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Geburtstag am Fluss

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Die Geschichte begann im Jahre 2010, als wir mit unseren Freunden die erste Paddeltour auf der Lusa gemacht haben. Die Lusa ist ein Fluss, der im Süden der Republik Komi fließt und in die Norddwina mündet. Seit diesem Jahr „bewältigen“ wir kurze Strecken und erkunden die Natur. In 6 Jahren haben wir etwa 30km gemacht.

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Oben ist unser erstes Foto))) Das war ein Abenteuer! Es hat gut begonnen, aber das Wetter machte unsere Pläne kaputt. In ein paar Stunden goss es wie in Strömen. Im nächsten Jahr gab es auch einige Umstände – ich war schwanger (8 Monate – O, Gott!), aber das störte mich nicht, ich fühlte mich super.

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Das Wetter war wunderbar und wir machten Raststationen mit Brei, Tee und Baden.

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Die Lusa ist ein sehr malerischer Fluss. Mit jedem Kilometer ändert sich ihr Gesicht und sie wird schöner und schöner. Es gibt Untiefen, wo man gut angeln kann – Barsch oder Hecht – schmecken immer lecker, wenn man dann auf dem Feuer Ucha (Fischsuppe) zubereitet.

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Es gibt aber lange Sandstrände, wo man ein Zelt aufschlagen kann, Feuer macht und badet.Und wir hatten soclch eine Möglichkeit und übernachteten in einem Zelt. Die Nacht war still, kein Laut, nur das Summen der Mücken.

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In diesem Jahr habe ich beschlossen, auf einer Paddeltour meinen Geburtstag zu feiern. Wie immer wartete ich auf diesen Tag, denn er versprach frische Luft und 7km Abenteuer. Einerseits gibt es nichts Gefährliches – der Fluss ist still. Aber andererseits muss man immer auf der Hut sein – wilde Tiere sind in der letzten Zeit sehr nah zu den Siedlungen zu sehen. Am Flussweg trifft man sonst keine Seele – eine Landschaft, wo nur die Natur pur herrscht. Manchmal aber versteht man, dass irgendwo in der Nähe eine Siedlung ist. Wie? Auf dem nächsten Foto ist es zu sehen)))

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 Also wir brachen aus und alle waren bester Laune. Bald hatten wir ein paar Barsche und rechneten mit einer Fischsuppe.

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Doch unsere erste Mahlzeit war Brei aus Buschweizengrütze mit hausgemachtem Dosenfleisch. Sehr aromatisch und schmeckt in der frischer Luft!

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Nach der Rast setzten wir unsere Fahrt fort. Und schon fielen die ersten Regentropfen. Und dann regnete es noch stärker, bis wir pudelnass wurden((. Die Paddeltour war zu Ende. Aber sie hat doch Spass gemacht, denn wir geben niemals auf. Unser nächstes Ziel  – 30 km!

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Die Natur schmeckt im Frühling Birkensaft

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In diesem Frühling habe ich zum ersten Mal gesehen, wie der Birkensaft vom Baum tropft. Die zwanzigjährige Birke im Hof meiner Schwiegereltern beschenkt uns reichlich mit ihrem Lebenswasser. Die Birke hat ihre eigene Geschichte und ist der Familienbaum für drei Generationen. Der Vater meiner Schwiegermutter flochte Bündel aus Birkenzweigen für die Banja neben der Scheune. Als er gestorben war, wuchs an dem Platz, wo er immer zu sitzen pflegte, eine Birke zu einem mächtigen Baum.

Jedes Jahr füllt die Birke Behälter mit klarer Flüssigkeit, die etwas süβlich schmeckt. In diesem Jahr ist unsere Birke besonders ausgiebig.

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Mein Schwiegervater hat die Birkenrinde leicht angebohrt und drei kleine Röhrchen befestigt, durch welche der Saft abgezapfen wird.

