Hochzeit im Ethno-Stil

Foto des Tages

ruoGEQvb4fgAuf dem Foto Tatjana Sabalujeva mit ihrem Ehemann.

Wir waren mit Tanja zusammen im Komi-Sprachkurs. Dort hat sie erzählt, dass sie mit ihrem Ehemann beschlossen haben, die Hochzeit im Ethno-Stil zu feiern. Tanja zeigte das Bild und ich war einfach begeistert davon! Sie und ihr Mann legen viel Wert auf die Traditionen ihrer Vorfahren. Sie haben versucht sich in eine andere Epoche zu begeben, wo die Menschen ganz schlicht lebten, wo sie eine naturnahe Lebensweise führten, wo sie arbeiten und feiern konnten. Und wie!

Ich weiβ nicht Bescheid, ob ein Komi-Brautpaar früher so aussah, aber dieses Brautpaar sieht ganz bezaubernd aus!

Frohes Osterfest!

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Meine lieben Leser!

Schönes Osterfest an alle, die meinen Blog besuchen! Ihr seid hier immer willkommen! Ich wünsche euch ein richtiges Frühlingswetter und einen tüchtigen Osterhasen!

In diesem Jahr fällt das katholische Fest mit dem othodoxen Fest zusammen. In Komi ist das Osterfest im Schnee, aber der Osterhase hat uns heute morgen schon besucht.

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Obwohl der Osterhase nicht gerade das russische Gabenbringer zu Ostern ist, mache ich schon seit langem das Ostereiersuchen für meine Söhne im Garten. Sowohl der Kleine, als auch der Groβe haben den meisten Spaβ nach den Eiern zu jagen.

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Zu Hause gibt es ein festliches Frühstück und das traditionelle Spiel,

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und die „Eierplünderei“ beginnt!

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Христос Воскресе! Christus ist auferstanden!

Die früheren Beiträge zu Ostern hier, hier und hier.

Bei der Schneekönigin zu Gast

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Der Frühling steht vor der Tür, doch der gröβte Teil der Republik Komi liegt noch unter dem Schnee. Aber, dass es so rätselhaft wie auf dem Foto sein kann, konnte ich mir nicht vorstellen. Eigentlich ist mir das Motiv gut bekannt. Wo habe ich das ähnliche Bild gesehen? Und jetzt können mir die deutschen Leser zustimmen – im Harz, dem Hexetreffpunkt. Dieses Foto wurde aber nicht im Harz gemacht, sondern im Nordural, nicht weit von der Stadt Vuktyl und diese Landschaft ist nicht weniger sagenumwoben wie der Harz. Der Fotograf Sergej Fomin hat die Bergtundra zu seinem Lieblingsmotiv gemacht. Nach seiner Genehmigung veröffentliche ich seine Fotos in diesem Beitrag.

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Die Landschaft, die auf den Fotos abgebildet ist, heiβt der Tima-Is-Bergrücken. Er liegt im Nationalpark „Jugyd Wa“ in der Nähe von der Gaspipeline „Sijanije Severa“ und ist somit gut zu erreichen. Das ist ein Gebirge (550m über dem Meeresspiegel) mit sanften Abhängen, das in klimatischer Hinsicht einzigartig ist. In der Republik Komi gibt es viele einzigartige Landschaften, darunter z.B. das Plateau Manpupunjor – die steinernen Götzen der Uralvölker (Säule der Verwitterung). Aber mit Schnee bedeckte verkümmerte Vegetation, hauptsächlich aus Tannen und Birken, weist ähnliche bizarre Formen auf, ist aber nicht verteinert, sondern im Firnschnee verkrammt.

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Was macht diese Region klimatisch einzigartig? Der Bergrücken liegt weit von dem Wasserscheidenmassiv des Nordurals und bildet eine natürliche Sperre für südwestliche Winde, die hier im Winter herrschen. Er fängt die ungeheure Wucht ihres Angriffes auf. Starke Winde und hohe Feuchtigkeit kleiden die Bäume in den Panzer aus Firnschnee. Sie beugen sich unter dem Gewicht der untragbaren Last und erstarren. Dabei entstehen die Formen, die je nach Phantasie des Betrachters verschiedenen Gestalten ähneln.

