Archiv der Kategorie: Tourismus

Bei der Schneekönigin zu Gast

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Der Frühling steht vor der Tür, doch der gröβte Teil der Republik Komi liegt noch unter dem Schnee. Aber, dass es so rätselhaft wie auf dem Foto sein kann, konnte ich mir nicht vorstellen. Eigentlich ist mir das Motiv gut bekannt. Wo habe ich das ähnliche Bild gesehen? Und jetzt können mir die deutschen Leser zustimmen – im Harz, dem Hexetreffpunkt. Dieses Foto wurde aber nicht im Harz gemacht, sondern im Nordural, nicht weit von der Stadt Vuktyl und diese Landschaft ist nicht weniger sagenumwoben wie der Harz. Der Fotograf Sergej Fomin hat die Bergtundra zu seinem Lieblingsmotiv gemacht. Nach seiner Genehmigung veröffentliche ich seine Fotos in diesem Beitrag.

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Die Landschaft, die auf den Fotos abgebildet ist, heiβt der Tima-Is-Bergrücken. Er liegt im Nationalpark „Jugyd Wa“ in der Nähe von der Gaspipeline „Sijanije Severa“ und ist somit gut zu erreichen. Das ist ein Gebirge (550m über dem Meeresspiegel) mit sanften Abhängen, das in klimatischer Hinsicht einzigartig ist. In der Republik Komi gibt es viele einzigartige Landschaften, darunter z.B. das Plateau Manpupunjor – die steinernen Götzen der Uralvölker (Säule der Verwitterung). Aber mit Schnee bedeckte verkümmerte Vegetation, hauptsächlich aus Tannen und Birken, weist ähnliche bizarre Formen auf, ist aber nicht verteinert, sondern im Firnschnee verkrammt.

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Was macht diese Region klimatisch einzigartig? Der Bergrücken liegt weit von dem Wasserscheidenmassiv des Nordurals und bildet eine natürliche Sperre für südwestliche Winde, die hier im Winter herrschen. Er fängt die ungeheure Wucht ihres Angriffes auf. Starke Winde und hohe Feuchtigkeit kleiden die Bäume in den Panzer aus Firnschnee. Sie beugen sich unter dem Gewicht der untragbaren Last und erstarren. Dabei entstehen die Formen, die je nach Phantasie des Betrachters verschiedenen Gestalten ähneln.

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Vom Bergrücken eröffnet sich von der östlichen Seite ein wunderschöner Blick auf die Berggipfel des Nordural und von der westlichen Seite auf die unüberschaubare Taiga der Petschora-Tiefebene.

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Einer der ungewöhnlichsten Berggipfel des Ural ist der Berg Telpos-Is (1619m). Er hat zwei Gipfel. Das ist der höchste Berg des Nordural. Er war seit den uralten Zeiten der heilige Berg der Nomaden. Die Nenzen und die Mansen nannten ihn „Frauenidol“, die Komi – „Nest der Winde“. Nach einem alten Glauben haust hier Woipel – Gott des Windes und der Kälte. Er mag keinen Lärm, deshalb versuchen die Rentierzüchter ihre Rentierschlitten besonders still zu führen, wenn sie am Berg vorbei fahren, und die Jäger machen keinen Lärm im Wald, sonst wird der Windgeist auf die Täter Schneesturm loslassen.

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Der Mythos ist dadurch zu erklären, dass der Berg Telpos-Is das klimabildende Gebirge ist, und es kann vorkommen, dass hier im heiβen Sommer Schneestürme entstehen.

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„Bei der Schneekönigin zu Gast“ – so heiβt die eintägige, 10km lange Schiroute, die im Nationalpark „Jugyd Wa“ den Touristen von Januar bis April angeboten wird. Der Ausflug in die sagenumwobene Landschaft passt sehr gut Familien mit Kindern ab 14 Jahre, also wenig erfahrenen Touristen. Jetzt steht diese Route auch in meiner Wunschliste der Orte in Komi, die ich unbedingt besuchen will.

Vielen Dank an Sergeij Fomin für seine Freundlichkeit und tolle Fotos!