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Ich komme von Zeit zu Zeit und koste an dem erfrischenden Getränk. Selbst die Natur gibt dieses Lebenswasser dem Menschen – der Birkensaft ist sehr gesund. Hier in Prilusije, einem Gebiet von Komi, nennt man ihn sdorow-wa – vom Wort sdorowje (Gesundheit). Im üblichen Teil der Republik Komi wird der Birkensaft sarawa genannt. Das war schon seit alten Zeiten das traditionelle Getränk der Komi. Man trinkt ihn pur, denn er wird nicht lange haltbar. Sonst entsteht durch Vergorung mit etwas Zucker ein säuerlich-süβes Getränk. Meine Schwiegermutter gibt etwas Weintrauben oder Trockenaprikosen zu. An einem sehr warmen Frühlingstag wie heute wird einem der Durst schnell gestillt.

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Die Birke spielte für die Komi-Heiden eine zentralle Rolle in der Verherung der Idolen. Es gibt eine Legende von der Launigen Birke (launig ist hier als böse und unbändig zu verstehen). Ein riesiger Baum war die Kultstätte von Komi-Zyränen an dem Fluss Wym und hatte eine magische Kraft. Um den Baum herum standen zahlreiche Idole. Die Heiden pflegten dort ihre Riten und beschenkten den Baum reichlich mit Rauchwaren. Selbst der Baum war mit bunten Bändern behängt.

Im 14. Jharhudert erschien im Komi-Land ein Missionär – Stefan von Perm (Bischof von Klein-Perm, 1547 heiligesprochen). Er wollte die Komi-Heiden zum Christentum bekehren. Um den Heiden die Kraft des christlichen Glaubens zu zeigen, wollte er die Launige Birke fällen. Ein Tag reichte nicht aus, um den Baum zu fällen. Während Stefan mit dem Axt den Baum schlug, schrie der Baum in entsätzlichen klaglichen Stimmen – “Du Stefan! Warum verjagst du uns? Das ist von alters her unser Zuhause!” Der Baum blutete mit bunten Strahlen. Aber Stefan war mit Gottes Hilfe erfüllt. Am nächsten Tag stand der Baum wieder da. Drei Tage brauchte Stefan, bis die Birke fiel. Er befahl Birkenholz und Idole zu verbrennen. Während sie brannten, hörte man Schreie und Jammergeheul. Die Birke wurde zu Asche.

An dem Platz, wo die Launige Birke wuchs, steht jetzt die Kirche zu Erzengel Michael.

Ein Tor ins Märchen

… befindet sich im südlichsten Gebiet der Republik Komi, im Rayon Prilusje. Nahe dem Rayonzentrum Objatschewo verbirgt sich im Kiefernwald eine kleine Siedlung Oshin, wo einige Dorfbewohner ihre Datschas haben. Unter etwa drei Dutzend Häuschen, die einander wie ein Ei dem anderen gleichen, fällt ein Märchenhaus sofort ins Auge, insbesondere das Spitzengewebe seiner Fassaden.

Das Märchen erwartet den Besucher schon vor dem Tor. Ein Soldat mit der Kanone und ein Bärchen mit einem Fass voll mit Honig gefüllt überwachen das Grundstück.

Als wir ans Tor geklopft haben, dachten wir jetzt bellt der Hund. Wir haben tatsächlich einen erblickt – der war aus Holz.

Das war die erste Überrschung. Dann folgte eine nach der anderen. Der Besitzer des Grundstücks – Anatolij Rubzow – empfing uns im Hof und zeigte ein bisschen verlegen seinen Märchengarten.

Das Foto: Anatolij Rubzow – der Bastler mit den goldenen Händen

Er erzählte uns über jede Figur und ihre Vorgeschichte.  Wir erkannten die von der Kindheit bekannten Gestalten aus den russischen Märchen – den Smej Gorynytsch (den Slawischen Drachen), die Froschprinzessin, den Feuervogel, das Rübchen und natürlich die Baba Jaga – die russische Hexe.

Foto: Der dreiköpfige Drache

Foto: Die Froschprinzessin

Das Foto: Das Rübchen

Das Foto: Die Baba Jaga

Auch europäische Märchenfiguren fanden sich Seite an Seite: Pinocchio, der gestiefelte Kater, der Phönix. Wir beobachteten dieses Wunder aus Holz mit offenem Mund (und das ist keine Metapher).

