Der Komi drittes Brot

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und das ist der Kohl! Das ist das letzte Gemüse auf dem Feld, was in der Komi geerntet wird. Der erste Schnee bedeckt den Boden und Kohlköpfe stecken noch im Gemüsebeet, bis sie ganz knackig werden. Sie schmecken dann vorzüglich im Salat oder in der Salzlacke gesäuert, wie die Komi es seit alters her nach einer bestimmten Technologie machen. Darüber könnt ihr in meinem früheren Beitrag lesen (Kohl essen, statt Kohl reden). Diesmal geht es über das Fest der Kohlernte Tschomyr, das ich im Oktober im naheliegenden Gebiet von Syktyvkar besucht habe. „Tschomyr“ bedeutet eigentlich aus der Sprache der Komi das Ende der Feldarbeiten und gilt hier als Erntedankfest. Ja, ich verstehe, dass ich ein bisschen spät mit dem Beitarg bin, aber die Eindrücke sind noch ganz frisch und bunt. Also los!

dsc_9441Foto: Ewgenij Kasakow

In der kleinen Dorfsiedlung Womyn im Gebiet Kortkeross ist dieses Fest eine lange Tradition, aber in diesem Jahr waren zum ersten Mal die Touristen dabei, das heiβt, 10 Stadtbewohner, die am Wochenende raus aus ihrer gewohnten Welt fliehen wollten. Für mich war es eine ausgezeichnete Sache, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Ich bin immer bereit neue Eindrücke zu bekommen, besonders, wenn es um Sitten und Bräuche der Region geht.

Früh am Morgen fuhren wir los. Etwa zwei Stunden Fahrt und wir waren an Ort und Stelle. Womyn ist ein kleines Dorf am Ufer der Wytschegda, das etwa 670 Bewohner zählt. Man hat auf uns gewartet, denn das ganze Programm sollte rechtzeitig beginnen und wir hatten noch ein paar Attraktionen vor dem richtigen Feiern. Das waren ein Besuch in der Dorfbeckärei, wo das Brot im russischen Ofen gebacken wird, ein Besuch beim Meister, der viele nützliche Sachen für den Bauernalltag aus Blech macht, und ein Besuch bei der Meisterin in ihrer kleinen Weberei, wo sie ganz tolle Teppichläufer aus alten T-Shirts zaubert.

Der Meister mit seinem Blecharsenal) hat für uns auch den Tisch gedeckt – Pfannkuchen aus Kohl, gesalzene Gurken, Wareniki mit Kartoffelfüllung, hausgeräucherter Hecht und eine Flasche scharfen Pfefferwodka – im Dorf versteht man was von der Gastfreundlichkeit! Nun den Wodka trinke ich am Morgen nicht))) (wie halt überhaupt), aber zu hausgeräuchertem Hecht konnte ich nicht nein sagen. Der zerging einfach auf der Zunge! Der Meister ist auch ein geschickter Fischer, wie fast alle Männer im Dorf. Auf einem Foto könnt ihr einen Plastikkorb mit Löchern sehen, das ist eine Fischfalle – „Schnauze“, so wird sie genannt.

Von auβen ist die Dorfbäckerei ein altes unansehnliches Gebäude, auch das Innere ist nicht so sehr modernisiert, nur ein paar Maschinen für Teigkneten. Alles andere ist so, wie vor vielen Jahren. Und das Brot! Ja, das Brot ist so knusprig, üppig und fluffig, dass man es einfach auf einen Sitz essen kann, was wir alle sofort gemacht haben. Ein frisch gebackenes Brotlaib wurde von uns barbarisch in Stücke zerrissen und sofort verschluckt (wir haben nicht einmal gefrühstückt). Ich habe später zwei „Brotziegel“ für eine Familienmahlzeit gekauft und sie waren noch im Laufe der Woche ganz frisch und weich. So schmeckt mir das Brot in der Stadt seit dieser Zeit nicht so lecker)

Von der Bäckerei machten wir uns auf den Weg zur Weberin, aber nicht zu Fuβ sondern in einem Pferdegespann. So konnten wir uns ein bisschen im Dorf umsehen. Die Werkstatt war ganz klein. Fast den ganzen Platz nahm der alte Webstuhl aus Holz ein, auf den ist die Meisterin besonders stolz, denn sie hat ihn von seiner Groβmutter geerbt. Die Meisterin arbeitet in ihrer Wekstatt seit dem ersten Tag des Frühlings bis zum letzten Tag des Herbstes, denn der Raum wird nicht geheizt. Und wenn man sich vorstellt, dass es im Sommer im Dorf genug Arbeit gibt, so wundert man sich über den Sommeralltag der Frau. Das Schiffchen gleitet flink und so entstehen einfache Motive, die für die Komi-Webkunst kennzeichnet sind. Solche Teppichläufer sind in der Stadt sehr gefragt, weil sie sehr originell sind und der Wohnung eine nationale Note verleihen. Auβerdem ist der Fuβboden im Winter dadurch nicht sehr kalt.

