Geburtstag am Fluss

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Die Geschichte begann im Jahre 2010, als wir mit unseren Freunden die erste Paddeltour auf der Lusa gemacht haben. Die Lusa ist ein Fluss, der im Süden der Republik Komi fließt und in die Norddwina mündet. Seit diesem Jahr „bewältigen“ wir kurze Strecken und erkunden die Natur. In 6 Jahren haben wir etwa 30km gemacht.

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Oben ist unser erstes Foto))) Das war ein Abenteuer! Es hat gut begonnen, aber das Wetter machte unsere Pläne kaputt. In ein paar Stunden goss es wie in Strömen. Im nächsten Jahr gab es auch einige Umstände – ich war schwanger (8 Monate – O, Gott!), aber das störte mich nicht, ich fühlte mich super.

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Das Wetter war wunderbar und wir machten Raststationen mit Brei, Tee und Baden.

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Die Lusa ist ein sehr malerischer Fluss. Mit jedem Kilometer ändert sich ihr Gesicht und sie wird schöner und schöner. Es gibt Untiefen, wo man gut angeln kann – Barsch oder Hecht – schmecken immer lecker, wenn man dann auf dem Feuer Ucha (Fischsuppe) zubereitet.

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Es gibt aber lange Sandstrände, wo man ein Zelt aufschlagen kann, Feuer macht und badet.Und wir hatten soclch eine Möglichkeit und übernachteten in einem Zelt. Die Nacht war still, kein Laut, nur das Summen der Mücken.

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In diesem Jahr habe ich beschlossen, auf einer Paddeltour meinen Geburtstag zu feiern. Wie immer wartete ich auf diesen Tag, denn er versprach frische Luft und 7km Abenteuer. Einerseits gibt es nichts Gefährliches – der Fluss ist still. Aber andererseits muss man immer auf der Hut sein – wilde Tiere sind in der letzten Zeit sehr nah zu den Siedlungen zu sehen. Am Flussweg trifft man sonst keine Seele – eine Landschaft, wo nur die Natur pur herrscht. Manchmal aber versteht man, dass irgendwo in der Nähe eine Siedlung ist. Wie? Auf dem nächsten Foto ist es zu sehen)))

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 Also wir brachen aus und alle waren bester Laune. Bald hatten wir ein paar Barsche und rechneten mit einer Fischsuppe.

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Doch unsere erste Mahlzeit war Brei aus Buschweizengrütze mit hausgemachtem Dosenfleisch. Sehr aromatisch und schmeckt in der frischer Luft!

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Nach der Rast setzten wir unsere Fahrt fort. Und schon fielen die ersten Regentropfen. Und dann regnete es noch stärker, bis wir pudelnass wurden((. Die Paddeltour war zu Ende. Aber sie hat doch Spass gemacht, denn wir geben niemals auf. Unser nächstes Ziel  – 30 km!

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Die Luft von tausend Düften

„Im wunderschönen Monat Mai, als alle Knospen sprangen…“ – so beginnt ein schönes Gedicht von Heinrich Heine, das wir mit unseren Studenten geübt haben. Dieser Mai war in der Republik Komi reich an Farben und Düften. Die Natur trug ihr prächtiges weißes Brautkleid mit frischen grünen Blättern geschmückt. Und die Luft war voll von zarten Düften. Das festliche Weiß war an den Bäumen überall zu sehen. Und wie kurzlebig war die Blütezeit!

Ich verstehe, dass die Bäume überall in der Welt blühen. Aber hier im Norden ist jede Pflanze ein Wunder, denn nicht nur die Menschen, sondern auch die Pflanzen im rauen Klima um ihren Platz unter der Sonne kämpfen müssen. Die Südbewohner haben es besser, denn sie genießen die wahre Blütenpracht. Aber auch im Norden ist der Frühling wunderschön, besonders, wenn die Tundra blüht. Und nach dem blendenden Weiß des Winters ist das blühende Weiß des Frühlings besonders sehnsüchtig  zu erwarten.

So blüht der Apfelbaum:

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Und hier trägt die Traubenkirsche ihr weißes Gewand:

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Und das sind die hübschen Preiselbeeren:

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Der Sumpfporst sieht festlich aus, obwohl er manchen Kopf berauschen kann:

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Die Pracht der Natur hat mich auf den Gedanken gebracht, welche Rolle die Pflanzenwelt in der Komi-Mythologie spielt. Nach langen Untersuchungen habe ich solch eine Information gefunden.

Nach dem Volksglauben der Komi habe jeder Mensch seinen Baum (zu komi As Pu). Es ist sehr schwer, den As Pu zu finden. Dem Jäger könnte dabei der Hund behilflich sein. Er halte am Baum und bellte den As Pu an. Mit dem ersten Axthieb beginne der Baum zu bluten und mit seinem Herrn zu sprechen. Die Sachen, die aus diesem Baum angefertigt werden, hätten eine besondere Zauberkraft.

Die Traubenkirsche (zu komi Ljom) obwohl sie so schön blüht, wird in der Komi-Mythologie eher negativ betrachtet, weil ihr Holz im Haushalt nicht verwertet wird. Die Blütezeit des Baumes verbindet man mit dem Thema der Fruchtbarkeit. Es gibt einige Bauernregeln: “Steht Ljom in voller Blüte, so gibt es eine reiche Ernte an Heidelbeeren”. Traditionell wurde der Baum ziemlich weit vom Haus gepflanzt, am Zaun (und das ist auch heute der Fall). Es gab den Glauben, dass Ljom ins Haus Krankheiten und Unglück mit sich bringen könnte.

