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Meister des Jahres 2018. Die ersten Eindrücke

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An manchen Tagen sind die Säle der Museen hier in Komi leer. Die Syktywkarer sind als Mueseumsbesucher nicht gerade eifrig und fleiβig, sie werden aber auch nicht oft mit sehenswürdigen Ausstellungen verwöhnt. Das Nationale Museum der Republik Komi hat trotzdem sehr viel Sehenswertes zu bieten. Besonders gefällt mir die ethnografische Abteilung, wo die Exponate aus dem Alltag der Komi und ihrer Vorfahren ausgestellt werden.

Von Zeit zu Zeit wird die Museumsszene durch kulturelle Veranstalltungen wiederaufgelebt. Und dann strömen die Besucher in die hellen Museumsräume, um durch das Schöne inspiriert und begeistert zu werden.

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Jedes Jahr im Frühling öffnet das Nationale Museum der Republik Komi ihre Türen für ganz besondere Künstler – Handwerkkünstler. Ihre Ausstellungsstücke sind jedem Republikeinwohner bekannt, denn sie schmücken manche Wohnung und machen unser Leben bunt und gemütlich – Teppichläufer mit geometrischen Ornamenten, Salzdosen aus Wurzelholz, Zuckerbehälter aus Birkenrinde und dazu noch mit dem Muster!, anmutige Stoffpuppen, verzierte Teller und Wandbilder aus Rentierfell oder in der Patchwork-Technik. Im Museum findet die jährliche Ausstellung „Meister des Jahres“ statt. Für die Besucher ist das ein farbenprächtiges Fest, für die Handwerker das wichtigste Wettbewerb, die Anerkennung ihrer Arbeit – wer wird wohl der Beste sein? Das wird von den kompetenten Fachleuten entschieden. Wir Laien können nur mit dem offenen Mund dastehen und die Gestaltungskraft bestaunen. Aber, wo der Laie staunt, wundert sich der Fachmann)))

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Ich habe mir lange überlegt, wie ich diesen Beitrag gestalten werden. Das ist wohl eine Herkulesaufgabe, in einem Beitrag alles zusammenzufassen. So habe ich beschlossen, dass ich darüber schreibe, was auf mich einen groβen Eindruck gemacht hat. Also die Perspektive eines Laien, meine Top-Liste! Die ist zwar lang und fällt nicht mit der „Rangliste“ der Gewinner zusammen. Doch mit der Zeit schreibe ich mehr zu den anderen Ausstellungsstücken.

Nummer 1. Wandbild „Mein Norden“ von Swetlana Owerina. Und das ist wirklich – Mein Norden – so, wie ich ihn seit meiner Kindheit kenne. In der Patchwork-Technik angefertigt zeigt die farbenreiche Mosaik die vertrauten Motive meiner Heimat zu jeder Jahreszeit und es wird sofort warm im Herzen.

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Das zentrale Bild stellt den Sonnenaufgang in der Waldtundra dar. Die weiβe Pracht ist noch im Schlaf. Aber sie ist gar nicht weiβ, sie ist kalt-blau. Die Sonne geht auf, aber sie wärmt nicht. Sie ist kalt-gelb. Doch ihr Licht verwandelt die Tundra in die glitzernde kristallene Decke, wo sich bizarr und wie verwirrt ausgestickt die Tannen erheben. Die Sonne ist im Winter ein seltener Gast, guckt nur für kurze Zeit aus dem belegten grauen Himmel und verschwindet wieder. Als ich noch Schülerin war, ging ich jeden Samstag im Winter in den Wald Schi laufen. Ich war früh am Morgen aus dem Haus und beobachtete den unsicheren Auftritt der Sonne auf dem niedrigen Himmelsrand. Das Bild der aufgehenden Sonne hat sich fest in meinem Gedächtnis eingeprägt.

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Wie auch der Sonnenuntergang. Diesmal nicht mehr kalt-gelb sondern feuerrot. Und das war ein Zeichen – der nächste Tag wird ebenso kalt und windig sein. Die Stadt teilte sich dabei in der Horizontale in zwei Teilen – die dunkle, wo sich die Menschen und Autos vor Frost krochen und die rote, die die oberen Stockwerke und Dächer der Häuser so grell färbte. Wie in der Mythologie der Komi – die obere Welt und die untere Welt. Ja… Die Fenster spiegelten sich glührot, sodass man Gefühl hatte – das Haus brennt.

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Und in der Nacht loderte die türkisblaue bis smaragdgrüne Flamme – Polarlichter. Sie schlängelten sich im sternenklaren Himmel, schillerten blau-grün und liefen weg in die Dunkle einer eiskalten Nacht.