Als wir von unserer Dorfrundfahrt zurück waren, sahen wir auf dem Platz vor dem Dorfclub dampfende Samovare und Kochkessel.

Foto: Ihr fragt, wozu liegen Zapfen im Korb? Damit werden die Samoware geheizt. Das gibt dem Tee ein einzigartiges Aroma. In der frischen, kühlen Luft ist der Tee aus dem Samowar ein richtiger Seelenwärmer. Aber es gab auch die anderen Seelenwärmer)) So zum Beispiel, der Sur – ein süβliches und sehr leckeres (muss ich gestehen) Maischengetränk. Als Ausgangsprodukt gebrauchen die Komi Weizen oder Roggen, dann ist der Sur besonders berauschend. Ansonsten kann das Alkoholgehalt bis zu 10 % betragen. Also, die beste Laune wurde auf dem Fest angesagt.

Der Sur wurde einfach so aus einer groβen Flasche eingeschänkt. Die Form der Flasche ist allen Russen aus der sowjetischen Zeit bekannt. Darin wurde der Samogon aufbewahrt. Die Flasche stand auf dem Tisch, und jeder, der durstig war und eine rote Nase vor Kälte bekommen hatte, konnte ihn probieren und weiter laufen. Der Sur wird im industiellen Umfang nicht hergestellt, so kann man ihn nur im Privathaushalt probieren oder zu ganz besonderen festlichen Anlässen. Ich muss sagen, ich war ein Stammgast an diesem Tischchen))) Davon zeugt auch ein gemeinsames Foto mit einer sehr netten Frau.

dsc_9310Das Foto: Ewgenij Kasakow.

Wie man sagt „Krieg ist Krieg und das Mittagessen muss rechtzeitig kommen“))) Also wurden wir zu einer schlichten Mahlzeit eingeladen. Auf dem Foto sieht man, woraus sie bestand. Ucha (die Fischsuppe aus Hecht) wurde im Eimer auf dem Feuer gekocht. Kartoffeln wurden im Schmortopf im russischen Ofen gebacken. Dazu gab es noch frischen Kohlsalat, hausgesalzene Gurken (die waren besonders köstlich) und süβe Moltebeeren – eine wahre Delikatesse!

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Nach dem Essen begann die Feier! In Kesseln brodelte das Wasser mit Kohl.

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Auf der Bühne wurde getanzt, gesungen und gescherzt.

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Und danach wurden Reigen geführt und auf eine spielerische Weise wählte man Mannschaften aus Zuschauern. Wozu? Für eine „Kohlschlacht“!

Foto rechts unten: Ewgenij Kasakow.

Jeder hat ein Instrument bekommen und das andere nötige Zubehör. Ich war auch keine Ausnahme). Auf dem Foto seht ihr die Instrumente, mit welchen Kohl ganz fein zerhackt wird, in erster Linie für Einsäuern.

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Die Schlacht begann. Die Kohlköpfe wurden zu einem Salat hingerichtet))). Ich war sehr eifrig dabei.

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Auf der Slideshow könnt ihr die Kleinigkeiten sehen.

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Während die einigen frischen Kohlsalat zubereiteten, sorgten die anderen für eine warme Kohlmahlzeit. Den Kohl „löffelte“ man aus den Kesseln und servierte mit Pflanzenöl, Dill und Petersilie auf dem Plastiktellerchen.

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Auch für die fleiβige Fotografin wurde etwas abgefallen (bin ich richtig mit dem Ausdruck?)). Und es hat himmlisch geschmeckt!

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Auf dem Fest drehte sich alles um den Kohl – eine richtige Kohlästhetik!