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Vom Bergrücken eröffnet sich von der östlichen Seite ein wunderschöner Blick auf die Berggipfel des Nordural und von der westlichen Seite auf die unüberschaubare Taiga der Petschora-Tiefebene.

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Einer der ungewöhnlichsten Berggipfel des Ural ist der Berg Telpos-Is (1619m). Er hat zwei Gipfel. Das ist der höchste Berg des Nordural. Er war seit den uralten Zeiten der heilige Berg der Nomaden. Die Nenzen und die Mansen nannten ihn „Frauenidol“, die Komi – „Nest der Winde“. Nach einem alten Glauben haust hier Woipel – Gott des Windes und der Kälte. Er mag keinen Lärm, deshalb versuchen die Rentierzüchter ihre Rentierschlitten besonders still zu führen, wenn sie am Berg vorbei fahren, und die Jäger machen keinen Lärm im Wald, sonst wird der Windgeist auf die Täter Schneesturm loslassen.

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Der Mythos ist dadurch zu erklären, dass der Berg Telpos-Is das klimabildende Gebirge ist, und es kann vorkommen, dass hier im heiβen Sommer Schneestürme entstehen.

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„Bei der Schneekönigin zu Gast“ – so heiβt die eintägige, 10km lange Schiroute, die im Nationalpark „Jugyd Wa“ den Touristen von Januar bis April angeboten wird. Der Ausflug in die sagenumwobene Landschaft passt sehr gut Familien mit Kindern ab 14 Jahre, also wenig erfahrenen Touristen. Jetzt steht diese Route auch in meiner Wunschliste der Orte in Komi, die ich unbedingt besuchen will.

Vielen Dank an Sergeij Fomin für seine Freundlichkeit und tolle Fotos!

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In Syktyvkar wird ethno getragen

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Nicht jeden Tag natürlich, aber es wäre schön! Am 25.März fand in Syktyvkar das erste Festival der nationlen und ethnischen Mode statt. Das war ein richtiges Performance – farbenprächtig, phantasievoll, traditionsgebunden und auch mystisch.

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So eine Modenschau hat unsere Republik noch nicht erlebt. Insgesamt 40 Disigner aus verschiedenen Rayons der Republik zeigten hier ihr künstlerisches Können. Natürlich konnte ich dieses Event auf keinen Fall verpassen. Die Kollektionen wurden in vier Gruppen nominiert: „Die nationale Tracht“, „Art-Folk“, „Szenenkostüm“, „Die Werkstatt der Zukunft“ und „Öko-Mode“.

Die nationale Tracht war wie immer ganz schlicht, naiv, aber auch festlich. Diese Kleider haben die Vorfahren von Komi getragen im Fest und im Alltag.

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Mich hat die Ishmaer Tracht besonders beeindruckt. Die Kollektion zeigte vier Perioden im Leben der Frau – das Mädchen, die Braut, die junge Ehefrau und die Ehefrau mit Erfahrung. Wie säftig schimmerte der Stoff und wie stolz wurden die Trachten getragen!

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SONY DSCFoto: Die Braut

Und nun die ganze Kollektion. Es gibt ein Detail, dass alle vier Trachten verbindet – das ist der Gürtel. Er gilt für die Komi als Schutzamulett. Früher verlieβ man das Haus immer gegürtelt. Das schützte die Person von bösen Augen und bösen Geistern. Heute wird der Gürtel zu einem Kunststück und jede Region der Komi hat ihren eigenen Muster.

wx1080Fotograf Alissa Koslova (die Zeitung „Komsomolskaja Pravda – Komi“   http://www.komi.kp.ru/daily/26655.7/3679064/

Besonders spektakulär waren die Kollektionen in der Nominierung „Szenenkostüm“. Hier wurde der Phantasie ein freier Bahn gelassen. 