Die Fichte (zu komi Kos) gehört in das semiotische Feld „das Männliche“. Dabei gibt es zwei Bräuche. Die Komi-Jäger bevorzugten unter diesem Baum zu übernachten, aber zuerst musste man ihn um Erlaubnis bitten und der Baum nahm den Menschen dann unter seinen Schutz. Der zweite Brauch war, den Vater des Neugeborenen zu fragen „Njyw ali Kos?“ und das bedeutete “Tochter oder Sohn?“ Denn „das Weibliche“ verkörperte die Tanne (zu komi Njyw). Die Komi-Jäger fürchteten sich unter diesem Baum zu übernachten. Hier verbarg sich der Teufel und Jon (der Gott der oberen Welt) schickte zum Baum hin Blitze, damit sie den Teufel treffen konnten und die Jäger hatten Angst, auch  vom Blitz getroffen zu werden.

Interessant, nicht wahr?

Die Natur schmeckt im Frühling Birkensaft

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In diesem Frühling habe ich zum ersten Mal gesehen, wie der Birkensaft vom Baum tropft. Die zwanzigjährige Birke im Hof meiner Schwiegereltern beschenkt uns reichlich mit ihrem Lebenswasser. Die Birke hat ihre eigene Geschichte und ist der Familienbaum für drei Generationen. Der Vater meiner Schwiegermutter flochte Bündel aus Birkenzweigen für die Banja neben der Scheune. Als er gestorben war, wuchs an dem Platz, wo er immer zu sitzen pflegte, eine Birke zu einem mächtigen Baum.

Jedes Jahr füllt die Birke Behälter mit klarer Flüssigkeit, die etwas süβlich schmeckt. In diesem Jahr ist unsere Birke besonders ausgiebig.

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Mein Schwiegervater hat die Birkenrinde leicht angebohrt und drei kleine Röhrchen befestigt, durch welche der Saft abgezapfen wird.

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Ich komme von Zeit zu Zeit und koste an dem erfrischenden Getränk. Selbst die Natur gibt dieses Lebenswasser dem Menschen – der Birkensaft ist sehr gesund. Hier in Prilusije, einem Gebiet von Komi, nennt man ihn sdorow-wa – vom Wort sdorowje (Gesundheit). Im üblichen Teil der Republik Komi wird der Birkensaft sarawa genannt. Das war schon seit alten Zeiten das traditionelle Getränk der Komi. Man trinkt ihn pur, denn er wird nicht lange haltbar. Sonst entsteht durch Vergorung mit etwas Zucker ein säuerlich-süβes Getränk. Meine Schwiegermutter gibt etwas Weintrauben oder Trockenaprikosen zu. An einem sehr warmen Frühlingstag wie heute wird einem der Durst schnell gestillt.

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Die Birke spielte für die Komi-Heiden eine zentralle Rolle in der Verherung der Idolen. Es gibt eine Legende von der Launigen Birke (launig ist hier als böse und unbändig zu verstehen). Ein riesiger Baum war die Kultstätte von Komi-Zyränen an dem Fluss Wym und hatte eine magische Kraft. Um den Baum herum standen zahlreiche Idole. Die Heiden pflegten dort ihre Riten und beschenkten den Baum reichlich mit Rauchwaren. Selbst der Baum war mit bunten Bändern behängt.

Im 14. Jharhudert erschien im Komi-Land ein Missionär – Stefan von Perm (Bischof von Klein-Perm, 1547 heiligesprochen). Er wollte die Komi-Heiden zum Christentum bekehren. Um den Heiden die Kraft des christlichen Glaubens zu zeigen, wollte er die Launige Birke fällen. Ein Tag reichte nicht aus, um den Baum zu fällen. Während Stefan mit dem Axt den Baum schlug, schrie der Baum in entsätzlichen klaglichen Stimmen – “Du Stefan! Warum verjagst du uns? Das ist von alters her unser Zuhause!” Der Baum blutete mit bunten Strahlen. Aber Stefan war mit Gottes Hilfe erfüllt. Am nächsten Tag stand der Baum wieder da. Drei Tage brauchte Stefan, bis die Birke fiel. Er befahl Birkenholz und Idole zu verbrennen. Während sie brannten, hörte man Schreie und Jammergeheul. Die Birke wurde zu Asche.

An dem Platz, wo die Launige Birke wuchs, steht jetzt die Kirche zu Erzengel Michael.

Pilzjagd. Neue Saison

Das alte Thema klingt jedes Jahr wie neu. Pilzsaison in Komi ist wieder in vollem Gang. Der Wald wird zur Mekka vieler Pilzpilger, zu denen in Komi fast jeder Republikbewohner gehört. Die Sozialnetzwerke strotzen von Pilzfotos, und jedes findet anerkennende Worte – „Wie schön!“, „O, wie niedlich!“, „Ein braver Kerl!“, „Wo sind solche Kerle nur zu finden?“. Die Trophäen werden zuerst von allen Seiten fotografiert und dann schon in den Korb gelegt.

So ist es bei mir immer.

Die stille Jagd, so wird das Pilzsammeln genannt, hat bei uns immer viele Anhänger. Still – bedeutet ohne Gewehr, ohne Lärm, aber sehr oft hört man jubelnde Ausrufe, und dann versteht man – die Jagd hat begonnen! Man geht auf die Spur, gerät in den Sucheifer und der Korb wird mit jedem Schritt schwerer. Viel glücklicher ist man, wenn man eine ganze Pilzfamilie erwischt. Die Rotkappen bilden immer so brave kinderreiche Familien.