Von viel Luft, Essen und Sur wurden wir, die Touristen, total begeistert. Aber das war nicht das Ende! Wir wurden in den Club zu einem Konzert eingeladen. Und die ganze Schar von angeheiterten Zuschauern strömte in den Club. Die Tische im Vorraum bogen sich unter den Produkten der hiesigen Farmer (wie sie in Russland genannt werden). Milch frisch von Kuh, Quark, Käse, Trinksahne, Butter – alles wurde in wenigen Minuten von uns gekauft. Der Preis überraschte – fast doppelt so wenig wie in der Stadt. Und für Bio-Produkte aus der Landwirtschaft wird in der Stadt ein Heidengeld gezahlt. So habe ich Käse, Quark und Trinksahne gekauft. An demselben Abend blieb davon zu Hause nichts übrig. Meine Männer haben tüchtig genascht). Ich habe mir die Trinksahne unter den Nagel gerissen))). Es war ein Hochgenuss, von Zeit zu Zeit die leckere Flüβigkeit aus dem Fläschchen einfach so zu schlürfen. Vergeblich suchte ich später in Bioläden den ähnlichen Geschmack.

SONY DSCFoto: Milch kaufbereit.

Der Zuschauerraum des Clubs war voll und das Konzert war super! Obwohl es meistens auf Komi gesprochen und gesungen wurde, war das russischsprachige Publikum sehr dankbar.

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Auf der Rückfahrt habe ich mir ernst überlegt, wir schön es wäre, im Dorf zu leben – frische Luft, Natur, Bio-Produkte und offene Menschen. Aber ehrlich gesagt, kostet diese Idylle auch manchem arbeitsamen Menschen viel Kräfte. Im Dorf gibt es heutzutage sehr wenig Arbeitsplätze und die Löhne sind niedrig. Ohne einen Bauernhof mit Nutztieren und Gemüsebeeten wäre das Leben im Dorf noch schwieriger. So haben fast alle einen kleinen Bauernhaushalt und haben dadurch noch etwas mehr zu essen. Umso mehr wundert man sich, wie diese Menschen feiern können! Ohne Umstände, in bescheidenen Volkstrachten freuen sie sich auf jede Gelegenheit, den monotonen, schweren Alltag bunt zu machen und die anderen mit ihrer Glückseligkeit anzustecken.

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Die Lapti aus Kohlblättern (eigentlich russische Schuhe aus Bast oder Birkenrinde) sind für mich auf diesem Fest das Symbol der russischen Lebensfreude und Aufgewecktheit.

Aus Komi mit Liebe!

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2019!

Meine lieben Leser,

alles Gute zum Neujahr! Ich wünsche euch ein erflogreiches und erignisvolles Jahr voll von neuen Eindrücken und Ideen! Und ein hübsches, fettes Schweinchen!!!

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„Schanga-Fest“ – wo sich am meisten der Magen freut!

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Für zwei Tage wurde der Ethnopark im Dorf Yb zum Mekka der finno-ugrischen Gastronomie. Hier trafen sich die Köche, die zu ihrem Schwerpunkt die nationalen Küchen der finno-ugrischen Welt machen. Die Gäste aus Finnland, Ungarn, Karelien, und Mari El verwöhnten die Festbesucher mit ihren Appetit erregenden Spezialitäten. Ich weiβ nicht, wie die anderen, ich habe mich auf das Festival auf nüchternen Magen begeben.

Fünf groβe Zelte luden die Besucher zu einer prächtigen Mahlzeit ein. Die erste Station meiner gastronomischen Tournee galt der finnischen Küche, denn hier zauberte der Chef-Koch Jyrki Tsutsunen (auf dem Foto).

SONY DSCEin sehr netter Mensch! Und was er zubereitet hat, war für den russishen Magen eine Exotik) Ich meine die Sauce aus Nesseln und Creme aus Nadeln (ich denke, ich habe bis jetzt noch den Geschmack des Tannenbaums in meinem Mund))) Aber es hat super geschmeckt!

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Auf dem Foto seht ihr die Sauce aus Nesseln. Die konnte man in einem Butterbrot probieren, das mit Renkefleisch belegt wurde. Die Renke ist ein fleischiger Fisch aus dem Norden der Republik Komi und ist sehr köstlich, besonders gesalzen (auf dem Foto unten).

