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Zu Gast bei Väterchen Frost. Die Residenz

Es hat etwas Zeit gedauert, bis ich mich an den zweiten Teil gemacht habe. Ja, die Ferien sind vorbei und die Arbeit nahm mich wieder ganz in Anspruch. Aber meine Erinnerungen an unsere kleine Reise sind noch ganz frisch! Und nun ist der zweite Teil unseres winterlichen Abenteuers. Also, los!

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Am Morgen standen wir sehr früh auf, um rechtzeitig zu sein, denn so hatten wir die Chancen in ganzer Ruhe alles zu beobachten, bevor andere „Langschläfer“ strömen) Und wir waren fast die ersten! Wir haben die Eintrittskarten gekauft und die Tore der Residenz haben sich für uns geöffnet. Was muss ich über die Preise sagen – die beißen (wie die Russen sagen). Horrend sind sie nicht natürlich, aber die Familie mit einem Kind muss für das Wintervergnügen über 3 000 Rubel ausgeben. Aber was muss das Geld im Vergleich mit den strahlenden Kinderaugen! Und die Eltern greifen tief in die Geldtasche) Wo diese Tiefe liegt, ist aber bei allen Geldbeuteln verschieden))) Außerdem sind die Eintrittskarten für den ganzen Tag gültig, und man darf am Tage mehrmals ein und aus.

SONY DSCFoto: Das Terem von Opa Frost

Das Angebot ist nicht pauschal. Der Preis hängt auch davon ab, welche Attraktionen man wählt. Man muss auch etwas extra in der Residenz bezahlen. Wir haben das Terem, die Post und den Zoo gewählt. Man sagte uns, das gehöre zum Muss hier. So waren wir fast die ersten Besucher.

Unsere Erkundung begann mit dem Märchenpfad – einer Attraktion für die Kinder. Hier warteten auf sie verschiedene Märechenfiguren live und gaben den Kindern „die schwersten Aufgaben“. Der Weg zum Opa Frost sei verzaubert!

Die erste Gestalt war die Baba Jaga. Sogar die Erwachsenen haben eine Gänsehaut bekommen und wurden für ein unanständiges Benehmen bestraft))) Die hat sehr gut gespielt!

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Die weiteren Stationen bereiteten den Kindern das Treffen mit dem Bären, dem Schneemann, dem Füchslein, dem Igel, dem Kater und den zwölf Monaten (von denen gab es eigentlich nur drei). Auch den Erwachsenen hat das ganze fröhlich lärmende „Spektakel“ Spaß gemacht!

rej98udtXD8Foto: bei dem Füchslein zu Hause

Der Kater-Bajun saß auf dem Baum und machte mit den Kindern Musik. In russischen Märchen bezitzt er eine magische Kraft – er singt so süß, dass die Menschen einschlafen und in Gefahr geraten. Wir aber waren immer auf der Hut!)))

mGoedkqFjh4Foto: alle singen mit dem Kater-Bajun

Mir haben am meisten die drei Monate gefallen. Sie hatten so schicke Kaftane, und es war so gemütlich warm bei ihnen. Im Märchen „Zwölf Monate“ helfen die Brüder-Monate einem armen Mädchen im Dezember im Wald Schneeglöckchen zu finden. Die böse Stiefmutter hat sie mit diesem Befehl beim Schneesturm in den Wald geschickt. Die Brüder ließen das Mädchen sich am Feuer wärmen und der April zeigte ihr die Stelle mit den Blumen. Wir waren auch willkommen!

SONY DSCFoto: Dezember, Januar und Februar heißen alle willkommen

Die nächste Attraktion war der Besuch des Terems. Wir dachten, hier wartet auf uns Opa Frost, aber … Na gut, wir hatten eine Exursion durch die Zimmer und haben sehr viel gesehen: Schatzkammer, Schalfzimmer, Arbeitszimmer, Chemielabor, Bibliothek, Garderobe usw., aber keine Spur von Opa Frost))) Das war eine Entäuschung! Sogar Geschenke für die Kinder (die, nebenbei gesagt, die Eltern im Voraus besorgt haben und für diese feierliche Ausgabe noch bezahlt haben) wurden im Namen vin Opa Frost von seinen Gehilfen verteilt.