Foto: Viktoria Pimenova

Foto:Ewgenij Tropnikov

Foto:Irina Kalinina

Foto: Eines der schönsten Fotos von Jgor Trier

Foto: Wladmir Tischenko

Die üppigen Steinpilze machen sich würdevoll. Sie fühlen sich so erhaben, dass sie fast immer allein stehen. Sie brauchen viel Platz für ihre Würde und prahlen mit ihren prächtigen Formen.

Foto: Andrej Kosinez

Foto: Valentina Sakussova

Es fällt mir immer schwer dieses Gefühl zu beschreiben, wenn man einen Pilz findet. Das ist eine Mischung von Vorfreude, Jubel, Begeisterung, Bewegtheit und schließlich Jagdfieberbefriedigung. So vergisst man jede Sorge. Die Stille des Waldes und frischer Wind verjagen aus dem Kopf jeden Kummer und man fühlt sich wie neugeboren. Waldtherapie ist das beste Mittel die Energie für den langen Winter zu tanken.

Aber ein reicher Pilzpfad kann manchen Pilzjäger in Gefahr führen. Jeden Sommer verlieren sich die Menschen im Wald. Meistens findet man selbst den Weg nach Hause. Einigen wird das Leben gerettet. Aber es gibt leider auch eine traurige Statistik.

Als ich Schülerin war, war ich sehr oft im Wald. Im Norden der Republik kann die stille Jagd zu einem Abenteuer werden, einem gefährlichen Abenteuer. So war es mir einmal auch so. Da es zu der Zeit keine Geräte außer Kompass gab, konnten wir uns nur mit seiner Hilfe orientieren.  Doch statt uns nach dem Süden zu führen, zeigte er die nördliche Richtung. Wir waren tief in der Waldtundra, praktisch ohne Essen und bald ohne Kräfte. Der sumpfige Boden machte den weiteren Weg unmöglich. Wir setzten uns auf den gefallenen Baum und plötzlich hörten wir in der Ferne eine ganz leise Zugsirene. Wir merkten uns die Richtung. Außerdem orientierten wir uns nach dem Moos an den Bäumen. Bekanntlich gibt es viel Moos an der Südseite des Baumes. Nach einigen Stunden waren wir schon am Fluss und wir sollten eine sichere Furt über den Fluss finden. Es war sehr schwer, denn es war ein Bergfluss. Wir beschlossen uns am Fluss zu rasten und zu übernachten. Wir schliefen am Feuer auf Kiefernzweigen. Als ich mich schlafen legte, warf ich einen Blick auf die Kiefer und sah eine Teufelsfigur im Anzug mit einem langen Schwanz. Am Morgen stellte es sich heraus, dass die Kiefer am Stamm eine gebrannte Stelle hatte und der Schwanz war so gut wie ein schwarzer Zweig. Schrecklich! Wir waren zwei Tage im Wald, nahe der Verzweiflung. Mein Bewusstsein machte aus jedem Baumstumpf eine Figur und ich hatte Angst verrückt zu werden. Ich dachte an meine Mutter und hoffte auf das Beste.

Nur zu Hause verstand ich, wie gefährlich unsere Lage war. Mein Körper war in lauter Mückenstichen. erschöpft fiel ich auf mein Bett und schlief bis in die Puppen. Als ich am nächsten Tag wieder die Augen aufgemacht hatte, sagte die Mutter, dass ich mehr als 24 Stunden geschlafen habe. Seit dieser Zeit bin immer vorsichtig im Wald. Wenn ich meinen Mann aus der Sicht verliere, rufe ich nach ihm. Ihm gefällt es nicht. Er will im Wald seine Ruhe genießen. Manchmal aber fotografiert er mich).

Die stille Jagd ist überall in Komi verschieden. Im Norden fährt man mit dem Zug, um den richtigen Wald zu erreichen. Solche Züge nennt man oft „Pilzzug“.

Foto: Wladimir Tischenko – Pilzzug

In Vorkuta ist schon Tundra und Inta (meine Heimatstadt) steht auf dem sumpfigen Boden und es gibt dort keinen richtigen Wald. Einige Pilzjäger bleiben im Wald dann für einige Tage, sammeln Pilze und verarbeiten sie sofort am Ort, trocknen oder salzen sie.

Foto: Wladimir Tischenko

Foto: Wladimir Tischenko

Foto: Wladimir Tischenko – alles sieht so appetitlich aus!

Sie leben in einem Zelt oder in einer Jagdhütte, was in der Waldtundra viel besser ist. Im Norden werden hauptsächlich Rotkappen, Reizker und Birken-Milchlinge gesammelt.

Foto: Wladimir Tischenko

Foto: Dmitrij Tribunskij – eine reiche Ernte in der Tundra

In südlichen Gebieten ist die Pilzjagd wie ein Spaziergang. Weiße Kiefernwälder sind durchsichtig und das Jagdrevier wird deshalb oft durchgewandert. Hier sammelt man Steinpilze, Pfefferlinge, Wimpernmilchlinge – lauter „adelige“ Pilze. Oft trifft man unterwegs Leute und sagt einender „Hallo!“ und wünscht eine gute Jagd. Mein Schwiegervater fühlt sich im Wald wie zu Hause. Einmal haben wir für die deutschen Studenten (das war die Sommerschule 2013 in Syktywkar) einen Ausflug in den Wald gemacht. Sie wunderten sich sehr darüber, dass er ohne GPS im Wald läuft. Angelo fragte mich: „Ludmilla, wie kann es sein? Wir stiegen aus dem Auto aus, liefen etwa 2 Stunden im Wald herum, und stehen wieder vor dem Auto?“ Unsere deutschen Gäste waren vom weißen Kiefernwald einfach begeistert. Aus ihren Trophäen haben sie Pilzpfanne gemacht.

Foto: Christopher hat einen Pilz gefunden!