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Diese Farbkontraste kommen mir erst jetzt klar, wenn ich schon über zwanzig Jahre in einer mehr menschenfreundlichen Umgebung wohne, im Süden der Republik. Aber sie prägen bis jetzt mein Weltbild. So ist unser Norden, rau und widersprüchlich, aber romantisch und von besonderer Anziehungskraft für die Menschen, die ihren Willen stärken wollen.

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Solche Gefühle überkamen mich, als ich dieses Wandbild gesehen habe. Bunte Stoffstücke sammelten sich zu einem Mix aus Kindererrinnerungen – Mein Norden!

Nummer 2. Wandbild „Mein Norden, dich lieb‘ ich!“ von Taissija Gulakowa. Wolle, feuchtes Walken.

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Als ich dieses Wandbild zum ersten Mal gesehen habe, wollte ich es sofort berühren. Der neue Kontrast hat mich beeindruckt – die weiche, nicht gesponnene Wolle und das einfache Motiv in Grau, dämmerig und kühl. Was ist auf dem Bild dargestellt? Ein kleines Komi-Dorf im Frühling oder im Herbst? Nur in diesen Jahreszeiten wird die Natur hier so stark vom Grau beherrscht. Doch die Streifen von zartem Blau im Himmel geben die Hoffnung – das sei der Frühling. Wahrscheinlich ein Abend. Die Kühle weht übers Dorf, der Regen rieselt – doch die Wolle ist weich und warm.

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Ich sehe hier auch viel Wasser. Das Dorf steht am Fluss. Das Eis geht bald auf und das kann für die Dorfeinwohner gefährlich sein. Die ausgefahrenen Straβen sind noch unter dem Schneematsch. Oder sind das keine Straβen – Bäche? Aus den Ufern getreten, treiben sie stürmisch das Tauwasser von den nahe liegenden Hügeln zum Fluss. Der Künstler steht oben auf dem Hügel und beobachtet das Bild. Oder bin ich das? Wie oft stehe ich so mit meiner Fotocamera und und beobachte das launische Element.

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Nummer 3. Wandbild „Der Baum des Lebens“ von Elena Lomonossowa. Der Lebensbaum ist ein bekannter Mythenmotiv bei vielen Völkern, ihre kosmische Ordnung der Welt. Was auf diesem Wandbild auffallend ist, dass die obere Welt in Form des Kopfes eines Rentiers dargestellt wird. Die breiten Hörner symbolisieren die Sonnenstrahlen. Ich finde die Ausführung sehr originell.

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Nummer 4. „Die Jagd“ von Gleb Lipatow. Holzschnitzerei. Die ist zwar ziemlich klein und verläuft sich zwischen anderen mehr auffallenden Ausstellungsstücken. Doch ihre Schönheit steckt in ihrer Bescheidenheit. Die Oberfläche ist glatt und man hat den Eindruck, dass die Figuren aus Marmor angefertigt sind. Doch das Motiv ist ganz schlicht für Marmorstein. Der Jäger hetzt den Hund auf ein Tier. Beide Figuren sind in Bewegung. Nach der entschlossenen Haltung des Jägers und danach, wie der Hund die Zähne fletscht, kann man annehmen, dass ihre Jagdbeute ein gefährliches Tier ist, vielleicht ein Bär.

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Nummer 5. „Korb für Beeren“ von Larissa Zwetkowa. Birkenrinde, Kiefernwurzeln, Hohlprägen. Ich habe mir nur einfach vorgestellt, wie schön rote Preiselbeeren in diesem Korb aussehen würden. Mit solch einem Korb wäre ich auch im Wald ganz modisch)))

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Nummer 6. „Der Glück bringende Vogel des Nordens“ von Skashutina Ekaterina. Suwel, Holzschnitzerei. Für diese Arbeit bekam die angehende Meisterin eine Sonderauszeichnung – „Lehrling des Meisters“, denn sie ist noch Studentin. Aber mit der Zukunft, denke ich! Ihre Arbeit ist eine Komposition aus drei Entenschalen. Die Ente, wie ich schon früher mehrmals geschrieben habe, ist die Urmutter der Welt in der Mythologie der Komi. Die Schalen in der Entenform haben die Väter ihren Töchtern als Aussteuer angefertigt. Nun hat Ekaterina ihren Aussteuer selbst gemacht))) Eine gute Partie!

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Nummer 7. „Die Bärenschale“ von Leonid Agejew. Suwel, Holzschnitzerei, Stemmentechnik. Was muss ich hier noch schreiben? Ein Kunstwerk!

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Und die Top-Liste schlieβen für heute zwei Puppen aus Bast – „Eheleute“ von Nina Makarowa. Was kann das Eheleben mit den Leuten nicht alles machen! 