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Der Sieger in der Nominierung war die Kollektion „Die Vögel des Nordens“ (Fotos unten). Die Elemente der Kostüme stellten Eulen dar. Die Disignerin Olga Selivanova sagte, dass sie sich die Eule so vorstellt – graziös und farbenprächtig.

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Zu meinen Favoriten gehört die Kollektion „Lebkuchenhaus“. Sie ist mit Stimmung!

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In der Nominierung „Art-Folk“ konnte man verschiedene mythologische Motive beobachten.

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Diese Modelle zeigen zwei wichtigste Naturgeister der Komi – den Wersa (Waldgeist) und den Wassa (Wassergeist). In Kostümen findet man Elemente, die für diese Gestalten typisch sind. Auf dem Bild unten sieht man einen Fisch, und zwar, den Hecht, der auch eine besondere Rolle in der Mythologie der Komi spielt. Die Komi hielten diesen Fisch für Verkörperung des Wassergeistes. Große, alte Fische wurden verehrt. Den Frauen wurde verboten den Kopf vom Fisch zu essen. Er wurde getrocknet und die Fischer nahmen ihn auf den nächsten Fischfang als Glücksbringer mit. Es gibt auch eine Sage, nach welcher Hecht und Alande immer Kriege gegen einander geführt hätten. Die Fische beschossen einander mit Pfeilen. Die Pfeile trafen bei Alanden immer den Schwanz und bei Hechten den Kopf. So haben Hechte mehr Gräten am Kopf und Alande am Schwanz. Die Komi haben auch eine Wendung – den Kopf des Hechtes abnagen – das bedeutet, sehr arm leben.

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Auf dem weiteren Bild sieht man eine Ente als Schmuckmuster. In der Mythologie der Komi und anderer Völker der finnougrischen Gruppe war die Ente die Urmutter der Welt: Sie legte ein Ei, das sich in zwei Hälften geteilt hat. Aus der oberen Hälfte bildete sich der Himmel mit all seinen Gestirnen, aus der unteren bildete sich die Erde mit Flora und Fauna. Der Nachhall dieses Glaubens an die Ente als Urmutter widerspiegelt sich in der traditionellen Verschenkung der Entenschale aus Holz an die Braut. Das hat immer der Vater gemacht.

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Auβer mythologischen Motiven gehörten in die Nominierung Kostüme aus Naturstoffen – Wolle und Leinen.

Die gestrickten Pullover und Mützen sind Kunstücke von Meisterin Svetlana Turova. Sie gebraucht in ihren Arbeiten komi nationale Ornamente, und ihre Erzeugnisse sind immer praktisch.

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Die Modelle in Kostümen aus Lein sahen auch sehr hübsch aus.

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Und zum Schluss, und diese Kollektion war die letzte, sah ich überraschende Birken mit Birkenrinde geschmückt. Ein Naturstoff, der echt komi ist.

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Liebe Leser! Und welche Modelle haben euch besonders gefallen?

Bei Rentieren zu Gast

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Am vorigen Wochenende ist endlich mein Traum in Erfüllung gegangen! Ich war zu Gast bei Rentieren in der Taiga. Aus meinen früheren Beiträgen weiβt ihr, meine lieben Leser, dass die Rentierzucht im hohen Norden unserer Republik betrieben wird, in der eisigen Wüste der Tundra. Für solch eine weite Reise bin ich finanziell noch nicht bereit)))

Im Rayon Knjash-Pogost, das etwa 200 km nördlicher von Syktywkar liegt, tief in der Taiga, haben Rentiere seit 2013 ihr Winter-und Sommerquartier. Die 500-köpfige Herde wurde im Autonomen Kreis von Jamal-Nenzen gekauft und über den Ural aus Sibirien in die Republik Komi getrieben. Das sind Rentiere, die nicht „nomadisieren“, sondern lange Zeit auf einem Ort bleiben und Moos fressen. Auf solche Weise will man die alten Traditionen der Taigarentierzucht aufzuleben, denn in den 50-er, 60-er Jahren des 20.Jahrhunderts weideten Rentiere hauptsächlich in Waldgebieten.

