Monatsarchiv: Juli 2012

Auf der Jagd nach Heidelbeeren

Ende Juli beginnt in Komi die Heidelbeerenernte. Süβe saftige Beeren zählen zu den beliebtesten Beerensorten der Bevölkerung, die die Komi-Taiga „Parma“ liefert.

Heidelbeerenpflücken fordert Geduld und Ausdauer. Nicht der Prozess selbst, sondern Stechmücken bereiten dem stillen Jäger einpaar Stunden Plage vor. Repellentien können nur für eine kurze Zeit helfen, so ist die Ernte doppelt so teuer) und kostet manchem sogar Blut))).

Die Heidelbeerensaison bietet der Dorfbevölkerung eine gute Möglichkeit an, Geld zu verdienen. Einige verkaufen die Beeren einfach auf den Autostraβen. Sie pflücken sie am frühen Morgen und gegen Mittagszeit sind sie frisch aus dem Wald mit einpaar Eimern. Die vorbeifahrenden Kunden halten an und interessieren sich für den Preis, manchmal handeln sie auch.

Fast in jedem „Ernterevier“ gibt es auch zahlreiche Aufkaufstellen. Private Unternehmer kaufen Pilze und Beeren in groβen Mengen. Manchmal bringt das Geschäft einen guten Gewinn.

In diesem Sommer ist die Ernte reich. Eimerweise gelangen die Heidelbeeren auf den Tisch. Einige machen daraus leckere Konfitüre, die anderen bewahren sie im Gefrierfach für den langen Winter. Ich mag sie roh mit Milch, Kefir oder Joghurt, dazu noch Zucker – eine wahre Köstlichkeit – schmeckt vorzüglich!

Ich nenne manchmal meinen kleinsten Sohn „meine süβe Heidelbeere“, weil die Farbe seiner Augen heidelbeerenähnlich ist.

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Die Traditionen der Rentierhaltung im Rayon Inta

Auf den Spuren des „gängigen Rentiers“

Das Fest der Rentierzüchter wird im Rayon Inta einmal in zwei Jahren am Tag der Frühlings-Tagundnachtgleiche gefeiert. Das Fest heißt „Teryb Kor“, was aus der Sprache der Komi „das gängige Rentier“ bedeutet. Das Fest wird hier seit 15 Jahren gefeiert und wird mit jedem Jahr populär. Auf solche Weise hat die Stadtbevölkerung eine gute Möglichkeit, den Fest- und Alltag der Rentierzüchter kennen zu lernen.

Was gibt’s Interessantes? Foto: Natalja Tarantina

Foto: Natalja Tarantina

Auf dem Programm des Festes stehen vier Aktivitäten: Wettrennen in Drei- oder Vierrentiergespann, Springen über Rentierschlitten (Narty), Tynsej (Lasso)- und Axt-Werfen.

Wettrennen. Foto: Natalja Tarantina

Eine Neuerung des Festes – Wettbewerb der Tschumhausfrauen (russisch: Tschumrabotnitza). Sie zeigen ihr Geschick, den Haushalt zu führen und nationale Gerichte der Komi-Küche zuzubereiten. Außerdem präsentieren sie in einem improvisierten Modenschau die nationale Tracht der Rentierzüchter – Maliza.

Die männliche Maliza. Foto: Natalja Tarantina

Die Bühne wird dabei mit Rentierfell bedeckt.

Der begehrte Preis im Wettrennen. Foto: Natalja Tarantina

Im Jahre 2010 feierte man das Fest im Dorf Petrun’. Das ist das älteste Dorf (1871) im Rayon Inta, das auf dem alten Opferplatz der nenzischen Rentierzüchter gegründet wurde. Sie begangen hier ihre Opferritualien und beteten ihre Götzen (Idolen) an. Mit der Zeit wurde Petrun’ zum Handelszentrum der Rentierzüchter, denn hier kreuzten sich ihre Wanderwege.

Die Rentierhaltung ist für die hiesige Bevölkerung von großer Bedeutung. Das Rentier gibt Essen, Kleidung, sogar Arznei. Sein Fell hilft den Menschen die langen rauen Winter zu überstehen und bestimmt die Hauptmotive der Handwerkkunst: Erzeugnisse aus Rentierfell und Sämischleder, Rohhautriemenflechten, Beinschnitzerei. Außer traditionellen Aktivitäten gehört auch die Handwerkmesse zu den beliebtesten Attraktionen des Festes.

Die Frauen beteiligen sich auch am Wetterennen und stehen den Männern in Geschicklichkeit nicht nach. Sie haben das Lenken der Rentierschlitten fest im Griff.

Tjukawkina Nadeshda hat im Wettrennen gewonnen. Foto: Wassilij Korjakin

Ihre Hauptbeschäftigung bleibt jedoch der Haushalt. Doch statt im Haus müssen sie im Tschum „zaubern“. Und das wird auch gezeigt und von der Jury geschätzt.

