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Frohes Osterfest!

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Meine lieben Leser!

Schönes Osterfest an alle, die meinen Blog besuchen! Ihr seid hier immer willkommen! Ich wünsche euch ein richtiges Frühlingswetter und einen tüchtigen Osterhasen!

In diesem Jahr fällt das katholische Fest mit dem othodoxen Fest zusammen. In Komi ist das Osterfest im Schnee, aber der Osterhase hat uns heute morgen schon besucht.

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Obwohl der Osterhase nicht gerade das russische Gabenbringer zu Ostern ist, mache ich schon seit langem das Ostereiersuchen für meine Söhne im Garten. Sowohl der Kleine, als auch der Groβe haben den meisten Spaβ nach den Eiern zu jagen.

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Zu Hause gibt es ein festliches Frühstück und das traditionelle Spiel,

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und die „Eierplünderei“ beginnt!

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Христос Воскресе! Christus ist auferstanden!

Die früheren Beiträge zu Ostern hier, hier und hier.

Wie ich die Sprache Komi zu beherrschen begonnen habe

Ja, das Verb „beherrschen“ ist das richtige Wort für mein Bemühen die Sprache Komi zu lernen. Schon seit langem hatte ich einen großen Wunsch auf Komi zu sprechen. Meine Schwiegereltern kennen beide Komi, mein Mann kann Komi verstehen aber nicht sprechen.

Warum eigentlich kam ich auf solch einen Gedanken? Dazu gibt es sehr viele Gründe. Die Republik Komi ist meine kleine Heimat und ich meine, dass es sehr wichtig ist, die nationale Sprache der Republik kennen und verstehen zu können. Ich bin hier aufgewachsen und immer hörte ich außer Russisch noch Komi. Und ich fand die Sprache früher so seltsam für mein Ohr.

Ich bin im Norden der Republik geboren, in der Stadt Inta, wo es sehr wenig Komi gibt. Auf den Straßen hörte man nur immer Russisch. Aber im Radio und Fernsehen wurde sehr viel Komi gesprochen. Jetzt finde ich die Sprache sehr melodisch und weich, weil ich verstehe, dass jede Sprache ein Unikum ist, das ist die Seele des Volkes, sein Reichtum und  sein Leben. Und weil ich auch Fremdsprachen gelernt habe und jetzt Deutsch unterrichte, ist es für mich von einem großen Interesse, mal eine ganz andere Fremdsprache zu lernen. Komi ist eine finno-ugrische Sprache, und das ist eine ganz andere Sprachfamilie. Mein Russisch-Ukrainisch-Deutsches Bewusstsein gewöhnt sich sehr schwer an dieses neue Sprachsystem, aber ich bin sehr motiviert. Unsere Lehrerin, Olga Stepanova, ist eine sehr nette Frau, TV-Moderatorin, und sie spricht so schön, dass ich mich mehr und mehr in diese Sprache verliebe.

img_0052Foto: Olga Stepanova – unsere Lehererin (https://komiinform.ru/news/134488/)

Besonders schön finde ich die Lieder. Das Lied „Katschasinjas“  (zu Deutsch: Kamillen)  ist mein Lieblingslied, und ich singe es immer mit Gefühl, wenn ich irgendwo in der Natur bin. Hier könnt ihr das Lied hören:

Der bekannteste komi Dichter Ivan Kuratov hat die Komi Sprache in seinem Gedicht besungen – Komi Kyv, das heute als die Ode an die Komi Sprache gilt.

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Foto: Ivan Kratov – Komi Dichter (1839-1875)

Dank meinem Kollegen habe ich die deutsche Nachdichtung gefunden. Wer sie gemacht hat, ist leider nicht bekannt. Aber ich kann behaupten, dass die Nachdichtung die Stimmung des Gedichtes sehr gut widergibt. So viel Gefühl und Liebe gibt es in jedem Wort!

