Archiv der Kategorie: Man soll Feste feiern, wie sie fallen

Johannistag auf komi

Am 7.Juli feiern die Komi Iwan Lun (Tag Johannes des Täufers), die Russen den Iwan-Kupala-Tag. Besonders viele Bräuche werden in der Nacht zum 7.Juli begangen.

Ich bin keine Ausnahme. Dieses Fest kenne ich aus meiner Kindheit, wo ich die Ferien in der Ukraine verbrachte. Als kleine Kinder waren wir von diesem Fest begeistert. Wir gingen auf die Wiese, sammelten Blumen und Kräuter und flochten daraus Kränze. Am Abend machte man ein großes Feuer und wir sprangen über die Glut. Damals machten wir uns darüber keine Gedanken, welche mystische Bedeutung das alles hatte. Für uns war es ein schönes Sommerfest. Meine Großmutter hielt sich aber an diese Bräuche. Sie warnte uns immer, man darf an diesem Tag nicht baden, eine Wassernixe nimmt dich sonst in die Tiefe des Flusses.

Ich kann mich auch daran erinnern, dass die Großmutter alle meine Kränze im Dachraum aufhing. Sie hingen dort die ganze Zeit, bis ich erwachsen wurde. Das sollte mich vor Unglück und Krankheiten schützen. Vielleicht deshalb war ich als Schülerin niemals krank))).

In meinem erwachsenen Leben gab es keine Gelegenheit, dieses Fest zu feiern. Aber ich sehnte mich nach diesem Brauch, denn er war die schönste Erinnerung an meine Kindheit. So habe ich vor kurzem ganz zufällig eine Wochenendtour entdeckt, die eine wunderschöne Ethno-Erholung mit Iwan-Lun-Bräuchen anzubieten hatte. Ich war höchst überrascht und habe mir festgenommen, dabei zu sein.

Der Ort war sehr schön: ein gemütliches Ferienhaus im ländlichen Stil, ein Teich zum Bootsfahren, eine Banja, wo man nach dem heißen Dampfbad ins kühle Wasser des Teiches tauchen konnte – ein Traum für den verwöhnten Stadtbewohner.

Das Programm war sehr reich, aber die Zeit zu knapp – nur die Nacht. So habe ich überhaupt nicht geschlafen, obwohl die anderen schon ganz schnell müde waren. Für mich sollte es ein richtiges Fest bedeuten, wie in meiner Kindheit.

Am Abend gingen wir auf die Wiese und sammelten Blumen. Wie duftend war die Wiese!!! Allein das Aroma machte uns glücklich.

Bester Laune machten wir uns auf das Kranzflechten. Dabei hatten wir weiße lange Hemde. Ich trug die Wyschywanka, die ich von meiner Großmutter bekommen habe, und diese von ihrer Großmutter – über 200 Jahre ist sie alt!!! Die Wyschywanka ist ein ukrainisches Hemd mit Stickmustern. So fühlte ich mich den Traditionen meiner Vorfahren fest angebunden.

Als die Blumenkränze fertig waren, gab es ein lustiges Programm mit Spielen. Aber alle warteten mit Ungeduld auf das Feuer. Um Mitternacht war das Feuer fertig und alle standen Schlange, um über das Feuer zu springen. Dieser Bruch soll die Seele der Menschen von allen ihren Sünden reinigen.

Nachdem Feuerspringen warfen die Frauen ihre Kränze in den Teich. Alle Kränze blieben auf der Wasseroberfläche. Das war ein gutes Zeichen! Mir war es schade, meinen prächtigen Blumenkranz zu werfen. Aber ich habe alles nach dem Brauch gemacht.

Danach waren alle müde und suchten sich ein Bett. Ich nahm einen Angelstock, ein bisschen Brot und setzte mich ans Ufer des Teiches. Von Zeit zu Zeit hatte es angebissen und schon lagen im Eimer ein paar üppige Fischlein. So saß ich bis zu 5 Uhr und beobachtete, wie malerisch der Nebel über dem Teich liegt, wie die Sonne aufgeht, und wie die Möwen auf Fische jagen.

Vom langen Sitzen wurde es mir sehr kalt und ich ging in die Banja. Doch ich wagte mich nicht in den Teich zu tauchen, wie es die anderen gemacht haben, denn es war ziemlich kalt. In diesem Sommer will sich das Wetter uns leider nicht verwöhnen.