Mahlzeit im Tschum. Foto: Wassilij Korjakin

Was die traditionellen Speisen angeht, so werden natürlich Gerichte aus Fleisch der Rentiers zubereitet. Das Rentierfleisch gilt als feinfaserig, zart und fettarm und ist deshalb sehr gesund. Akulina Artejewa, eine Hausfrau aus dem Dorf Petrun’, bereitet Rentier-Braten nach einem alten Rezept:

Rentierfleisch, gewürfelt, 3 dlWasser, 1 EL Zucker, ¼ TL Thymian, getrocknet, ein halbes Glas Bier, 1 Lorbeerblatt, 6 Möhren, gewürfelt, 6 Pastinaken, gewürfelt, Pflanzenöl.

Rentierfleisch im Backblech mit Pflanzenöl anbraten. Wasser, Thymian, Zucker und Bier verrühren, Lorbeerblatt dazugeben und Fleisch mit dieser Masse auffüllen. Anderthalb Stunde bräteln. Danach Möhren und Pastinaken dazugeben und noch 20 Minuten bräteln.

Guten Appetit!

Quelle: http://www.adminta.ru/index.php/media/news/894-2010-03-17-18-31-44

Die Traditionen der Rentierhaltung im Rayon Ishma

Ishma hat in der Republik Komi die längste Rentierzucht-Tradition. Ende des 17. Jahrhunderts übernahmen die Ishemzy die Rentierzucht bei europäischen Nenzen, die damals in der Bol’schesemelskaja Tundra genug Weideplatz auch für ihre Nachbarn hatten. Das brachte Veränderungen in die Lebensweise der Ishma-Komi. Der Tschum, die Kleidung aus Rentierfell, das ganze Zubehör der Rentierhaltung wurden zu den neuen Realien des Alltags. Auch die Sprache hatte sich durch mehr als hundert nenzische Wörter bereichert.

Seit dieser Zeit bestimmt die Rentierzucht saisongebunden das Leben vieler Ihsemzen. Anfang März begeben sich die Herden auf eine lange Route zu ihren Weidenplätzen in der Tundra. Nach dem Kalben beginnt der lange Weg durch die Tundra zum festen Weideplatz, wo die Nomaden endlich sesshaft werden.  Im Sommer sind die Rentierzüchter nur mit dem Hubschrauber auf ihren Sommerweiden zu erreichen. Die Herden halten am Ufer der Karasee und die Nomaden führen das archaische Leben ihrer  und Vorväter. Sie haben nur das Notwendigste mit. Die Herde, die Schlitten, die Zelte und der wenige Hausrat, das ist ihr ganzer Besitz. Die Rentiere liefern ihnen alles, was sie zum Leben benötigen – das Fleisch, das sie essen, Felle für Decken und Winterkleidung. Ethnourlaub in seiner besten Form.

Foto: Alla Ryshenko

Anfang September kehren die Herden zurück. Seit dem November fängt Wintern an, das in Wäldern oder in der Waldtundra aber in der Nähe der Dörfer organisiert ist.

Ishma ist am besten im Winter zu erkunden, wenn die Tschums der Rentierzüchter in ihrem Winterquartier stehen. In der Taiga gibt es Moos (Rentierflechte), das die Rentiere im Winter fressen. Auch die Nomaden  haben nach den Monaten des Umherziehens eine regelmäßige Lebensweise.

Die Touristen, die sich zu einer Wintertour nach Ishma entschlossen haben, haben eine gute Möglichkeit, Alltag und Traditionen der Rentierzüchter hautnah zu erleben. Das Fest der Rentierzüchter muss dann auf dem Programm des Ethnotouristen stehen. Hier macht man sich mit solchen traditionellen Aktivitäten bekannt wie Springen über Renntierschlitten (Narty), Tynsej(Lasso)- und Axt-Werfen. Besonders spektakulär sind Wettrennen in Drei- oder Vierrentiergespann. Nur hier sind sie als Sportarten anerkannt.

Die Ishemzen haben eine reiche Handwerkkunstpalette. Besonders verbreitet sind Erzeugnisse aus Rentierfell. Malizy und Parki gehören zu der traditionellen Kleidung der Rentierzüchter und schützen sie während des Tundra-Aufmarsches vor Wind und Schneegestöber. Als Exponate können sie jedes ethnographische Museum schmücken. Die Touristen können hier Pimy kaufen. Diese hohen Schuhe aus Rentierfell mit bunten geometrischen Volkskunstornamenten sind auch unter Stadtbewohnern sehr populär, denn sie sind die wärmsten Winterschuhe schlechthin. Außer Kleidung werden noch Patchwork und Spielzeug aus Rentierfell und Rentierhaut (Sämischleder) hergestellt.

Stroganina

Stroganina (nenzisch: Aibartsch) ist eine Zukost aus feingefrorenem Rentierfleisch – die eigenartige Spezialität der Rentierzüchter im Norden der Republik. Stroganina wird in dünnen Stäbchen geschnitten, aber in kleinen Portionen, um die vorzeitige Entfrostung zu vermeiden. Es wird roheingefroren aufgetragen. Für die Verstärkung des Geschmacks dieser Speise muss man sie in die besondere Masse eintunken – Mackanina – die sogenannte Marinade aus Salz und schwarzem Pfeffer.