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Bei Rentieren zu Gast

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Am vorigen Wochenende ist endlich mein Traum in Erfüllung gegangen! Ich war zu Gast bei Rentieren in der Taiga. Aus meinen früheren Beiträgen weiβt ihr, meine lieben Leser, dass die Rentierzucht im hohen Norden unserer Republik betrieben wird, in der eisigen Wüste der Tundra. Für solch eine weite Reise bin ich finanziell noch nicht bereit)))

Im Rayon Knjash-Pogost, das etwa 200 km nördlicher von Syktywkar liegt, tief in der Taiga, haben Rentiere seit 2013 ihr Winter-und Sommerquartier. Die 500-köpfige Herde wurde im Autonomen Kreis von Jamal-Nenzen gekauft und über den Ural aus Sibirien in die Republik Komi getrieben. Das sind Rentiere, die nicht „nomadisieren“, sondern lange Zeit auf einem Ort bleiben und Moos fressen. Auf solche Weise will man die alten Traditionen der Taigarentierzucht aufzuleben, denn in den 50-er, 60-er Jahren des 20.Jahrhunderts weideten Rentiere hauptsächlich in Waldgebieten.

Rentiere haben sich im Wald eingelebt und erwarten die ersten Gäste – neugierige Stadtbewohner. Das Reisebüro „Schuda olöm“ (zu komi: Glückliches Leben) organisiert kleine Gruppen von Touristen. Ich war natürlich in der ersten Gruppe. Zwei Stunden mit dem Bus, eine Stunde mit dem Schneemobil und wir waren tief in der Taiga.

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Das erste, was ich gesehen habe, war das Tschum (das Rentierzelt) und zwei Rentiergespanne.

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Auf einem saβ ein netter Hund. Das andere Paar war festlich angekleidet, nach der nenzischen Mode.

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Die Tschumwirtin Vera empfing uns sehr freundlich und lud uns zu einem Mittagessen ein.

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Im Tschum war es sehr gemütlich. Mitten im Zelt heizte der Ofen und darauf kochte eine sehr aromatische herzhafte Brühe aus Rentierfleisch. Von auβen ist das Tschum klein, aber im Tschum ist es ziemlich geräumig. Es gibt keine Fenster, nur oben bleibt es offen.

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Das Süppchen war sehr deftig und wir haben sehr schnell unsere Kräfte nach einer langen Fahrt wiederhergestellt. Nach dem Essen gab es ein Gespräch mit Vera. Sie hat uns über ihr Leben in der Taiga erzählt. Sie sind eine Familie mit zwei Kindern. Seit 2013 sorgen sie für die Herde. Das Tschum, wo wir waren, ist ein Gästetschum. Das Wohnzelt hat man uns nicht gezeigt. Vor der Reise hat man uns gesagt, dass diese Familie ziemlich zurückgezogen lebt. Und wir hatten natürlich Verständnis. Zum Unterschied von Komi sind Nenzen bis jetzt Heiden und ihr Leben hängt von alltäglichen und festlichen Ritualen ab. Sie leben in ihrer Welt.

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Vera ist aber eine erfahrene Rentierzüchterin und das ist ihr Beruf fürs Leben. Sie weiβ viel über Rentiere und einiges haben wir mitbekommen. Ich war über einige Tatsachen sehr überrascht. Zum Beispiel, Rentierklauen können sich der Jahreszeit anpassen. Die Rentiere können, sozusagen, ihre Sommersandalen auf Winterschuhe wechseln. Im Sommer ist die Erde weich und die Klauen werden etwas lockerer. Im Winter bilden sich die Klauenballen zurück (ob man mich gut versteht?))), die Klaue wird fester, damit das Rentier im Schnee und auf dem Eis sich sicher fühlen kann und nicht rutscht. Es ist ihm so auch leichter das Moos aus dem Schnee zu bekommen.

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Nun war die Zeit Rentiere zu streicheln. Wir haben für sie Brot mit Salz vorbereitet – das naschen sie mit Vergnügen. Die ganze Herde war im Wald. Der Schnee war unfest und man trieb die Tiere in die sichere Stelle. Wir beschäftigten uns nur mit diesen vier tapferen Schlittentieren.

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Und natürlich Fotos! Ich habe hunderte davon gemacht.

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Rentiere waren sehr geduldige Modelle. Hier sind einige besonders schöne Fotos. Man sieht, dass Riemenzeug der Tiere verziert ist. Alles macht man aus Leder und Knochen der Rentiere.

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Wir haben ziemlich viel Zeit in der frischen Luft verbracht und danach gab es im Tschum noch einen kleinen Workshop. Wir bastelten eine nenzische Puppe aus Leder und Rentierfell.

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Zum Schluss machten wir ein gemeinsames Foto und fuhren glücklich nach Hause.

