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Ethno-Neujahrsmarkt auf Komi-Art

Drei Tage dauert die Ausstellung “Die Perle des Nordens”. Die prachtvollen Ausstellungsstücke erfreuen das Auge und laden die Besucher in die Märchenwelt ein. Hier herrscht eine zauberhafte, fröhliche Atmosphäre und man kann von den kunstvoll angefertigten Geschenkartikeln die Augen kaum abwenden.

Foto: Schneemänner-Rotarmisten finde ich sehr lustig. Ich habe mir einen gekauft.

Ich habe schon viel über Komi-Handwerker und ihre Kreativität geschrieben. Heute möchte ich mit meinem Bericht das Neujahrsfest um einen Schritt näher machen.

In Deutschland wird bald weihnachten, in Russland warten wir auf das Neujahrsfest. Diese Ausstellung ist eine gute Möglichkeit, ungewöhnliche Geschenke und kreativen Tannenbaumschmuck zu kaufen, oder das Können von Meistern zu bewundern.

Hier werden der Fantasie keine Grenzen gesetzt: gestrickte Tannenbäume, lustige Schneemänner, Ethno-Mützen und Fäustlinge, gewalkte und gehäkelte Tannenbaumkugeln und Puppen aller Art, die ich immer so schön finde! Also lassen wir uns überraschen!

Foto: Die Meister aus Ust-Zilma zeigen ihre Kunst in nationalen Ornamenten. Dabei enstehen ganz praktische Sachen, die man im Winter tragen kann.

Ich beginne mit der traditionellen Handwerkunst der Komi. Ich habe mich nocheinmal davon überzeugt, dass die  Schönheit der Dinge die Natur selbst ist. Die Natur gibt nicht nur den Stoff sondern auch die Motive.

Der Norden der Republik ist traditionell mit Sämischleder und Rentierfell vertreten.

Fotos: Diese Wandbilder haben mich einfach fasziniert.

Die Birkenrinde überrascht nach wie vor mit Bescheidenheit und Wärme.

Die originellen Häuschen auf dem nächsten Foto sind nach einer sehr alten Technologie angefertigt. Die Meisterin hat es mit einem Baukasten verglichen. Die einzelnen Teile werden nicht zusammengeklebt (kein Klebstoff überhaupt!), sondern durch heiβes Wasser zummengrollt. Einfach unglaublich!

Dieses groβe Wandbild aus Birkenrinde (unten) zeigt das Symbol des nächsten Jahres (nach dem chinesischen Kalender) – das Pferd. Die Idee gehört den Studenten der Syktywkarer Universität (Fakultät der Künste).

Die bunte Mesen‘-Malerei wirkt immer festlich.

Der aus Kiefernwurzeln geflochtene Samowar lud auf eine Tasse heiβen Kräutertee ein.

Die Puppen zeigten auch ihre prachtvollen Trachten.

Fotos: Die Puppen werden in der nationalen Tracht der Ust-Zilmaer vorgeführt und warten geduldig auf die Käufer.

Foto: Diese Puppe ist einfach niedlich in der gestrickten Garderobe.

Fotos: Eine bescheidene Ziegenfamilie aus Bast hat mir sehr gefallen. Sie steht im Symbol des komi Weihnachstfestes und wird in der Folklore zu der Hauptfigur der weihnachtlichen Volksspiele.

Auf dem nächsten Foto ist die Meisterin Olga Tomilova mit ihren Puppen.

An diesem Verkaufsstand wurden ganz tolle Sachen verkauft – auf alt gemachter Tannenbaumschmuck, wie ich das nenne – aus Groβmutters Truhe. In ihrem Ideenkoffer hat die Meisterin nette Figürchen aus Watte, gehäckelte Schneeflocken, Servietten und Gruβkarten aus der Sowjetzeit. Ein Neujahrsfest meiner Kindheit! Ein Gefühl der Geborgenheit!

Ich stand an diesem Tannenbaum und dachte, dass ich dieses Jahr meinen Baum auch so liebevoll schmücken werde.

Ich bewunderte auch diese Tannenbäume…

un diese Wandbilder…

un die Menschen, die dieses Märchen geschaffen haben.

