, Souvenirs und tollen Fotos!

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Einige Fotos gehören zur offiziellen Gruppe „Wylgort“ im Sozialnetzwerk „Vkontakte“. Vielen Dank!

 

Johannistag auf komi

Am 7.Juli feiern die Komi Iwan Lun (Tag Johannes des Täufers), die Russen den Iwan-Kupala-Tag. Besonders viele Bräuche werden in der Nacht zum 7.Juli begangen.

Ich bin keine Ausnahme. Dieses Fest kenne ich aus meiner Kindheit, wo ich die Ferien in der Ukraine verbrachte. Als kleine Kinder waren wir von diesem Fest begeistert. Wir gingen auf die Wiese, sammelten Blumen und Kräuter und flochten daraus Kränze. Am Abend machte man ein großes Feuer und wir sprangen über die Glut. Damals machten wir uns darüber keine Gedanken, welche mystische Bedeutung das alles hatte. Für uns war es ein schönes Sommerfest. Meine Großmutter hielt sich aber an diese Bräuche. Sie warnte uns immer, man darf an diesem Tag nicht baden, eine Wassernixe nimmt dich sonst in die Tiefe des Flusses.

Ich kann mich auch daran erinnern, dass die Großmutter alle meine Kränze im Dachraum aufhing. Sie hingen dort die ganze Zeit, bis ich erwachsen wurde. Das sollte mich vor Unglück und Krankheiten schützen. Vielleicht deshalb war ich als Schülerin niemals krank))).

In meinem erwachsenen Leben gab es keine Gelegenheit, dieses Fest zu feiern. Aber ich sehnte mich nach diesem Brauch, denn er war die schönste Erinnerung an meine Kindheit. So habe ich vor kurzem ganz zufällig eine Wochenendtour entdeckt, die eine wunderschöne Ethno-Erholung mit Iwan-Lun-Bräuchen anzubieten hatte. Ich war höchst überrascht und habe mir festgenommen, dabei zu sein.

Der Ort war sehr schön: ein gemütliches Ferienhaus im ländlichen Stil, ein Teich zum Bootsfahren, eine Banja, wo man nach dem heißen Dampfbad ins kühle Wasser des Teiches tauchen konnte – ein Traum für den verwöhnten Stadtbewohner.

Das Programm war sehr reich, aber die Zeit zu knapp – nur die Nacht. So habe ich überhaupt nicht geschlafen, obwohl die anderen schon ganz schnell müde waren. Für mich sollte es ein richtiges Fest bedeuten, wie in meiner Kindheit.

Am Abend gingen wir auf die Wiese und sammelten Blumen. Wie duftend war die Wiese!!! Allein das Aroma machte uns glücklich.

Bester Laune machten wir uns auf das Kranzflechten. Dabei hatten wir weiße lange Hemde. Ich trug die Wyschywanka, die ich von meiner Großmutter bekommen habe, und diese von ihrer Großmutter – über 200 Jahre ist sie alt!!! Die Wyschywanka ist ein ukrainisches Hemd mit Stickmustern. So fühlte ich mich den Traditionen meiner Vorfahren fest angebunden.

Als die Blumenkränze fertig waren, gab es ein lustiges Programm mit Spielen. Aber alle warteten mit Ungeduld auf das Feuer. Um Mitternacht war das Feuer fertig und alle standen Schlange, um über das Feuer zu springen. Dieser Bruch soll die Seele der Menschen von allen ihren Sünden reinigen.

Nachdem Feuerspringen warfen die Frauen ihre Kränze in den Teich. Alle Kränze blieben auf der Wasseroberfläche. Das war ein gutes Zeichen! Mir war es schade, meinen prächtigen Blumenkranz zu werfen. Aber ich habe alles nach dem Brauch gemacht.

Danach waren alle müde und suchten sich ein Bett. Ich nahm einen Angelstock, ein bisschen Brot und setzte mich ans Ufer des Teiches. Von Zeit zu Zeit hatte es angebissen und schon lagen im Eimer ein paar üppige Fischlein. So saß ich bis zu 5 Uhr und beobachtete, wie malerisch der Nebel über dem Teich liegt, wie die Sonne aufgeht, und wie die Möwen auf Fische jagen.