Foto: Unsere Sommerschule 2013

Mein Schwiegervater ist seit seiner Kindheit ein „Waldmensch“. Ich bin kein Waldmensch, aber ich fühle mich im Wald sehr wohl (neben meinem Mann natürlich). Diesen Urlaub habe ich in Komi verbracht, und wir waren fast jeden Tag im Wald. Und die Ernte ist in diesem Jahr sehr reich sowohl an Pilze als auch an Beeren. So viele Pilze habe ich noch nie in meinem Leben gesammelt.

Foto: Andrej Doronin – lauter Pfefferlinge

Foto: Nikolai Koltschurin – voll beladen

Foto: Sergej Martynov – wohin mit den Pilzen?

Einige fotografieren ihre Ernte und machen das sehr phantasievoll!

Foto: Irina Kalinina

Foto: Inna Koreiko

Foto: Ein Lieblingsfoto von mir)

Die Ernte muss aber noch verarbeitet werden. Was macht der stolze Pilzjäger zu Hause? Ruht sich aus, genießt die Trophäen und erntet damit Lorbeeren, erzählt in übertriebener Weise über die prächtigsten Exemplare? Ach, nein! Zu Hause beginnt die ganze Arbeit: Pilze putzen, schneiden, kochen, trocknen, marinieren, braten – je nach Geschmack. Ich koche die Pilze und lege sie dann ins Gefrierfach. Dann kann ich im Winter alles daraus zubereiten, was Herz und Magen begehren. Brotaufstrich aus Pilzen ist auch lecker, hier nennt man sie „Pilzkaviar“.

Foto: Eine Pfanne mit „Pilzkaviar“

Manche Pilze geraten an den Straβenrand und werden verkauft.

Foto: Andrej Kosinez

Einige haben einen Fotoset. Das ist eine sehr wunderschöne Serie von meiner Kollegin Tatjana Karlova.

Pilzästhetik!

Und hier das leckerste Foto – Piroggen mit Pilzfüllung! Greift zu, liebe Leser!

Die meisten Fotos stammen aus dem Sozialnetzwerk „Vkontakte“ (Die Gemeinschaft „Komi – Land der Pilze“).

Ust-Zilma. Die Gorka

Von alters her bezeichnet das Epitheton „krasnyj“ alles, was das russische Volk für schön, blühend, proper, hervorragend und erhaben hält. Damit mich meine deutschsprachigen Leser verstehen können, bedeutet das Wort „krasnyj“ heutzutage die Frabe „rot“. „Krasnyj“ wird in Verbindung mit einem Haus, Roggen, einem jungen Mädchen und auch einem Wort gebraucht werden. Auch der Platz im Herzen Moskaus ist „rot“. Die Bildkraft der russischen Sprache verstärkte mit diesem Begriff im Mittelalter das Verhalten der Russen zu der naiven und auch der erhabenen Schönheit. Als „krasnyj“ wurde die oberste  Gottheit der heidnischen Slawen bezeichnet – Jarilo (Sonne). Es gibt die Meinung, dass gerade ihm zu Ehren die Gorka von Ust-Zilma ihren Namen bekommen hatte – die Krasnaja Gorka.

Der 12.Juli (Petrustag), an dem das Fest gefeiert wird, ist im hohen Norden die Sommerspitze, seine Krönung, der Höhepunkt des Arbeitsjahres, denn gerade nach der Gorka begann die Heuernte. Die Heuernte war in diesem Fall das wichtigste Ereignis des Jahres, die Gewährleistung des Wohlstandes für den langen Winter. Dadurch erklärt sich das Wort „Gorka“ – der Höhepunkt, die Spitze. Es gibt auch eine andere, direkte, Bedeutung: Gorka ist ein Hügel. Stimmt, die Gorka wurde in der Mitte des 19.Jahrunderts auf einem Hügel am Ufer der Petschora gefeiert. Nach Ust-Zilma strömten mit ihren besten Waren Kaufleute aus Tschardyn, Wjatka, Mesen und Ust-Syssolsk. Das war die Zeit der Jahrmärkte. Der Rummel des Jahrmarkts zog die Menschen aus den nahe liegenden Dörfern. Es wurde ausgiebig gefeiert, mit Singen, Reigen und Tanzen. Heutzutage führt man die Gorka auf der sogenannten „Volkswiese“, einem Platz im Zentrum des Dorfes.

Wie interessant verflechten sich altertümliche und moderne Bedeutungen der Wörter miteinander, wie fest findet das moderne Leben der Ustziljoma den Anklang mit den Traditionen ihrer Vorfahren!

Foto: Wahrscheinlich die jüngste Gorka-Teilnehmerin!

Foto: Und hier wahrsheinlih die älteste.

Also, die Krasnaja Gorka – ein fesselndes, faszinierendes Spiel. Wer es einmal erlebt hat, wird noch lange unter dem Eindruck stehen. So wie ich!

Mein Tag begann früh, denn ich war sehr aufgeregt. Die Schwiegermutter meiner Gastgeberin sagte, dass sie mir das festliche Gewand für das Fest wählt. Es sollte bedeuten, dass ich eine alte Nationaltracht tragen werde. Schnell wurde die Truhe aufgemacht und ich sah die bunte Pracht. Praktisch in jeder Familie werden die Kleider für die Gorka sorgfältig aufbewahrt. Manche Kleidungsstücke sind mehr al 200 Jahre alt!!!