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Die Spezialität von Jyrki war jedoch die Sahnesuppe aus Lachs. Aber 400 Rubel für das Tellerchen konnte ich mir leider nicht leisten. So habe ich nun das Butterbrot und eine Teigtasche mit Eiercreme probiert. Es war lecker! So sah meine bescheidene Mahlzeit aus))

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Ein bisschen später habe ich das finnische Zelt wieder besucht und diesmal mit dem Ziel den Preiselbeerenbrei mit Creme aus Nadeln zu probieren)

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Das ganze gastronomische Abenteuer mit neuen Genüssen erinnerte mich an etwas ganz gut Bekanntes. Ja! Das war der Geschmack der Natur, des Waldes! So schmeckt das Handvoll Preiselbeeren, die ich auf der Pilzjagd von Zeit zu Zeit sammle, um den Hunger im Wald etwas zu stillen. So riecht es am Ufer des Flusses, wenn wir während unserer Paddeltour etwas Nadelzweige ins Feuer legen, um die Mücken zu verjagen. Das ist der Geschmack der Heimat!

Als zweites besuchte ich das Komi-Zelt. Ich wollte nur einfach fotografieren, aber als ich dieses kulinarische Farbenspiel gesehen habe, lief mir das Wasser im Munde zusammen.

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Ja, die nationale Küche kann auch ästhetisch sein! Alles schlicht – Rentierfleisch, Pilze, Katroffel und Preiselbeeren, aber wie es aufgetischt wurde! Also ich habe mir Frikadellen aus Rentierfleisch auf dem Kartoffelfladen und Kartoffelsalat mit Pilzpotpourri bestellt.

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Als ich das Bestellte bekommen habe, erinnerte ich mich auf das Lied von Udo Lindenberg – „“0-Rhesus-Negativ“ – da verzog er sein Gesicht und meinte: „So’n Mist  ausgerechnet diese Sorte vertrag‘ ich nicht!“ Was war da im Glässchen? Sicher nicht das Blut – Preiselbeerensauce))

SONY DSCFoto: Kartoffelsalat mit Pilzen

Nach solch einer üppigen Mahlzeit viel es mir schon ziemlich schwer, die anderen Küchen kennen zu lernen))) So musste ich mich nur mit Fotos zufriedengeben. Dazu eine Galerie.

Im Park herrschte eine fröhliche Atmosphäre, nach dem Ptinzip – erst das Essen, dann das Spiel) Ich erinnerte mich sofort an den Spruch, den ich noch als Studentin gelernt habe – „Nach dem Essen sollst du ruh’n, oder tausend Schritte tun“. So habe ich beides gemacht!

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Eine Chill-out-Zone auf Komi-Art lud zum Verweilen ein. Schönes Wetter und gutes Essen – das ist das Rezept des perfekten Wochenendes. Nach einer kurzen Entspannung ging ich weiter auf die Foto-Safari durch den Park.

Das Fest dauerte zwei Tage und laut der Statistik wurde dort 150 L der fisnnischen Fischsuppe, 10 L Schwarzkohlsuppe, 30 kg von ungarischem Gulasch und 1300 Schangas gegessen. Und noch vieles mehr, was mir sehr schwer fällt aus dem Russischen ins Deutsche zu übersetzen)))

Rentiere sind schon weit weg in der Tundra… und der Sommer kommt und kommt nicht

Während mancher Europäer schon richtig die Sonne genieβt, frieren wir hier in Komi beim Schnee, Wind und Regen. Meine lieben Tulpen und Narzissen warten vergeblich auf die Sonne. Jeder Hobby-Gärtner klagt über die Unernte in diesem Jahr und hält den Boden pflanzenbereit. Aber… das liebe Wetter hat sein Spiel im Auge.

Ich habe meine Mutter angerufen, fröhlich mit ihr geplappert))) nun wie ist das Wetter, hab ich gefragt? – Frisch, es schneit, aber doch frisch))) – Es war am 4.Juni!

So denke ich, bin ich nicht spät mit dem zweiten Teil des Beitrags zum Rentierfest. Und meine Erinnerungen an das Fest sind noch frisch, wie halt das Wetter im Juni))))

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Nun waren die meisten Ereignisse des Festes vorbei und die Zuschauer haben endlich die Möglichkeit bekommen die Tiere zu streicheln. Besonders glücklich waren die Kinder, doch auch die Erwachsenen fanden den gröβten Spaβ, dem Tier sein Fellchen hinter den Ohren zu streichen.

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Ich war auch keine Ausnahme!

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Panem et circenses! Brot und Zirkusspiele! Ja, wir haben genug gesehen, nun meldete sich der Hunger. Die Gastronomie des Festes war gerade nicht variativ, aber sehr lecker – Rentierfleisch als Snacks geräuchert oder als Schaschlyk gegrillt. Die Snacks zum Bier sind Spezialitäten aus Inta und Vorkuta. Doch Bier trinkt man beim Frost nicht)) Das kaufen die Gäste des Festes eher als Souvenirs.