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%d1%81%d0%bb%d0%b0%d0%b9%d0%b42Die deutschen Leser haben bereits bemerkt, dass die Komi Sprache einen Buchstaben hat, der auch echt deutsch ist – ö. Der wird aber nicht so, wie im Deutschen gesprochen. Für das deutsche Ohr ist es etwas zwischen dem langen o und dem offenen langen ä (wie Mädchen). Der Buchstabe Ö hat in Syktyvkar, der Hauptstadt der Republik Komi, sein Denkmal.

img-20150506094457-195Foto: Das Ö-Denkmal (http://komi.ru/upload/iblock/53b/img-20150506094457-195.jpg)

Mein heutiger Beitrag wäre ohne allgemeine Informationen über die Komi Sprache und ihre Geschichte nicht vollständig. Die Information stammt aus dem Buch von Tatjana Schwitai „Die Komi ASSR“ (Syktyvkar, 1984). Zur Geschichte der Komi Sprache:

„Komi gehören zu den kleinen Völkern, die schon vor der Revolution eine Schriftsprache hatten. Sie entstand im 14. Jahrhundert, ihr Schöpfer ist Stefan Chrap, der später den Namen Stefan von Perm erhielt.

Das ursprüngliche Wohngebiet der Komi lag in der Gegend des Oberlaufes der Kama und der Wjatka, in dieser Gegend standen sie mit ihren nächsten Stammesverwandten, den Wotjaken, in Berührung. Dann begann die Abwanderung der Komi nach dem Norden. Nach den Angaben der russischen Geschichtsquellen findet man Komi im 11.Jahrhundert schon an der Wytschegda, gegen Ende des 14.Jahrhunderts in der Gegend der heutigen Stadt Kotlas (das Gebiet von Archangelsk).

Als Grundlage der komi Sprache wird die altpermjakische Sprache angesehen, deren Träger sich im ersten Jahrtausend v.u.Z. im europäischen Nordosten angesiedelt hatten, daher wohl auch der Name Stefan von Perm.

Die Christianisierung der Komi weist eigenartige Züge auf. Das Bekehrungswerk wurde von dem Bischof von Perm, Stefan dem Heiligen (um 1335-1396) geleitet, der russischen Herkunft war, aber der komi Sprache mächtig war. Durch sein kluges und tolerantes Verhalten und die Überzeugungskraft seiner mit Missionsbewusstsein erfüllten Persönlichkeit vermochte Stefan der Heilige den größten Teil der Bevölkerung des Gebietes für das Christentum zu gewinnen. er stellte für die komi Sprache ein besonderes Alphabet, das sogenannte „Abur“ oder „Anbur“ zusammen; das „Anbur“ gilt als nationale Schrift der Komi.„

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Foto: Das Anbur-Alphabet

sykt_anburFoto: Der Name von der Hauptstadt der Republik Komi wird in Anbur dargestellt (http://finugor.ru/sites/finugor.ru/files/imce/sykt_anbur.jpg)

Seit 17.-18.Jahrhundert haben die Komi das Alphabet, dass dem russischen entnommen wurde.

А а Б б В в Г г Д д Е е Ё ё
Ж ж З з И и І і Й й К к Л л
М м Н н О о Ӧ ӧ П п Р р С с
Т т У у Ф ф Х х Ц ц Ч ч Ш ш
Щ щ Ъ ъ Ы ы Ь ь Э э Ю ю Я я

Doch es gibt zwei Buchstaben, dass der komi Sprache ihre Besonderheit verleihen – i und ö. Im Kurs, wo ich Komi lerne, hat man uns gesagt, dass die Komi die Laute ф (f), х (ch), ц (ts) und ч (tsch) nicht haben. Sie werden in den russischen Entlehnungen durch andere Buchstaben und Laute ersetzt. Warum? Das ist auch sehr interessant. Unsere Lehrerin hat uns erklärt, dass es wahrscheinlich damit verbunden war, dass die Komi als Heiden vor diesen Lauten Angst hatten.