Rentiere haben sich im Wald eingelebt und erwarten die ersten Gäste – neugierige Stadtbewohner. Das Reisebüro „Schuda olöm“ (zu komi: Glückliches Leben) organisiert kleine Gruppen von Touristen. Ich war natürlich in der ersten Gruppe. Zwei Stunden mit dem Bus, eine Stunde mit dem Schneemobil und wir waren tief in der Taiga.

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Das erste, was ich gesehen habe, war das Tschum (das Rentierzelt) und zwei Rentiergespanne.

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Auf einem saβ ein netter Hund. Das andere Paar war festlich angekleidet, nach der nenzischen Mode.

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Die Tschumwirtin Vera empfing uns sehr freundlich und lud uns zu einem Mittagessen ein.

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Im Tschum war es sehr gemütlich. Mitten im Zelt heizte der Ofen und darauf kochte eine sehr aromatische herzhafte Brühe aus Rentierfleisch. Von auβen ist das Tschum klein, aber im Tschum ist es ziemlich geräumig. Es gibt keine Fenster, nur oben bleibt es offen.

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Das Süppchen war sehr deftig und wir haben sehr schnell unsere Kräfte nach einer langen Fahrt wiederhergestellt. Nach dem Essen gab es ein Gespräch mit Vera. Sie hat uns über ihr Leben in der Taiga erzählt. Sie sind eine Familie mit zwei Kindern. Seit 2013 sorgen sie für die Herde. Das Tschum, wo wir waren, ist ein Gästetschum. Das Wohnzelt hat man uns nicht gezeigt. Vor der Reise hat man uns gesagt, dass diese Familie ziemlich zurückgezogen lebt. Und wir hatten natürlich Verständnis. Zum Unterschied von Komi sind Nenzen bis jetzt Heiden und ihr Leben hängt von alltäglichen und festlichen Ritualen ab. Sie leben in ihrer Welt.

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Vera ist aber eine erfahrene Rentierzüchterin und das ist ihr Beruf fürs Leben. Sie weiβ viel über Rentiere und einiges haben wir mitbekommen. Ich war über einige Tatsachen sehr überrascht. Zum Beispiel, Rentierklauen können sich der Jahreszeit anpassen. Die Rentiere können, sozusagen, ihre Sommersandalen auf Winterschuhe wechseln. Im Sommer ist die Erde weich und die Klauen werden etwas lockerer. Im Winter bilden sich die Klauenballen zurück (ob man mich gut versteht?))), die Klaue wird fester, damit das Rentier im Schnee und auf dem Eis sich sicher fühlen kann und nicht rutscht. Es ist ihm so auch leichter das Moos aus dem Schnee zu bekommen.

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Nun war die Zeit Rentiere zu streicheln. Wir haben für sie Brot mit Salz vorbereitet – das naschen sie mit Vergnügen. Die ganze Herde war im Wald. Der Schnee war unfest und man trieb die Tiere in die sichere Stelle. Wir beschäftigten uns nur mit diesen vier tapferen Schlittentieren.

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Und natürlich Fotos! Ich habe hunderte davon gemacht.

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Rentiere waren sehr geduldige Modelle. Hier sind einige besonders schöne Fotos. Man sieht, dass Riemenzeug der Tiere verziert ist. Alles macht man aus Leder und Knochen der Rentiere.

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Wir haben ziemlich viel Zeit in der frischen Luft verbracht und danach gab es im Tschum noch einen kleinen Workshop. Wir bastelten eine nenzische Puppe aus Leder und Rentierfell.

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Zum Schluss machten wir ein gemeinsames Foto und fuhren glücklich nach Hause.

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6 Tage bis zum Frühling

Liebe Leser!

Foto des Tages – so heiβt die neue Kategorie im Blog. Ich habe so viele Fotos einfach ohne Thema und ich habe beschlossen von Zeit zu Zeit diese Fotos hier zu zeigen.