Vom langen Sitzen wurde es mir sehr kalt und ich ging in die Banja. Doch ich wagte mich nicht in den Teich zu tauchen, wie es die anderen gemacht haben, denn es war ziemlich kalt. In diesem Sommer will sich das Wetter uns leider nicht verwöhnen.

Tief beeindruckt fuhr ich nach Hause, als ob ich für einen Tag wieder in meiner ukrainischen Kindheit wäre!

Die Komi halten diesen Tag für ein wichtiges Fest, doch sie haben ihn am 24.Juni nach dem alten Kalender gefeiert. An diesem Tag hat das Wasser eine besondere Heilkraft. Das Hauptattribut dieses Tages ist deshalb die Banja, in der ein Dampfbad mit neuen Birkenzweigenbesen genommen wird. Man glaubt, dass man die Seele und den Körper auf solche Weise reinigen kann. Bis zu diesem Tag war es verboten, die Besen herbeizuschaffen. Nebenbei bemerkt, werden heutzutage Birkenzweigenbesen für die Banja auch im Juni gemacht, dann werden sie den ganzen Winter gebraucht.

Die Banja am Vorabend des Festes ist besonders gesund. Wenn man Kinder badet, spricht man verschiedene Zaubersprüche für Gesundheit. Die Erwachsenen sind der Meinung, dass der Birkenzweig an diesem Tag den Schmutz aus dem Körper hinausjagt. Er saugt den ganzen Schmutz ein und wird deshalb selbst schmutzig und nicht mehr brauchbar. So wird er sofort nach dem Dampfbad auf das Dach der Banja geworfen. Die anderen befestigen ihn auf dem Pflock. Man hing auch Birkenzweige auf Spitzen des Zauns aus und beobachtete, wurden die Birkenzweige schwarz, war es ein schlechtes Zeichen.

Die Feier fand früher auf Wiesen statt. Die festlich gekleideten Jungen und Mädchen gingen dorthin ein wunderbares Blümchen sammeln- Kupalniza (Trollblume).

Diese Blume ist das Symbol dieses Tages und gleichzeitig der Jugend und Blüte. Außerdem legte man die Kupalniza-Blumen ins Waschbecken, um selbst gesund zu bleiben, oder in den Kuhstall, damit die Kühe viel Milch geben. Außer der Kupalniza pflückten die Jugendlichen andere Blumen. Man trocknete sie und bewahrte bis zu dem nächsten Jahr. Die Jugendlichen sammelten Blumen und sangen Lieder.

In einigen Dörfern gab es den Brauch, über das Feuer zu springen. Dem Feuer wurde dabei eine besondere reinigende Kraft zugeschrieben. Die beliebteste Attraktion des Tages war eine Bootsfahrt mit dem angezündeten Feuer. Das Feuer wurde gerade im Boot angezündet. Nach allen Feierlichkeiten wurden die Kränze ins Wasser geworfen, dabei merkte man, bleibt der Kranz auf dem Wasser, ist das eine Zeichen für Freude und Hochzeit. Wenn nicht, dann kommt etwas Schlechtes.

In unserer Zeit sind praktisch alle Bräuche erhalten geblieben. An diesem Tag werden Heilkräuter gesammelt. Nicht umsonst sagt man im Volk: „Auf Wiesen gibt es Arzneien für jede Krankheit“, „trink einen Kräuteraufguss und deine Krankheit ist dann weg“. Man glaubt, dass an diesem Tag alle Kräuter eine besondere Zaubermacht haben. Aber nach dem Fest verlieren sie diese Macht.

In der Mitternacht gehen die Menschen zum Fluss, um zu baden oder sich zu waschen. Auf solche Weise können die Leute ihre Seele vor Sünden und schlechten Gedanken reinigen.

In Prilus’je hatte man die Sitte, sich auf dem Morgentau herumzuwälzen und dabei zu flüstern: „Der Morgentau ist von 70 Kräuter, deshalb sollen 70 Krankheiten verschwinden!»