Heutzutage spricht man in der Republik Komi das Komi-Syrjänische Dialekt. Die weiteren sind – das Komi-Permjakische und das Ostpermjakische (Jazva-Dialekt). Das Komi-Syrjänische hat in der Republik weitere Dialekte. Wir erlernen aber die Hochsprache (Literatursprache).

Mein Sprachkurs dauert zwei Monate und kostet mir keine Kopeke, denn er wird jährlich von dem Ministerium für die Nationalpolitik der Republik Komi veranstaltet und erzielt damit die Popularisierung der komi Sprache unter der übrigen multinationalen Bevölkerung unserer Republik. Wir machen uns im Kurs nicht nur mit den Raffinessen der komi Sprache bekannt, sondern auch mit Sitten und Bräuchen des Volkes Komi. Und das ist für mich, wie ihr wisst, sehr interessant. Ich hoffe, dass ich doch Erfolg erziele.

Став бурсö тiянлы! – Alles Gute an alle!

 

Die Luft von tausend Düften

„Im wunderschönen Monat Mai, als alle Knospen sprangen…“ – so beginnt ein schönes Gedicht von Heinrich Heine, das wir mit unseren Studenten geübt haben. Dieser Mai war in der Republik Komi reich an Farben und Düften. Die Natur trug ihr prächtiges weißes Brautkleid mit frischen grünen Blättern geschmückt. Und die Luft war voll von zarten Düften. Das festliche Weiß war an den Bäumen überall zu sehen. Und wie kurzlebig war die Blütezeit!

Ich verstehe, dass die Bäume überall in der Welt blühen. Aber hier im Norden ist jede Pflanze ein Wunder, denn nicht nur die Menschen, sondern auch die Pflanzen im rauen Klima um ihren Platz unter der Sonne kämpfen müssen. Die Südbewohner haben es besser, denn sie genießen die wahre Blütenpracht. Aber auch im Norden ist der Frühling wunderschön, besonders, wenn die Tundra blüht. Und nach dem blendenden Weiß des Winters ist das blühende Weiß des Frühlings besonders sehnsüchtig  zu erwarten.

So blüht der Apfelbaum:

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Und hier trägt die Traubenkirsche ihr weißes Gewand:

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Und das sind die hübschen Preiselbeeren:

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Der Sumpfporst sieht festlich aus, obwohl er manchen Kopf berauschen kann:

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Die Pracht der Natur hat mich auf den Gedanken gebracht, welche Rolle die Pflanzenwelt in der Komi-Mythologie spielt. Nach langen Untersuchungen habe ich solch eine Information gefunden.

Nach dem Volksglauben der Komi habe jeder Mensch seinen Baum (zu komi As Pu). Es ist sehr schwer, den As Pu zu finden. Dem Jäger könnte dabei der Hund behilflich sein. Er halte am Baum und bellte den As Pu an. Mit dem ersten Axthieb beginne der Baum zu bluten und mit seinem Herrn zu sprechen. Die Sachen, die aus diesem Baum angefertigt werden, hätten eine besondere Zauberkraft.

Die Traubenkirsche (zu komi Ljom) obwohl sie so schön blüht, wird in der Komi-Mythologie eher negativ betrachtet, weil ihr Holz im Haushalt nicht verwertet wird. Die Blütezeit des Baumes verbindet man mit dem Thema der Fruchtbarkeit. Es gibt einige Bauernregeln: “Steht Ljom in voller Blüte, so gibt es eine reiche Ernte an Heidelbeeren”. Traditionell wurde der Baum ziemlich weit vom Haus gepflanzt, am Zaun (und das ist auch heute der Fall). Es gab den Glauben, dass Ljom ins Haus Krankheiten und Unglück mit sich bringen könnte.