Jede Figur hat etwas besonderes an sich – ihren eigenen Charakter, Gesichtsausdruck, manchmal auch eine merkwürdige Haltung. Meine Schwiegermutter sagte, alles habe hier seine Seele.

Das Foto: Das Mädchen mit dem Rentier (muss ich mich jetzt an das Märchen „Die Schneekönigin“ erinnern?).

Bevor der Meister etwas zu basteln beginnt, studiert er gründlich jedes Märchen. Vor einigen Jahren war er gezwungen wegen einer Krankheit sein Dasein im Rollstuhl zu führen. Er begann zu basteln. Das Gebastelte wurde liebevoll in verschiedensten Farben verziert. Ich meine, er wollte seine eigene Welt schaffen, wo er sich wohl fühlen konnte – eine Phantasiewelt.

Und das hat geholfen! Jetzt merkt man an ihm nicht, dass seine Beine vor kurzer Zeit gelähmt worden waren, nur vielleicht, dass er ein bisschen beim Gehen hinkt.

Anatolij macht alles mit und nach dem Gefühl – ein Mann, der nicht einmal Kunst und Baugeschichte studiert hat. Das Freilichtmuseum beherbert alles mögliche. Gestalten aus verschiedenen Epochen und Kulturen sind hier auf Schritt und Tritt zu treffen. Russische Kirchen in Miniatur stehen im Gras nahe dem Gemüsebeet.

Ein Tor mit Meeresmotiven führt in die afrikanische Welt.

Die Frau von Anatolij erholte sich vor einigen Jahren in Ägypten. Die Fotos mit Landschaften und Sehenswürdigkeiten Ägyptens haben Anatolij zum Schaffen inspiriert. So weiden auf dem Feld auch exotische Tiere.

Gebäude verdienen näheres Betrachten. Der Brunnen lädt freundlich den Durstigen ein, kaltes Wasser im Schatten zu trinken. Beim genaueren Hinsehen erkennt man Seeräuber, Schwäne, Undinen und Neptunfiguren.

In der Nähe sieht man einen Fischer, der den Fisch am Schwanz hält. Ist es ein Goldfisch aus dem Märchen von A.Puschkin, dass drei Wünsche erfüllen kann? Oder ist es ein Hecht, der dem Faulpelz Jemelja verhalf die Zarentochter zu heiraten zu einem reichen Zarewitsch zu werden? Vielleicht ist es auch ein geschickter Komi-Fischer.

Das Foto: Der Brunnen

Einige Schritte weiter steht eine Gartenlaube. Sie sieht nicht weniger einladend aus. Ich kann mir nur vorstellen, wie es angenehm ist, in der Abendkühle den Samowar zu heizen und Kräutertee zu trinken.

Die weißen durchsichtigen Gardinen bilden einen schönen Kontrast zu dem Spitzenschmuck aus Holz.

Das Haus sieht am schönsten aus.

Die hellen Farben, geschnitzte Details, Figürchen auf dem Dach machen das Haus zu dem Anziehungspunkt des Märchengartens. Und wieder steht ein Soldat an der Eingangstür, doch jetzt hat er zwei Gehilfen – den Tiger und den Löwen.

Das Haus hat mich am meisten beeindruckt. Ich dachte, ist es möglich in solch einer feinen Ausführung diese luftigen Muster aus Holz zu machen? Und die Farben! Ein richtiger Terem! Der Terem ist der alte russiche Typ der Wohnhäuser mit dem prachtvoll geschnitzten Holzschmuck! Ursprünglich war es das obere Geschoss eines Einfamilienhauses – ein Raum für die Frauen. Heutzutage gebraucht man das Wort “Terem” für ein prachtvolles Haus.

Der Meister Anatolij lächelt nur. Er hat immer alle Hände voll zu tun: schnitzen, verzieren, färben, renovieren, die Farbe erfrischen. Für den Besuch seines Museums nimmt er kein Geld. Die Eintrittskarte ist eine Dose Farbe (Braun ist immer gefragt). Wir haben zwei Dosen gekauft: Blau und Grün.