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Geburtstag am Fluss

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Die Geschichte begann im Jahre 2010, als wir mit unseren Freunden die erste Paddeltour auf der Lusa gemacht haben. Die Lusa ist ein Fluss, der im Süden der Republik Komi fließt und in die Norddwina mündet. Seit diesem Jahr „bewältigen“ wir kurze Strecken und erkunden die Natur. In 6 Jahren haben wir etwa 30km gemacht.

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Oben ist unser erstes Foto))) Das war ein Abenteuer! Es hat gut begonnen, aber das Wetter machte unsere Pläne kaputt. In ein paar Stunden goss es wie in Strömen. Im nächsten Jahr gab es auch einige Umstände – ich war schwanger (8 Monate – O, Gott!), aber das störte mich nicht, ich fühlte mich super.

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Das Wetter war wunderbar und wir machten Raststationen mit Brei, Tee und Baden.

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Die Lusa ist ein sehr malerischer Fluss. Mit jedem Kilometer ändert sich ihr Gesicht und sie wird schöner und schöner. Es gibt Untiefen, wo man gut angeln kann – Barsch oder Hecht – schmecken immer lecker, wenn man dann auf dem Feuer Ucha (Fischsuppe) zubereitet.

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Es gibt aber lange Sandstrände, wo man ein Zelt aufschlagen kann, Feuer macht und badet.Und wir hatten soclch eine Möglichkeit und übernachteten in einem Zelt. Die Nacht war still, kein Laut, nur das Summen der Mücken.

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In diesem Jahr habe ich beschlossen, auf einer Paddeltour meinen Geburtstag zu feiern. Wie immer wartete ich auf diesen Tag, denn er versprach frische Luft und 7km Abenteuer. Einerseits gibt es nichts Gefährliches – der Fluss ist still. Aber andererseits muss man immer auf der Hut sein – wilde Tiere sind in der letzten Zeit sehr nah zu den Siedlungen zu sehen. Am Flussweg trifft man sonst keine Seele – eine Landschaft, wo nur die Natur pur herrscht. Manchmal aber versteht man, dass irgendwo in der Nähe eine Siedlung ist. Wie? Auf dem nächsten Foto ist es zu sehen)))

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 Also wir brachen aus und alle waren bester Laune. Bald hatten wir ein paar Barsche und rechneten mit einer Fischsuppe.

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Doch unsere erste Mahlzeit war Brei aus Buschweizengrütze mit hausgemachtem Dosenfleisch. Sehr aromatisch und schmeckt in der frischer Luft!

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Nach der Rast setzten wir unsere Fahrt fort. Und schon fielen die ersten Regentropfen. Und dann regnete es noch stärker, bis wir pudelnass wurden((. Die Paddeltour war zu Ende. Aber sie hat doch Spass gemacht, denn wir geben niemals auf. Unser nächstes Ziel  – 30 km!

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Johannistag auf komi

Am 7.Juli feiern die Komi Iwan Lun (Tag Johannes des Täufers), die Russen den Iwan-Kupala-Tag. Besonders viele Bräuche werden in der Nacht zum 7.Juli begangen.

Ich bin keine Ausnahme. Dieses Fest kenne ich aus meiner Kindheit, wo ich die Ferien in der Ukraine verbrachte. Als kleine Kinder waren wir von diesem Fest begeistert. Wir gingen auf die Wiese, sammelten Blumen und Kräuter und flochten daraus Kränze. Am Abend machte man ein großes Feuer und wir sprangen über die Glut. Damals machten wir uns darüber keine Gedanken, welche mystische Bedeutung das alles hatte. Für uns war es ein schönes Sommerfest. Meine Großmutter hielt sich aber an diese Bräuche. Sie warnte uns immer, man darf an diesem Tag nicht baden, eine Wassernixe nimmt dich sonst in die Tiefe des Flusses.

Ich kann mich auch daran erinnern, dass die Großmutter alle meine Kränze im Dachraum aufhing. Sie hingen dort die ganze Zeit, bis ich erwachsen wurde. Das sollte mich vor Unglück und Krankheiten schützen. Vielleicht deshalb war ich als Schülerin niemals krank))).

In meinem erwachsenen Leben gab es keine Gelegenheit, dieses Fest zu feiern. Aber ich sehnte mich nach diesem Brauch, denn er war die schönste Erinnerung an meine Kindheit. So habe ich vor kurzem ganz zufällig eine Wochenendtour entdeckt, die eine wunderschöne Ethno-Erholung mit Iwan-Lun-Bräuchen anzubieten hatte. Ich war höchst überrascht und habe mir festgenommen, dabei zu sein.