Noch mehr Farben und Muster! Die Fortsetzung folgt…

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Kunsthandwerker des Jahres 2013

Der 23.März, Frühling, 15 Grad Kälte und Nordwind. Wir haben uns zu früh vom Winter verabschiedet und, wahrscheinlich, nicht so tüchtig, nicht genug Blinis gegessen.

Was macht man, wenn draußen kalt ist? Jemand bleibt zu Hause und macht sich gemütlich vor dem Fernseher. Jemand freut sich auf einen Schiausflug oder eine andere Winterattraktion in der frischen, frostigen Luft. Ich begab mich ins Museum.

Zur Zeit findet in Syktywkar die Ausstellung “Kunsthandwerker des Jahres 2013” statt. Die Meister aus der ganzen Republik treten in Wettbewerb und zeigen ihr Können in allen Zweigen des national geprägten Kunsthandwerks: Weberei, Holzmalerei, kunsthandwerkliches Walken, Birkenrindeflechten, Wurzelflechten, Töpferei, Stoffpuppen, ornamentales Striken, Patchwork und Klöppeln. Ich war müde vom Fotografieren. Jedes Autorenprodukt ist ein kleines Kunstwerk, das in der traditionellen handwerklichen Technik gefertigt wird, und jedoch ein Unikat.

Einige Erzeugnisse erfreuen das Auge durch ihre meisterhafte Ausführung. Die anderen Ausstellungsstücke sind einfach und naiv wie die Voklskunst der Komi, doch auch sie zeigen sich ansprechend und stehen den Designerwaren in Ästhetik nicht nach. Die Wahrnehmung des Schönes ist immer subjektiv. Von Zeit zu Zeit lauschte ich den Gesprächen, die im Flüsterton geführt wurden. Die Kunsthandwerker standen bescheiden und verlgen neben ihren Kunstprodukten. Von diesen Gesprächen wird es abhängen, wer von den Meistern den Ehrentitel bekommt. Und die Künstlernaturen sind empfindlich und verletzbar! Ich hörte Begeisterung, Lob und Kritik, fachmännische Bemerkungen und die ungekünstelte Zuschaueranerkennung der Geschicklichkeit der Meister.

Sehr schnell hat sich aber die Zuschauerwelle, flüchtige Blicke geworfen, mit der Ästhetik des Kunsthandwerks gesättigt und ich konnte alles in Ruhe betrachten. Nach einer halben Stunde war der Saal fast leer.

Ich meine, dass jedes Ausstellungsstück genaueres Betrachten verdient, und ich mache meine Leser mit der Ausstellung und auch meinen absoluten Favoriten bekannt. Also los!

Die gestriсkten warmen Sachen waren sehr aktuell bei dem Frühlingsfrost. Viele wollten grelle Stulpen, Socken oder Fäustlinge mit nach Hause nehmen.

Fotos: Stulpen, Socken und Fäustlinge gefertigt von Politowa Agnija, Kasarinowa Nadeshda, Jeremejewa Kapitolina, Palkina Jelena, Gilewa Tamara, Ronojewa Nadeshda.

Besonders eindrucksvoll waren die gestriсkten Frauenanzüge von Ogorodnikowa Galina.

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Ethnodesigne von der Studentin der Fachschule für Künste Kratz Polina.

Fotos: Schamanentrommel von Polina Kratz

Hübsche Holzmalerei, farben- und musterreich.

Fotos: Tische und Stühle in Technik der Mesener Malerei (die Mesen – ein Fluss im Westen der Republik, mündet in die Norddwina) gefertigt von Sidorowa Antonina und Kisseljow Wladimir; blaue Truhe für Spielzeug von Schamanowa Maria; Schaukelelch von Bassarewa Darja (einer von meinen Favoriten).

Nicht weniger farbenprächtig – Patchworkdecken und – bilder.

Fotos: Patchwork gefertigt von Kolegowa Jelena, Bobyrenko Swetlana, Barankina Walentina

Nummer eins unter meinen Favoriten ist die weiβ-rote Decke mit dem Wologda-Spitzenschmuck „Der russische Norden“.

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Die Puppen in Nationaltrachten erfreuten das Auge.

Fotos: Die Puppen gefertigt von Roshin Wladimir, Wolkowa Maja, Redkina Jelena

Puppenamulette und Stoffpuppen gefertigt in Technik des Zusammendrehens.

Fotos: Die Puppen von Meleschewa Natalja, Wetoschkina Jelena, Kriwoscheina Arina

Doch die schönste war für mich „Mutter Natur“ von Titowa Nadeshda. Die Puppe symbolisiert die nördliche Natur, aufs Engste mit der komi Mythologie verflochten.