Jetzt, wenn ich den Beitrag mache, erinnere ich mich an diesen Besuch in allen Einzelheiten. Und es bleibt immer das Gefühl, dass ich für eine kurze Zeit in meine Kindheit zurückgekehrt bin.

Schanga – das runde Sonnenbrot (2)

Traditionelles Komi-Gebäck wird in vielen Cafes und Bäckereien Syktywkars (Hauptstadt der Republik) verkauft. Meine Lieblingsbäckerei, wo ich von Zeit zu Zeit etwas zum Naschen kaufe, veranstaltet jeden Donnerstag den Tag der Komi-Küche und bietet viele leckere Dinge wie Piroggen mit Preisel- und Heidelbeeren, Fischkuchen und auch dünne Schangas mit Kartoffel an. In der Mittagspause strömen Büroangestellten vom „City“ in die Bäckerei und kaufen den Laden aus.

Heutzutage bedauern einige Kenner der nationalen Küche, dass die dünne Schanga an ihrer Qualität und dem Geschmack eingebüßt hat. Die richtige dünne Schanga kommt brav und leicht knusprig aus russischen Öfen gebacken, die heutzutage nur in Dörfern zu finden sind. Ein Essen, das Feuer und pflegliche Hand braucht.

Die Suche nach der echten dünnen Schanga führte mich zu einer netten Frau – Rosa Punegova. In ihrem Kochbuch sammelt sie sorgfältig die alten Rezepte der nationalen Komi-Küche. Sie pflegt auch die Traditionen ihres Volkes und kann vieles aus dem Brauchtum ihrer Heimat erzählen. Sie lebt in der Prilusje, im Süden der Republik.

Auf dem Foto Rosa Punegova. Sie hat mir sehr gefallen.

Das erste Treffen mit Rosa war sehr interessant. Sie hat mir über ihre Familie erzählt und viele alte Fotos gezeigt. Ich mag alte Fotos, wo die Menschen so ursprünglich und nicht verwöhnt aussehen. Ihre Blicke sind offen und unverstellt. Wie auf diesem Foto, wo ihre Urgroßeltern dargestellt sind.

Auf dem Foto die Urgroβeltern von Rosa. Rosa hält dieses Foto für ein wertvolles Familienstück.

Rosa ist eine gutherzige Frau. Sie hat eine Behinderung am rechten Bein und ist in ihrer Arbeitsfähigkeit entsprechend eingeschränkt.

Doch sie will sich ihrem Schicksal nicht ergeben und leitet den Dorfverein für die Menschen mit Behinderungen. Sie ist sehr aktiv. Im vorigen Sommer veranstaltete sie den Sommerlager für Menschen mit (teilweise schweren) Behinderungen aus der Republik. Sie paddelten auf der Lusa, beteiligten sich an Meisterklassen, bewunderten die reichliche südliche Natur.

Foto: In der frischen Luft schmeckt die auf dem Feuer zubereitete Suppe aus dem selbst geangelten Fisch prima!

So viel Freude liest man von den Gesichtern dieser Menschen ab. Einige waren zum ersten Mal in ihrem Leben aus dem Zuhause gereist.

Foto:  Im Sommerlager wurden auch Puppen gemacht! Wer weiβ, wie viel Mut und Ausdauer es dafür bei Menschen mit Behinderungen braucht. Viele können ihre Finger und Hände kaum bewegen!

Was mich an Rosa gewundert hat, dass sie weiche mollige Hände hat. Ich habe mir sofort vorgestellt, wie sie mit diesen Händen den Teig knetet. Sie hat aber das Backen nicht von Kindheit an gelernt. Als ihre Mutter noch am Leben war, hat Rosa niemals gebacken. Sie brauchte das nicht, sie hatte doch ihre Mutter. Aber eines Tages sagte ihr die Mutter, dass sie backen lernen muss, wie könnte dann die Tochter ihrer Mutter gedenken, wenn die sterben würde… Bald darauf verstarb sie. Rosa war niedergeschlagen. Sie dachte sehr oft an die Worte ihrer Mutter. Die südlichen Komi haben einen Brauch, der verstorbenen Verwandten gedenkt man mit Selbstgebackenem. Es wird auf dem Friedhof gegessen: gebratener Fisch und Backwaren sind ein Muss bei so einer Gedenkmahl.