Der Ort war sehr schön: ein gemütliches Ferienhaus im ländlichen Stil, ein Teich zum Bootsfahren, eine Banja, wo man nach dem heißen Dampfbad ins kühle Wasser des Teiches tauchen konnte – ein Traum für den verwöhnten Stadtbewohner.

Das Programm war sehr reich, aber die Zeit zu knapp – nur die Nacht. So habe ich überhaupt nicht geschlafen, obwohl die anderen schon ganz schnell müde waren. Für mich sollte es ein richtiges Fest bedeuten, wie in meiner Kindheit.

Am Abend gingen wir auf die Wiese und sammelten Blumen. Wie duftend war die Wiese!!! Allein das Aroma machte uns glücklich.

Bester Laune machten wir uns auf das Kranzflechten. Dabei hatten wir weiße lange Hemde. Ich trug die Wyschywanka, die ich von meiner Großmutter bekommen habe, und diese von ihrer Großmutter – über 200 Jahre ist sie alt!!! Die Wyschywanka ist ein ukrainisches Hemd mit Stickmustern. So fühlte ich mich den Traditionen meiner Vorfahren fest angebunden.

Als die Blumenkränze fertig waren, gab es ein lustiges Programm mit Spielen. Aber alle warteten mit Ungeduld auf das Feuer. Um Mitternacht war das Feuer fertig und alle standen Schlange, um über das Feuer zu springen. Dieser Bruch soll die Seele der Menschen von allen ihren Sünden reinigen.

Nachdem Feuerspringen warfen die Frauen ihre Kränze in den Teich. Alle Kränze blieben auf der Wasseroberfläche. Das war ein gutes Zeichen! Mir war es schade, meinen prächtigen Blumenkranz zu werfen. Aber ich habe alles nach dem Brauch gemacht.

Danach waren alle müde und suchten sich ein Bett. Ich nahm einen Angelstock, ein bisschen Brot und setzte mich ans Ufer des Teiches. Von Zeit zu Zeit hatte es angebissen und schon lagen im Eimer ein paar üppige Fischlein. So saß ich bis zu 5 Uhr und beobachtete, wie malerisch der Nebel über dem Teich liegt, wie die Sonne aufgeht, und wie die Möwen auf Fische jagen.

Vom langen Sitzen wurde es mir sehr kalt und ich ging in die Banja. Doch ich wagte mich nicht in den Teich zu tauchen, wie es die anderen gemacht haben, denn es war ziemlich kalt. In diesem Sommer will sich das Wetter uns leider nicht verwöhnen.

Tief beeindruckt fuhr ich nach Hause, als ob ich für einen Tag wieder in meiner ukrainischen Kindheit wäre!

Die Komi halten diesen Tag für ein wichtiges Fest, doch sie haben ihn am 24.Juni nach dem alten Kalender gefeiert. An diesem Tag hat das Wasser eine besondere Heilkraft. Das Hauptattribut dieses Tages ist deshalb die Banja, in der ein Dampfbad mit neuen Birkenzweigenbesen genommen wird. Man glaubt, dass man die Seele und den Körper auf solche Weise reinigen kann. Bis zu diesem Tag war es verboten, die Besen herbeizuschaffen. Nebenbei bemerkt, werden heutzutage Birkenzweigenbesen für die Banja auch im Juni gemacht, dann werden sie den ganzen Winter gebraucht.

Die Banja am Vorabend des Festes ist besonders gesund. Wenn man Kinder badet, spricht man verschiedene Zaubersprüche für Gesundheit. Die Erwachsenen sind der Meinung, dass der Birkenzweig an diesem Tag den Schmutz aus dem Körper hinausjagt. Er saugt den ganzen Schmutz ein und wird deshalb selbst schmutzig und nicht mehr brauchbar. So wird er sofort nach dem Dampfbad auf das Dach der Banja geworfen. Die anderen befestigen ihn auf dem Pflock. Man hing auch Birkenzweige auf Spitzen des Zauns aus und beobachtete, wurden die Birkenzweige schwarz, war es ein schlechtes Zeichen.

Die Feier fand früher auf Wiesen statt. Die festlich gekleideten Jungen und Mädchen gingen dorthin ein wunderbares Blümchen sammeln- Kupalniza (Trollblume).