1-wu_k9uMPsFoto: Das Bett von Opa Frost

dbodWHPmlXAFoto: Chemielabor. Hier macht er Schneeflocken

xlWObEHI1VIFoto: Die Garderobe

Doch die Kinder waren glücklich, denn sie haben ein Geschenk von Opa Frost bekommen, dazu noch eine Urkunde zum Besuch in der Residenz. Unser Wladik wunderte sich sehr, woher habe Opa Frost erfahren, dass er sich einen Roboter gewünscht hat!

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Später stellte es sich heraus, dass Opa Frost seine Gäste auf seinem Postamt empfängt. Man muss sich nur auf die bestimmte Zeit anmelden lassen. So hatten wir noch Zeit und begaben uns in den Zoo. Eigentlich mag ich Zoos nicht, weil es mir immer schade ist, die Tiere hinter den Gittern zu beobachten, besonders Raubtiere. Ich erinnere mich an einen Löwen im Zoo in Odessa, der so laut und entsetzlich stöhnte, dass ich beschlossen habe – nie mehr in den Zoo! So ist es bei mir auch bei den Zirkussen.

Doch für die Kinder ist es eine Möglichkeit, exotische Tiere zu beobachten. Und so musste ich mich damit abfinden und schloss mich den anderen an. Was ich gesehen habe, hat mich angenehm überrascht. Obwohl die Tiere nicht im Freien leben, werden sie sehr gut gepflegt (hier verstand ich, warum die Preise sehr hoch sind). Alle leben in Gehegen hinter Gittern, doch sie alle sind sehr geräumig und jedes Tier hat sehr viel Platz. Hier darf man die Tiere füttern (außer Raubtiere) und das macht auch den Erwachsenen Spaß. Wisst ihr, welche Tiere hier sehr viele gibt? Natürlich Rentiere! Das ist für uns Nordmenschen keine Überraschung. Anders ist es bei Exotik. Der Tiger hat mich besonders beeindruckt. Er bewegte sich zo graziös, als ob er verstände, dass er fotografiert wird. Er posierte!

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Wir haben hier Elche, Hirsche, Jaks, Kamele und andere Tiere gesehen. Am lüstigsten war das Alpaka. Wir warfen ihm Karotten und es lief wie ein Hund im Gehege herum, um den Snack im Schnee zu finden.

2Iv5g-aJ5rwFoto: Elche kennen wir sehr gut!

HqS8bcfcQP8Foto: Wladik füttert das Kamel (und hat Angst, dass das Kamel spuckt))))

Die Zeit im Zoo verging schnell und alle warteten schon ungeduldig auf das Treffen mit Opa Frost. Die Kinder besprachen, welche Gedichte sie dem Opa Frost vortragen werden. Und nun waren wir nah am Ziel! Zuerst in einem halbdunklen Raum – alo im Wartezimmer))) Das war sehr aufregend sogar für die Erwachsenen! Ich habe mich auf dem Gedanken ertappt, dass ich mit einem ehrfürchtigen Gefühl wie ein Kind da stand. Das ist vielleicht deswegen, dass mich Opa Frost in meiner Kindheit noch niemals zu Hause mit einem Geschenk besucht hat.

Endlich öffneten sich die Türen und die Gruppe tritt in einen großen Raum, wo Opa Frost erhaben auf seinem Thron saß.

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Opa Frost hat alle begrüßt. Sein Gehilfe erklärte höflich – keine Gedichte, keine Lieder, nur Familienfotos! Das war die zweite Enttäuschung! Na, was zu machen… Wir haben unser Familienfoto bekommen und gingen draußen.

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Das war schon Mittagszeit und wir mussten uns auf den Weg nach Hause machen. Im Park machten wir noch einige Fotos.

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Die Gefühle nach unserem Aufenthalt in der Residenz waren ganz wiedersprüchlig. Aber wir waren hier wegen unsere Kinder, für die das Ganze ein großes Ereignis sein schien. Sie waren glücklich – und das war unser Ziel!