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Kunsthandwerker des Jahres 2013

Der 23.März, Frühling, 15 Grad Kälte und Nordwind. Wir haben uns zu früh vom Winter verabschiedet und, wahrscheinlich, nicht so tüchtig, nicht genug Blinis gegessen.

Was macht man, wenn draußen kalt ist? Jemand bleibt zu Hause und macht sich gemütlich vor dem Fernseher. Jemand freut sich auf einen Schiausflug oder eine andere Winterattraktion in der frischen, frostigen Luft. Ich begab mich ins Museum.

Zur Zeit findet in Syktywkar die Ausstellung “Kunsthandwerker des Jahres 2013” statt. Die Meister aus der ganzen Republik treten in Wettbewerb und zeigen ihr Können in allen Zweigen des national geprägten Kunsthandwerks: Weberei, Holzmalerei, kunsthandwerkliches Walken, Birkenrindeflechten, Wurzelflechten, Töpferei, Stoffpuppen, ornamentales Striken, Patchwork und Klöppeln. Ich war müde vom Fotografieren. Jedes Autorenprodukt ist ein kleines Kunstwerk, das in der traditionellen handwerklichen Technik gefertigt wird, und jedoch ein Unikat.

Einige Erzeugnisse erfreuen das Auge durch ihre meisterhafte Ausführung. Die anderen Ausstellungsstücke sind einfach und naiv wie die Voklskunst der Komi, doch auch sie zeigen sich ansprechend und stehen den Designerwaren in Ästhetik nicht nach. Die Wahrnehmung des Schönes ist immer subjektiv. Von Zeit zu Zeit lauschte ich den Gesprächen, die im Flüsterton geführt wurden. Die Kunsthandwerker standen bescheiden und verlgen neben ihren Kunstprodukten. Von diesen Gesprächen wird es abhängen, wer von den Meistern den Ehrentitel bekommt. Und die Künstlernaturen sind empfindlich und verletzbar! Ich hörte Begeisterung, Lob und Kritik, fachmännische Bemerkungen und die ungekünstelte Zuschaueranerkennung der Geschicklichkeit der Meister.

Sehr schnell hat sich aber die Zuschauerwelle, flüchtige Blicke geworfen, mit der Ästhetik des Kunsthandwerks gesättigt und ich konnte alles in Ruhe betrachten. Nach einer halben Stunde war der Saal fast leer.

Ich meine, dass jedes Ausstellungsstück genaueres Betrachten verdient, und ich mache meine Leser mit der Ausstellung und auch meinen absoluten Favoriten bekannt. Also los!

Die gestriсkten warmen Sachen waren sehr aktuell bei dem Frühlingsfrost. Viele wollten grelle Stulpen, Socken oder Fäustlinge mit nach Hause nehmen.

Fotos: Stulpen, Socken und Fäustlinge gefertigt von Politowa Agnija, Kasarinowa Nadeshda, Jeremejewa Kapitolina, Palkina Jelena, Gilewa Tamara, Ronojewa Nadeshda.

Besonders eindrucksvoll waren die gestriсkten Frauenanzüge von Ogorodnikowa Galina.

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Ethnodesigne von der Studentin der Fachschule für Künste Kratz Polina.

Fotos: Schamanentrommel von Polina Kratz

Hübsche Holzmalerei, farben- und musterreich.

Fotos: Tische und Stühle in Technik der Mesener Malerei (die Mesen – ein Fluss im Westen der Republik, mündet in die Norddwina) gefertigt von Sidorowa Antonina und Kisseljow Wladimir; blaue Truhe für Spielzeug von Schamanowa Maria; Schaukelelch von Bassarewa Darja (einer von meinen Favoriten).

Nicht weniger farbenprächtig – Patchworkdecken und – bilder.

Fotos: Patchwork gefertigt von Kolegowa Jelena, Bobyrenko Swetlana, Barankina Walentina

Nummer eins unter meinen Favoriten ist die weiβ-rote Decke mit dem Wologda-Spitzenschmuck „Der russische Norden“.

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Die Puppen in Nationaltrachten erfreuten das Auge.

Fotos: Die Puppen gefertigt von Roshin Wladimir, Wolkowa Maja, Redkina Jelena

Puppenamulette und Stoffpuppen gefertigt in Technik des Zusammendrehens.