Diese Blume ist das Symbol dieses Tages und gleichzeitig der Jugend und Blüte. Außerdem legte man die Kupalniza-Blumen ins Waschbecken, um selbst gesund zu bleiben, oder in den Kuhstall, damit die Kühe viel Milch geben. Außer der Kupalniza pflückten die Jugendlichen andere Blumen. Man trocknete sie und bewahrte bis zu dem nächsten Jahr. Die Jugendlichen sammelten Blumen und sangen Lieder.

In einigen Dörfern gab es den Brauch, über das Feuer zu springen. Dem Feuer wurde dabei eine besondere reinigende Kraft zugeschrieben. Die beliebteste Attraktion des Tages war eine Bootsfahrt mit dem angezündeten Feuer. Das Feuer wurde gerade im Boot angezündet. Nach allen Feierlichkeiten wurden die Kränze ins Wasser geworfen, dabei merkte man, bleibt der Kranz auf dem Wasser, ist das eine Zeichen für Freude und Hochzeit. Wenn nicht, dann kommt etwas Schlechtes.

In unserer Zeit sind praktisch alle Bräuche erhalten geblieben. An diesem Tag werden Heilkräuter gesammelt. Nicht umsonst sagt man im Volk: „Auf Wiesen gibt es Arzneien für jede Krankheit“, „trink einen Kräuteraufguss und deine Krankheit ist dann weg“. Man glaubt, dass an diesem Tag alle Kräuter eine besondere Zaubermacht haben. Aber nach dem Fest verlieren sie diese Macht.

In der Mitternacht gehen die Menschen zum Fluss, um zu baden oder sich zu waschen. Auf solche Weise können die Leute ihre Seele vor Sünden und schlechten Gedanken reinigen.

In Prilus’je hatte man die Sitte, sich auf dem Morgentau herumzuwälzen und dabei zu flüstern: „Der Morgentau ist von 70 Kräuter, deshalb sollen 70 Krankheiten verschwinden!»

Iwan Lun aus dem Jahre 2014 (organisiert vom Reisebüro „Schuda olom“, Inga Usatschowa)

Waldmenschen – neue Impressionen

Foto: Das Logo des Festivals

Schon zum zweiten Mal erregt das Ethnofestival „Waldmenschen“ Aufmerksamkeit und Interesse der Syktywkarer. Das Fest findet am 235.Guburtstag der Hauptstadt der Republik Komi – Syktywkar, und am staatlichen Feiertag Russlands – dem Tag der Unabhängigkeit. Doch für die Stadtbewohner bedeutet das Fest „Waldmenschen“ das Wiederaufleben der alten Komi-Traditionen, die nähere Bekanntschaft mit der Geschichte des Volkes, seiner Mythen und Legenden.

Foto: Der Elch – ein Motiv aus dem Komi-Kalender der Jäger.

Wie immer wurde das Fest auf dem Stefanov-Platz im Zentrum der Stadt veranstaltet. Wie auch im vorigen Jahr wurde der Platz mit Holzfiguren zum Ausmalen geschmückt. Diesmal sollten sie aber an den Kalender der Komi-Jäger erinnern. Der Kalender ist ein alter Fund aus den vergangenen Epochen der Komi-Geschichte. Darauf sind neun Tiere dargestellt: ein Elch, ein Bär, ein Renntier, ein Hermelin, ein Vielfraβ, ein Fuchs, ein Fischotter, ein Eichhörnchen und ein Marder. Auf diese Tiere wurde gejagt und jedes Tier regelte eine bestimmte Jagdsaison. Die Tiere wurden auch verehrt, denn sie nahmen eine bedeutende Stelle in den mythologischen Vorstellungen der Komi. Den Tieren wurden bestimmte Eigenschaften zugeschrieben. Aber das ist ein Thema für einen anderen Beitrag.

Foto: uralistica.com So sieht das Original aus.

Auf den folgenden Fotos kann man die Tiere erkennen.

Foto: Das Rentier

Foto: Das Eichhörnchen.

Foto: Der Fischotter.

Foto: Der Fuchs.

Die Fuguren standen zum Ausmalen da und jeder zauberte darauf auf seine eigene Weise. Besonders die Kinder waren kreativ.

Und hier ist ein über und über bemaltes Exemplar.

Die Kinder waren die Hauptgäste auf diesem Fest. Für sie gab es sehr viele Aktivitäten. Der Höhepunkt – „Baden“ im Heu. Hier konnten sie sich richtig austoben.

Die kleinen Modelle nahmen auch am Ethnomodenschau teil.