Rosa begann also zu backen. Die ersten Schangas waren mit bitteren Tränen angemacht und schmeckten gar nicht. Jetzt veranstaltet die Hobby-Bäckerin Meisterkurse im Backen. Auf allen regionalen Festen sind ihre Schangas auf dünnem Boden zu kaufen. Dabei macht sie alles nach Augenmaß und nicht nach bestimmten Mengen. Sie sagt, dass die Schanga dadurch noch schmackhafter wird.

Hier ist das Rezept von Rosa.

Teig: Roggenmehl, Weizenmehl, Kefir (Sauermilch), Eier, Mayonnaise, Speisesoda, Salz, Pflanzenöl, Butter oder Margarine.

In Kefir einen halben Teelöffel Speisesode, Salz, 1-2 Eier, 2-3 Esslöffel Mayonnaise zugegeben und kräftig umrühren. Dazu etwa 2 Gläser Roggenmehl und etwa 1 Glas Weizenmehl geben. Nach und nach Pflanzenöl zugeben und den Teig kneten, bis er homogen wird und nicht an die Hände klebt. Den Teig eine halbe Stunde ruhen lassen. Aus dem Teig kleine Kugeln (25-30g) machen und ganz dünn ausrollen.

Der ausgerollte Schangaboden muss rund sein, zum Ausschneiden kann man eine Untertasse benutzen oder einen kleinen Eimer (in solchen wird bei uns oft Mayonnaise verkauft). Die Ränder dieses Eimers sind scharf und machen gute runde Formen.

Für den Belag nimmt man Kefir, Mayonnaise, Eier, Salz, Speisesoda, Gerstengrütze, Weizengrütze, Maisgrieß.

Grütze in Kefir oder Sauermilch für 12 Stunden bei Raumtemperatur einweichen so, dass die Flüssigkeit die Grütze noch mit 1cm bedeckt. Das Verhältnis der Grützenmenge zueinander ist proportional. Weizengrütze verbessert den Geschmack und Maisgrieß gibt der fertigen Backware eine goldgelbe Farbe. Nachdem die Grütze richtig Wasser bekommen hat, gibt man noch 1-2 Eier, 2-3 Esslöffel Mayonnaise, einen halben Teelöffel Speisesoda und Salz zu. Nach dem Umrühren den runden Teigboden mit der Masse bestreichen. Für jeden Boden nimmt man nicht mehr als 2 Esslöffel Masse. Die Masse muss man gleichmäßig verteilen, so dass das ganze Teigstück etwa 1 cm dick ist. Vor dem Backen wird die Oberfläche noch mit Mayonnaise bestrichen.

Einige gebrauchen mit Sauersahne geschlagene Eier. Aber Rosa meint, dass nach dem Backen die goldgelbe Backkruste, mit der die Schanga bedeckt wird, leicht aufbricht. Sie bestreicht die gebackenen Schangas mit zerlassener Butter. Die frisch gebackene Schanga schmeckt am besten mit Milch.

Spürt ihr schon das Aroma? Ich schon.

Lusa dorsa gash: die Nikolskaja Messe (Fortsetzung)

Weidenruteflechten.

Das ist eine Handwerkkunst, deren Erzeugnisse immer gefragt sind. Hoch geschätzt wird sowohl ihre einfache und naive Schönheit als auch ihre Anwendung im Haushalt. Jede Hausfrau will ein geflochtenes Körbchen im Haushalt haben. Man nimmt es in den Wald mit, um Pilze und Beeren zu sammeln, oder bewahrt dort die übliche Ernte auf, z.B. Äpfel.

Kommentar zum Foto: Wenn ich mich nicht irre, so wird im Korb von links Kohl getragen.