Iwan Lun aus dem Jahre 2014 (organisiert vom Reisebüro „Schuda olom“, Inga Usatschowa)

Waldmenschen – neue Impressionen

Foto: Das Logo des Festivals

Schon zum zweiten Mal erregt das Ethnofestival „Waldmenschen“ Aufmerksamkeit und Interesse der Syktywkarer. Das Fest findet am 235.Guburtstag der Hauptstadt der Republik Komi – Syktywkar, und am staatlichen Feiertag Russlands – dem Tag der Unabhängigkeit. Doch für die Stadtbewohner bedeutet das Fest „Waldmenschen“ das Wiederaufleben der alten Komi-Traditionen, die nähere Bekanntschaft mit der Geschichte des Volkes, seiner Mythen und Legenden.

Foto: Der Elch – ein Motiv aus dem Komi-Kalender der Jäger.

Wie immer wurde das Fest auf dem Stefanov-Platz im Zentrum der Stadt veranstaltet. Wie auch im vorigen Jahr wurde der Platz mit Holzfiguren zum Ausmalen geschmückt. Diesmal sollten sie aber an den Kalender der Komi-Jäger erinnern. Der Kalender ist ein alter Fund aus den vergangenen Epochen der Komi-Geschichte. Darauf sind neun Tiere dargestellt: ein Elch, ein Bär, ein Renntier, ein Hermelin, ein Vielfraβ, ein Fuchs, ein Fischotter, ein Eichhörnchen und ein Marder. Auf diese Tiere wurde gejagt und jedes Tier regelte eine bestimmte Jagdsaison. Die Tiere wurden auch verehrt, denn sie nahmen eine bedeutende Stelle in den mythologischen Vorstellungen der Komi. Den Tieren wurden bestimmte Eigenschaften zugeschrieben. Aber das ist ein Thema für einen anderen Beitrag.

Foto: uralistica.com So sieht das Original aus.

Auf den folgenden Fotos kann man die Tiere erkennen.

Foto: Das Rentier

Foto: Das Eichhörnchen.

Foto: Der Fischotter.

Foto: Der Fuchs.

Die Fuguren standen zum Ausmalen da und jeder zauberte darauf auf seine eigene Weise. Besonders die Kinder waren kreativ.

Und hier ist ein über und über bemaltes Exemplar.

Die Kinder waren die Hauptgäste auf diesem Fest. Für sie gab es sehr viele Aktivitäten. Der Höhepunkt – „Baden“ im Heu. Hier konnten sie sich richtig austoben.

Die kleinen Modelle nahmen auch am Ethnomodenschau teil.

Auch jeder erwachsene Syktywkarer hatte eine groβe Auswahl an Aktivitäten: Workshops in Handwerk und Bäckerei:

Foto: eine Komi-Pizza)))

ein Flohmarkt mit Raritäten aus der Sowjetzeit:

die Ethnogymnastik und -spiele und vieles mehr.

Das Lenin-Denkmal, das auf dem Platz steht, hat im Laufe der Jahre viele Feierlichkeiten gesehen. Aber auch er hat heute, glaube ich, Spaβ gehabt))) und von der gemeinsamen Begeisterung mitbekommen.

Ich habe natürlich auch meine eigenen Impressionen, die ich in folgenden Fotos zeige.

Foto: Das niedliche Rentier erfreute durch sein ruhiges Erlaubnis: „Ach, streichelt mich! Ich bin dafür da“. Oh, wie weich ist seine Nase! Auch seine Hörner waren mit Fell bedeckt. So ungewöhnlich!

Foto: Der Komi-Jäger tanzte so komisch und so unbefangen!

Foto: Das Sur – Komi-Bier – hat lecker geschmeckt! Damit ist das Fest doppelt so lustiger.

Foto: Auch die Baba Jaga – eine böse Gestalt aus den russischen Märchen, wurde mit der allgemeinen feierlichen Stimmung angesteckt!

Und wie süβ ist dieses Bild! Der Hund trägt ein Schild : „Hilft den Katzen!“ und dabei bellt eine schicke Vierbeinige an. Super! Die Tiere gehören einem Tierheim und werben für eine Spende.

Nun sitze ich vor meinem Computer total müde und meine Beine tun mir schrecklich weh. Wie lange seit dem unendlichen Winter war ich nocht nicht so viel in der Stadt unterwegs. Der Sommer beginnt, unsicher, aber in bester Stimmung. Und das Wetter war heute wie bestellt!