Fotos: Die Puppen von Meleschewa Natalja, Wetoschkina Jelena, Kriwoscheina Arina

Doch die schönste war für mich „Mutter Natur“ von Titowa Nadeshda. Die Puppe symbolisiert die nördliche Natur, aufs Engste mit der komi Mythologie verflochten.

Foto: „Mutter Natur“ von Titowa Nadeshda

Auch ein hübsches „Waldmännlein“ von Iljaschewitsch Wera fesselte meine Aufmerksamkeit.

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Foto: „Waldmännlein“ von Iljaschewitsch Wera

Die Komposition „Mein kleines Dörflein“ von Olga Tomilowa erinnerte mich an meine verstorbene Groβmutter, wie sie am Abend unsere Kuh gemolken hat. Ich wartete immer an der Tür zum Kuhstall auf die frische Milch. So vertiefte ich mich, vor diesem Ausstellungsstück stehend,  in meine schönsten Kindheiterinnerungen.

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Foto: „Mein kleines Dörflein“ von Olga Tomilowa

Kunsthanwerkliches Walken zeigte die gut bekannten Realien des Norden in der originellen Ausführung.

Fotos: Die Tasche von Chomenko Jekaterina; zwei nette Igelchen und die Eule von Terentjewa Maria; die Walenki von Kukuschkina Oksana (sehr modisch)

Die traditionelle Weberei überraschte mit Mustern und Farben.

Fotos: Die Komposition „Mokosch“ (Frauengottheit steht für Hausarbeit); Gürtel mit dem finno-ugrischen Muster von Chosjainowa Tatjana.

Die Töpferei war mit dem dekorativen Tongeschirr vertreten.

Fotos: das erste links oben – der dekorative Teller „Solaris“ von Kotschewa Tatjana; zwei Fotos unten – Teegeschirr und Teller-Wimpernmilchlinge von Butorina Tatjana.

Mir hat das Ölbehälter von Plissowa Larissa besonders gefallen.

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Foto: Das  Ölbehälter von Plissowa Larissa

Erzeugnisse aus Birkenrinde und Kiefernwurzeln waren auch vertreten, jedoch blieben sie in Minderheit.

Fotos: links oben – Schatullen aus Kiefernwurzeln von Kokorona Jelena; links unten – das Schweinchen aus Birkenrinde von Toropow Walerij; rechts – Jägeroberkleidung aus Birkenrinde von Kinew Dmitrij.

In meinem Bericht fehlen noch einige Ausstellungsstücke, die ich besonders schön finde. Die Eule-Mutter und das Eule-Kind aus Holzspan – so niedlich für mein Mutterherz.

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Wunderbar! Nicht wahr?

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Fotos: Die Eulenfamilie von Schepetew Nikolaj

Die Komposition aus Stofftieren und -vögeln machte auf mich einen unauslöschlichen Eindruck. Sie muss an die traditionelle Malerei und woodblock printing auf dem Stoff erinnern.

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Fotos: Die Komposition von Sosinowa Jelena

Hoffentlich hat meinen Lesern diese virtuelle Exkursion gefallen. Ich war begeistert!

Dem Baum zur Plage, dem Menschen zur Freude

Maserknolle – die bizarre Laune der Natur

Maserknolle (russ.: kap) – ein Holzfehler, der sich als ein unförmiger Auswuchs des Baums erweist, verbirgt in sich ein Geheimnis der Natur – der Schein trügt oft. Aus Fehlern entsteht Erstaunliches! Ein erfahrener Handwerker weiß, dass dieses missgewachsene Stück kranken Holzes ein Unikat ist. Er ritzt vorsichtig die Birkenrinde an, reibt die geöffnete Stelle mit einem feuchten Lappen, wenn es keinen gibt, dann ungeduldig mit dem begeiferten Finger. So entdeckt er den Stoff, aus welchem dann ein richtiges Kunstwerk entsteht. Die lebhafte, wirbelige Textur fasziniert ihn und schon ist er im Banne der Phantasie und schöpferischer Begeisterung.

Was sieht er in diesen buckeligen Formen – eine zierliche Ente, einen spielerischen Bären, einen stolzen Elch, einen üppigen Frosch, eine behende Eidechse oder sogar einen graziösen Schwan.