Auf der Messe wurden aber die richtigen Kunstwerke ausgestellt.

Diese Schlitten wurden gekauft. Das habe ich gesehen. Solche Ethno-Schlitten würde ich auch gerne haben.

Kommentar zum Foto: Die Eule sieht toll aus.

Kommentar zum Foto: Für meinen Kleinsten hätte ich gern einen Wagen gekauft, habe aber eine Libelle gewählt.

Nicht weit von dem Stand saβ der Meister und zeigte seine Kunst.

Weberei.

Die Meisterin Galina Smoleva hat die Prilusje in der ganzen Republik durch ihre Webekunst bekannt gemacht. Diese Frau pflegt die alten Traditionen der Weberei und webt nur mit den alten hölzernen Maschinen. Auf der Messe hat sie ihre Arbeit in allein Einzelheiten gezeigt.

Neben Galina Smoleva saβ noch eine Frau und webte farbenreiche Gürtel. Eine prachtvolle Auswahl.

Welchen würden Sie kaufen? Viele von diesen haben nationale geometrische Ornamente und gehören zu der Nationaltracht der Komi. Alle konnten die Frau bei der Arbeit beobachten.

Lusa dorsa gash: Die Nikolskaja Messe

Sarni kias der Prilusje

Über einen geschickten Handwerker sagen die Komi – Sarni kias, was so gut wie goldene Hände bedeutet. Die Prilusje ist reich an geschickten Händen. Das hat die Nikolskaja Messe gezeigt – Verkaufsausstellung der Handwerkkunsterzeugnisse. Aber es wurde nicht nur verkauft und gekauft sondern auch erklärt, gezeigt und in kleinen Workshops selbst gemacht.

Die Palette der Handwerkkunst, Variabilität der Erzeugnisse und Phantasie der Handwerker sind beeindruckend.

Birkenrinde-, Weidenrute- und Bastflechten, Weberei, Holzschnitzerei und handgemachte Puppen in der Volkstracht, Kräuterpuppen und Puppen-Amulette, die vor Gefahren und Krankheiten schützen, sind nur einige wenige Künste, die von den Meistern vollkommen beherrscht sind.

Birkenrindeflechten. Erzeugnisse aus Birkenrinde haben fast immer eine praktische Anwendung im Haushalt, sind deshalb besonders beliebt und werden am meisten gekauft. Brotteller, Salzdosen, Schatullen geben jeder Zimmereinrichtung eine besondere nationale Note und machen die eigenen vier Wände viel gemütlicher.

Kommentar zum Foto. Das Mädchen hält den Pester’ – einen Korb aus Birkenrinde, der auf dem Rücken getragen wird. Von alters her wurde der Pester’ im Haushalt benutzt. Da er ziemlich leicht ist, nimmt man ihn in den Wald, um die Jagdbeute zu tragen. Pilze und Beeren, Fische kommen auch dorthin.

Kommentar zum Foto. Ein Mann hat für seine Tochter Kopfschmuck aus Birkenrinde gekauft und probiert ihn aus Scherz selbst. Solcher Kopfschmuck wurde gewöhnlich von den Mädchen getragen. Heutzutage wird er nur als Bestandteil der Volkstracht betrachtet, die auf Festen angesagt ist.

Kräuterpuppen

Kräuterpuppen gab es auch in Fülle. Üppige Formen sind als Behälter für verschiedene duftende Heilkräuter gedacht, mit welchen die Puppen voll gestopft werden. Man knetet sie für kurze Zeit in den Händen und der Duft verbreitet sich im Zimmer.

Ich habe auch eine Puppe gekauft und mit Zitronenminze und Melisse gefüllt. Ihr Aroma wirkt auf mich etwa beruhigend.

Kommentar zum Foto. Diese Puppen haben auf mich einen besonderen Eindruck gemacht. Leider waren sie nicht zu verkaufen.

Puppen-Obereg (Amulett). Eigentlich könnte man den Begriff Puppen-Obereg auf Deutsch als Puppen-Amulett interpretieren. Die Bedeutung des Wortes Amulett geht auf die Funktion, Unheil vom Menschen abzuwenden. Oft haben Amulette die Form eines Anhängers.