Tief beeindruckt fuhr ich nach Hause, als ob ich für einen Tag wieder in meiner ukrainischen Kindheit wäre!

Die Komi halten diesen Tag für ein wichtiges Fest, doch sie haben ihn am 24.Juni nach dem alten Kalender gefeiert. An diesem Tag hat das Wasser eine besondere Heilkraft. Das Hauptattribut dieses Tages ist deshalb die Banja, in der ein Dampfbad mit neuen Birkenzweigenbesen genommen wird. Man glaubt, dass man die Seele und den Körper auf solche Weise reinigen kann. Bis zu diesem Tag war es verboten, die Besen herbeizuschaffen. Nebenbei bemerkt, werden heutzutage Birkenzweigenbesen für die Banja auch im Juni gemacht, dann werden sie den ganzen Winter gebraucht.

Die Banja am Vorabend des Festes ist besonders gesund. Wenn man Kinder badet, spricht man verschiedene Zaubersprüche für Gesundheit. Die Erwachsenen sind der Meinung, dass der Birkenzweig an diesem Tag den Schmutz aus dem Körper hinausjagt. Er saugt den ganzen Schmutz ein und wird deshalb selbst schmutzig und nicht mehr brauchbar. So wird er sofort nach dem Dampfbad auf das Dach der Banja geworfen. Die anderen befestigen ihn auf dem Pflock. Man hing auch Birkenzweige auf Spitzen des Zauns aus und beobachtete, wurden die Birkenzweige schwarz, war es ein schlechtes Zeichen.

Die Feier fand früher auf Wiesen statt. Die festlich gekleideten Jungen und Mädchen gingen dorthin ein wunderbares Blümchen sammeln- Kupalniza (Trollblume).

Diese Blume ist das Symbol dieses Tages und gleichzeitig der Jugend und Blüte. Außerdem legte man die Kupalniza-Blumen ins Waschbecken, um selbst gesund zu bleiben, oder in den Kuhstall, damit die Kühe viel Milch geben. Außer der Kupalniza pflückten die Jugendlichen andere Blumen. Man trocknete sie und bewahrte bis zu dem nächsten Jahr. Die Jugendlichen sammelten Blumen und sangen Lieder.

In einigen Dörfern gab es den Brauch, über das Feuer zu springen. Dem Feuer wurde dabei eine besondere reinigende Kraft zugeschrieben. Die beliebteste Attraktion des Tages war eine Bootsfahrt mit dem angezündeten Feuer. Das Feuer wurde gerade im Boot angezündet. Nach allen Feierlichkeiten wurden die Kränze ins Wasser geworfen, dabei merkte man, bleibt der Kranz auf dem Wasser, ist das eine Zeichen für Freude und Hochzeit. Wenn nicht, dann kommt etwas Schlechtes.

In unserer Zeit sind praktisch alle Bräuche erhalten geblieben. An diesem Tag werden Heilkräuter gesammelt. Nicht umsonst sagt man im Volk: „Auf Wiesen gibt es Arzneien für jede Krankheit“, „trink einen Kräuteraufguss und deine Krankheit ist dann weg“. Man glaubt, dass an diesem Tag alle Kräuter eine besondere Zaubermacht haben. Aber nach dem Fest verlieren sie diese Macht.

In der Mitternacht gehen die Menschen zum Fluss, um zu baden oder sich zu waschen. Auf solche Weise können die Leute ihre Seele vor Sünden und schlechten Gedanken reinigen.

In Prilus’je hatte man die Sitte, sich auf dem Morgentau herumzuwälzen und dabei zu flüstern: „Der Morgentau ist von 70 Kräuter, deshalb sollen 70 Krankheiten verschwinden!»

Iwan Lun aus dem Jahre 2014 (organisiert vom Reisebüro „Schuda olom“, Inga Usatschowa)

Waldmenschen – neue Impressionen

Foto: Das Logo des Festivals

Schon zum zweiten Mal erregt das Ethnofestival „Waldmenschen“ Aufmerksamkeit und Interesse der Syktywkarer. Das Fest findet am 235.Guburtstag der Hauptstadt der Republik Komi – Syktywkar, und am staatlichen Feiertag Russlands – dem Tag der Unabhängigkeit. Doch für die Stadtbewohner bedeutet das Fest „Waldmenschen“ das Wiederaufleben der alten Komi-Traditionen, die nähere Bekanntschaft mit der Geschichte des Volkes, seiner Mythen und Legenden.