Diese Darstellungsobjekte sind ziemlich oft anzutreffen. Die Handwerker halten sich fest an den Traditionen der Komi-Volkskunst, die sich im Laufe von mehreren Jahrhunderten entwickelt haben. Tiere und Vögel, als auch mythologische Gestalten reizten schon immer die Einbildungskraft der künstlerischen Naturen, abgesehen davon war es ein erfahrener Meister oder ein gewöhnlicher Bauer. Die Natur bestimmte das Weltanschauen unserer Vorfahren und fand ihre Widerspiegelung in der naiven Volkskunst.

Aus: Volkskunst der Komi. L.S.Gribowa (1984)*:

„Besonders typisch für die Komi der vergangenen Zeiten sind die Salznäpfe in Form von Enten, … darum nannte man die Salznäpfe auch generell „Utiza“ – Ente. Solch eine Ente gehörte früher zu jedem Haushalt. Es war nämlich Brauch, dass der Bauer, der die Ente eigenhändig anfertigte, sie am Hochzeitstag seiner Tochter schenkte. Die Zahl der gefertigten Enten richtete sich nach der Zahl der Töchter, die er zu verheiraten hatte. Manche Enten waren auf dem Rücken mit Entekücken versehen, die sogar in mehreren Reihen übereinander angebracht waren. Auf diese Weise wünschte man der neugegründeten Familie Wohlergehen und viele Kinder. In der Mythologie der Komi und anderer Völker der finnougrischen Gruppe war die Ente (komi: tschosh) die Urmutter der Welt: Sie legte ein Ei, das in zwei Hälften zerbrach. Aus der oberen Hälfte bildete sich der Himmel mit all seinen Gestirnen, aus der unteren bildete sich die Erde mit der Flora und Fauna. Der Nachhall dieses Glaubens an die Ente als Urmutter widerspiegelt sich in der traditionellen Verschenkung einer Ente an die Braut“.

Der Elch (komi: jora) verkörpert nach den mythologischen Vorstellungen der Komi Mannesstärke und Widerstandskraft. Die Jagd auf den Elch war gefährlicher als auf den Bären. Das bestätigt ein komi Sprichwort: „Gehst du auf Bärenjagd, halte das Krankenbett bereit, jagst du auf den Elch, dann musst du dir einen Sarg zimmern“. Der Jäger, der einen Elch geschlagen hatte, gilt als besonders geschickt. Man sagte auch, dass die Waldgeister ihm besonders geneigt waren. Im vorigen Herbst brachte mein Mann etwas Elchenfleisch aus dem Wald. Er war nicht der Jäger (ihm würde das Haselhuhn als Ideal vorschweben). Man bat ihn zu helfen, den Schlachtkörper aus dem Wald zu tragen. Fast den ganzen Winter hatten wir Elchenfleisch auf dem Tisch – im Backofen mit Möhren und Trockenaprikosen ohne Steine geschmort hat es vorzüglich geschmeckt. Manchmal habe ich geschmortes Fleisch mit Preiselbeerensauce serviert. Ja, eigentlich habe ich den Erzählfaden verloren. Zurück zum Thema!

 Der Bär (komi: osch) nahm einen besonderen Platz in der Mythologie der Komi als Sohn von Jon – eines der Demiurgen, der die obere Welt regierte. Das ist eine interessante mythologische Gestalt und verdient einen eigenen Artikel in meinem Blog.

Auch der Frosch (komi: ljaguscha) spielte in den kosmogonischen Mythen der Komi eine bedeutende Rolle als tierische Erscheinungsgestalt der Demiurgen. Nach einigen Vorstellungen besaß der Frosch eine Hexenkraft. Die anderen hielten ihn für ein Gottesgeschöpf und das Symbol der Fruchtbarkeit.

Nicht nur Tiere werden aus Maserknollen angefertigt. Es kann auch eine Schale sein. Kleine Löffel und Salznäpfe wirken ebenso dekorativ.

Sein Spitzengewebe der Textur verdankt Maserknollen den „übergewachsenen“ schlafenden Knospen (auch Augen genannt). Die Maserung hat dann einen besonders dekorativen Effekt und wirkt einfach verblüffend. Sie erinnert an Malachit, Karneol oder Serpentinit.