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Doch Schaschlyck war super! Obwohl das Fleisch selbst für solche Gerichte normalerweise nich geeignet ist, weil es fettarm ist. Man hat uns erklärt, dass das Fleisch zuerst geschmort wurde und dann schon gegrillt.

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Mit schwarzem Brot schmeckte das Fleisch himmlisch! Und eine Tasse herzhafter Brühe machte uns wieder munter. Die Brühe bekam man einfach aus der Teekanne) Natürlich konnte man auch Tee oder Kaffee kaufen, aber die Brühe was das Richtige für das Moment, um die Seele von innen zu wärmen!

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Aus Inta habe ich leckere Souvenirs auch mitgebracht: vor allem rohes Fleisch, denn in Syktyvkar kann man diese Köstlichkeit nicht kaufen (ich meine frisch nach dem Schlachten). Hier kann man nur Wurst und Snacks bekommen und für höhere Preise. Die Fotos zeigen das leckere Angebot.

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Genug gesättigt machten wir uns auf den Weg zu Abenteuern) Die Zuschauer konnten für 100 Rubel eine Runde auf den Rentierschlitten machen. Wir waren auch dabei.

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Nach allen Ereignissen des wunderschönen Tages war unsere kleine Gesellschaft ziemlich müde, noch ein gemeinsames Foto und wir gingen nach Hause.

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Wie schön wäre ein Heimfahrt so wie auf dem Foto!!! Aber wir gingen zu Fuβ auf den Wegen, wo im Sommer nur Fluss und Sumpf liegen. Und wir sprachen über das Leben, wie es den Frauen interessant sein kann.

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Zu Hause fiel ich auf das Sofa, meine Wangen glühten vor Frost, Sonne und Wind und mein Herz bebte vor Freude. Doch ich musste wieder nach Syktyvkar und meine Mutter war etwas traurig…

Als Erinnerung an diese Zeit hängt nun an der Wand ein Andenken – ein Stück Horn, und das gibt Hoffnung auf neue Eindrücke und Erlebnisse!

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Frohe Ostern!

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Meine lieben Leser!

Ich schicke euch die schoensten Ostergrüsse aus der Republik Komi. Wir haben hier noch Schnee, aber es sieht schon nach dem Frühling! Ich wünsche euch allen ein besinnliches Fest und die beste Frühlingslaune!

Dieses Ei in der Technik der Mesener Malerei habe ich selbst bei einem Workshop im Museum gemacht.

Auf den Pfoten des Rentiers kommt der Frühling

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Das Fest des Rentierzüchters stand schon immer auf meiner Event-Top-Liste, aber bisher hatte ich keine solche Gelegenheit genutzt. Denn in diesem Fall müsste ich nach Inta im Frühling fahren, und das ist noch Uni-Zeit. Ja, ich habe ein paar Beiträge zu diesem Thema, aber da fehlen meine eigenen Eindrücke und Erlebnisse. In diesem Jahr strahlten die Glückssterne über mir – kein Unterricht und dazu noch eine Prämie von der Uni)) Das war das schönste Wochenende in diesem Jahr!

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Damit ihr versteht, dass es eine wirklich aufwendige Tour ist, muss ich sagen – ich brauchte etwa 12 Stunden mit dem Zug hin und zurück – also 24 Stunden mit dem Zug unterwegs. Zum Glück sind die Zugverbindungen günstig und ich habe in meiner Stadt den Samstag und Sonntag verbracht. Meine Mutter war natürlich sehr froh, meine Schullehrerin (jetzt meine gute Freundin) auch.

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Das Fest findet einmal in zwei Jahren statt und das war schon das 15-te. Doch ich war niemals dabei, obwohl ich in Inta aufgewachsen bin. Zur Sowjetzeit hatten wir keine solchen Feste gehabt, und auch kein Rentierfleisch gegessen, denn es wurde exportiert – wie man sagt – der Schuster hat die schlechtesten Schuhe. Die Traditionen wurden erst nach der Wendezeit in Russland wiederaufgelebt. Und nun ist das Fest zu einem unvergesslichen Ereignis geworden – im hohen Norden gibt es leider nicht sehr viele Feste!