Das russische Wort Obereg kommt vom Beschützen, Helfen. Nach den abergläubischen Vorstellungen soll der Obereg seinen Besitzer vor Krankheiten und anderem Unheil beschützen. Dabei handelt es sich um keinen Anhänger, sondern eine kleine Figur (oder auch einen kleinen Gegenstand). Oft wird sie von den fremden Augen versteckt, wenn es um etwas ganz Persönliches geht. Jedoch haben einige davon den bestimmten Platz im Haus, wie z.B. der Hufeisen über der Türschwelle, oder der Glücksvogel aus Reißspan, welcher zu Hause irgendwo neben der Lichtquelle aufgehängt wird.

Kommentar zum Foto. Auf dem Foto ist ein sechsarmiges Puppen-Amulett dargestellt. Es heißt Sarni kias (aus komi: Flinkhand, geschickte Hände), und muss die Hände der Frau vor Müdigkeit und Verletzungen beschützen, die Frauenarbeit verschönern und die häuslichen Pflichten zu einem Vergnügen machen.

Kommentar zum Foto. Dieses Amulett heißt Neraslutschniki (Unzertrennliche) und ist aus Bast gemacht. Es symbolisiert eine glückliche Ehe und wird deshalb einem Ehepaar geschenkt.

Es ist interessant, dass es in Afrika eine Papageiart gibt, die auch so genannt wird. Diese Vögel erweisen eine sehr starke Paarbindung, die ein Leben lang dauert.

Kommentar zum Foto. Sarni An’ (goldenes Weib) – eine der zentralen Figur der Mythologie des Volkes Komi, Symbol der Fruchtbarkeit.

Fortsetzung folgt…

Lusa dorsa gash: Geschichte und Gegenwart

Heute beginne ich eine Folge der Artikel über das Fest der Volkskunst „Lusa dorsa gash“. Da es viel zu berichten gibt, habe ich beschlossen, eine ganze Kategorie diesem Ereignis zu widmen.

Also los!

Zum 22.Mal wird an der Lusa ein heiteres Fest gefeiert. Die Lusa ist ein Fluss, der in die Norddwina mündet und dem südlichsten Rayon der Republik den Namen gibt. Das Fest heißt „Lusa dorsa gash“ (Луза дорса гаж). Gash bedeutet so gut wie Fröhlichkeit, Heiterkeit, Ausgelassenheit. So kann man den Namen des Festes als „Fröhlich feiern an der Lusa“ interpretieren. Das ist ein Volksfest und eine relativ neue Tradition in der Prilusje. Die Veranstalter des Festes – Komponisten, Schriftsteller, Dichter, Künstler und Handwerker von der Prilusje (V.Napalkow, P.Schutschalin, K.Serditow, S.Tschurkin) – betrachteten als Hauptziel das Wiederaufleben der Volkskunst, Sitten und Bräuche und des traditionellen Handwerks der Region.

Das erste Fest wurde am 3.Juni 1989 im Rayonzentrum Objatschewo gefeiert. Seit 2000 wird das Fest in verschiedenen dörflichen Siedlungen des Rayons gefeiert. 2012 wurde es wieder in Objatschewo veranstaltet, groß angelegt.

Die wichtigsten Attraktionen des Festes waren:

  • „Die Nikolskaja Messe“ – Verkaufsausstellung der Handwerkkunsterzeugnisse (handwerklich bunt, super!!!);
  • die landwirtschaftliche Messe (schmackhaft und Appetit erregend);
  • thematisierte Aufführungen zu den Sitten und Bräuchen rund um die Jahreszeiten (das war super!!!);
  • das von der Bibliothek veranstaltete Literaturquiz zu den Werken der hiesigen Schriftsteller (sehr interessant und informativ);
  • Theateraufführung nach der Legende über Pera und Saran’ (die Gottheiten der Komi);
  • Konzerte mit viel Volksmusik und Diskothek.

Einige davon habe ich besucht und beschreibe meine Eindrücke in weiteren Berichten)))