Foto: „Mutter Natur“ von Titowa Nadeshda

Auch ein hübsches „Waldmännlein“ von Iljaschewitsch Wera fesselte meine Aufmerksamkeit.

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Foto: „Waldmännlein“ von Iljaschewitsch Wera

Die Komposition „Mein kleines Dörflein“ von Olga Tomilowa erinnerte mich an meine verstorbene Groβmutter, wie sie am Abend unsere Kuh gemolken hat. Ich wartete immer an der Tür zum Kuhstall auf die frische Milch. So vertiefte ich mich, vor diesem Ausstellungsstück stehend,  in meine schönsten Kindheiterinnerungen.

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Foto: „Mein kleines Dörflein“ von Olga Tomilowa

Kunsthanwerkliches Walken zeigte die gut bekannten Realien des Norden in der originellen Ausführung.

Fotos: Die Tasche von Chomenko Jekaterina; zwei nette Igelchen und die Eule von Terentjewa Maria; die Walenki von Kukuschkina Oksana (sehr modisch)

Die traditionelle Weberei überraschte mit Mustern und Farben.

Fotos: Die Komposition „Mokosch“ (Frauengottheit steht für Hausarbeit); Gürtel mit dem finno-ugrischen Muster von Chosjainowa Tatjana.

Die Töpferei war mit dem dekorativen Tongeschirr vertreten.

Fotos: das erste links oben – der dekorative Teller „Solaris“ von Kotschewa Tatjana; zwei Fotos unten – Teegeschirr und Teller-Wimpernmilchlinge von Butorina Tatjana.

Mir hat das Ölbehälter von Plissowa Larissa besonders gefallen.

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Foto: Das  Ölbehälter von Plissowa Larissa

Erzeugnisse aus Birkenrinde und Kiefernwurzeln waren auch vertreten, jedoch blieben sie in Minderheit.

Fotos: links oben – Schatullen aus Kiefernwurzeln von Kokorona Jelena; links unten – das Schweinchen aus Birkenrinde von Toropow Walerij; rechts – Jägeroberkleidung aus Birkenrinde von Kinew Dmitrij.

In meinem Bericht fehlen noch einige Ausstellungsstücke, die ich besonders schön finde. Die Eule-Mutter und das Eule-Kind aus Holzspan – so niedlich für mein Mutterherz.

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Wunderbar! Nicht wahr?

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Fotos: Die Eulenfamilie von Schepetew Nikolaj

Die Komposition aus Stofftieren und -vögeln machte auf mich einen unauslöschlichen Eindruck. Sie muss an die traditionelle Malerei und woodblock printing auf dem Stoff erinnern.

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Fotos: Die Komposition von Sosinowa Jelena

Hoffentlich hat meinen Lesern diese virtuelle Exkursion gefallen. Ich war begeistert!

Lusa dorsa gash: die Nikolskaja Messe (Fortsetzung)

Weidenruteflechten.

Das ist eine Handwerkkunst, deren Erzeugnisse immer gefragt sind. Hoch geschätzt wird sowohl ihre einfache und naive Schönheit als auch ihre Anwendung im Haushalt. Jede Hausfrau will ein geflochtenes Körbchen im Haushalt haben. Man nimmt es in den Wald mit, um Pilze und Beeren zu sammeln, oder bewahrt dort die übliche Ernte auf, z.B. Äpfel.

Kommentar zum Foto: Wenn ich mich nicht irre, so wird im Korb von links Kohl getragen.

Auf der Messe wurden aber die richtigen Kunstwerke ausgestellt.

Diese Schlitten wurden gekauft. Das habe ich gesehen. Solche Ethno-Schlitten würde ich auch gerne haben.

Kommentar zum Foto: Die Eule sieht toll aus.

Kommentar zum Foto: Für meinen Kleinsten hätte ich gern einen Wagen gekauft, habe aber eine Libelle gewählt.

Nicht weit von dem Stand saβ der Meister und zeigte seine Kunst.

Weberei.

Die Meisterin Galina Smoleva hat die Prilusje in der ganzen Republik durch ihre Webekunst bekannt gemacht. Diese Frau pflegt die alten Traditionen der Weberei und webt nur mit den alten hölzernen Maschinen. Auf der Messe hat sie ihre Arbeit in allein Einzelheiten gezeigt.

Neben Galina Smoleva saβ noch eine Frau und webte farbenreiche Gürtel. Eine prachtvolle Auswahl.

Welchen würden Sie kaufen? Viele von diesen haben nationale geometrische Ornamente und gehören zu der Nationaltracht der Komi. Alle konnten die Frau bei der Arbeit beobachten.