Es ist aber eine sehr schwere Aufgabe, die ganze „Garderobe“ zu beschreiben, aber ich versuche. Die Ustziljoma gebrauchten für die festliche Kleidung nur die besten Stoffe wie Rips, Brokat und Damast. Sie alle wurden früher nach Ust-Zima eingeführt, aus fernen Ländern, sogar aus England. Die Frauentracht besteht aus den „Ärmeln“, dem Sarafan, einem Gürtel, einer Schürze, der „Korotenjka“ und dem Plat.

Foto: Ein kleines Trachten-Abc

Das Brokathemd (die „Ärmel“) hat sehr breite Ärmel, die mit Zwickeln auf den Schultern geschmückt sind. Die Zwickelfarbe muss mit der Hemdfarbe kontrastieren. Das Hemd hat auch einen Stehkragen, der mit einem schmalen Besatzband aus Brokat dekoriert ist. Der untere Teil des Hemdes wird aus dem handgewobenen Stoff oder aus Kattun genäht.

Der Sarafan ist lang und etwas bauschig, denn er wird aus vier Stoffbahnen genäht: zwei vorne schräg zueinander, beiderseits noch einer in zwei Teilen (für jede Seite je ein keilförmiger Stoffteil), und der vierte für die Rückseite ist gerade und gefaltet. Der Sarafan hat zwei schmale Schultergurte, die von der Taille beginnen (ist etwas einem Rock ähnlich, nicht wie die üblichen russischen Sarafane).  Unten wird der Sarafan mit Franse geschmückt.

Auch die Schürze ist bauschig und gefaltet. Etwa 30cm bis zu dem unteren Rand gibt es Franse als Schmuck.

Die Korotenjka (Seelenwärmer) ist dem Sarafan ähnlich, doch viel kürzer (zu Russisch: korotkaja). Sie ist aus Brokat und wird mit Besatzband dekoriert. Sie wird auf dem Fest von jungen Mädchen und jungen verheirateten Frauen getragen. Die Schultergurte des Sarafans und der Korotenjka müssen aufeinanderliegen.

Das ganze Gewand muss gegürtet werden. Der Gürtel hat ein geometrisches Ornament, ist geflochten und spielt die Rolle eines Schutzamulettes.

Für die Kopfbedeckung gibt es mehrere Möglichkeiten. Die verheirateten Frauen tragen einen Plat (Tuch), der auf dem Kokoschnik gebunden wird. Der Kokoschnik gibt dem Plat eine Form. Er ist aus Stoff und wird mit zwei schmalen Bändern auf dem Hinterkopf befestigt. Dazu muss ich sagen, dass der Plat ziemlich hoch auf der Stirn gebunden sein muss. Die Stirn muss frei bleiben. Bei mir war es ein Problem, den Kokoschnik zu befestigen), bis die Schwiegermutter von Ksenja mir zwei kleine Hörnchen aus meinen Haaren gemacht hat. Es war so komisch, aber der Plat saß ganz fest und die Stirn war frei.

Foto: Der Kokoschnik

Der Plat ist ziemlich schwer, vielleicht deshalb er gibt der Figur eine bestimmte kerzengerade Haltung. Man hat deshalb den Eindruck, dass die Frauen von Ust-Zilma so selbstbewusst, etwas stolz und bedächtig sind. Das sind sie auch). Mit ihrem Schwebegang ziehen sie die Blicke auf sich, so graziös sind sie.

Foto: Der Plat nach jedem Geschmack.

Der Ripsplat wurde aus besonderem orientalischem Seidenstoff gemacht, in Blau-Orang, Grün-Rot oder Weiß-Rosa gehalten. Der Brokatplat ist etwas klein. Besonders teuer ist aber der konofatnyj Plat. Er wurde aus besonders dichtem Seidenstoff gemacht und mit Goldfäden bestickt. Leider kann ich das Wort „konofantyj“ nicht übersetzen. Vielleicht bezieht sich das auf die Qualität des Stoffes.

Junge Mädchen tragen den Chas – den Plat als Kopfband. Und für die Braut gibt es einen Powoinik, ein Hütlein aus altertümlichen Brokat mit Silber- und Goldfäden bestickt. Doch solche Kopfbedeckung habe ich nur bei Mädchen gesehen.

Foto: Ein Mädchen im Chas.

Foto: Ein Mädchen im Powoinik

Natürlich soll der Halsschmuck nicht fehlen. Das sind verschiedene Ketten. Früher trug man Silber- und Goldketten. Darauf wurde das massive Altgläubigerkreuz gehängt. Es wurde aber unter das Hemd versteckt und diente als Amulett. Außerdem werden heute noch große Broschen und Hemdknöpfe getragen.

Was die Männerkleidung angeht, so ist sie nicht so aufwendig). Die Männer tragen ein rotes Kossoworotka-Hemd, einen Gürtel, eine Hose und warme gestrickte Kniestrümpfe, die besonders festlich aussehen. Dazu gibt es noch einfache Schuhe aus Leder, „Sohlen“ genannt.

Foto: Der Mann in der Kossoworotka

Die Tracht von Ustziljoma ist eine heikle Angelegenheit, sie zu tragen – ist eine richtige Kunst. Hier kann vieles in Btracht gezogen werden – Stoff, Farbe, Größe, Alter und soziale Status der Frau. Einige Forscher meinen, dass die Gorka von Ust-Zilma nicht mit dem ersten Reigen beginnt, sondern zu Hause beim Anziehen. Ich hatte Glück gehabt und beobachtet, wie die Tracht angezogen wird.

Das Anziehen war für mich ziemlich anstrengend. In der Regel dauert es ein paar Stunden. Während Ksenjas Schwiegermutter an meinem Aussehen zauberte, erzählte sie mir über die Traditionen der Gorka und über die Nationaltracht. Ich fühlte mich, wie die Tochter eines Kaufmannes aus dem 19.Jahrhundert, die sich für die Brautschau schniegelt).