Die Fichte (zu komi Kos) gehört in das semiotische Feld „das Männliche“. Dabei gibt es zwei Bräuche. Die Komi-Jäger bevorzugten unter diesem Baum zu übernachten, aber zuerst musste man ihn um Erlaubnis bitten und der Baum nahm den Menschen dann unter seinen Schutz. Der zweite Brauch war, den Vater des Neugeborenen zu fragen „Njyw ali Kos?“ und das bedeutete “Tochter oder Sohn?“ Denn „das Weibliche“ verkörperte die Tanne (zu komi Njyw). Die Komi-Jäger fürchteten sich unter diesem Baum zu übernachten. Hier verbarg sich der Teufel und Jon (der Gott der oberen Welt) schickte zum Baum hin Blitze, damit sie den Teufel treffen konnten und die Jäger hatten Angst, auch  vom Blitz getroffen zu werden.

Interessant, nicht wahr?

Die Natur schmeckt im Frühling Birkensaft

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In diesem Frühling habe ich zum ersten Mal gesehen, wie der Birkensaft vom Baum tropft. Die zwanzigjährige Birke im Hof meiner Schwiegereltern beschenkt uns reichlich mit ihrem Lebenswasser. Die Birke hat ihre eigene Geschichte und ist der Familienbaum für drei Generationen. Der Vater meiner Schwiegermutter flochte Bündel aus Birkenzweigen für die Banja neben der Scheune. Als er gestorben war, wuchs an dem Platz, wo er immer zu sitzen pflegte, eine Birke zu einem mächtigen Baum.

Jedes Jahr füllt die Birke Behälter mit klarer Flüssigkeit, die etwas süβlich schmeckt. In diesem Jahr ist unsere Birke besonders ausgiebig.

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Mein Schwiegervater hat die Birkenrinde leicht angebohrt und drei kleine Röhrchen befestigt, durch welche der Saft abgezapfen wird.

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Ich komme von Zeit zu Zeit und koste an dem erfrischenden Getränk. Selbst die Natur gibt dieses Lebenswasser dem Menschen – der Birkensaft ist sehr gesund. Hier in Prilusije, einem Gebiet von Komi, nennt man ihn sdorow-wa – vom Wort sdorowje (Gesundheit). Im üblichen Teil der Republik Komi wird der Birkensaft sarawa genannt. Das war schon seit alten Zeiten das traditionelle Getränk der Komi. Man trinkt ihn pur, denn er wird nicht lange haltbar. Sonst entsteht durch Vergorung mit etwas Zucker ein säuerlich-süβes Getränk. Meine Schwiegermutter gibt etwas Weintrauben oder Trockenaprikosen zu. An einem sehr warmen Frühlingstag wie heute wird einem der Durst schnell gestillt.

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Die Birke spielte für die Komi-Heiden eine zentralle Rolle in der Verherung der Idolen. Es gibt eine Legende von der Launigen Birke (launig ist hier als böse und unbändig zu verstehen). Ein riesiger Baum war die Kultstätte von Komi-Zyränen an dem Fluss Wym und hatte eine magische Kraft. Um den Baum herum standen zahlreiche Idole. Die Heiden pflegten dort ihre Riten und beschenkten den Baum reichlich mit Rauchwaren. Selbst der Baum war mit bunten Bändern behängt.

Im 14. Jharhudert erschien im Komi-Land ein Missionär – Stefan von Perm (Bischof von Klein-Perm, 1547 heiligesprochen). Er wollte die Komi-Heiden zum Christentum bekehren. Um den Heiden die Kraft des christlichen Glaubens zu zeigen, wollte er die Launige Birke fällen. Ein Tag reichte nicht aus, um den Baum zu fällen. Während Stefan mit dem Axt den Baum schlug, schrie der Baum in entsätzlichen klaglichen Stimmen – “Du Stefan! Warum verjagst du uns? Das ist von alters her unser Zuhause!” Der Baum blutete mit bunten Strahlen. Aber Stefan war mit Gottes Hilfe erfüllt. Am nächsten Tag stand der Baum wieder da. Drei Tage brauchte Stefan, bis die Birke fiel. Er befahl Birkenholz und Idole zu verbrennen. Während sie brannten, hörte man Schreie und Jammergeheul. Die Birke wurde zu Asche.

