Archiv der Kategorie: Der grauhaarige Ural

Der Säbel und sein Herr

Foto: Jewdokia Pystina

Sablja (zu deutsch: Säbel) ist eine der schönsten Spitzen des grauhaarigen Ural. Sie erreicht die Höhe von 1497 m und gehört mit anderen malerischen Bergen und Gebieten zum Nationalpark Jugyd Wa (zu komi: klares Wasser). Ihr Name ist eine Metapher, weil ihre 14 Spitzen einer scharf gezackten Säge gleichen.

Foto: Jewdokia Pystina

Foto: Maria Siwkiw (Quelle: http://www.mountain.ru/article/article_display1.php?article_id=1266)

Die Nenzen nennen diesen Berg Sauk-Pai, was so gut wie ein scharfer Stein bedeutet. Obwohl der Berg ziemlich schwer zu erreichen ist, gibt es immer wieder Touristen, die das alpine Profil des Gipfels bewundern möchten. Vielleicht deswegen wird der Ural oft die Alpen von Petschora genannt.

Foto: Maria Siwkiw – Die alpine Landschaft des Ural (Quelle: http://www.mountain.ru/article/article_display1.php?article_id=1266)

Hier herrscht Ruhe und lautlose steinerne Stille. Im Gegensatz dazu bekommt die Tundra zu den warmen Jahreszeiten ein farbenprächtiges Gewand aus Blumen, Gräsern, Pilzen und Laubbäumen. Werfen wir einen flüchtigen Blick auf das Schaffen der Künstlerin Natur – Ausläufe von kleinen rotköpfigen Pilzen, milchblaue Blaubeeren, purpurrote Vogelbeeren, honigorange Perlen der Moltebeeren, wolkenweiße Wollgräser, wohin das Auge reicht – doch die Schönheit der Tundra ist das zärtlich weiße Windröschen, das wie ein Teppich den Bergfuss bedeckt.

Der Säbelrücken ist eines der wenigen Gebieten des Urals, wo sich das wilde Rentier wie zu Hause fühlt. Aber auch dieses stolze Tier kann die steinerne Stille nicht zerstören. Nur Bäche rauschen und strömen rasch ins Tal, wenn der Schnee zu tauen beginnt. Eigentlich ist der Schnee nur am Ende des Sommers weg, denn er wird streng bewahrt – der Hofmann-Gletscher verbirgt sich unter Säbelspitzen und ganz unten ein See, in dessen azurn-blauen Spiegel man bei sonnigem Wetter Wolken sieht, die den Sablja-Berg umweben. Wenn die Sonne scheint, glitzert das blaue Eis. Der Gletscher hat die Länge von 1 km und die Breite von 500 m. Er gehört zu den ersten Gletschern, die im Gebiet des Ural entdeckt wurden.

Foto: Maria Siwkiw (Quelle: http://www.mountain.ru/article/article_display1.php?article_id=1266)

Wenn man sich dem Gletscher nähert, so hört man tausendstimmiges Pfeifen von Ochotona. Dieses lustige kleine Nagetier fühlt sich hier sehr wohl. Aber auch Bären und Elche hausen in der naheliegenden Laubtaiga.

Der Sablja-Berg gleicht einer Burg mit Türmen und muss auch seinen Herrn haben. Fast alle Gipfel des Ural sind von Sagen und Legenden umwoben. Sablja ist auch keine Ausnahme. Der Ethnologe B.Bessonow  schrieb 1909: „Sie haben hier ihren Rübezahl, den Sablja-Herrn. Er ist grausam und erscheint manchen kühnen Köpfen, die ihn zu sehen wagen, als eine fliegende, drehende Säule. Weh dem, der lacht und an ihn nicht glaubt. Der Sablja-Geist braucht Verehrung, sonst verschwindet der Arme im Abgrund“.

 

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