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Komi. Das Wintermärchen

Zum dritten Mal greife ich zur Tastatur und blogge über den russischen Winter. Aber nicht über den rauhen, bedrohenden Winter – das Schrecken der Europäer – sondern über den richtigen russichen Winter, der fasziniert, begeistert.

Der Schnee designet die Stadt (besonders die Bäume) in allen möglichen Kreationen.

Bei einem Komi-Blogger habe ich gelesen: „Syktywkar bekommt seine Dreadlocks“ (wie auf dem Foto unten).

Foto: Julja Trofimova

Was mich angeht, so habe ich das Gefühl in den Korallenriffen zu sein (wovon ich eigentlich immer träume).

oder hier:

Auf dem Foto ist im Hintergrund der Eingang in meine Hochschule – ein altes Gebäude (wurde im Jahre 1932 gebaut). Eine meine Freundin hat mir gesagt: „Wenn man deine Fotos sieht, hat man den Eindruck, dass sich die Hochschule nicht im Zentrum der Stadt befindet, sondern irgendwo im Märchenwald“. Und hier eine andere Perspektive:

Statt Fische bewegen sich die Menschen auf den Straβen. Gemessenen Schrittes und ohne jegliche Eile bewundern sie diesen faszinierenden Winter. Viele haben Fotokameras mit. Die sozialen Netze sind mit den Fotos von Syktywkar „Haute Couture“ überfüllt. Ich bin auch keine Ausnahme))) Wie sonst kann die Welt erfahren, wie schön Syktywkar in diesem Winter ist.

Zwei Fotos: das erste zeigt eine Allee, die mich auf meinem Weg statt in die Hochschule ins Märchen führt:

Ich bewundere diese Allee jeden Morgen und auch zu jeder Jahreszeit. Im Herbst, wenn ich diesen Weg gehe, denke ich immer an Rilkes „Herbstag“:

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keins mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben. Wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben, und wird in den Alleen hin und her unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Im Winter kommt mir Eichendorf mit seinem Baum so bildhaft in den Sinn:

Verschneit liegt rings die ganze Welt. Ich hab nichts, was mich freuet. Verlassen steht der Baum im Feld, hat längst sein Laub verstreuet. Der Wind nur geht bei stiller Nacht und rüttelt an dem Baume, da rührt er seinen Wipfel sacht und redet wie im Traume.

Manchmal kommen auch in meinem Kopf ein paar Zeilen zu einem Reim, doch häufiger sucht mein Auge nach einer schönen Perspektive für ein Foto.

Das zweite Foto zeigt die nächtliche Stadt, wo sie noch viel schöner ist als am Tage:

Foto: Julja Trofimova

Ein paar Schritte zum Kirov-Park und schon ist man im Märchen:

Foto: Julja Trofimova – „Ein Fichtenbaum steht einsam, im Norden auf kahler Höh. Ihn schläfert, mit weiβer Decke umhüllen ihn Eis und Schnee“ (aus H.Heine).

Foto: Julja Trofimova – Das Schneestädtchen

Und wieder sind wir im Herzen der Stadt – die Stefanov-Platz. Zu dieser Zeit ist sie noch festlich geschmückt. Das Schneestädtchen (wie man das nennt) wird etwa zwei Wochen vor dem Neujahrsfest errichtet und erfreut die Einwohner der Stadt fast einen Monat lang mit einer schicken, üppigen Tanne, Eisfiguren und Lichtern.

Foto: Julja Trofimova

Foto: Julja Trofimova – Vater Frost empfängt die Gäste.

Leider ist bald das Neujahrsmärchen zu Ende. Doch der Winter ist hier die längste Jahreszeit und wer weiβ, wie viele Überraschungen er für und bereit hält.

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