Foto: Der Elch – ein Motiv aus dem Komi-Kalender der Jäger.

Wie immer wurde das Fest auf dem Stefanov-Platz im Zentrum der Stadt veranstaltet. Wie auch im vorigen Jahr wurde der Platz mit Holzfiguren zum Ausmalen geschmückt. Diesmal sollten sie aber an den Kalender der Komi-Jäger erinnern. Der Kalender ist ein alter Fund aus den vergangenen Epochen der Komi-Geschichte. Darauf sind neun Tiere dargestellt: ein Elch, ein Bär, ein Renntier, ein Hermelin, ein Vielfraβ, ein Fuchs, ein Fischotter, ein Eichhörnchen und ein Marder. Auf diese Tiere wurde gejagt und jedes Tier regelte eine bestimmte Jagdsaison. Die Tiere wurden auch verehrt, denn sie nahmen eine bedeutende Stelle in den mythologischen Vorstellungen der Komi. Den Tieren wurden bestimmte Eigenschaften zugeschrieben. Aber das ist ein Thema für einen anderen Beitrag.

Foto: uralistica.com So sieht das Original aus.

Auf den folgenden Fotos kann man die Tiere erkennen.

Foto: Das Rentier

Foto: Das Eichhörnchen.

Foto: Der Fischotter.

Foto: Der Fuchs.

Die Fuguren standen zum Ausmalen da und jeder zauberte darauf auf seine eigene Weise. Besonders die Kinder waren kreativ.

Und hier ist ein über und über bemaltes Exemplar.

Die Kinder waren die Hauptgäste auf diesem Fest. Für sie gab es sehr viele Aktivitäten. Der Höhepunkt – „Baden“ im Heu. Hier konnten sie sich richtig austoben.

Die kleinen Modelle nahmen auch am Ethnomodenschau teil.

Auch jeder erwachsene Syktywkarer hatte eine groβe Auswahl an Aktivitäten: Workshops in Handwerk und Bäckerei:

Foto: eine Komi-Pizza)))

ein Flohmarkt mit Raritäten aus der Sowjetzeit:

die Ethnogymnastik und -spiele und vieles mehr.

Das Lenin-Denkmal, das auf dem Platz steht, hat im Laufe der Jahre viele Feierlichkeiten gesehen. Aber auch er hat heute, glaube ich, Spaβ gehabt))) und von der gemeinsamen Begeisterung mitbekommen.

Ich habe natürlich auch meine eigenen Impressionen, die ich in folgenden Fotos zeige.

Foto: Das niedliche Rentier erfreute durch sein ruhiges Erlaubnis: „Ach, streichelt mich! Ich bin dafür da“. Oh, wie weich ist seine Nase! Auch seine Hörner waren mit Fell bedeckt. So ungewöhnlich!

Foto: Der Komi-Jäger tanzte so komisch und so unbefangen!

Foto: Das Sur – Komi-Bier – hat lecker geschmeckt! Damit ist das Fest doppelt so lustiger.

Foto: Auch die Baba Jaga – eine böse Gestalt aus den russischen Märchen, wurde mit der allgemeinen feierlichen Stimmung angesteckt!

Und wie süβ ist dieses Bild! Der Hund trägt ein Schild : „Hilft den Katzen!“ und dabei bellt eine schicke Vierbeinige an. Super! Die Tiere gehören einem Tierheim und werben für eine Spende.

Nun sitze ich vor meinem Computer total müde und meine Beine tun mir schrecklich weh. Wie lange seit dem unendlichen Winter war ich nocht nicht so viel in der Stadt unterwegs. Der Sommer beginnt, unsicher, aber in bester Stimmung. Und das Wetter war heute wie bestellt!

Frohes Ostern!

Liebe deutschsprachige Leser der Seite!

Frohes Ostern und einen tüchtigen Osterhasen!

Rauhnächte nach Herzenslust

Draußen herrscht die klirrende Kälte. Der Frost beißt und man sucht nach einer sicheren warmen und gemütlichen Zuflucht. So war es auch mir, als ich im äußersten Süden der Republik Komi das Dorf Prokopjewka bei -30 Grad besuchte. Meine Schwiegermutter und ich waren zu einem Fest eingeladen – “Spiele zu den Rauhnächten”. (Rauhnächte werden auf russisch “swjatki” genannt.)