Auch jeder erwachsene Syktywkarer hatte eine groβe Auswahl an Aktivitäten: Workshops in Handwerk und Bäckerei:

Foto: eine Komi-Pizza)))

ein Flohmarkt mit Raritäten aus der Sowjetzeit:

die Ethnogymnastik und -spiele und vieles mehr.

Das Lenin-Denkmal, das auf dem Platz steht, hat im Laufe der Jahre viele Feierlichkeiten gesehen. Aber auch er hat heute, glaube ich, Spaβ gehabt))) und von der gemeinsamen Begeisterung mitbekommen.

Ich habe natürlich auch meine eigenen Impressionen, die ich in folgenden Fotos zeige.

Foto: Das niedliche Rentier erfreute durch sein ruhiges Erlaubnis: „Ach, streichelt mich! Ich bin dafür da“. Oh, wie weich ist seine Nase! Auch seine Hörner waren mit Fell bedeckt. So ungewöhnlich!

Foto: Der Komi-Jäger tanzte so komisch und so unbefangen!

Foto: Das Sur – Komi-Bier – hat lecker geschmeckt! Damit ist das Fest doppelt so lustiger.

Foto: Auch die Baba Jaga – eine böse Gestalt aus den russischen Märchen, wurde mit der allgemeinen feierlichen Stimmung angesteckt!

Und wie süβ ist dieses Bild! Der Hund trägt ein Schild : „Hilft den Katzen!“ und dabei bellt eine schicke Vierbeinige an. Super! Die Tiere gehören einem Tierheim und werben für eine Spende.

Nun sitze ich vor meinem Computer total müde und meine Beine tun mir schrecklich weh. Wie lange seit dem unendlichen Winter war ich nocht nicht so viel in der Stadt unterwegs. Der Sommer beginnt, unsicher, aber in bester Stimmung. Und das Wetter war heute wie bestellt!

Kreativurlaub

Die Kunst des Handwerks hat in der Republik Komi eine jahrhundertelange Tradition und wurzelt tief in der naturnahen Lebensweise des Volkes Komi. Die Menschen lebten in Eintracht mit der Natur und sie gab ihnen Essen, Baustoff und Arbeitswerkzeug.

Die Erzeugnisse der Handwerker sind in der Republik beliebt. Man kann mit Recht behaupten, dass es fast in jeder Familie Handwerkliches gibt: ein Körbchen oder eine Salzdose aus Birkenrinde, eine Schatulle aus Malachit, ein Wandbehang aus Rentierfell, einen Korb aus Weidenruten oder sogar eine Schale aus Wurzelholz.

Typisch für die Handwerkkunst der Republik sind Birkenrindeflechten, Weidenrute- und Bastflechten, Weberei, Strickerei, Klöppeln, Töpferei und Holz- und Beinschnitzerei. Überall sind Erzeugnisse aus Rentierfell und Sämischleder bekannt – die Visitenkarte der Republik Komi auf vielen internationalen und regionalen Handelsausstellungen, wo die Republik vertreten ist.

Zu den teuersten Souvenirs gehören Erzeugnisse aus Wurzelholz (russisch: Kap), als auch Schmuck und Schatullen aus Uralhalbedelsteinen und Elfenbein.

Wie es sich liest, hat die Republik Komi gute Voraussetzungen für einen Kreativurlaub. Dabei gibt es in der Republik viele „Handwerkinseln“, wo die uralten Handwerktechniken erhalten geblieben sind. Hier werden verschiedene Kurse für Einsteiger angeboten.

Wer den Kreativurlaub in der Republik Komi machen will, der ist im Rayon Syktywdinskij genau richtig. Das Ethnographische Zentrum in Pashga hat reiche Bestände an Exponaten der Handwerkkunst. Erfahrene Handwerker unterrichten im Birkenrindeflechten, Klöppeln und Weberei. Die Kursteilnehmer bringen nach Hause Erzeugnisse aus Birkenrinde (Körbe, Taschen, Vorratsdosen, Kästen, Fässer usw.), Servietten, Handtücher und Decken.

Wylgort ist bekannt durch Töpferei. Das ist die einzige Region der Republik, wo dieses Handwerk in seiner traditionellen Form betrieben wird. Im Dorf gibt es das Spielzeugmuseum. Die Exponate aus Lehm kommen aus verschiedenen Ländern der finno-ugrischen Welt. Das Museum beherbergt eine reiche Sammlung an Flöten. In der Handwerkschule beschäftigt man sich nicht nur mit der Töpferei, sondern auch mit Birkenrinde-, Bast- und Weidenrutenflechten.