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Ich bereitete mich auf diese Reise tüchtig vor – nur die wärmsten Sachen, denn laut dem Wetterbericht sollte mich eine richtige Kälte erwarten – -30! Brrr! Das war für mich aber kein Hindernis. Am Tage meiner Anreise schien in Inta die Sonne und der Frost war dadurch fast nicht zu spüren. Ich erholte mich ein bisschen zu Hause und wir gingen mit meiner Mutter durch die Stadt bummeln, was wir schon eine Ewigkeit nicht gemacht haben.

Eine Tour durch die Läden – und nun kamen wir zum Wahrzeichen der Stadt – dem Wasserturm. Er wurde nach dem Entwurf von dem schwedischen Architekten Arthur Tamvelius errichtet und sollte an die Türme vom Kreml erinnern. So eine Schicksalsironie! Wie kam der Architekt nach Inta? Wie viele Menschen der Stalin-Epoche – als politisch Gefangener.

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Heute beherbergt das erhabene Bauwerk im Stil der Gotik das Museum der GULAG-Geschichte in Inta und erzählt über die traurige Entstehungsgeschichte der Stadt. Nun, darüber schreibe ich noch.

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Ich war noch niemals im Inneren des Turmes und es war für mich sehr interessant. Doch mein Ziel war das Fest. Es findet tradionell im März im Vorort der Stadt, neben dem Flugahfen und es liegt ziemlich weit von der Stadt, fast in der Waldtundra auf einem  für alle Winde offenen Platz. So musste ich mich richtig warm anziehen. Bei uns scherzt man oft über eine Person, die sehr warm angezogen ist und sagt dabei: „Willst du mal zum Nordpol?“ Ja, in meinem Fall war es ganz ernst – denn sicher sei eben sicher – zwei Pullover, eine lange Daunenjacke, eine Daunenhose und natürlich die Pimy als Fuβbekliedung – ein passendes Outfit! Die Pimy wurden fast von allen hier getragen.

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Was wäre meine Ausrüstung ohne Fotokamera! Ich habe meine zwei Battierien voll geladen, aber trotzdem war ich unsicher, wie das alles auf dem Frost funktioniert. Als meine Kamera fast „leer“ zeigte, wechselte ich die Battierie und steckte sie in meine Handschuhe. So luden sie sich ein bisschen von der Wärme meiner Haut))) Das habe ich mehrmals gemacht, bis ich beide Batterien und meine Flashkarte kaputt fotografiert habe))) Doch das Wetter war herrlich, wie bestellt! Die Sonne war blendend und ich meine, ich habe ein paar Sommersprossen bekommen. „Windstill“ – hat der Mann meiner Schullehrerin gesagt – und er ist Flughafendirektor))) Es schien, die ganze Stadt versammelte sich hier und es war vielleicht warm vom gesamten Hauchen der Menschen und Rentieren, von der fröhlichen Atmosphäre und Vorfreude auf das Ereignis!

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Das Fest wurde eröffnet und das Treiben begann.

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Alle warteten natürlich auf das Rentierschlittenrennen. Rentierschlittenführer warteten mit Ungeduld auf das Wettbewerb, die Zuschauer auch, und nur die Rentiere waren ganz ruhig. Diesmal sollte der Gewinner 100.000 Rubel bekommen.

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Das Rennen ist immer das spektakulärste Ereignis des Festes. Ich wollte alles fotografieren und wählte einen der besten Plätze aus. Als ich mir dann zu Hause die Fotos ansah, war ich sehr froh – ich hatte tolle Fotos gemacht. Auf manchen Fotos sieht man, wie die Tiere komisch ihre Zungen ausstrecken. Das zeugte davon, dass sie müde waren. Aber es war so lustig!

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Die Rentiere an sich sind keine Renntiere, und manchmal waren sie ganz eigensinnig und wählten ihre eigene Route))) Dann hatte der Kajur Pech (Kajur heiβt Schlittenführer).

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Hier gibt es mehr Fotos:

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Der richtige Kajur muss so aussehen: Er hat eine Maliza, einen Gürtel mit Messern und Toboki – hüftenhohe Fuβbekliedung. So ist man in der Tundra gegen jeden Wind und Frost gesichert!

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Die Kajurs sind ganz modisch – weit in der Tundra doch nicht ohne Ästhetik! Ich wunderte mich sehr über das Design von Toboki – eine richtige Modenschau!  In der öden Tundra fehlen die Farben, dadurch erklärt man, dass die Kleidung der Rentierzüchter farbenreich ist.