Wir kamen ins Dorf mit einem Auto an. Es fiel mir sofort ins Auge, dass fast die Hälfte aller Häuser nicht geheizt wurde. Es stieg kein Rauch aus den Schornsteinen. Eine ältere Frau (die Vorsitzende des Veteranenkomitees des Dorfes) erklärte uns den Grund. Das Dorf stirbt praktisch aus. Das auffallende Gebäude der Dorfschule sah als ein ganzer Wiederspruch aus zu dem Wunsch der Dorfbewohner, dass die Kinder nach der Beendiegung der Schule ihre Heimat nicht verlassen. In dieser riesigen Schule gibt es heutzutage nur 12 Schüler. Als der Bau vor 20 Jahren (ja, die Schule wurde 20 Jahre gebaut) began erlebte das Dorf seine Blühtezeit. Es gab sehr viele Kinder, der Kindergarten war auch voll. Jetzt haust im Kindergarten das Veteranenkomitee. Traurig.

Vielleicht deswegen feiert man in Prokopjewka die Rauhnächte. Lustige Spielabende mit Liedern hatten ursprünglich nur ein einziges Ziel – während der Spiele sollten sich junge Leute ein Paar fürs Leben wählen. Jungen und Mädchen hatten auf solche Weise eine Möglichkeit einenader kennen zu lernen. So hofft jetzt die ältere Generation auf das Wiederaufleben der alten Traditionen und somit des Dorfes. Heute zeigen die älteren Dorfbewohner der jüngeren Generation, wie ihre Vorfahren einst gefeiert und gespielt haben. Sie selbst beteiligen sich an den Spielen zum Scherz, weil die Spiele meist provokativ sind – es geht um Küssen und Schmusen.

Das ganze Spiel läuft auf russisch ab. Man spürt den Einfluss der naheliegenden Gebieten Russlands. Die Komi haben hauptsächlich die Bräuche, die mit dem Orakeln verbunden sind. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Die Frauen sizten und singen und die jungen Leute führen verschiedene Figuren – Kennenlernenspiele. Insgesammt gibt es 7 Spiele.

Die erste Figur heißt “Geht der Bursche”. Als erster beginnt ein Junge. Er wählt ein Mädchen. Das Mädchen wählt einen anderen Jungen und so führen die jungen Leute einen großen Reigen.

Die zweite Figur heißt “Flechtzaun”. Die Beteiligten flechten sich im Tanz mit ihren Armen zu einem “Zaun”.

Die dritte Figur ist “Die Säule”. Man bildet die Paare und spielt “Bächlein”. Jungen und Mädchen halten sich an den Händen und strecken die Arme hoch, dabei bilden sie einen Tunnel, durch welches das am Ende stehende Paar gehen soll. Das nächste Paar setzt fort, bis alle Paare durch den Tunnel der Reihe nach gehen.

Dann bilden die Paare einen engen Kreis. Im Kreis steht ein Mädchen. Der Junge ist außerhalb des Kreises und versucht durchzukommen. Die anderen halten sich so fest zueinander, dass es dem Jungen problematisch und manchmal unmöglich erscheint, seine “Braut” zu bekommen.

Die nächste Figur heißt “Der Hut”. Wieder bilden sich die Paare. Diesmal wirft der Junge seinen Hut auf den Boden, damit zeigt er dass das Mädchen ihn nicht interessiert. Natürlich meint er das nicht ernst. Das Mädchen hebt den Hut und setzt ihn auf den Kopf des Jungen auf und küsst ihn.

Wenn dem Jungen nicht “gefällt”, wie das Mädchen ihn geküsst hat, wirft er seinen Hut wieder auf den Boden. Das ist auch ein Spiel. Der Junge möchte mehrmals geküsst warden. O, diese tückische Männer! Dieses Spiel hat mich sehr belüstigt, besonders als der Verwaltungsleiter der Dorfsiedlung mit seiner Frau gespielt haben. Ich zählte, dass er 15 Mal seinen Hut auf den Boden geworfen hat. Er war sehr aktiv und machte bei jedem Spiel mit.