Glücklicherweise gab es die nötige Größe. Dann habe ich ein paar Schritte gemacht und es wurde mir klar, wie viel eine moderne Frau verliert, wenn sie heutzutage einen schmalen Rock oder eine Jeans trägt. Die Tracht gibt mehr Fraulichkeit, mehr Stolz, mehr Schönheit. Früher hat man in Russland eine schöne Frau mit einem Schwan verglichen, jetzt weiß ich warum. Wer eine solche Tracht trägt, vergisst von jeglicher alltäglichen Eile und Hektik. Ich habe mich gleich in eine andere Epoche versetzt.

SONY DSCFoto: Meine Gasgeberin Ksenja hilft ihrer Tohter Ewgenija.

Doch wir sollten uns beeilen, weil das Anziehen ziemlich lange gedauert hat. Wir kamen als der erste Reigen schon begonnen hat. Ich verpasste gerade den spektakulären Anfang der Gorka, den Zug, der weit von der Volkswiese beginnt. Die Gorka-Teilnehmer schreiten gemessen Ganges durch die Straßen dahin, singen Lieder und strömen dem Schauplatz des Festes zu. Wie die mächtige Petschora auf ihrem Lauf ihre Nebenflüsse sammelt, so sammelt die Menschenmenge mit jedem Haus mehrere Gorka-Sänger. Leider habe ich das nicht gesehen.

Langsam fließt der bunte Strom. Die Kleider rascheln und schimmern in Himmelblau, Rosa, Rot und Orange. Die bunten Trachtkapellen bewegen sich in bestimmten Reigenfiguren. Das schwere Leben der Bauern, wo sie säen, ernten, lieben, heiraten, Kinder erziehen – alles wird mit der Tanzsprache erklärt.

Die Gorka besteht aus zwei Teilen – Reigen und Tanzen. Man unterscheidet sechs Reigenfiguren. „Säulen“ symbolisieren die mächtige Petschora, wohin mehrere Flüsse münden.

Foto: Die Filgur „Säulen“

Die „Führleine“ widerspiegelt die Petschora, die sich auf ihrem Weg zum Weißen Meer schlängelt. Der „Flechtzaun“ zeugt davon, dass sich alles wiederholt und das Leben wie ein Gewebe ist. „Kreis“ und „Quadrat“ stehen für die Sonne. Zwei Reihen der Teilnehmer „Seite gegen Seite“ verkörpern Himmel und Erde, das Männliche und das Weibliche, und ihre Gegenüberstellung ist das Streben nach Vereinigung.

Foto: Die Figur „Seite gegen Seite“

Jede Figur wird von einem bestimmten Lied begleitet. Die Eingesessenen sagen, dass die Gorka diesen Figuren streng folgen soll, denn die geometrische Symbolik vereint den Menschen und das Universum zu einem Ganzen.

Der zweite Teil der Gorka wird in Tanzweise ausgeführt. Im Nu verschwindet die ruhige, eintönige Bedächtigkeit, die Gesichter werden lustiger und die Bewegungen schneller. Die gesamte Heiterkeit wirkt ansteckend und schon tanzen die Zuschauer ein bisschen mit. Die Ziehharmonika keucht und spielt wie besessen.

Müde aber glücklich verlassen die Gorka-Teilnehmer das Fest. Im Sonnenuntergang sind die Farben noch säftiger, die Gesichter gerötet. Die prachtvollen Trachten werden zu Hause sorgfältig in die Truhen gelegt, um in einem Jahr in vollem Glanz zu erstrahlen.

Seltsamerweise fühlte ich mich hier nicht fremd. Ich scherzte mit Ksenja, dass meine ukrainische Natur in jeder Tracht zu erkennen ist. Doch niemand hat was bemerkt). Nur einmal hat ein Mann mich gefragt, warum ich nicht tanze. Ich antwortete, dass ich hier zu Gast bin.

Foto: Nach der Gorka. Bin müde, aber glücklich!

Ich habe einen Koffer in Ust-Zilma. Ich weiß auch, dass ich dort immer willkommen bin. Vielen Dank an Ksenija und ihre Familie, die in diesem Jahr um ein Kind größer wurde, an Ksenjas Schwiegermutter, die mit mir ihre Schätze aus der Truhe geteilt hat, und an die ausgiebige Ust-Zima, die sich auf jeden Gast freut, und nicht nur während der Gorka!

Foto: Haben uns schön gemacht! Schnell zur Gorka! Die Familie von Ksenja und ihre Schwiegermutter.

I’ll be back! Bestimmt!

 

Johannistag auf komi

Am 7.Juli feiern die Komi Iwan Lun (Tag Johannes des Täufers), die Russen den Iwan-Kupala-Tag. Besonders viele Bräuche werden in der Nacht zum 7.Juli begangen.

Ich bin keine Ausnahme. Dieses Fest kenne ich aus meiner Kindheit, wo ich die Ferien in der Ukraine verbrachte. Als kleine Kinder waren wir von diesem Fest begeistert. Wir gingen auf die Wiese, sammelten Blumen und Kräuter und flochten daraus Kränze. Am Abend machte man ein großes Feuer und wir sprangen über die Glut. Damals machten wir uns darüber keine Gedanken, welche mystische Bedeutung das alles hatte. Für uns war es ein schönes Sommerfest. Meine Großmutter hielt sich aber an diese Bräuche. Sie warnte uns immer, man darf an diesem Tag nicht baden, eine Wassernixe nimmt dich sonst in die Tiefe des Flusses.