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Die Kleidung aus Rentierfell wird in der Tundra von Jung und Alt getragen. Das Rentier gibt dem Menschen alles, was er braucht.

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Besonders süβ waren die Kinder.

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Ich konnte natürlich die Gelegenheit nicht verpassen und kleidete mich auch))) Schade, dass wir heutzutage sehr von der Mode abhängen! Die Tundra-Menschen kennen den Umstand – wenn es richtig kalt ist, rettet die Kleidung das Leben.

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In der Maliza hat man das Gefühl der Geborgenheit und es ist wirklich sehr warm!

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Die Fortsetzung folgt… Zu viele Eindrücke für einen Beitrag!

 

 

 

Zu Gast bei Väterchen Frost. Die Residenz

Es hat etwas Zeit gedauert, bis ich mich an den zweiten Teil gemacht habe. Ja, die Ferien sind vorbei und die Arbeit nahm mich wieder ganz in Anspruch. Aber meine Erinnerungen an unsere kleine Reise sind noch ganz frisch! Und nun ist der zweite Teil unseres winterlichen Abenteuers. Also, los!

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Am Morgen standen wir sehr früh auf, um rechtzeitig zu sein, denn so hatten wir die Chancen in ganzer Ruhe alles zu beobachten, bevor andere „Langschläfer“ strömen) Und wir waren fast die ersten! Wir haben die Eintrittskarten gekauft und die Tore der Residenz haben sich für uns geöffnet. Was muss ich über die Preise sagen – die beißen (wie die Russen sagen). Horrend sind sie nicht natürlich, aber die Familie mit einem Kind muss für das Wintervergnügen über 3 000 Rubel ausgeben. Aber was muss das Geld im Vergleich mit den strahlenden Kinderaugen! Und die Eltern greifen tief in die Geldtasche) Wo diese Tiefe liegt, ist aber bei allen Geldbeuteln verschieden))) Außerdem sind die Eintrittskarten für den ganzen Tag gültig, und man darf am Tage mehrmals ein und aus.

SONY DSCFoto: Das Terem von Opa Frost

Das Angebot ist nicht pauschal. Der Preis hängt auch davon ab, welche Attraktionen man wählt. Man muss auch etwas extra in der Residenz bezahlen. Wir haben das Terem, die Post und den Zoo gewählt. Man sagte uns, das gehöre zum Muss hier. So waren wir fast die ersten Besucher.

Unsere Erkundung begann mit dem Märchenpfad – einer Attraktion für die Kinder. Hier warteten auf sie verschiedene Märechenfiguren live und gaben den Kindern „die schwersten Aufgaben“. Der Weg zum Opa Frost sei verzaubert!

Die erste Gestalt war die Baba Jaga. Sogar die Erwachsenen haben eine Gänsehaut bekommen und wurden für ein unanständiges Benehmen bestraft))) Die hat sehr gut gespielt!

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Die weiteren Stationen bereiteten den Kindern das Treffen mit dem Bären, dem Schneemann, dem Füchslein, dem Igel, dem Kater und den zwölf Monaten (von denen gab es eigentlich nur drei). Auch den Erwachsenen hat das ganze fröhlich lärmende „Spektakel“ Spaß gemacht!

rej98udtXD8Foto: bei dem Füchslein zu Hause

Der Kater-Bajun saß auf dem Baum und machte mit den Kindern Musik. In russischen Märchen bezitzt er eine magische Kraft – er singt so süß, dass die Menschen einschlafen und in Gefahr geraten. Wir aber waren immer auf der Hut!)))

mGoedkqFjh4Foto: alle singen mit dem Kater-Bajun

Mir haben am meisten die drei Monate gefallen. Sie hatten so schicke Kaftane, und es war so gemütlich warm bei ihnen. Im Märchen „Zwölf Monate“ helfen die Brüder-Monate einem armen Mädchen im Dezember im Wald Schneeglöckchen zu finden. Die böse Stiefmutter hat sie mit diesem Befehl beim Schneesturm in den Wald geschickt. Die Brüder ließen das Mädchen sich am Feuer wärmen und der April zeigte ihr die Stelle mit den Blumen. Wir waren auch willkommen!