Heute ist es ein Bild aus Objatschevo, dem Zentrum des Rayons Prilusje. Das ist die Heimat meines Mannes. Dieses Haus ist das Nachbarhaus von uns und es wird nur im Sommer als Datscha (Sommerhaus) benutzt. Im Winter kommen die Hausbesitzer nur sonntags, um die Banja zu heizen. Im Winter ist das Häuschen immer verschneit, was ich sehr schön finde. In diesem Winter schneit es sehr oft, so gibt es Schnee fast menschenhoch.

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Wie ich die Sprache Komi zu beherrschen begonnen habe

Ja, das Verb „beherrschen“ ist das richtige Wort für mein Bemühen die Sprache Komi zu lernen. Schon seit langem hatte ich einen großen Wunsch auf Komi zu sprechen. Meine Schwiegereltern kennen beide Komi, mein Mann kann Komi verstehen aber nicht sprechen.

Warum eigentlich kam ich auf solch einen Gedanken? Dazu gibt es sehr viele Gründe. Die Republik Komi ist meine kleine Heimat und ich meine, dass es sehr wichtig ist, die nationale Sprache der Republik kennen und verstehen zu können. Ich bin hier aufgewachsen und immer hörte ich außer Russisch noch Komi. Und ich fand die Sprache früher so seltsam für mein Ohr.

Ich bin im Norden der Republik geboren, in der Stadt Inta, wo es sehr wenig Komi gibt. Auf den Straßen hörte man nur immer Russisch. Aber im Radio und Fernsehen wurde sehr viel Komi gesprochen. Jetzt finde ich die Sprache sehr melodisch und weich, weil ich verstehe, dass jede Sprache ein Unikum ist, das ist die Seele des Volkes, sein Reichtum und  sein Leben. Und weil ich auch Fremdsprachen gelernt habe und jetzt Deutsch unterrichte, ist es für mich von einem großen Interesse, mal eine ganz andere Fremdsprache zu lernen. Komi ist eine finno-ugrische Sprache, und das ist eine ganz andere Sprachfamilie. Mein Russisch-Ukrainisch-Deutsches Bewusstsein gewöhnt sich sehr schwer an dieses neue Sprachsystem, aber ich bin sehr motiviert. Unsere Lehrerin, Olga Stepanova, ist eine sehr nette Frau, TV-Moderatorin, und sie spricht so schön, dass ich mich mehr und mehr in diese Sprache verliebe.

img_0052Foto: Olga Stepanova – unsere Lehererin (https://komiinform.ru/news/134488/)

Besonders schön finde ich die Lieder. Das Lied „Katschasinjas“  (zu Deutsch: Kamillen)  ist mein Lieblingslied, und ich singe es immer mit Gefühl, wenn ich irgendwo in der Natur bin. Hier könnt ihr das Lied hören:

Der bekannteste komi Dichter Ivan Kuratov hat die Komi Sprache in seinem Gedicht besungen – Komi Kyv, das heute als die Ode an die Komi Sprache gilt.

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Foto: Ivan Kratov – Komi Dichter (1839-1875)

Dank meinem Kollegen habe ich die deutsche Nachdichtung gefunden. Wer sie gemacht hat, ist leider nicht bekannt. Aber ich kann behaupten, dass die Nachdichtung die Stimmung des Gedichtes sehr gut widergibt. So viel Gefühl und Liebe gibt es in jedem Wort!

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%d1%81%d0%bb%d0%b0%d0%b9%d0%b42Die deutschen Leser haben bereits bemerkt, dass die Komi Sprache einen Buchstaben hat, der auch echt deutsch ist – ö. Der wird aber nicht so, wie im Deutschen gesprochen. Für das deutsche Ohr ist es etwas zwischen dem langen o und dem offenen langen ä (wie Mädchen). Der Buchstabe Ö hat in Syktyvkar, der Hauptstadt der Republik Komi, sein Denkmal.

img-20150506094457-195Foto: Das Ö-Denkmal (http://komi.ru/upload/iblock/53b/img-20150506094457-195.jpg)

Mein heutiger Beitrag wäre ohne allgemeine Informationen über die Komi Sprache und ihre Geschichte nicht vollständig. Die Information stammt aus dem Buch von Tatjana Schwitai „Die Komi ASSR“ (Syktyvkar, 1984). Zur Geschichte der Komi Sprache:

„Komi gehören zu den kleinen Völkern, die schon vor der Revolution eine Schriftsprache hatten. Sie entstand im 14. Jahrhundert, ihr Schöpfer ist Stefan Chrap, der später den Namen Stefan von Perm erhielt.