Die Prilusje präsentiert sich mit eigenartigen Traditionen der Weberei. Die Interessierten können hier unter Aufsicht der erfahrenen Handwerker mit den Webmaschinen aus den XVIII.-XIX. Jahrhunderten arbeiten. Das Dorf Noschul gilt als Zentrum der Weberei. Das ist das einzige Dorf der Republik, wo sich diese Handwerkkunst seit Jahrhunderten entwickelt und die alten Webtechniken aufbewahrt. Im Dorf gibt es ein ethnographisches Zentrum. Hier kann man sich mit gewebten Exponaten aus vergangenen Jahrhunderten bekannt machen. Außerdem wird den Touristen das Abc der Weberei beigebracht: das nationale Ornament und das Umgehen mit der Webmaschine aus Holz. Auch das Weidenrutenflechten gewinnt im Rayon Prilusskij an Bedeutung.

Es gibt Handwerker, die nicht nur Alltagsgegenstände wie Korbvasen, Tablette und Körbe, sondern auch Korbmöbel (Schaukelstühle, Sofas und Stühle) und Lampenschirme meisterhaft herstellen. Diese wahren Kunstwerke können jede Einrichtung schmücken.

Das Dorf Petrun‘ (im Gebiet von der Stadt Inta) wartet auf die Touristen mit eigenartigen Souvenirs aus dem kalten Norden: Erzeugnisse aus Rentierfell und Sämischleder, Rohhautriemenflechten, Bein- und Holzschnitzerei.

Natur erleben

Die Republik Komi ist ein Paradies für die Touristen, die nicht nur von den Naturschönheiten begeistert sind, sondern auch den besonders rücksichtsvollen Umgang mit der Natur zum Ziel haben, sie möglichst nah, intensiv und ursprünglich zu erleben. Die Republik präsentiert sich den Ökotouristen mit ihren Taiga-Urwäldern, Artenreichtum in Tier- und Pflanzenwelt, alpinen Landschaften des Urals und bizarren Naturdenkmälern aus Stein: Wohin auch das Auge reicht – Natur pur.

Zu den Zentren des Ökotourismus gehören der Nationalpark „Jugyd Wa“ und das Biosphärenreservat „Petschora-Ilytsch“ – die größte geschlossene Urwaldfläche Europas, die 1995 als Komi-Urwälder in die UNESCO-Liste des Weltnaturerbes aufgenommen wurde. Die bedeutenden Aufgaben des Naturschutzgebietes ist das Erhalten der seltenen Ökosysteme und Forschung, was nicht ausschließt, dass auch Touristen dieses Naturwunder entdecken können. Über Jahrhunderte formten der natürliche Reichtum und die besonderen klimatischen Bedingungen ein unverwechselbares Landschaftsbild, das Naturfreunde aus In- und Ausland mit herrlichen Aussichten belohnen kann.

ImJugyd Wa sind geführte Trekking-Touren, Paddeln und Bergsteigen besonders entwickelt. Zu den Touristenmagneten gehören die Flüsse Koshim, Kossju, Podtscherem, Schtschugor und Berge Manaraga, Narodnaja, Sabelrücken.

Eine besondere Art des Tourismus sind ökologische Erholungslager und Expeditionen für Schüler und Studenten, wo sie umweltbewusst ausgebildet werden, einzigartige Naturobjekte für sich entdecken, das Kulturgut der Rentierzüchter kennen lernen und freiwillig arbeiten.

Die Anhänger des Ethnotourismus kommen hier auch nicht zu kurz. Die Region ist durch heilige Stellen der Uralvölker bekannt. Dazu gehören z.B. heilige Steine, auf welchen die Rentierzüchter noch heute etwas für ihre Götter und Geister liegen lassen: Männer – Hammer, Frauen – Haushaltsgegenstände, Kinder – Spielzeug. Der Berg Telposs-Is (die höchste Spitze des Nordurals) war seit den uralten Zeiten der heilige Berg der Nomaden. Die Nenzen und die Mansen nannten ihn „Frauenidol“, die Komi – „Nest der Winde“. Nach einem alten Glauben haust hier Woipel – Gott des Windes und der Kälte. Er mag keinen Lärm, deshalb versuchen die Rentierzüchter ihre Rentierschlitten besonders still zu führen, wenn sie am Berg vorbei fahren.