“Bekanntschaft” heißt die fünfte Figur. Der Junge sitzt auf dem Stuhl und das Mädchen geht um den Stuhl herum. Wenn der Junge aufsteht, küsst ihn das Mädchen.

Nach der “Bekanntschaft” kommt die “Hochzeit”. Der “Bräutigam” sucht sich unter den Spielenden eine Schwiegermutter, einen Schwiegervater, eine Schwester, einen Bruder und natürlich eine Braut. Alle tanzen ihm Kreis. Dabei wird von dem Chor der Frauen scherzhaft gesungen, dass der Brätigam diese Personen aus dem Kreis verjagen muss, bis der Bruder und die Braut bleiben. Dann muss der Junge die Braut nehmen, aber der Bruder hält das Mädchen fest und stört den Jungen die Braut zu bekommen.

Die letzte Figur heißt das “Ehebett”. Das ist wohl die heiterste Figur des Festes. Zwei Jungen (Bräutigame) legen sich auf den Boden und andere Jungen und Männer türmen sich auf sie und bilden so ein Mischmasch)).

Zwei Mädchen (Bräute) müssen jeden küssen. Wenn der Mann geküsst wird, muss er aufstehen. Einige Männer sind aber schlau und wollen mehrmals geküsst warden. Das geschieht bei allgemeinen lauten und  aufmunternden Zurufen der Zuschauer. Wenn die Bräute ihre Bräutigamme endlich bekommen, küssen sie sich nach Herzenslust.

… oder so

Als ich das alles beobachtet hatte, verstand ich, warum sich die Russen vor dem Frost nicht fürchten – weil sie wissen, wie man sich erwärmen kann. Dabei wird gar nicht der Vodka gemeint, sondern heiße Küsse und heitere Spiele!

Bester Laune machten die Spielenden ein gemeinsames Foto und gingen dann zu einem festlichen Abendessen. Wir waren auch eingeladen. Es wurden die komi nationalen Speisen angeboten. Und was mir besonders geschmekt hat – hausgemachte Quark und Sahne – sehr lecker!

Foto: rechts unten ist der Verwaltungsleiter der Dorfsiedlung

Sawalinka der Superlative

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Zum 11.Mal feiert das Dorf Wylgort (Rayon Syktywdin) die Sawalinka – ein buntes Festival der Volksmusik. In meinem früheren Beitrag habe ich schon die Sawalinka beschrieben. Diesmal möchte ich das Fest mit Fotos veranschaulichen, denn es fällt mir schwer, die Atmosphäre, die dort herrschte, in Worte zu kleiden.

Warum heiβt eigentlich der Beitrag „Sawalinka der Superlative“? Hier sind die Bilder:

Foto: Riesige Bubliki (wieche Kringel aus Weiβbrotteig) auf dem riesigen Samowar, ein russicher Ofen von Jemelja (einem Faulpelz aus dem russischen Volksmärchen) und natürlich – ein groβer Filzstiefel.

Doch wie immer merkte ich die Kleinigkeiten, einige Details der Volkstrachten und auch der fröhlichen Stimmung.

Fotos: Die Sänger aus Mordwinien haben mir am meisten gefallen. Sie hatten unglaubliche Trachten mit vielen kleinen symbolischen Sachen. Sie haben auch den Grand Prix des Festivals bekommen.

Auch die fröhliche Stimmung zeigte sich bei Jung und Alt.

Die ältere Generati0n lieβ sich in nichts nachstehen.

Doch wie immer ist mir die bescheidene Tracht der Komi viel näher. Sie zeigt den Charakter der Komi, ihre Gutmütigkeit und die naturgebundene Lebensweise.

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Waldmenschen in der Stadt

Foto: Ich bin heute auch ein Waldmensch

Für einen Tag wurden die Syktywkarer zu Waldmenschen. Das war eine super Idee den nationalen Feiertag Russlands am 12. Juni zu feiern. Außerdem wird an diesem Tag traditionell das Stadtfest veranstaltet.

„Waldmenschen“  – so hieß das Festival der finno-ugrischen Kultur. Die Hauptstadt der Republik Komi hat noch niemals so ethno und naturnah das Fest gefeiert. Das war eine Show, wo man kreativ mitmachen konnte, und nicht einfach mit offenem Mund als Zuschauer alles beobachten.

Das Fest war so organisiert, dass es mehrere thematische Stationen gab, wo man die komi Traditionen und Lebensweise hautnah erleben konnte.