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Zu Gast bei Väterchen Frost

OtKO8f_YLfkFoto: Tor ins Märchen, in die Opa Frost Residenz

Heute ist mein Beitrag nicht über die Republik Komi, sondern über ihren nahen Nachbarn – das Gebiet Vologda – die Heimat von Väterchen Frost. Wer ist Väterchen Frost? Das ist der russische Gabenbringer zur Neujahrszeit, eine Person, die jedes Kind in Russland kennt und mit Ungeduld auf seine Geschenke wartet. So haben wir mit meinem Mann beschlossen, auch unserem kleinen Wladislaw eine kleine Überraschung zu machen, nach Welikij Ustjug zu fahren und den Opa Frost in seiner Residenz zu besuchen. 

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Wir waren zusammen mit unseren Freunden und warteten selbst auf diese Fahrt mit Ungeduld wie kleine Kinder. Irgendwie glauben wir auch an Wunder! Vor zehn Jahren waren wir hier mit unseren älteren Kindern. Früher war es hier alles anders!

QrdU9o96S2gFoto: eine lustige Reisegesellschaft! Im Hintergrund das Terem von Väterchen Frost.

Das war eine wunderbare Reise (auch nicht ohne kleine Abenteuer)! Sie begann ganz früh am Morgen, denn wir sollten mit den Autos etwa 500 km zurücklegen. Der Weg nach Welikij Ustjug liegt abseits der föderalen Autostraβen und ist deshalb wie Mehrheit von russischen Autostraβen in der Provinz ganz ausgefahren. Die ersten hundert Kilometer der Fahrt führten uns durch menschenleere Gebiete, wo es nur Wald gibt. Und da es drauβen etwa 2 Grad Kälte war, gab es Glatteis, und manchmal war es auch gefährlich beim Fahren, besonders, wenn es viele Langholztransportlastkraftwagen unterwegs gab. Sie schleppten ihre Güter im Schneckentempo oder hielten einfach mitten auf der Straβe, weil sie wegen ihres Gewichtes kleine Hügel nicht bekraxeln konnten. Und einmal haben wir richtig Angst bekommen! Aber alles war gut.

Nach etwa 6 Stunden Fahrt waren wir am Nachmittag schon an Ort und Stelle. Wir haben für die ganze Reise zwei Tage geplant – einen für die Bekanntschaft mit Welikij Ustjug und einen für den Residenzbesuch. Wir haben für die Übernachtung eine Wohnung 30 km von der Stadt entfernt gemietet. Es war viel günstiger, denn zur Hochsaison in den Winterferien ist der Preis für alles sehr hoch.

Nach dem Mittagessen begaben wir uns in die Stadt. Welikij Ustjug ist eine kleine russische Prvinzstadt mit etwa mehr als 30000 Einwohnern. Die Stadt wurde 1147 geründet, so alt wie Moskau. Den Beinamen „Welikij“ hat sie von Ivan dem Schrecklichen bekommen. Lange Zeit lebten in der Stadt viele Kaufleute, denn hier kreuzten sich wichtige Handelswege. Und die Stadt war wohlhabend. Noch heute sieht man überall Häuser von Kaufleuten, in manchen gibt es Museen. Selbst die Stadt ist von ein- bis dreistöckig, hier gibt es keine Hochhäuser, denn der Boden ist sumpfig. Die Stadt hat deswegen mehr von einer typisch russischen Provinzstadt – ruhig, naiv und bescheiden. Viel schöner für mich als ihr Altersgenosse Moskau. Hier begibt man sich in eine andere Epoche und spürt die wechselvolle Geschichte Russlands auf Schritt und Tritt.

SONY DSCFoto: Ein Kaufmannshaus, das bis jetzt noch bewohnt wird.

In der Stadt gibt es 28 Kirchen!!! Das ist unglaublich! Die orthodoxe Architektur verleiht der Stadt ein besonderes Gepräge. Aber nur einige davon funktionieren als Gottesstätten. In einer gibt es eine Bibliothek, in einer anderen ein medizinisches Laoboratorium. Und das ist, weil die Stadt kein Geld hat, um diese Baukunstwerke zu restaurieren. Praktisch das ganze Geld, das die Stadt an der Opa Frost Residenz und Tourismus verdient, bekommt Moskau, und das ist sehr traurig. Und hier gibt es Touristen aus ganz Russland!