An dem Platz, wo die Launige Birke wuchs, steht jetzt die Kirche zu Erzengel Michael.

Ein Raum für zwei…

so heißt die Ausstellung, die ich neulich besucht habe. Zwei angehende Künstlerinnen – Inga und Sascha – haben ein schönes Perfomance  organisiert. Inga ist Malerin und in ruhigen Tönen schildert sie in ihren Bildern das schlichte Leben des russischen Nordens, wo noch alte Holzhäuser mit schrägen Dächern und kleinen Fenstern mit hübschen durchsichtigen Gardinen zu finden sind. Das zweite Thema ist Hunde. Inga engagiert sich als eine aktive Hundepflegerin im Heim für herrenlose Hunde. Sie widmet sich leidenschaftlich ihrer Arbeit, rettet den Tieren das Leben und freut sich riesig, wenn ihre Hunde einen Herrn finden, oder, wenn ihnen eine gute Seele Hilfe mit Geld und Tat leistet. Unter ihren Zöglingen gibt es allerlei Vierbeinige und alle mögen ihre Inga.

Und sie mag die Hunde über alles. Sie sind fast auf jedem Bild zu sehen.

Soviel ich verstanden habe zeigt diese Instalation das Leben der Hunde im Tierheim, das Warten auf das bessere Leben…

Dieses Bild heiβt „Hunde in der Stadt. Wie es sein muss“. Hier hat jedes Tier seinen Herrn und ist glücklich.

Vielleicht hat Inga hier alle ihre Zöglinge dargestellt.

Und dieses Bild hat mir am meisten gefallen.

Das Bild heiβt „Nach der Banja“. Mich zieht hier das Farbenspiel an. Ich stelle mir sofort einen sonnenblauen kühlen Sommerabend vor. „Sonnenblau“ ist meine sprachliche Erfindung. Im Dorf ist bei uns oft der Sonnenuntergang so blutrot-blau, weil die Sonne den letzten grellen Blick auf die Erde wirft und ihre letzte Wärme schenkt.

Ich sitze nach der heiβen Banja auf der Bank und ein leichter Wind kühlt mein von Banjadunst rotes Gesicht. Ich beobachte, wie der Tag sich zur Nacht neigt. Alles ist still, nur die Mücken summen. Die Blumen stehen still und sprühen das Aroma aus, die man nur im Sommer genieβen kann. Die Aufgabe der Kunst ist es, den Betrachter nicht kalt zu lassen, auf Dinge des Lebens aufmerksam zu machen. Ich meine, Ingas Bilder spielen auf den Saiten meiner Seele, weil ich den russischen Norden auch so verstehe und liebe, in seiner rauhen Schönheit, in seiner grauen Einfachheit aus Holz und einer breiten Palette von Farben und Düften. Bravo, Inga!

„Ein Hof mit Hühnern“

„Der erste Schnee“ stellt ein typisches Komi-Haus mit schönen Fensterrahmen dar. Der erste Schnee ist immer etwas Besonderes im Dorf. Man sieht einen Mann. Wahrscheinlich ist er müde von Herbstarbeiten- und sorgen. Er beobachtet, wie die weiβen Fliegen auf die Erde fallen, die ihn so reichlich mit ihren Früchten beschenkt hat. Bald kommen ruhige Wintertage. Aber jetzt ist die Zeit, sich nocheinamal an den Sommer zu erinnern. Vielleicht so, wie Sascha in seinen Fotos gemacht hat. Zum Beispiel hier.