Ich kann mich auch daran erinnern, dass die Großmutter alle meine Kränze im Dachraum aufhing. Sie hingen dort die ganze Zeit, bis ich erwachsen wurde. Das sollte mich vor Unglück und Krankheiten schützen. Vielleicht deshalb war ich als Schülerin niemals krank))).

In meinem erwachsenen Leben gab es keine Gelegenheit, dieses Fest zu feiern. Aber ich sehnte mich nach diesem Brauch, denn er war die schönste Erinnerung an meine Kindheit. So habe ich vor kurzem ganz zufällig eine Wochenendtour entdeckt, die eine wunderschöne Ethno-Erholung mit Iwan-Lun-Bräuchen anzubieten hatte. Ich war höchst überrascht und habe mir festgenommen, dabei zu sein.

Der Ort war sehr schön: ein gemütliches Ferienhaus im ländlichen Stil, ein Teich zum Bootsfahren, eine Banja, wo man nach dem heißen Dampfbad ins kühle Wasser des Teiches tauchen konnte – ein Traum für den verwöhnten Stadtbewohner.

Das Programm war sehr reich, aber die Zeit zu knapp – nur die Nacht. So habe ich überhaupt nicht geschlafen, obwohl die anderen schon ganz schnell müde waren. Für mich sollte es ein richtiges Fest bedeuten, wie in meiner Kindheit.

Am Abend gingen wir auf die Wiese und sammelten Blumen. Wie duftend war die Wiese!!! Allein das Aroma machte uns glücklich.

Bester Laune machten wir uns auf das Kranzflechten. Dabei hatten wir weiße lange Hemde. Ich trug die Wyschywanka, die ich von meiner Großmutter bekommen habe, und diese von ihrer Großmutter – über 200 Jahre ist sie alt!!! Die Wyschywanka ist ein ukrainisches Hemd mit Stickmustern. So fühlte ich mich den Traditionen meiner Vorfahren fest angebunden.

Als die Blumenkränze fertig waren, gab es ein lustiges Programm mit Spielen. Aber alle warteten mit Ungeduld auf das Feuer. Um Mitternacht war das Feuer fertig und alle standen Schlange, um über das Feuer zu springen. Dieser Bruch soll die Seele der Menschen von allen ihren Sünden reinigen.

Nachdem Feuerspringen warfen die Frauen ihre Kränze in den Teich. Alle Kränze blieben auf der Wasseroberfläche. Das war ein gutes Zeichen! Mir war es schade, meinen prächtigen Blumenkranz zu werfen. Aber ich habe alles nach dem Brauch gemacht.

Danach waren alle müde und suchten sich ein Bett. Ich nahm einen Angelstock, ein bisschen Brot und setzte mich ans Ufer des Teiches. Von Zeit zu Zeit hatte es angebissen und schon lagen im Eimer ein paar üppige Fischlein. So saß ich bis zu 5 Uhr und beobachtete, wie malerisch der Nebel über dem Teich liegt, wie die Sonne aufgeht, und wie die Möwen auf Fische jagen.

Vom langen Sitzen wurde es mir sehr kalt und ich ging in die Banja. Doch ich wagte mich nicht in den Teich zu tauchen, wie es die anderen gemacht haben, denn es war ziemlich kalt. In diesem Sommer will sich das Wetter uns leider nicht verwöhnen.

Tief beeindruckt fuhr ich nach Hause, als ob ich für einen Tag wieder in meiner ukrainischen Kindheit wäre!

Die Komi halten diesen Tag für ein wichtiges Fest, doch sie haben ihn am 24.Juni nach dem alten Kalender gefeiert. An diesem Tag hat das Wasser eine besondere Heilkraft. Das Hauptattribut dieses Tages ist deshalb die Banja, in der ein Dampfbad mit neuen Birkenzweigenbesen genommen wird. Man glaubt, dass man die Seele und den Körper auf solche Weise reinigen kann. Bis zu diesem Tag war es verboten, die Besen herbeizuschaffen. Nebenbei bemerkt, werden heutzutage Birkenzweigenbesen für die Banja auch im Juni gemacht, dann werden sie den ganzen Winter gebraucht.

Die Banja am Vorabend des Festes ist besonders gesund. Wenn man Kinder badet, spricht man verschiedene Zaubersprüche für Gesundheit. Die Erwachsenen sind der Meinung, dass der Birkenzweig an diesem Tag den Schmutz aus dem Körper hinausjagt. Er saugt den ganzen Schmutz ein und wird deshalb selbst schmutzig und nicht mehr brauchbar. So wird er sofort nach dem Dampfbad auf das Dach der Banja geworfen. Die anderen befestigen ihn auf dem Pflock. Man hing auch Birkenzweige auf Spitzen des Zauns aus und beobachtete, wurden die Birkenzweige schwarz, war es ein schlechtes Zeichen.

Die Feier fand früher auf Wiesen statt. Die festlich gekleideten Jungen und Mädchen gingen dorthin ein wunderbares Blümchen sammeln- Kupalniza (Trollblume).

Diese Blume ist das Symbol dieses Tages und gleichzeitig der Jugend und Blüte. Außerdem legte man die Kupalniza-Blumen ins Waschbecken, um selbst gesund zu bleiben, oder in den Kuhstall, damit die Kühe viel Milch geben. Außer der Kupalniza pflückten die Jugendlichen andere Blumen. Man trocknete sie und bewahrte bis zu dem nächsten Jahr. Die Jugendlichen sammelten Blumen und sangen Lieder.