Man unterscheidet noch eine Art der Wuchsanomalie – die Verwachsung, die eine bescheidene aber nicht weniger ausgeprägte Holzmaserung erweist. Der wellige Faserverlauf führt zu sanften pommelé, geperlten, geflammten und geriegelten Texturen. Es wird oft auch mit der Textur des Bernsteins verglichen. Aus diesem Holz werden ebenso erstaunliche Gegenstände gemacht.

In Russland wird diese Wucherung als swil’ oder suwel’ bezeichnet. Es entsteht oft, wenn der Baum verletzt wird. Dann beginnt sich die Wunde zu verwachsen, wird kugelförmig oder kann völlig den Stamm umringen. Ich bin leider im deutschen Äquivalent des Begriffs nicht sicher, deshalb, wenn ein Fachmann meinen Blog einmal besuchen wird, dann bitte ich ihn um seine fachmännische Hilfe – wie könnte diese Art des Holzfehlers heißen? Oder ist das Wort „Verwachsung“ korrekt? Ja…, in diesen Dingen bin ich ein blutiger Laie.

Wenn man Erzeugnisse aus Maserknollen und verwachsenem Holz betrachtet, spürt man die Wärme, die sie ausstrahlen. Das wird durch ihre Textur und eine besondere Verarbeitungsart erzielt. Wenn die Bearbeitungstechnologie richtig eingehalten wird, bekommen die Stücke gelbe, rosabraune oder ockerbraune Farben, die warmes Licht sprühen.

Maserknollen (aller Art) sind launisch wie Frauen und brauchen von den Handwerkern (meistens Männern) Aufmerksamkeit, Geduld, Ausdauer und lassen sich nur für viel Geld verkaufen. Je ausgeprägt ist die Maserung, desto erschreckend höher sind die Preise. Das Erzeugnis aus Maserknolle ist ein Geschenk für den Zaren. Viele Politiker, die die Republik besuchten, haben diese Kunstwerke geschenkt bekommen. W.Putin, B.Jelzin, W.Tschernomyrdin bewunderten die Arbeit der Komi-Handwerker.

Ich wollte mal einen kleinen Löffel aus Maserknolle kaufen. Als ich mich nach dem Preis (1000!!! Rubel) erkundigt hatte, dachte ich: „Mensch! Ist der Löffel aus Gold?“ Ich fragte den Meister, warum das Stück so teuer ist. Er hat mir seine Hände gezeigt – Wunde auf Wunde – und erzählt, wie es schwer ist, den Stoff zu verarbeiten. Zuerst wird Holz ausgewählt, dabei handelt es sich um eine stundenlange „Jagd“ in der Taiga. Die Maserknolle wird mit etwas Stammholz vom Baum abgeschnitten. Die Rinde wird vorsichtig entfernt. Dort, wo die Maserknolle ins Stammholz übergeht, wird eine Figur mit dem Hohlbeitel geschnitzt, und aus der Kugel entsteht die Schale.

Die Figur muss mit der Schale eine harmonische Komposition bilden, wo die Linien sanft ineinanderfließen. Nachdem der Rohling getrocknet worden ist, werden die Wände der Schale dünner gemacht. Danach folgt das Schleifen zuerst mit dem dicken und dann mit immer feiner werdendem Schleifpapier. Dann wird das Erzeugnis gebeizt. Die Beizfarbe muss den Hauptakzent auf die Holzmaserung legen. Nach der Trocknung wird es noch einmal mit dem feinsten Schleifpapier geschliffen. Und letztendlich kommt die Wachsung: Die Schale wird geölt und getrocknet, und wieder geölt und getrocknet, bis die Oberfläche seidenmatt wird.

So vergehen mehrere Tage in mühevoller Arbeit. So entsteht ein Kunstwerk. Es hat den Geruch der Taiga und die Wärme der spärlichen nördlichen Sonne eingesaugt und ist eine Augenweide. Ich kann meine Augen von diesen sanften Formen und wirbeliger Textur nicht abwenden und bewundere den Reichtum der Volkskunst der Komi. Es gibt noch so vieles zu entdecken. Wir machen das zusammen!

*aus: Volkskunst der Komi. L.S.Gribowa, Oberassistentin der Fachrichtung Ethnographie am Institut für Sprache, Literatur und Geschichte der Komi-Filiale der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, Doktor der historischen Wissenschaften, 1984