SONY DSCFoto: Dezember, Januar und Februar heißen alle willkommen

Die nächste Attraktion war der Besuch des Terems. Wir dachten, hier wartet auf uns Opa Frost, aber … Na gut, wir hatten eine Exursion durch die Zimmer und haben sehr viel gesehen: Schatzkammer, Schalfzimmer, Arbeitszimmer, Chemielabor, Bibliothek, Garderobe usw., aber keine Spur von Opa Frost))) Das war eine Entäuschung! Sogar Geschenke für die Kinder (die, nebenbei gesagt, die Eltern im Voraus besorgt haben und für diese feierliche Ausgabe noch bezahlt haben) wurden im Namen vin Opa Frost von seinen Gehilfen verteilt.

1-wu_k9uMPsFoto: Das Bett von Opa Frost

dbodWHPmlXAFoto: Chemielabor. Hier macht er Schneeflocken

xlWObEHI1VIFoto: Die Garderobe

Doch die Kinder waren glücklich, denn sie haben ein Geschenk von Opa Frost bekommen, dazu noch eine Urkunde zum Besuch in der Residenz. Unser Wladik wunderte sich sehr, woher habe Opa Frost erfahren, dass er sich einen Roboter gewünscht hat!

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Später stellte es sich heraus, dass Opa Frost seine Gäste auf seinem Postamt empfängt. Man muss sich nur auf die bestimmte Zeit anmelden lassen. So hatten wir noch Zeit und begaben uns in den Zoo. Eigentlich mag ich Zoos nicht, weil es mir immer schade ist, die Tiere hinter den Gittern zu beobachten, besonders Raubtiere. Ich erinnere mich an einen Löwen im Zoo in Odessa, der so laut und entsetzlich stöhnte, dass ich beschlossen habe – nie mehr in den Zoo! So ist es bei mir auch bei den Zirkussen.

Doch für die Kinder ist es eine Möglichkeit, exotische Tiere zu beobachten. Und so musste ich mich damit abfinden und schloss mich den anderen an. Was ich gesehen habe, hat mich angenehm überrascht. Obwohl die Tiere nicht im Freien leben, werden sie sehr gut gepflegt (hier verstand ich, warum die Preise sehr hoch sind). Alle leben in Gehegen hinter Gittern, doch sie alle sind sehr geräumig und jedes Tier hat sehr viel Platz. Hier darf man die Tiere füttern (außer Raubtiere) und das macht auch den Erwachsenen Spaß. Wisst ihr, welche Tiere hier sehr viele gibt? Natürlich Rentiere! Das ist für uns Nordmenschen keine Überraschung. Anders ist es bei Exotik. Der Tiger hat mich besonders beeindruckt. Er bewegte sich zo graziös, als ob er verstände, dass er fotografiert wird. Er posierte!

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Wir haben hier Elche, Hirsche, Jaks, Kamele und andere Tiere gesehen. Am lüstigsten war das Alpaka. Wir warfen ihm Karotten und es lief wie ein Hund im Gehege herum, um den Snack im Schnee zu finden.

2Iv5g-aJ5rwFoto: Elche kennen wir sehr gut!

HqS8bcfcQP8Foto: Wladik füttert das Kamel (und hat Angst, dass das Kamel spuckt))))

Die Zeit im Zoo verging schnell und alle warteten schon ungeduldig auf das Treffen mit Opa Frost. Die Kinder besprachen, welche Gedichte sie dem Opa Frost vortragen werden. Und nun waren wir nah am Ziel! Zuerst in einem halbdunklen Raum – alo im Wartezimmer))) Das war sehr aufregend sogar für die Erwachsenen! Ich habe mich auf dem Gedanken ertappt, dass ich mit einem ehrfürchtigen Gefühl wie ein Kind da stand. Das ist vielleicht deswegen, dass mich Opa Frost in meiner Kindheit noch niemals zu Hause mit einem Geschenk besucht hat.

Endlich öffneten sich die Türen und die Gruppe tritt in einen großen Raum, wo Opa Frost erhaben auf seinem Thron saß.

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Opa Frost hat alle begrüßt. Sein Gehilfe erklärte höflich – keine Gedichte, keine Lieder, nur Familienfotos! Das war die zweite Enttäuschung! Na, was zu machen… Wir haben unser Familienfoto bekommen und gingen draußen.

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Das war schon Mittagszeit und wir mussten uns auf den Weg nach Hause machen. Im Park machten wir noch einige Fotos.

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Die Gefühle nach unserem Aufenthalt in der Residenz waren ganz wiedersprüchlig. Aber wir waren hier wegen unsere Kinder, für die das Ganze ein großes Ereignis sein schien. Sie waren glücklich – und das war unser Ziel!

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