„Waldmenschen“ – das ist das Komi-Volk, das sehr an den Wald gebunden ist. Im Laufe der Jahrhunderte war der Wald das zweite Zuhause der Komi, ihr Tempel und ihre Lebensquelle. Das wollten die Organisatoren anschaulich machen.

Der Platz im Zentrum der Stadt verwandelte sich in einen Wald mit Tieren und Bäumen aus Holz, die man bemalen konnte. Die Kinder hatten dabei den meisten Spaß, auch die Erwachsenen vergaßen für kurze Zeit ihre Sorgen. Den Festival-Gästen wurden Muster mit Komi-Ornamenten, Pinsel und Farben angeboten.

Wer keine Lust zu malen hatte, konnte sich aufs Heu legen. Zwei große Heufelder luden zum Verweilen ein. Jeder hat diese Einladung auf eigene Weise genutzt: Die Kinder tobten sich aus, die Jugendlichen sonnten sich und die Erwachsenen versuchten Heudüfte tief einzuatmen – das ist für die Stadtbewohner ein unbekanntes Geruch. Es war eine Heuwiese mitten in der Stadt, sollte vielleicht an die Heuerntetradionen der Komi erinnern.

Wo sich die Seele erholt, muss auch der Magen verwöhnt werden. Dazu sorgte das Schanga-Festival. Die Schanga-Königin wurde gewählt, d.h. die leckerste! Meiner Meinung nach, schmeckten alle Schangas vorzüglich – mit Kartoffel-, Preiselbeeren-, Gerstengrütze- und Quarkbelag; aus Roggenmehl und Weizenmehl. Die Bäcker aus vielen Rayons der Republik haben sich an eine wichtige Regel gehalten – man muss an etwas Gutes denken, wenn man den Teig knetet – an die Familie, Kinder, Eltern, Heimat, dann wird jede Schanga zur Königin.

Ein anderes Ereignis für Auge und Magen war das Kulinarische Theater aus Moskau mit dem Theaterstück über das Entstehen von Schanga. Eigentlich ging es um die Geschichte des Brotes in verschiedenen Kulturen. Der Schauspieler knetete den Teig und erzählte dabei in einer vertraulichen Weise, welche Rolle das Brot für die Völker der Welt spielt, wie es gebacken wird und das Brot auch seine Seele hat.

Es war so gemütlich auf einer Bank zu sitzen und der ruhigen Stimme zuzuhören. Die Ziehharmonika begleitete das Perfomance. Das Theaterstück hat mir sehr gefallen. Der Schauspieler sprach so gefühlsvoll, dass ich manchmal heimlich Tränen vom Gesicht wischte. Und das alles wegen des Brotes!!!

Den Gästen wurden an diesem Tag viele Ethno-Aktivitäten angeboten: komi Spiele, Kräutertee und sogar Gymnastik. Auch das Volksfest Schondyban wurde lustig mit Volksliedern gefeiert.

Die Handwerker zeigten ihr Können und hatten ihr eigenes Wettbewerb.

Alle traditionellen Handwerkerzeugnisse konnte man sofort kaufen oder bei dem Meister bestellen. Für mich waren die Erzeugnisse aus Wurzelholz wie immer von einer großen Anziehungskraft.

Die ganze Stadt war in Bewegung. Die Menschen strömten zum Stefanov-Platz, dann in den Park und dann wieder zurück. Es gab gleichgültige, man sah das an ihren Gesichtern. Es gab auch solche, die sich Mühe gegeben haben, etwas näher zu ihren historischen Wurzeln zu sein.

Ich habe diesen Tag toll verbracht, weil ich alles so ungewöhnlich fand. Ich hatte das Gefühl, dass an diesem Tag viele Menschen verstanden haben, in welchem malerischen und traditionsreichen Winkel der Welt wir leben.

Strohpuppenparade

Es war ein sonniger Abschied vom Winter – die Breite Masleniza (zum Brauchtum)! Sonne, Blinis, gute Laune und hübsche Damen in grellen Kleidern und reichlich geschminkt erfreuten unzählige Schaulustige auf dem Stefanow-Platz. Die Masleniza ist schon längst vorbei, in diesem Beitrag will ich ein paar Bilder zeigen und mich noch einmal an dieses schöne Fest erinnern.