Das zweite Foto erinnerte mich an mein Studentenleben. Als ich im 1.Studienjahr war, hatten wir im Herbst als Pflicht einen Monat Kolchosarbeiten. Wir halfen dem Kolchos bei der Kartoffelernte. In einem Komi-Dorf, wo die Häuser so sind, wie auf dem Foto. Nach der Arbeit saβen wir auch so und sprachen vom Leben zu Hause und wie unser neues Leben weit vom Haus geht, über unser Studium, von dem wir nur ahnten, dass es so schwer und anstrengend sein kann. Ja, Sprachenlernen braucht Geduld. Ich erinnere mich auch daran, wie uns hausgemachter Quark und aromatisches knuspriges Brot im russischen Ofen zubereitet schmeckte, die wir bei einer Bäuerin kauften. Ja, die Zeit vergeht wie im Fluge…

Und noch ein Bild hat mir gefallen. „Die Musik des Hofes“.

Vögel sitzen auf den Drähten wie Noten. Das hat mein musikalisches Herz tief berührt. Inga und Sascha sind auch musikalisch. Wir singen zusammen im Uni-Chor. Unser Chor hat mit zwei Volksliedern die Ausstellung eröffnet. Das war sehr aufregend und musste für das Publikum unerwartet sein. Die Überrauschung ist gelungen.

Ich möchte mich bei Inga und Sascha bedanken, dass sie so viel Freude mit ihrer naiven Kunst gemacht haben.

2014 im Rückblick

Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2014 für dieses Blog erstellt.

Hier ist ein Auszug:

Die Konzerthalle im Sydney Opernhaus fasst 2.700 Personen. Dieses Blog wurde in 2014 etwa 8.600 mal besucht. Wenn es ein Konzert im Sydney Opernhaus wäre, würde es etwa 3 ausverkaufte Aufführungen benötigen um so viele Besucher zu haben, wie dieses Blog.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Das erste Sonnenbad

Das Wochenende im Dorf war sehr erholsam und sonnig. Nicht nur ich, sondern auch mein Kater Tischka nahm das erste Sonnenbad. Vergeblich suchte ich nach Sommersprossen auf seinem Schnäuzchen – er ist doch rot! Ich aber habe ein paar Sommersprossen bekommen).

Vor dem Sonnenbad hatte ich mit meiner Familie einen tollen Spaziergang im verschneiten Flusstal. Heute möchte ich einige Fotos zeigen. Die Natur ruht noch unter dem Schnee, doch die Sonnenstrahlen – die ersten Frühlingsboten – lassen den Schnee von den Dächern tropfen und alles strebt sich nach der Wärme.

Das Häuschen versteckt sich noch unter dem Schnee. Es wird nicht so oft besucht und geheizt, das ist ein Sommerhaus, aber es sieht so märchenhaft schön aus – die Pforte zum Märchen ist auf. Herzlich willkommen in der heiβen Banja!

Der Pfad führt uns zum Fluss und wieder mein Lieblingsobejkt – eine kleine Kapelle.

Die Sonne blendet. Wir gehen weiter und die gut bekannten Landschaften erscheinen in neuer Perspektive.

Hier duftet sich im Sommer herrlich nach Heu und würzigen Gräsern. Im Winter kommen die Erinnerungen an Sommerdüfte. Und plötzlich sieht man durch das Objektiv ein phantastisches Bild!

„Pferde in den Alpen“, sagt mein Mann. Zwei Pferde stehen tief im Schnee und zupfen nach Heu. Ein Pferd hat uns bemerkt und kommt ganz nah zum Zaun.

Mein kleiner Sohn ist auβer sich vor Freude. In der Nähe bemerken wir einen gutmütigen Hund, doch wir trauen uns nicht weiter.

Tschüss Pferdchen!

Wohin soll es weiter gehen? Während ich fotografierte, sind meine Männer schon weit weg aus der Sicht verschwunden. Durch den Schnee zu watscheln ist keine leichte Aufgabe.

Auf dem Rückweg sind wir schon ganz müde. Ein kleiner Hügel ist wie ein Hindernis.

Unser Kleinster hat es besser!

Zum Umfallen müde und von der frischen Luft berauscht mache ich den letzten Fotoschuss. Schnell in die Banja!