In einigen Dörfern gab es den Brauch, über das Feuer zu springen. Dem Feuer wurde dabei eine besondere reinigende Kraft zugeschrieben. Die beliebteste Attraktion des Tages war eine Bootsfahrt mit dem angezündeten Feuer. Das Feuer wurde gerade im Boot angezündet. Nach allen Feierlichkeiten wurden die Kränze ins Wasser geworfen, dabei merkte man, bleibt der Kranz auf dem Wasser, ist das eine Zeichen für Freude und Hochzeit. Wenn nicht, dann kommt etwas Schlechtes.

In unserer Zeit sind praktisch alle Bräuche erhalten geblieben. An diesem Tag werden Heilkräuter gesammelt. Nicht umsonst sagt man im Volk: „Auf Wiesen gibt es Arzneien für jede Krankheit“, „trink einen Kräuteraufguss und deine Krankheit ist dann weg“. Man glaubt, dass an diesem Tag alle Kräuter eine besondere Zaubermacht haben. Aber nach dem Fest verlieren sie diese Macht.

In der Mitternacht gehen die Menschen zum Fluss, um zu baden oder sich zu waschen. Auf solche Weise können die Leute ihre Seele vor Sünden und schlechten Gedanken reinigen.

In Prilus’je hatte man die Sitte, sich auf dem Morgentau herumzuwälzen und dabei zu flüstern: „Der Morgentau ist von 70 Kräuter, deshalb sollen 70 Krankheiten verschwinden!»

Iwan Lun aus dem Jahre 2014 (organisiert vom Reisebüro „Schuda olom“, Inga Usatschowa)

Waldmenschen – neue Impressionen

Foto: Das Logo des Festivals

Schon zum zweiten Mal erregt das Ethnofestival „Waldmenschen“ Aufmerksamkeit und Interesse der Syktywkarer. Das Fest findet am 235.Guburtstag der Hauptstadt der Republik Komi – Syktywkar, und am staatlichen Feiertag Russlands – dem Tag der Unabhängigkeit. Doch für die Stadtbewohner bedeutet das Fest „Waldmenschen“ das Wiederaufleben der alten Komi-Traditionen, die nähere Bekanntschaft mit der Geschichte des Volkes, seiner Mythen und Legenden.

Foto: Der Elch – ein Motiv aus dem Komi-Kalender der Jäger.

Wie immer wurde das Fest auf dem Stefanov-Platz im Zentrum der Stadt veranstaltet. Wie auch im vorigen Jahr wurde der Platz mit Holzfiguren zum Ausmalen geschmückt. Diesmal sollten sie aber an den Kalender der Komi-Jäger erinnern. Der Kalender ist ein alter Fund aus den vergangenen Epochen der Komi-Geschichte. Darauf sind neun Tiere dargestellt: ein Elch, ein Bär, ein Renntier, ein Hermelin, ein Vielfraβ, ein Fuchs, ein Fischotter, ein Eichhörnchen und ein Marder. Auf diese Tiere wurde gejagt und jedes Tier regelte eine bestimmte Jagdsaison. Die Tiere wurden auch verehrt, denn sie nahmen eine bedeutende Stelle in den mythologischen Vorstellungen der Komi. Den Tieren wurden bestimmte Eigenschaften zugeschrieben. Aber das ist ein Thema für einen anderen Beitrag.

Foto: uralistica.com So sieht das Original aus.

Auf den folgenden Fotos kann man die Tiere erkennen.

Foto: Das Rentier

Foto: Das Eichhörnchen.

Foto: Der Fischotter.

Foto: Der Fuchs.

Die Fuguren standen zum Ausmalen da und jeder zauberte darauf auf seine eigene Weise. Besonders die Kinder waren kreativ.

Und hier ist ein über und über bemaltes Exemplar.

Die Kinder waren die Hauptgäste auf diesem Fest. Für sie gab es sehr viele Aktivitäten. Der Höhepunkt – „Baden“ im Heu. Hier konnten sie sich richtig austoben.

Die kleinen Modelle nahmen auch am Ethnomodenschau teil.

Auch jeder erwachsene Syktywkarer hatte eine groβe Auswahl an Aktivitäten: Workshops in Handwerk und Bäckerei:

Foto: eine Komi-Pizza)))

ein Flohmarkt mit Raritäten aus der Sowjetzeit:

die Ethnogymnastik und -spiele und vieles mehr.

Das Lenin-Denkmal, das auf dem Platz steht, hat im Laufe der Jahre viele Feierlichkeiten gesehen. Aber auch er hat heute, glaube ich, Spaβ gehabt))) und von der gemeinsamen Begeisterung mitbekommen.

Ich habe natürlich auch meine eigenen Impressionen, die ich in folgenden Fotos zeige.

Foto: Das niedliche Rentier erfreute durch sein ruhiges Erlaubnis: „Ach, streichelt mich! Ich bin dafür da“. Oh, wie weich ist seine Nase! Auch seine Hörner waren mit Fell bedeckt. So ungewöhnlich!

Foto: Der Komi-Jäger tanzte so komisch und so unbefangen!

Foto: Das Sur – Komi-Bier – hat lecker geschmeckt! Damit ist das Fest doppelt so lustiger.

Foto: Auch die Baba Jaga – eine böse Gestalt aus den russischen Märchen, wurde mit der allgemeinen feierlichen Stimmung angesteckt!

Und wie süβ ist dieses Bild! Der Hund trägt ein Schild : „Hilft den Katzen!“ und dabei bellt eine schicke Vierbeinige an. Super! Die Tiere gehören einem Tierheim und werben für eine Spende.

Nun sitze ich vor meinem Computer total müde und meine Beine tun mir schrecklich weh. Wie lange seit dem unendlichen Winter war ich nocht nicht so viel in der Stadt unterwegs. Der Sommer beginnt, unsicher, aber in bester Stimmung. Und das Wetter war heute wie bestellt!