Das ursprüngliche Wohngebiet der Komi lag in der Gegend des Oberlaufes der Kama und der Wjatka, in dieser Gegend standen sie mit ihren nächsten Stammesverwandten, den Wotjaken, in Berührung. Dann begann die Abwanderung der Komi nach dem Norden. Nach den Angaben der russischen Geschichtsquellen findet man Komi im 11.Jahrhundert schon an der Wytschegda, gegen Ende des 14.Jahrhunderts in der Gegend der heutigen Stadt Kotlas (das Gebiet von Archangelsk).

Als Grundlage der komi Sprache wird die altpermjakische Sprache angesehen, deren Träger sich im ersten Jahrtausend v.u.Z. im europäischen Nordosten angesiedelt hatten, daher wohl auch der Name Stefan von Perm.

Die Christianisierung der Komi weist eigenartige Züge auf. Das Bekehrungswerk wurde von dem Bischof von Perm, Stefan dem Heiligen (um 1335-1396) geleitet, der russischen Herkunft war, aber der komi Sprache mächtig war. Durch sein kluges und tolerantes Verhalten und die Überzeugungskraft seiner mit Missionsbewusstsein erfüllten Persönlichkeit vermochte Stefan der Heilige den größten Teil der Bevölkerung des Gebietes für das Christentum zu gewinnen. er stellte für die komi Sprache ein besonderes Alphabet, das sogenannte „Abur“ oder „Anbur“ zusammen; das „Anbur“ gilt als nationale Schrift der Komi.„

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Foto: Das Anbur-Alphabet

sykt_anburFoto: Der Name von der Hauptstadt der Republik Komi wird in Anbur dargestellt (http://finugor.ru/sites/finugor.ru/files/imce/sykt_anbur.jpg)

Seit 17.-18.Jahrhundert haben die Komi das Alphabet, dass dem russischen entnommen wurde.

А а Б б В в Г г Д д Е е Ё ё
Ж ж З з И и І і Й й К к Л л
М м Н н О о Ӧ ӧ П п Р р С с
Т т У у Ф ф Х х Ц ц Ч ч Ш ш
Щ щ Ъ ъ Ы ы Ь ь Э э Ю ю Я я

Doch es gibt zwei Buchstaben, dass der komi Sprache ihre Besonderheit verleihen – i und ö. Im Kurs, wo ich Komi lerne, hat man uns gesagt, dass die Komi die Laute ф (f), х (ch), ц (ts) und ч (tsch) nicht haben. Sie werden in den russischen Entlehnungen durch andere Buchstaben und Laute ersetzt. Warum? Das ist auch sehr interessant. Unsere Lehrerin hat uns erklärt, dass es wahrscheinlich damit verbunden war, dass die Komi als Heiden vor diesen Lauten Angst hatten.

Heutzutage spricht man in der Republik Komi das Komi-Syrjänische Dialekt. Die weiteren sind – das Komi-Permjakische und das Ostpermjakische (Jazva-Dialekt). Das Komi-Syrjänische hat in der Republik weitere Dialekte. Wir erlernen aber die Hochsprache (Literatursprache).

Mein Sprachkurs dauert zwei Monate und kostet mir keine Kopeke, denn er wird jährlich von dem Ministerium für die Nationalpolitik der Republik Komi veranstaltet und erzielt damit die Popularisierung der komi Sprache unter der übrigen multinationalen Bevölkerung unserer Republik. Wir machen uns im Kurs nicht nur mit den Raffinessen der komi Sprache bekannt, sondern auch mit Sitten und Bräuchen des Volkes Komi. Und das ist für mich, wie ihr wisst, sehr interessant. Ich hoffe, dass ich doch Erfolg erziele.

Став бурсö тiянлы! – Alles Gute an alle!