In der Tiefe der Taiga im Oberlauf der Petschora findet man Fischer- und Jägerdörfer der Altgläubigen, die von der Christianisierung des Volkes Komi und später von den Bolschewiken flüchteten. Sie wurden verfolgt und bauten ihre Bethäuser weit in der undurchsichtigen Wildnis. Man sagt auch, dass sich in Baumhöhlungen des Urwaldes und in Höhlen des Urals bis heute geheimnisvolle Verstecke mit den „Schätzen“ der Altgläubigen lagern. Geld, Haushaltsgeräte, Fischernetze und Bücher wurden in Zederstämme gelegt und mit Wachs verklebt. Die alten Dörfer der Altgläubigen werden wiederaufgebaut. Im ehemaligen Dorf Orlowka an dem Fluss Podtscherje gibt es eine touristische Herberge für die Wanderfreudigen. Sie können hier rasten und sich mit der Geschichte und Lebensweise der Altgläubigen bekannt machen.

Das Biosphärenreservat Petschora-Ilytsch bietet den Touristen nicht so viele Attraktionen an, denn der größte Teil des Gebietes ist dem Zutritt verwehrt. Die borealen Wälder werden wissenschaftlich erforscht mit dem Ziel, ihre biologische und genetische Vielfalt zu bewahren. Aber nicht nur die Flora und Fauna überraschen mit ihrer Vielfalt. Das Gebiet ist reich an Naturdenkmälern mit unter Naturschutz stehenden Landschaftselementen. Besonders interessant sind die bizarren Felsformationen – Folgen der tausendjährigen Verwitterung. Eines der bekanntesten Naturwunder dieser Art ist die Felsgruppe auf dem Plateau Man‘-Pupu-Njor, die seit 2008 zu den „Sieben Wundern Russlands“ gehört. Die Form eines anderen Felsens, der sich an dem Fluss Ilytsch erhebt, ähnelt dem Minarett einer Moschee und heißt deshalb „Tataren-Kirche“ (Tatarskoje Witschko). Inmitten der Taiga gibt es eine Stadt aus Stein. Die Spitze des Bergrückens Torre-Porre-Is erinnert an eine menschenleere, vergessene Stadt mit steinernen Straßen und Häusern, Türmen und Wallanlagen. Wer durch diese Stadt bummelt, begibt sich in die geheimnisvolle Welt der heidnischen Mythen und Sagen.

Eine der besonderen Attraktionen des Naturparks ist der Besuch der Elchfarm, die 1969 gegründet wurde. Der König der Taiga wird hier domestiziert. Die Tiere haben sich den rauen nördlichen Bedingungen der Taigazonen recht gut angepasst.

Im Naturschutzgebiet gibt es vier geführte Wander-Routen mit ökologischen Inhalten. Die Naturfreunde, darunter auch Schüler, Studenten und Forstwissenschaftler, werden mit Geologie und Pflanzenwelt der Taiga bekannt gemacht.

Ökologische Wander- und Trekkingtouren gibt es auch in anderen Teilen der Republik. Im Landschaftsschutzgebiet von Madsha werden im Winter Schiausflüge veranstaltet, und die Naturfreunde können die Schönheit der winterlichen Taiga genießen. Mit ein bisschen Glück begegnet man in der Wildnis solchen Taiga-Bewohnern wie Elch, Hirsch, Auerhahn oder Birkhahn.

“Bei den Bibern zu Gast” – so heißt die siebentägige Baidarka-Tour auf der Kleinen Wisinga. Die Biber fühlen sich hier ungestört. Die Naturfreunde können beobachten, wie sie ihre Wasserburgen bauen.

Im hohen Norden der Republik (in der Umgebung von Workuta) ist die Wanderroute „Landschaften der Tundra“ besonders populär. Die im Juni in allen Farben blühende Tundra wirkt auf ihre Besucher faszinierend.

Der Ussinsker Sumpf Uswa-Njur, einer der größten in Europa, bietet vielfältige Möglichkeiten sein eigenartiges Ökosystem zu entdecken. Eine andere Tour „Blick in die Tundra“ macht die Naturfreunde mit der Flora und Fauna dieser Landschaft bekannt. Im Frühling beobachtet man, wie die Zugvögel in ihre blühende Heimat zurückkehren, im Sommer sammelt man Moltebeeren und schaut dem Tanz der Kampfhähne zu.

Mit einem Wort, wer die abwechslungsreichen Landschaften der Republik durchwandert hat, wird begeistert zurückkehren mit dem Eindruck, ein einzigartiges Naturwunder in Augenschein genommen zu haben.