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Wir haben eine Kirche besucht. Leider darf man in den Kirchen nicht fotografieren (einige machen das heimlich, ich niemals) und ich kann dieses prächtige Bild in Worten nicht beschreiben! Das Altar ist aus Holz geschnitten mit alten Ikonen geschmückt und ist riesengroβ. Das habe ich noch niemals gesehen! Hier war es ganz still, obwohl es sehr viele Menschen gab. Jeder ging im Saal in seinen Gedanken vertieft, mancher betend, mancher schaulustig. Es war der 4.Januar, also die vorweihnachtliche Zeit in Russland, und es war für unsere Familie sehr symbolisch, dass wir diese Kirche besucht haben. Wir stellten Kerzen auf für Gesundheit und Wohlhaben unserer Nächsten und eine Kerze als Gedenken an Gestorbene, wie es der Brauch ist. Leichten Herzens gingen wir dann in der Stadt spazieren.

8Gmb-G8aRgQFoto: Eine bescheidene Weihnachtskrippe vor der Kirche.

Wir hatten auch eine ganz nette Fremdenführerin – Polina – eine Studentin unserer Universität, und die Bekannte von meinem Mann (sie spielen zusammen in einem Amateurtheater). Wir haben diese Reise natürlich nur wegen die Kinder unternommen, und so galt unser erster Besuch dem Modehaus von Väterchen Frost. Polina sagte uns, dass es sich lohnt, dieses Museum zu besuchen. Und es war toll! Im Museum gab es eine sehr interessante Führung. Zuesrt besuchten wir den Raum, wo die Kleidung für Väterchen Frost gemacht wird. Etwa zehn Näherinnen sorgen für das festliche Outfit vom Opa Frost. Es war so interessant, ihnen bei der Arbeit über die Schultern zu gucken. Die Kinderschar machte viel Lärm, aber sie waren ganz ruhig)

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Väterchen Frost ist (so sagt man) über zwei Meter hoch! So kann man seinen eigenen Wuchs mit dem von Väterchen Frost mit Hilfe von solch einer Messlatte vergleichen)))

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Im nächsten Raum wurden die festlichen Gewänder der russischen Bojaren (Adelige aus dem russischen Mittelalter) ausgestellt. Das Gewand von Väterchen Frost hat hier seine Wurzeln. Die waren prachtvoll mit Fellen und Perlen verziert.

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Und auf dem nächsten Foto sieht man das Kostüm, in welchem Väterchen Frost die Gäste auf den Olympischen Spielen in Sotschi empfing. Dort hatte er auch eine Residenz.

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Im letzten Raum wartete auf die Kinder eine improvisierte Modenschau. Jedes von ihnen hatte ein Kostüm bekommen und zeigte es dem Publikum (also den Eltern). Die Kinder waren so süβ! Sie gaben sich Mühe, sich wie richtige Modelle zu zeigen, und wurden sofort von allen Seiten fotografiert. Die Verkleidung vollzog sich hinter der Schirme und für die Eltern war es eine richtige Überrauschung. Für uns auch)))

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Die Kinder stellten die Gestalten dar, die die Residenz von Väterchen Frost bewohnen und ihm in vielen Sachen helfen. Unser Wladislaw war also Bäcker und Taissja (meine Patentochter) Snegurotschka (die Enkelin von Väterchen Frost). Snegurotschka ist eben eine Person, seine Begleiterin, mit welcher Väterchen Frost überall erscheint (in Kindergärten, Schulen, auf privaten Besuchen in Wohnungen).

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Die Kinder waren glücklich! Nach dem Museum bummelten wir durch die Stadt in der Dämmerung und es war sehr festlich und zugleich geheimnisvoll.

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Wir kauften einige Souvenirs und fuhren in die Wohnung. Wir waren sehr müde, aber in bester Laune, denn morgen wartete auf uns Väterchen Frost! Und darüber mein nächster Beitrag)

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